21. Oktober 2026

„Breite Burschen“ kicken sich auf die Kino-Leinwand

Der deutsche Fußball befindet sich auf vielen Ebenen in einem tiefgreifenden Wandlungsprozeß. Erklärtes Ziel der DFB-Führung ist es, wieder Anschluß an die Weltspitze zu finden. Neben dem Wandel „von oben“ ist freilich auch ein ganz eigenständiger Wandel „von unten“ zu beobachten. Hier geht es oft um nicht weniger als die Identität und die Seele des Sports. 

So feiern echte Aufsteiger: Spieler, Betreuer und Fans des „SC Breite Burschen Barmen“ jubeln, nachdem die Barmer Kicker den Sprung in die Bezirksliga geschafft haben – © SC Breite Burschen Barmen

In Wuppertal ist der „SC Breiten Burschen Barmen 1996 e.V.“ ein leuchtendes Beispiel dafür, wie solche Ideen mit Leben erfüllt und auch tatsächlich realisiert werden können. Dieser Wuppertaler „Leuchtturm“ hat inzwischen so etwas wie einen „Kult-Status“ erreicht und bereits eine überregionale Strahlkraft entwickelt. Wie sonst wäre es zu erklären, dass ausgerechnet der Bezirksligist „SC Breite Bursche Barmen 1996“ in den Planungen der Produzenten des Kino-Filmes  „Wochenendrebellen II“ eine wie immer geartete Rolle spielen wird. 

Es geht um Identität und die Seele des Sports

Der erste Teil aus dem Jahr 2023 war mit über einer Millionen Kinobesucher ein echter Kassenschlager. Die „Feel-Good-Vater-Sohn-Geschichte“ von Regisseur Marc Rothemund über den autistischen 10jährigen Jason (Cecilio Andresen), der sich gemeinsam mit seinem „Papa“ Mirco (Florian David Fitz) auf der Suche nach einem Lieblingsverein Fußballspiele in allen deutschen Stadien anschaut, bekam dabei die zweitbeste Note aller 2023 gestarteten Kinofilme. Der Kinostart für die „Wochenendrebellen Teil II“ ist für den Oktober 2027 geplant. Dann sind auch die „Breiten Burschen“ auf der Leinwand dabei.

Die Welt ein Stück besser machen…

Für den Zweiten Teil war das Finden einer Story der Knackpunkt. Es soll eine Fortsetzung des großen Erfolges mit gleicher Besetzung und ähnlicher dramaturgischen Thematik (Sequel) an die wahre Geschichte von Jason und Mirco anknüpfen. Diesmal geht um das Versprechen gehen, gemeinsam die Welt ein Stück besser zu machen. 

Ehrung mit Pokal nach dem gelungenen Aufstieg in die Fußball-Bezirksliga, der bislang größte Erfolg in der 30jährigen Vereinsgeschichte – © SC Breite Burschen Barmen

Noch Schweigen sich die Filmemacher aus, halten sich über genaue Inhalte bedeckt. Aktuell werden aber bereits im rheinische Raum 800 Komparsen für Dreharbeiten gesucht, wie es bisher nur lapidar heisst, als Komparsen für einen „Fußball-Kinofilm“. Die Dreharbeiten sollen zwischen Ende Oktober und Ende November stattfinden, u. a. in den Städten Düsseldorf, Köln, Dortmund und Wuppertal. Das Casting läuft bereits.

Die Fußballer der „Breiten Burschen“ aus Barmen (BBB) werden ein Teil in dieser auch dokumentarischen Filmgeschichte sein. Und tatsächlich sind Philosophie und Geschichte dieses noch jungen Fußball-Vereins absolut filmreif. Beides unterscheidet sich in vielen Punkten von typischen Traditionsvereinen. Der 1996 gegründete Club ging ursprünglich aus einer reinen Freundes- und Feierrunde hervor. 

Als sich die Gründer als reine „Thekenmannschaft“ oder als Hobby-Team am Bier-Tresen zusammenfanden, um samstags zu feiern und sonntags Fußball zu spielen, wählten sie den Namen mit einem Augenzwinkern. Ein „breiter Bursche“ ist ja im saloppen Volksmund  ein bezechter oder feiernder Mann. Trotzdem gelang die Anerkennung und Eintragung des wohl einmaligen Vereinsnamens beim Fußball-Verband. 

 Domänner – Motoren und familiäres Herzstück

Genau diese Doppelbedeutung, das humorvolle Wortspiel mit der Feierlaune, war auch der Taufpate für den SC Breite Burschen Barmen. Aus einem familiären Kern hat sich ein modernes Vereinskonzept entwickelt, das Geselligkeit mit ambitionierter Sportförderung verbindet, ohne den Leistungsgedanken in den Vordergrund zu stellen. Vorstand Frank „Ede“ Domann: “Bei uns seht Gemeinschaft und Sozialkompetenz vor Leistungsdruck und Teamgeist an erster Stelle. Jeder Fußballinteressierte, der sich in eine Gemeinschaft einfügen möchte, ist willkommen“. Zur Grundidee gehört auch, Kindern wie Jugendlichen ein intaktes soziales Umfeld zu bieten“.

Kunstrasen statt Asche. Vor zehn Jahre konnten sich die „Breiten Burschen“ endlich von der knochenharten Asche verabschieden und kicken seither auf weichem, grünem Untergrund – © Siegfried Jähne

Gründungs-Mitglied Frank Domann gilt als das organisatorische Herzstück des Wuppertaler Amateurvereins. Er hat den Verein in verschiedenen Funktionen, u.a. als Trainer und Jugendleiter, maßgeblich geprägt und ihm auch einen familiären Charakter gegeben. 

So ist es kein Zufall’, wenn im Vereins-Diagramm der Name „Domann“ gleich mehrfach vertreten ist und auch tragenden Säulen der Mannschaften ihn im Personalausweis stehen haben, so wie die Söhne oder auch Verwandte. „Wir verstehen den ganzen Verein als große Familie“, berichtet der 1. Vorsitzende Jochen Thielmann.

Aus den ursprünglich überschaubaren 30 Gründern sind inzwischen annähernd 800 Mitglieder geworden. Durch den kontinuierlichen Ausbau der eigenen Jugendabteilung, von Bambini bis A-Jugend, der vier Herren- sowie einer Damenmannschaft und zusätzlichen Breitensport-Angeboten (wie Kinderturnen und Zumba) ist der Verein zu einer festen Größe im Wuppertaler Amateur- und Breitensport herangewachsen.

Die am besten ausgebauten Amateur-Sportanlage

Durch kontinuierliche Eigenleistungen und den Ausbau gilt die Heimspielstätte im Rauental heute als eine der markantesten und am besten ausgebauten Amateur-Sportanlagen der Region. Großes Lob kam zuletzt auch noch von der Leiterin des Sportamtes Alexandra Szlagowski, die der Anlage zusammen mit der Bergischen Sportpresse einen Besuch abstattete.  

Um diese schmucke Tribüne auf der Sportanlage Rauental, die der Verein in Eigenregie führt, beneiden viele Amateur-Clubs die „SC Breiten Burschen“ – © Siegfried Jähne

Nach jahrelangen Bemühungen war es dem Verein im Jahr 2011 gelungen, die Sportanlage von der Stadt Wuppertal als Vertragspartner in Eigenregie zu übernehmen, um den Sportplatz eigenständig weiterzuentwickeln. Pünktlich zum 20jährigen Vereinsjubiläum folgte der größte Meilenstein: Der alte Aschenplatz wurde in eine moderne Kunstrasen-Anlage umgewandelt. Neben dem Hauptspielfeld entstanden dabei auch ein F-Jugend-Feld und ein kleiner Bolzplatz. Außerdem gibt es ein Beachvolleyball-Feld, das flexibel auch für Beach-Soccer oder andere Freizeitspiele genutzt werden kann.

Im Jahr 2017 fand eine ausrangierte Wuppertaler Schwebebahn als echtes Vereinshighlight den Weg ins Rauental – von dort aus lassen sich seitdem die Spiele auch bei Wind und Wetter verfolgen. Prunkstück ist eine spezielle „Bierkasten-Theke“ für den schnellen Verkauf nach draußen, wo es sogar das für Sieger gebraute „Burschen Bier“   gibt. Auch ein komplett neuer Kabinentrakt, ein Fitnessraum und ein wettergeschützter, überdachter großer Außenbereich inclusive Zuschauertribüne gehören mittlerweile zur Ausstattung der Sportanlage. 

Torjäger Tim Domann toppte sogar Bayern-Star Jonathan Tah

Über Wuppertal hinaus bekannt wurde der Verein in den vergangenen beiden Jahren durch ihren Goalgetter Tim Domann, der in der Saison 2022/2023 als 20jähriger deutschlandweit die meisten Tore in der Kreisliga B  („Torjägerkanone für alle“ in der 9. Liga) erzielte und daher von Miro Klose, einst erfolgreichsten Torschützen der deutschen Nationalmannschaft und heute Trainer des Zweitligisten 1. FC Nürnberg, mit der „Kicker -Torjägerkanone“ ausgezeichnet und belohnt wurde.

Ein Super-Duo: „Torjäger“ Tim Domann (l.) mit Bruder und Sturmkollege Ben – © Frank „Ede“ Domann

Tim Domanns Torausbeute: 76 Tore in 29 Spielen für den SC Breite Burschen Barmen. Die Auszeichnung überreichten „kicker“ und DFB am 12. September 2023 auf großer Bühne im Rahmen des Länderspiels Deutschland gegen Frankreich in Dortmund. Kurz darauf trat Tim im „Aktuellen Sportstudio“ des ZDF auf und konnte dort sogar Bayern-Star Jonathan Tah an der berühmten Torwand spektakulär besiegen.

Der Club vom Rauental feierte in diesem Jahr sein 30-jähriges Vereinsbestehen. Rechtzeitig zu diesem Jubiläum verzeichnete der Verein mit dem Aufstieg in die Bezirksliga seinen historisch größten sportlichen Erfolg. Wesentlichen Anteil an der Siegesserie hatte einmal mehr Angreifer Tim Domann, der dann in der vergangenen Spielzeit auf immerhin 41 Tore kam. 

„BBB“-Modell könnte Nachahmer finden

Eine beachtliche Teamleistung, an der auch sein Bruder Ben im Sturm und Cousin Moritz, den im  Mittelfeld die Fäden zieht, großen Anteil hatten. Die meisten Akteure waren schon in der „Bambini-Klasse“ für den Verein unterwegs und gestalten auch ihre Freizeit nicht selten gemeinsam, wovon im Clubheim das überdimensionales Bild einer Vereins-Reise nach Sansibar zeugt. 

Ein Plausch unter Sportlern: Sportamtsleiterin Alexandra Szlagowski im Gespräch „Breite Burschen“-Gründer Frank „Ede“ Domann – © Siegfriede Jähne

Unsere Frage an Vater Frank Domann, wo denn der Verein seiner Meinung in zehn Jahren stehe, beantwortete er eher diplomatisch: „Dort, wohin uns unsere Philosophie uns tragen mag“. In Deutschland gibt es bislang erst wenige Vereine, die einen ähnlichen Geist verkörpern und damit auch höhere Ziele erreicht haben. 

Allein der SV Atlas Delmenhorst hat sich bisher trotz minimaler finanzieller Mittel durch den enormen Zusammenhalt bis in die Oberliga und zeitweise sogar in die Regionalliga kämpfen können. Dass erfolgreiche Wuppertaler „BBB-Modell“ könnte nach der Premiere des geplanten Kino-Films „Wochenendrebellen II“ sogar Nachahmer finden. 

So wie auch die Film-Idee selbst, die inzwischen sogar in Hollywood unter den Namen „Weekend Warriors“ (Wochenend Krieger) kopiert wird. Hier spielt allerdings in der kommenden Kino-Version mit Mark Wahlberg und Vera Farmiga, in der es darum geht, die Welt besser zu verstehen, nicht der Fußball, sondern der Basketball die Hauptrolle. 

 Text: Siegfried Jähne

Statteten als Fans dem „SC Breite Burschen Barmen e.V.“ einen Besuch ab: Die Mitglieder des Vereins Bergische Sportpresse (VBS) vor der ausrangierten Schwebebahn – © VBS

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Das wohl außergewöhnlichste Fußball-Vereinsheim Deutschlands: Der ausrangierte, bemalte Schwebebahnwagen – © Siegfried Jähne

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