2. März 2020

RTL-Reporter Ulrich Klose: „Habe den spannendsten Job der Welt“

Ulrich Klose ist das markante Reporter-Gesicht von RTL schlechthin. Seit 1988 berichtet er hautnah von Krisen, Kriegen und Katastrophen. Bei beiden Golf-Kriegen und auch bei den blutigen Kämpfen in Bosnien und in Ruanda war Ulrich Klose als RTL-Chefreporter mit Kamera und Mikrofon dabei.

Foto: RTL

TV-Journalist berichtet von Krisen und von gesellschaftlichen Groß-Ereignissen – © RTL

 

Sachlich und kompetent lieferte er Fakten, Emotionen und Stimmungen frei Haus. Als Korrespondent in Israel bewegte er sich trittsicher und souverän auf brisantem, politischem Parkett. Dass er aber auch ein Händchen für Lifestyle- und Gesellschafts-Themen hat, bewies er u.a. bei der Traumhochzeit von Prinz William mit der schönen Kate Middleton in London.

Da glänzte er mit launig-unterhaltsamen Reporter-Live-Schalten und schaffte es sogar, sich bis auf einen Meter an Queen Elizabeth heran zu pirschen. Und auch die großen Sport-Ereignisse sind sein Ding. In einer schnelllebigen Branche, in der Reporter-Typen der Marke „Schwiegermutters Liebling“ kommen und gehen, ist der gebürtige Bielefelder eine Konstante, ein Fels in der TV-Brandung. Dabei spielen nicht nur sein Ehrgeiz, sondern sicher auch seine Verlässlichkeit und seine Vielseitigkeit eine große Rolle.

Uli Klose ist ein „Hans Dampf in allen Gassen“. Ob er nun vom Weiberfastnachtstubel, von Fußball-Fan-Skandalen, über Coronavirus-Fälle oder vom dramatischen Brand des Affenhauses im Krefelder Zoo berichtet, der TV-Reporter mit der sonoren Stimme trifft immer den richtigen Ton.

„Ich habe den spannendsten Beruf der Welt. Und ich bin immer noch motiviert wie am ersten Tag. Ich möchte die Zuschauer bestmöglich informieren, egal ob ich jetzt vom Terror-Anschlag in Paris oder vom Vorgeplänkel des Champions League-Schlagers Borussia Dortmund gegen Real Madrid berichte.“ Wer ihn kennt, nimmt ihm das ab.

Ulrich Klose sieht sich nicht als Held, auch wenn er in seinem Job immer wieder gefährliche Situationen überstehen musste. Als Perfektionist bereitet er sich auf seine Einsätze immer akribisch vor, um das Risiko zu minimieren: „Ich überlasse da nichts dem Zufall. Ich informiere intensiv über das Einsatzgebiet. Die Ausrüstung muss top sein. Ich vertraue mich nur einem Kameramann an, auf den ich mich 1.000prozentig verlassen kann. Und ich erkundige mich auch genau auch über den Fahrer, den wir vor Ort haben: Ist das ein ruhiger, besonnener Typ oder eher ein Draufgänger?“

Mit seinen schrecklichen Erlebnissen während seiner Kriegseinsätze will er ausschließlich mit Hilfe seiner Freundin Friede fertig werden: „Gerade beim letzten Golfkrieg habe ich sehr viele Tote gesehen. Auch die Amerikaner, die ich ja bis Bagdad begleitet habe, mussten große Verluste hinnehmen. Da helfen mir Gespräche mit meiner Freundin Friede. Aber die schrecklichen Bilder, die immer wieder mal in meinem Kopf auftauchen, werden ich zeitlebens nicht vergessen können.“

Aber selbst im Krieg gibt es kleine Geschichten, über die Ulrich Klose heute schmunzeln muss: „Wir lagen im Irak in einer Stellung, hatten kaum noch Proviant und Wasser. Da habe ich an den Knöpfen meines Welt-Empfängers gedreht und plötzlich hörte ich die vertraute Stimme meines Freundes Manni Breuckmann, Sportreporter beim WDR. Er kommentierte da ausgerechnet ein Bundesliga-Spiel meines Heimat-Klubs Arminia Bielefeld. Da war ich dann eine Halbzeit lang quasi mit dem Ohr Zuhause.“

Ans Aufhören denkt der Vollblut-Reporter nicht, der tagtäglich als Studioleiter NRW für RTL und n-tv auf Sendung ist.

Ulrich Klose wie man ihn seit vielen Jahren kennt: Mit dem dem RTL-Mikrofon © RTL

 

Ulrich Kloses gesammelte Anekdoten:

Jassir Arafat:

„Ich hatte monatelang auf ein Interview mit Palästinenser-Führer Jassir Arafat gewartet, der in seiner Residenz Mukata in Ramallah von den Israelis eingekesselt war und ohne Strom und Wasser dar stand. Eines nachts um 3 Uhr bekam ich einen Anruf. Arafat wolle mir ein Interview geben, ich müsse aber sofort kommen. Mein Kameramann und ich sind sofort aufgebrochen. Wir wurden von Jassir Arafat und seinem Pressereferenten empfangen. Arafat drückte mir freundlich die Hand und verschwand im Nebenzimmer. Der Pressereferent fragte mich, welche Fragen ich denn stellen wolle. Ich sagte: „Alles ganz easy, zum Beispiel würde ich ihn fragen, wie lange er denn noch als Geisel Israels durchhalten könne, ohne Strom, ohne Wasser. Der sagte der Pressereferent: ‚Jassir Arafat war nie eine Geisel Israels und wird auch nie eine Geisel Israels sein. Sie können jetzt gehen!‘ Und das meinte er wirklich ernst.“

Usain Bolt:

„Bei den Olympischen Spielen in London 2012 stand plötzlich Wunder-Sprinter Usain Bolt vor mir. Er war vom Münchener Sportarzt Dr. Wilhelm Müller-Wohlfahrt für Olympia wieder fit gemacht worden. Spontan fragte ich ihn, was er denn von Dr. Müller-Wohlfahrt halten würde. Er antwortete auch brav: ‘A very great doctor!’ Ich war so überrascht, dass diese lebende Legende plötzlich vor mir stand, dass ich alle Fragen, die ich ihm eigentlich stellen wollten, von jetzt auf gleich vergessen habe. Das ist mir zum Glück ganz selten passiert. Ein paar Tage später habe ich ihn dann nochmal vor mein Mikrofon bekommen. Und da hat er mir ganz freundlich sechs Fragen beantwortet und ich hatte ein tolles Interview.“

Sarajevo 1:

„Mein Kameramann und ich waren während des Bosnien-Krieges in Zagreb und wollten von da aus unbedingt in die bosnische Hautstadt Sarajevo. Wir brauchten einen Mietwagen. Aber wir konnten dem Autoverleiher nicht sagen, dass wir ins Kriegsgebiet wollten. Der hätte uns einen Vogel gezeigt. Also erzählten wir ihm, wir wollten eine Rundfahrt durch Österreich und Slowenien machen. Der Trick klappte, und wir fuhren mit einem gemieteten, blauen Kastenwagen nach Sarajevo. Als wir nach Wochen wieder nach Zagreb zurückkamen, fragte uns der Autoverleiher, wie denn unser Österreich-Trip gewesen sei. Als ich so herumdruckste, fiel er mir ins Wort und sagte grinsend: ‚Reden Sie keinen Unsinn! Sie sind der Reporter Ulrich Klose. Ich habe Sie jeden Abend über Satelliten-Fernsehen bei RTL gesehen. Mein Auto hatte ich eigentlich schon abgeschrieben.‘“

Sarajevo 2:

„Meine Lebensgefährtin Friede hatte mir Jahre nach Ende des Bosnien-Krieges eine Reise nach Sarajevo geschenkt. Auf der Straße wurde ich dort immer wieder von wildfremden Menschen angesprochen. Es waren Leute, die während des Bosnien-Krieges nach Deutschland geflüchtet waren und dort in den Lagern die Berichterstattung über ihre Heimat verfolgt haben. Der Tenor: ‚Sie waren für uns der Strohhalm – solange Sie aus Sarajevo berichtet haben, konnten auch wir Hoffnung haben, irgendwann einmal nach Hause zurückkehren zu können.‘ Diese Begegnungen haben mich sehr berührt.“

Golf-Krieg:

„Mein Kameramann und ich hatten im Golfkrieg die amerikanischen Soldaten in den Irak bis nach Bagdad begleitet und sechs Wochen lang unter Panzern geschlafen. Weit und breit keine Dusche. Wir stellten uns vor: ‚Wenn wir wieder in unser Basis in Kuwait sind, dann legen wir uns erst einmal drei Stunden in die Badewanne‘. Als wir dann aber frühmorgens in Kuwait in unserem 5-Sterne-Hotel ankamen, hatten wir so einen Hunger, dass wir gleich zum Frühstücken ins Restaurant gegangen sind – so wie wir waren: Mit verdreckten Klamotten und stinkend. Wir wurden genau beobachtet. Doch niemand hat etwas gesagt, geschweige denn die Nase über uns gerümpft…“

Text: Peter Pionke

 

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