28. Oktober 2026

Muss die Hindenburgstraße verschwinden?

„Paul muss weg! Wann schafft auch Wuppertal die Hindenburgstraße ab?“, heißt ein Film- und Diskussionsabend, zu dem die Else Lasker-Schüler-Gesellschaft am Dienstag (10.11.) in die „Gathedrale“ der Alten Feuerwache einlädt. Eingeladen zu dieser Veranstaltung sind hiermit auch speziell die Anwohner der Elberfelder Hindenburgstraße. 

Ein denkwürdiges Zeitdokument: Paul von Hindenburg schüttelt Adolf Hitler am 21. März 1933 vor der Garnisonkirche in Potsdam die Hand – © Bundersarchiv

Denn diese Straße soll umbenannt werden, wenn es nach dem Willen der Literaturgesellschaft und ihrer Unterstützerorganisationen geht: Die Wupperfrauen, die Naturfreunde, die Armin T. Wegner-Gesellschaft, der VVN-BdA, der Frauenverband CCourage  und Decolonize Wuppertal. 

Für die Umbenennung wurde am 15. April eine Petition mit 1.613 Unterschriften an Oberbürgermeisterin Miriam Scherff und Bezirksbürgermeisterin Julia Schnäbelin überreicht. Zu den Unterzeichnern gehören u.a. Helge Lindh, Andreas Bialas, Josef Neumann und Dilek Engin. Julia Schnäbelin, Bezirksbürgermeisterin von Elberfeld-West, nimmt an der Podiumsdiskussion zusammen mit  Hajo Jahn, dem Vorsitzende der ELS-Gesellschaft, Uli Klan, Vorsitzender der Armin T. Wegner-Gesellschaft teil. Auch Norbert Egger, Produzente des Dokumentationsfilms „Wie konnte dass geschehen? Hindenburg – Hitler und die nationalsozialistische Diktatur“, diskutiert mit.

Moderiert wird die Veranstaltung von der Journalistin und Sozialwissenschaftlerin Ulrike Müller. Zuvor rezitiert der Schauspieler Bernd Kuschmann einen Text von Hans-Dieter Hüsch über Hindenburg und andere demokratiefeindliche Politiker der Weimarer Republik

Paul von Hindenburg (*02.10.1847 – †02.08.1934) galt lange Jahrzehnte als erfolgreicher und genialer Feldherr. Ab dem Sieg bei der sogenannten „Schlacht bei Tannenberg“ im Jahr 1914 wurde er zum deutschen Helden stilisiert. Bezüglich der Übergabe der Macht an die Nationalsozialisten wurde er entweder als derjenige angesehen, der Hitler und seine Schergen so lange wie möglich verhinderte oder als derjenige, der aufgrund seines Alters die Machenschaften nicht mehr durchschaute und damit ebenfalls Opfer war.

Name in vielen Städten bereits abgeschafft

Die deutsche und internationale geschichtswissenschaftliche Forschung hat diese Legende bereits seit über 20 Jahren widerlegt. Deshalb haben zahlreiche Städte wie Hamburg, Lüneburg, München, Münster, Aachen, Freiburg, Trier, Hannover, Darmstadt, Solingen und Konstanz ihre Hindenburgstraßen abgeschafft. Zuletzt wurde in diesem Sommer der Hindenburgdamm in „Syltdamm“ umbenannt. 

Paul von Hindenburg hatte im 1. Weltkrieg eine zentrale Rolle als Chef der Obersten Heeresleitung. Zugleich wirkte er in entscheidendem Maß bei den Machenschaften um Entlassungen und Rücktritten mehrerer ehemaliger Vorgesetzter und Reichskanzler mit. Er war entscheidend verantwortlich für die Durchsetzung des auch bereits damals gegen geltendes Recht verstoßenden uneingeschränkten U‐Bootkrieges sowie das sogenannte Unternehmen „Alberich“, bei dem unter anderem über 100.000 Zivilisten zur Zwangsarbeit nach Deutschland verschleppt wurden. 

Hindenburg setzte das den Namen „Hindenburg‐Programm“ tragende Konzept des totalen Krieges auch gegen die eigene Zivilbevölkerung durch, dem über die gefallenen Soldaten hinaus auch hunderttausende Kinder, Frauen und Männer in Deutschland zum Opfer fielen.

Nach dem Ersten Weltkrieg war er ein entscheidender Propagandist der „Dolchstoßlegende“, wonach das deutsche Heer „im Feld unbesiegt sei“ und der Krieg nur durch die demokratische Revolution verloren gegangen sei. Bereits in seiner ersten Amtszeit als Reichspräsident der Weimarer Republik arbeitete er systematisch an der Zerstörung der parlamentarischen Demokratie.

Das Film-Plakat – © Ulrich Schütte

Im Jahr 1933 übergab er nicht nur die Macht an Hitler, sondern schuf zugleich die Rahmenbedingungen, durch welche die nationalsozialistische Diktatur schnell, umfassend und mit der ganzen Bestialität des Faschismus errichtet werden konnte. Durch die Abschaffung der Verfassung und gemeinsame Auftritte mit Adolf Hitler sowie dem Wahlaufruf für die NSDAP bei der berühmten Radioansprache vom 11. November 1933 stärkte er das Nazi‐Regime.

In seinem politischen Testament gab der Reichspräsident 1934 seiner Begeisterung für die nationalsozialistische Diktatur Ausdruck, Zitat: „Mein Kanzler Adolf Hitler und seine Bewegung haben zu dem großen Ziele, das deutsche Volk über alle Standes‐ und Klassenunterschiede zur inneren Einheit zusammenzuführen, einen entscheidenden Schritt von historischer Tragweite getan.“

Im Dokumentarfilm „Wie konnte es dazu kommen? Hindenburg, Hitler und die nationalsozialistische Diktatur“ kommen führende Historiker ausführlich zu Wort. Neben erschütternden Bild‐ und Filmmaterial legt Norbert Egger, der Produzent des Films, besonderes Gewicht auf die ausführliche Darstellung von Hindenburgs Handeln und Aussagen. 

Durch eine Vielzahl von Originalquellen und Zeitzeugen, beginnend mit Kaiser Wilhelm II., Generälen und Stabsoffizieren aus dem Ersten Weltkrieg, Dokumenten von Paul von Hindenburg selbst sowie Verträgen, Zeitungsartikeln und weiteren Veröffentlichungen entsteht ein umfassendes Bild eines aus Sicht vieler zu Unrecht gefeierten und mit Straßennamen geehrten Politikers. 

Termin:

„Hindenburg – Hitler und die nationalsozialistische Diktatur“

Ein Dokumentarfilm von Norbert Eggert

Anschließende Podiumsdiskussion mit Hajo Jahn – Uli Klan – Julia Schnäbelin 

Moderation: Ulrike Müller 

Bernd Kuschmann liest Text von Hans-Dieter Hüsch 

Dienstag – 10.11.2026 – 18:00 Uhr – (Einlass: 17:15 Uhr)

Gathedrale in der Alten Feuerwache – Gathe 6 – 42107 Wuppertal

Eine Veranstaltung der Else-Lasker-Schüler Gesellschaft (ELS)

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