29. Juni 2026

„Informatik ist auch Frauensache!“

Sie arbeitet in der Fakultät für Mathematik und Naturwissenschaften an der Bergischen Universität und engagiert sich seit ein paar Jahren für mehr Geschlechtergerechtigkeit in der Informatik: Denise Schmitz, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Team der Arbeitsgruppe Didaktik der Informatik beschreibt die klischeehafte Vorstellung des Softwareentwicklers so: „Informatik ist ein Männerberuf und die sitzen alle im Keller, essen Pizza und trinken Cola.“ Ein spannendes Thema, das Autor Uwe Blass in der beliebten, lehrreichen Uni-Reihe "Transfergeschichten" aufgreift.

Denise Schmitz, Fakultät für Mathematik und Naturwissenschaften an der Bergischen Universität – © UniService Third Mission

Diese Vorstellung habe sich gesellschaftlich tief eingegraben, so dass es besonders schwierig sei, gegen solche Stereotype anzukommen. „Man muss nur einmal einen Blick in die Informatikvorlesungen hier in der Uni werfen“, sagt die Fachfrau, „da sind wir deutlich unter 50 Prozent Studentinnen.“ Und das setze sich in den höheren Semestern weiter fort, weniger Frauen beenden das Studium und man sehe sie dementsprechend auch wenig in Führungspositionen.

Zwar gebe es auch weibliche Vorbilder, Schmitz nennt die Pionierin Ada Lovelace (1815 – 1852) oder die amerikanische Informatikerin Grace Hopper (1906 – 1992) und verweist auf den Kinofilm ‚Hidden Figures‘ (deutscher Titel: Unbekannte Heldinnen) von 2016, doch in der Regel entschieden sich junge Mädchen nach der Schule selten für eine Ausbildung oder ein Studium im Bereich der Informatik. „Es gibt eine Arbeitskultur in der Informatik, in der man sich als Frau sehr durchsetzen muss, und da hat nicht jede Frau Lust drauf“, sagt die Wissenschaftlerin. Strukturelle Hürden, wie ungleiche Bezahlung und mangelnde Beförderungschancen erschwerten zusätzlich die Entscheidungsfreudigkeit. „Und dann haben wir immer noch das Problem der Vereinbarkeit von Beruf und Familie.“

© Bergische Universität

Gerade in der schnellfortschreitenden digitalen Welt kann so fehlende Geschlechtergerechtigkeit auch fatale Folgen mit sich bringen. Dazu Schmitz: „Dadurch, dass wir so wenig Frauen in der Informatik haben, ist die Diversität geringer. Produkte, die nachher herauskommen, z. B. KI, sind sehr auf eine Gruppe ausgerichtet.“

Bewerbung für Fachgruppenpreis bei Gesellschaft für Informatik war Initialzündung

Mit ihrer eigenen Masterthesis bewarb sich Schmitz, animiert durch Ihre betreuenden Dozierenden, auf den alle zwei Jahre ausgelobten Preis der Fachgruppe Frauen und Informatik (Women Informatics Thesis Award) der Gesellschaft für Informatik e.V. „Ich habe zwar den Preis nicht bekommen, aber ich wurde zur Jahrestagung eingeladen. Die Hürde da hinzugehen war damals gering, denn in der Coronazeit konnte ich bequem online von Zuhause teilnehmen.“

Ein Portrait von Ada Lovelace aus dem Jahr 1838 – © gemeinfrei

Später reiste sie dann zu Präsenzveranstaltungen zunächst als Gast nach Naumburg/Saale, doch schon ein Jahr später übernahm sie bei einer weiteren Tagung in Berlin erste Aufgaben in der Öffentlichkeitsarbeit, weil auch jüngere Zielgruppen angesprochen werden sollten. Danach ging es rasend schnell weiter. „Ich habe jetzt den Hut auf im Team für Öffentlichkeitsarbeit u.a. für LinkedIn-Beiträge. Wir reposten Texte unserer Fachgruppenmitglieder, wir schreiben Infos zu Veranstaltungen, und die Aufgaben für den Preis, den ich damals nicht bekommen habe, organisiere ich nun mit Hilfe meiner Vorgängerin. Da kümmere ich mich um die Einreichungen und den Gutachtungsprozess.“ Schmitz baut mittlerweile auch eine Regionalgruppe NRW auf und schreibt Texte für das einmal im Jahr erscheinende Fachgruppenmagazin. Im April wurde sie ein zweites Mal ins Leitungsgremium gewählt.

Vernetzung mit Frauen aus Wirtschaft und Wissenschaft

Ein wesentliches Ziel der Fachgruppe ‚Frauen und Informatik‘, in der sich Schmitz engagiert, ist die Vernetzung, wodurch sie mit Frauen aus Wissenschaft und Wirtschaft zusammenkommt. Und das ist wichtig, denn eigene Erfahrungen konnte die junge Wissenschaftlerin bisher nur im Bildungsbereich machen. Nach Schule, Uni und Referendariat kommt Schmitz durch den Verein nun mit vielen Frauen aus der Wirtschaft in Kontakt, weiblichen Führungskräften, Firmenleiterinnen und Selbständigen, so dass sie bei Fragen von Schülerinnen und Schülern zum Tätigkeitsbereich von Informatikerinnen und Informatikern nun auch konkrete Beispiele aus der Geschäftswelt nennen kann.

Forschung an informatischer Bildung

Schmitz` Fachgruppe ‚Frauen und Informatik‘ veranstaltet jährlich eine Tagung zu einem Thema der Informatik mit rein weiblichen Speakerinnen. Die Ergebnisse daraus nutzt Sie auch für ihre eigene Forschung und erklärt: „Ich beforsche die informatische Bildung für alle Lehrkräfte, und das mache ich, indem ich mir anschaue, welche Auswirkungen Fortbildungen auf Lehrkräfte haben. Diese Fortbildungen, die ich untersuche, sind in einem Projekt mit dem Namen ‚ComeIn‘ (Communities of Practice NRW für eine Innovative Lehrerbildung, Anm. d. Red.) NRW-weit entwickelt worden. Ich wollte da gerne etwas zum Thema IT-Security machen und habe ein Modul mit dem Titel ´Spam von der Schulleitung` erstellt mit dem Untertitel ‚Digitale Selbstverteidigung‘.“

Grace Hopper, US-amerikanische Informatikerin und Computerpionierin, an der Tastatur des Univac, ca. 1960 – © CC BY 2.0

Thematisch hatte Sie sich bereits auf vorangegangenen Tagungen der Gesellschaft für Informatik mit den Themen Cybersecurity sowie Digitale Souveränität auseinandergesetzt und sie als enormen Impuls für ihr eigenes Modul gesehen.

Ehrenamt ist punktuell intensiv

Denise Schmitz engagiert sich im Verein ehrenamtlich. Aber wie aufwändig ist diese ehrenamtliche Arbeit? „Das hängt mit der Jahreszeit zusammen. Es gibt ein paar Aufgaben, die laufen kontinuierlich, wie z. B. das Leitungsgremium, mit dem wir uns alle zwei Wochen treffen. Dann gibt es punktuell einige intensivere Aufgaben. Nach der Jahrestagung, die im April stattfand, müssen wir nun den Rückblick bei LinkedIn vorbereiten, also regelmäßige Posts veröffentlichen. Auch die Vorbereitungen für den Fachgruppenpreis laufen langsam an und im November gibt es dann eine intensivere Zeit, wo alles an die Jurorinnen weitergeleitet wird und die Ergebnisse eingesammelt werden müssen.“

Fachgruppe ‚Frauen und Informatik‘ feiert 40jähriges Bestehen

Schmitz sieht in der ehrenamtlichen Arbeit für die Gesellschaft der Informatik e.V. für alle Interessierten Chancen, sich dort einzubringen. Die Mitgliedschaft ist für Studierende kostenfrei. An den Jahrestagungen kann man zu vergünstigten Preisen teilnehmen. „Ansonsten können sich natürlich auch die Studentinnen der Bergischen Universität für den Preis bewerben. Also, alle, die in der Informatik eine Arbeit schreiben, können diese für den Preis im November einreichen.“

2026 besteht die Fachgruppe bereits im 40. Jahr. Und auch das wurde bereits mit einem Workshop sowie einer großen Festveranstaltung in München gefeiert. Dort konnten die Gründungsmitglieder interviewt werden und eine Ausstellung informierte ausführlich über die Arbeit der letzten vier Jahrzehnte. Die Ziele bleiben auch in Zukunft relevant. Dazu gehört nach wie vor die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen an der Informatik und in diesem Zusammenhang das verstärkte Sichtbarmachen von neuen Rollenbildern für Frauen. Die Fachgruppe engagiert sich in der Nachwuchsförderung und setzt sich für Chancengleichheit im Berufsleben, bezogen auf Gehalt, Laufbahn und Arbeitsbedingungen, ein.

Weitere Informationen unter: 

Gesellschaft für Informatik e.V. https://gi.de/ 

https://fg-frauen-informatik.gi.de/fachgruppe/ueber-uns 

Uwe Blass

Desise Schmitz – © UniService Third Mission

Über Denise Schmitz

Denise Schmitz ist wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Arbeitsgruppe Didaktik der Informatik in der Fakultät für Mathematik und Naturwissenschaften.

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