20. September 2026

Eine Architektur-Ikone feiert 60. Geburtstag

„Die Kunst muss zu weit gehen, um herauszufinden, wie weit sie gehen darf“, diesen denkwürdigen Satz schmiedete der berühmte Schriftsteller Heinrich Böll am 24. September 1966 bei der Eröffnung des Schauspielhauses an der Bundesallee. Jetzt feiert das Pina Bausch Zentrum under construction das 60. Jubiläum des Graubner-Baus unter dem Titel „SCHAU! - SPIEL! - HAUS!“ 

Die Tänzerin Claudia Ortiz Arraiza bei der Performance „Nelken Line“ von Pina Bausch mit einem interessierten, engagierten Teilnehmer – © Ralf Silberkuhl

Lothar Leuschen, Chefredakteur der Westdeutschen Zeitung (WZ), schrieb 2019 anlässlich des 90-jährigen Stadtjubiläums. „Der Auftakt war ein Donnerschlag. Die Rede des späteren Literatur-Nobelpreisträgers Heinrich Böll wurde nicht nur im Wuppertaler Schauspielhaus vernommen. Der Schriftsteller sprach am 24. September 1966 zur Eröffnung des Gerhard Graubner-Baus über die Freiheit der Kunst. Er tat dies im Umfeld eines Staates, der gerade dabei war, den jüngeren Teil seiner Bevölkerung zu verlieren…“

Der Architekt Prof. Gerhard Graubner wurde 1963, gemeinsam mit Dr. Akira Sato, einem der renommiertesten japanischen Landschaftsarchitekten, mit dem Bau des Schauspielhauses beauftragt. Es entstand ein visionäres Ensemble, das Architektur und Umgebung in besonderer Weise miteinander verbindet. Der Bau wird zur Architekturikone.

Das Schauspielhaus entwickelt sich zu einem Zentrum für zeitgenössische Bühnenkunst und war über Jahrzehnte ein kultureller Möglichkeitsraum. Hier begegneten sich große Namen der Theater- und Tanzgeschichte. Pina Bausch wurde zur Spielzeit 1973/74 vom damaligen Intendanten Arno Wüstenhöfer als Leiterin des Wuppertaler Ballett, das sie bald in Tanztheater Wuppertal umbenennt, verpflichtet.

In den 60er Jahren, als das imposante Schauspielhaus an der Bundesallee noch eine Großbaustelle war – © Stadt Wuppertal

Gemeinsam mit dem Förderverein Pina Bausch Zentrum wird vom 23. bis zum 27. September das 60. Jubiläum im zukünftigen Pina Bausch Zentrum mit unterschiedlichen Formaten gefeiert, gerade auch mit jungen Menschen und für die kommenden Generationen.

Das Jubiläumswochenende versteht sich zugleich als Rück- und Ausblick. Gefeiert wird ein Haus, das voller kultureller und persönlicher Erinnerungen steckt und das mit dem geplanten Pina Bausch Zentrum ein offener Ort der Begegnung, der Innovation und der internationalen Kunst bleiben soll.

Das Jubiläumsprogramm startet am 23.09.2026 mit „An Evening with Germaine Acogny“ im Schauspielhaus. Der internationale Austausch mit spannenden Ensembles wird ein in Zukunft sehr wichtiger Bestandteil des Pina Bausch Zentrums sein. Acogny gilt als die Mutter des zeitgenössischen afrikanischen Tanzes, überdies ist sie eine der wichtigsten künstlerischen Stimmen des gesamten Kontinents. Die Künstlerin, Choreografin, Tänzerin und Leiterin der École des Sables stellt ihre bahnbrechende Arbeit mit Videomaterial der Produktionen und im Gespräch vor.

Das exzellente Ensemble von „Bantu“ auf der Bühne, in Szene gesetzt vom Choreografen Gregory Maqoma – © Maxime Dos

Am 25. und 26.09. besteht die Möglichkeit, die Proben von „Bantu“, Choreografie Gregory Maqoma, zu erleben. Am 24.09. wird im Opernhaus – da im Schauspielhaus nur die Foyers bespielt werden können – „Moving with Pina – Cristiana Morganti“ eine eine sogenannte „Lecture Performance“ über die Poetik, Technik und Kreativität von Pina Bausch gezeigt. 

Das Zukunftsprojekt: Anlässlich des 60. Geburtstags des Wuppertaler Schauspielhauses wird ein ganzer Tag der Zukunft und dem größten Kapital unserer Stadt gewidmet: Den Kindern!  Bereits vom 14. – 18. September 2026 besuchen 22 Künstlerinnen  und Künstler 20 Kitas und arbeiten dort mit den Kindern.

Mit „Für Kinder – Children Take the House“ wird das Haus am 25.09. über den Tag verteilt zu einem kreativen Raum für die Kinder aus 20 Wuppertaler Kitas – gemeinsam mit den Künstlerinnen und Künstlern. Am gleichen Tag überbringen Roland Brus und die Mobile Oase mit „Das Floß – Ambassy of Oberbarmen“ Botschaften.

Germaine Acogny, Künstlerin, Choreografin, Tänzerin und Leiterin der École des Sables – © Antoine Tempé

Am 26.09. laden der Pina Bauch Zentrum Förderverein und BDA (Bund Deutscher Architektinnen und Architekten) zu zwei Salongesprächen ein. Schauspielerin Luise Kinner und Thomas Braus, Wuppertaler Schauspiel-Intendant, lesen die Böll-Rede Die Freiheit der Kunst. Nach der zweiten Probe von „Bantu“ und einem Workshop zur Partizipation des Forum Wupperbogen ist die Uraufführung des Kurzfilms „Kann ein Haus mehr sein als ein Haus?“ von Horst Jesué Wegener. 

Mit dem Sänger Omar Jatta und einem DJ Set von Golow klingt der Tag aus. Sonntag (27.09.) ist dann zum Abschluss der Film Pina Bausch von Anne Linsel (2006) zu sehen und außerdem das Tanztheaterstück „Was bewegt uns? Cross Generation Tanztheater“ von Annika Kompart.

Raum für Begegnung – Die Architektur des Graubner-Baus

Eine architektonische Ikone der Demokratiegeschichte des 20. Jahrhunderts soll zum Raum für die Gesellschaft im 21. Jahrhunderts und zum Motor für die Stadtentwicklung werden. Darüber diskutieren im Salongespräch am 26.09. (14:30 – 17:30 Uhr)  Prof. Dr. Christoph Grafe, die Architektin und ehemalige BDA-Präsidentin Susanne Wartzeck und Bettina Milz, Leitung Vorlaufphase Pina Bausch Zentrum. Moderiert wird das Gespräch von Markus Rathke, Architekt, BDA Wuppertal

Impressionen von der Performance „Nelken Line“ von Pina Bausch. Vorne der Tänzer und Choreograf Frank Willems – © Ralf Silberkuhl

Die Transformation zum Pina Bausch Zentrum

Das Pina Bausch Zentrum, offen für alle und als „Dritter Ort“ sowie als „kulturelles Wohnzimmer der Stadt“ (so Oberbürgermeisterin Miriam Scherff) konzipiert. Hier soll  ein zeitgenössischer und transdisziplinärer Raum für die Menschen der Stadt und der Welt, für das internationale Kulturerbe – als Labor für die Zukunft entstehen. 

Darüber sprechen Kirsten Haß, Vorstand und Verwaltungsdirektion der Kulturstiftung des Bundes, der bekannte Film- & TV-Schauspieler Schauspieler Harald Krassnitzer, der Vorsitzenden des Pina Bausch Zentrum Fördervereins MdB Helge Lindh, Dr. Hagen Lippe-Weißenfeld und Dr. Kati Trempler, Geschäftsführerin Färberei e.V.. Die Moderation Übernimmt Olaf Kupfer, Stellv. Chefredakteur Westdeutsche Zeitung

Kann ein Haus mehr sein als ein Haus?

Die Premiere des interdisziplinären Kurzfilms „Kann ein Haus mehr sein als ein Haus?“ von Horst Jesué Wegener findet am 16.09. um 20:00 Uhr statt. Er ist Auslöser und künstlerischer Auftakt für einen Abend, der die Frage weiterträgt: Was kann ein Haus für eine Stadt, für die Kunst und für die Menschen bedeuten? Dafür bringt er Menschen aus Kunst, Politik und Stadtgesellschaft in Bewegung. 

Der beliebte Film- & TV-Schauspieler Harald Krassnitzer (u.a. bekannt als Kommissar Moritz Eisner im „Tatort Wien“) ist Teilnehmer des „Salongesprächs“ über die Transformation Schaupielhauses zum Pina Bausch Zentrum – © Andreas Fischer

Die Protagonisten des Films beantworten die besagte Frage nicht in klassischen Interviews mit Worten, sondern mit Gesten, Haltung, Tanz, Präsenz und Performance. Zu sehen sind u.a. die Film & TV-Schauspielerin Ann-Kathrin Kramer, der Vorsitzende des Pina Bausch Zentrum Fördervereins MdB Helge Lindh, die Universitätsdozentin Mariam Muwanga, der Fitness-Coach Mayip Sala Ndiaye, die Antirassismus-Beauftragte Stadt Wuppertal Suzan Öcal, die Rentnerin Eva Ouargaga, die Oberbürgermeisterin Miriam Scherff und der Taxifahrer Selcuk Yücel.

Das komplette Programm von „SCHAU! – SPIEL! – HAUS!“ finden Sie unter:  

http://www.pinabauschzentrum.de

 

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