30. Oktober 2026

Ulrich Klose-Buch: Die Biografie eines Krisen-Reporters

Einer, der seinen Zuschauern jahrzehntelang ein Fenster in die Welt geöffnet hat, erlaubt jetzt tiefere Einblicke in seine aufregende Arbeit. Der langjährige TV-Reporter und Korrespondent Ulrich „Uli“ Klose tritt erstmals als Buchautor in Erscheinung. Titel „Ulrich Klose - Reporter - Ein Leben lang“. Die lesenswerte Biografie erscheint am 05. November. 

TV-Journalist Ulrich Klose berichtete für RTL und n-tv von Krisen, Kriegen, Katastrophen und von gesellschaftlichen Groß-Ereignissen – © RTL

Wenn sich da sogar ein prominenter Politiker wie Herbert Reul, seines Zeichens NRW-Innenmister, zu dem biografischen Werk, das Ulrich Klose gemeinsam mit Co-Autor Peter Pionke geschrieben hat, explizit positiv äußert, dürfte das für den Vollblut-TV-Reporter und den Chefredakteur der STADTZEITUNG wie ein „Ritterschlag“ sein. Auch Ulrich Kloses langjähriger Kollege, „RTL aktuell“-Anchorman Peter Kloeppel, würdigte seine Arbeit in einem emotionalen Vorwort. Das Buch mit vielen exklusiven Fotos ist eine Einladung zu einer Reise, in der von Begegnungen, Erfahrungen und Emotionen in über 30 Berufsjahren die Rede ist.

Der Fernsehjournalist Ulrich „Uli“ Klose (Jahrgang 1956), der von seinem Sender mit einer großen Gala verabschiedet wurde, lässt sich als jahrelanges markantes Gesicht des Privatsenders RTL bzw. n-tv charakterisieren. Er berichtete von vielen Schauplätzen dieser Welt, die für Schlagzeilen sorgten, unter anderem aus Bosnien, Ruanda, Indien, Somalia, Japan sowie von beiden Golfkriegen. 

Dabei bewies er als Reporter in Krisengebieten eine außergewöhnliche physische und psychische Belastbarkeit, als er beispielsweise im Golfkrieg über mehrere Wochen hinweg als sogenannter „Embedded Reporter“ (integrierter eingebetteter Journalist) mit US-Truppen bis nach Bagdad (Irak) vordrang. Er ordnete diese Phase rückblickend selbst als eine der prägendsten und forderndsten Erfahrungen seiner beruflichen Laufbahn ein.

Das Cover der Biografie des ehemaligen TV-Reporters Urich Klose, das im Buchverlag Kempen (BVK) erscheint – © BVK

Nie vergessen wird er die dramatischen Szenen in Mogadischu (Somalia), als er mit seinem Team in einen Hinterhalt geriet und ihm ein unter Drogen stehender Jugendlicher ein Sturmgewehr (G 3) an die Schläfe hielt. „Die Todesangst frisst Dich in einem solchen Moment förmlich auf. Aber erstaunlicher Weise hatte ich gar nicht die größte Angst davor, dass er abdrücken und mich töten könnte. Ich fürchtete mich viel mehr davor, dass er mich lebensgefährlich verletzen und dann auf der Straße liegen lassen würde – unendlich weit von einer Klinik und medizinischer Hilfe entfernt“, schildert Ulrich Klose seine Gefühle in diesem Ausnahmezustand ehrlich und authentisch. Schließlich wurde ein Priester zu seinem Schutzengel. Er und sein Team kamen mit dem Schrecken davon. 

„Einer der letzten Reporter der Straße“.

Ob Kriegsgebiet, Geiseldrama, das geplatzte Interview mit Jassir Arafat, die Fußball-WM  2014 in Brasilien, die Royal-Glamour-Hochzeit von Prinz William und Kate in London oder von einem Schiff auf einem Garagendach als Folge des Tsunamis in Japan. Für Ulrich Klose war kein Weg zu weit, keine Gefahr zu groß, er wußte immer, wie er seine Zuschauer mit seinem Gespür für denkwürdige Ereignisse faszinieren konnte. Diese mochten seine lebensnahe Sprache, erlebten ihn als den RTL-Kriegsreporter. Viele sahen in ihm in Zeiten von Instagram und Infuencern, KI und TikTok sogar den „letzten Reporter der Straße“.

Dankbarer Bundesliga-Trainer Aleksandar Ristić

Eine starke menschliche Komponente hatte die Story rund um den Vater des Fußball-Bundesliga-Trainers Aleksandar Ristić (80), der in Dobrinja, einem Stadtteil im Westen von Sarajevo mitten im Bosnien-Kriegsgebiet, lebte, einem Ort, an dem 1984 noch die Olympischen Winterspiele stattgefunden hatten. Zum Wohnsitz von Ristic senior gab es nur die eine Straße über den Olympiaberg Mount Igman, die nur für UN-Vertreter und akkreditierte Journalisten wie Ulrich Klose freigegeben war, wo aber immer wieder Heckenschützen lauerten. Dennoch gelang Ulrich Klose hinter den Kulissen eine menschlich anrührende „gute Tat“, als er den Vater des Trainers ausfindig machte und so dafür sorgte, dass dieser und sein Sohn Aleksandar nach Monaten des Bangens endlich wieder in Kontakt treten konnten. 

Ulrich Klose beim Golf-Krieg in der Wüste als Kriegsreporter im Einsatz – © privat

Nicht ohne Grund beschreiben ihn Weggefährten als extrem gewissenhaften Reporter, der Einsätze im Vorfeld genau plante, um Sicherheitsrisiken für sich und sein Team zu minimieren. Peter Kloeppel, RTL-Chefmoderator und später auch Chefredakteur des Nachrichtensenders, schrieb in seinem Vorwort: „Wie oft haben wir um ihn gebangt, um dann am Ende des Tages doch erleichtert seine Bilder zu senden, wissend, wieviel Energie und persönliches Risiko er mit seinem Team vor Ort in den bestmöglichen Beitrag investiert hatte. Er suchte ständig Informationen aus erster Hand.“

Falsche Frage: Jassir Arafat antwortete mit Rausschmiß

Die beste Vorbereitung nutzte indes nicht immer. Das erlebte der RTL-Mann bei einem Besuch bei Palästinenser-Führer Jassir Arafat. Klose wurde offenkundig bei einem geplanten Interview die falsche Eingangsfrage zum Verhängnis. Begleitet von einer bösen Schimpftirade wurde er des Hauses verwiesen: „There is the door!“ – Da ist die Tür!

Fußball-Fan Klose war natürlich auch bei der WM in Brasilien 2014 live am Ball, als das deutsche Team ihre Sternstunde mit einem 7:1-Sieg gegen den fünfmaligen Fußball-Weltmeister Brasilien erlebte und das „Wunder vom Zuckerhut“ zelebrierte. Die filigrane Kunst der Brasilianer zerbröselte vor den Augen von Millionen Fans. Das war auch der Grund, warum die Südamerikaner in der Heimat von Welt-Star Pelé diese krachende Niederlage „wie ein unschönes Tattoo im Herzen“ tragen. Auch das wird im Buch eindrucksvoll beschrieben. Ein Spiel für die Ewigkeit, das auch ein absolutes, sportliches Highlight in Kloses langem Reporter-Leben darstellt.

Reporterglück: „Ein Stück der Medaillen geht nach Deutschland“.

Ein klassisches Reporterglück und weiteres sportliches Highlight nennt der bekannte TV-Reporter ein Zusammentreffen mit dem achtmaligen Olympiasieger Usain Bolt, über das er ausführlich berichtete. Dass dieser bei den Olympischen Sommerspielen in London 2012 dreimal auf das Sieger-Treppchen steigen konnte, verdankt er nicht zuletzt dem Münchener Arzt Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, zu dem sich der pfeilschnelle Sprinter zuvor in Behandlung begeben hatte. Usain Bolt zeigte sich als fairer Sportsmann und dankte Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt anschließend mit den Worten: „Ein Stück der Medaillen geht nach Deutschland“.

Reporter – Ein Leben lang – Ulrich Klose – Co-Autor Peter Pionke – BVK Buchverlag Kempen GmbH – 240 Seiten – zahlreiche Exklusiv-Fotos – ISBN-10: 3965205153 – ISBN-13: 978-3965205154

Eines der bekanntesten Gesichter der deutschen Fernsehlandschaft, Ulrike von der Gröben, bewertet die Biografie: Einfach spannend berührend und pointiert. Sie lobt ausdrücklich seine spürbare, leidenschaftliche Begeisterung für seinen Beruf in diesem Buch, so wie sie ihren Kollegen Uli Klose jahrelang erlebt habe. Klattentexte steuerten neben Ulrike von der Groeben außerdem die RTL-Moderatorin Ilka Essmüller, Carsten Cramer, Geschäftsführer des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund und die Schauspielerin Mariella Ahrens bei. 

 Ja, aber – KI kann weder denken noch fühlen

In ihrem Schlusswort gehen die Autoren Klose und Pionke auf die Arbeit vieler Journalisten von heute ein, die dadurch gekennzeichnet sei, dass sie in vielfältigen, unterschiedlichen Funktionen tätig sein müssen. Medien und Formate haben sich gewandelt oder sind neu entstanden – wie etwa die Podcasts. KI könne dabei durchaus ein wertvolles, wirkungsvolles Hilfsmittel und Werkzeug bei Recherche und Korrektur sein. Aber: KI als Unterstützung ja – aber die Arbeit eines seriös und verantwortungsvoll zu Werke gehenden Journalisten würde sie nie ersetzen können. 

KI müsse mit Informationen gefüttert werden, könne aber nicht wirklich denken, eigene Schlüsse ziehen oder ganz persönliche Kommentare aufgrund einer eigenen Meinung, eigener Erfahrungen und Einschätzungen verfassen. Auch in Zukunft werde der ganz individuelle, authentische Schreibstil der bekannten, hoch geschätzten Journalisten-Kollegen und -kolleginnen und Autoren und Autorinnen als Alleinstellungsmerkmal erhalten bleiben und nicht 1:1 kopierbar sein – auch nicht von der KI.

Eine Buchbesprechung von SIEGFRIED JÄHNE

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