14. September 2026

Paukenschlag: WSV trennt sich von Tim Schneider

Paukenschlag beim Fußball-Oberligisten Wuppertaler SV. Einen Tag nach der fünften Niederlage in Folge hat der Verein die Notbremse gezogen und sich von Cheftrainer Tim Schneider getrennt. Für ihn steht jetzt der bisherige U19-Trainer Ismail Jaroui an der Seitenlinie.

Für WSV-Cheftrainer Tim Schneider ist die Zeit abgelaufen. Er musste am Ende des Spiels bei St. Tönis erneut eine Niederlage seiner Mannschaft erklären und wurde heute freigestellt – © Archivfoto Jochen Classen

Wie es in einer Pressemitteilung des WSV heisst, seien nicht allein die Ergebnisse ausschlaggebend für die Trennung gewesen. Vielmehr kamen – so der Verein – beide Seiten zu der gemeinsamen Einschätzung, dass die Mannschaft insbesondere im Trainingsbetrieb eine höhere zeitliche und inhaltliche Intensität benötigt, um ihre Entwicklung zu beschleunigen.

Sportvorstand Lennart Strufe erklärt dazu: „Der damit verbundene zusätzliche zeitliche Aufwand kann von Tim Schneider aufgrund seiner familiären und beruflichen Verpflichtungen aktuell nicht in dem Umfang geleistet werden, den die Mannschaft aus Sicht aller Beteiligten benötigt. Trainer und Vorstand sind daher gemeinsam zu der Überzeugung gelangt, dass eine Veränderung zum jetzigen Zeitpunkt die richtige Entscheidung für die weitere sportliche Entwicklung ist.“

Strufe betont: „Unser Anspruch bleibt, beim WSV langfristig und nachhaltig etwas aufzubauen. Zu diesem Anspruch gehört auch, Entwicklungen ehrlich zu bewerten und Entscheidungen zu treffen, wenn wir zu der Überzeugung kommen, dass eine Veränderung notwendig ist. Kontinuität bedeutet für uns nicht, unabhängig von der Entwicklung an einer Entscheidung festzuhalten. Wegweisend ist, gemeinsam die richtigen Konsequenzen im Interesse des Vereins zu ziehen.“

Der WSV setzt bei der Nachfolge von Tim Schneider bewusst auf Ismail Jaroui als interne Lösung. Er verfüge sowohl über umfangreiche Erfahrung in der Nachwuchsarbeit als auch über erfolgreiche Stationen im Seniorenfußball. Nach mehreren Jahren im Nachwuchsbereich von Rot-Weiß Oberhausen führte er die SSVg Velbert in der Saison 2024/25 zur Meisterschaft in der Oberliga Niederrhein und damit zum Aufstieg in die Regionalliga West. Seit Dezember 2025 ist Ismail Jaroui für die U19 des Wuppertaler SV verantwortlich. 

Dabei war die Niederlage in St. Tönis ein Spiel, das Hoffnung machte

Es klingt paradox! Der WSV blieb auch im fünften Spiel in der Oberliga ohne Sieg und ist nach einer unglücklichen 2:1-Niederlage beim heimstarken SC St. Tönis noch ohne einen einzigen Punktgewinn, damit auf Rang 18 und nunmehr das Schlusslicht der Tabelle. Und doch zeigten die Rotblauen eine mehr als respektable Leistung, aus der Hoffnung geschöpft werden kann. Das Siegestor für die hochfavorisierten Gastgeber fiel vor nur 250 Zuschauern erst in der 90. Spielminute.WSV-Trainer Tim Schneider erklärte nach dem Spiel: „Das ist bitter! Es war über weite Strecken unser bestes Spiel, darauf lässt sich aufbauen“.

Dabei war die Ausgangslage war für sein Team maximal  ungünstig. Niederrhein-Pokalfinalist SC St. Tönis  (1:4 gegen den Drittligisten MSV Duisburg !) war ungeschlagen in der neuen Oberliga-Niederrhein-Saison gestartet und belegte mit acht Punkten aus den ersten vier Spielen den 6. Tabellenplatz. Während St. Tönis also erfolgreich in die Saison startete, hatte der WSV die ersten vier Ligaspiele allesamt verloren und rangierte mit einem Torverhältnis von 1:7 sieglos auf dem vorletzten Tabellenplatz. Hinzu kamen Ausfälle von Stamm-Torwart Amidis (verletzt, Ausfall 6 Wochen) sowie die erkrankten Linus Fröhlich und Ariyoh Ayinla.

Dabei war die Ausgangslage für sein Team maximal  ungünstig. Niederrhein-Pokalfinalist SC St. Tönis (1:4 gegen den Drittligisten MSV Duisburg !) war ungeschlagen in die neue Oberliga-Niederrhein-Saison gestartet und belegte mit acht Punkten aus den ersten vier Spielen den 6. Tabellenplatz. Der WSV hatte dagegen die ersten vier Ligaspiele allesamt verloren und rangierte mit einem Torverhältnis von 1:7 sieglos auf dem vorletzten Tabellenplatz. Hinzu kamen die Ausfälle von Stamm-Torwart Amidis (verletzt, Ausfall 6 Wochen) sowie die erkrankten Linus Fröhlich und Ariyoh Ayinla.

WSV-Sportvorstand Lennart Strufe fällte mit seinen Vorstandskollegen und dem Verwaltungsrat die Entscheidung, sich nach fünf Spieltagen von Tim Schneider als WSV-Cheftrainer zu verabschieden – © WSV

Der WSV hatte auf seine dünne Personaldecke noch vor dem Spiel mit der Verpflichtung von Efe Tirpan (22) reagiert, der als „vertragsloser Spieler“ sofortige Spielberechtigung erlangte. Der 22jährige Mittelfeldspieler kam aus der U21 von Arminia Bielefeld. In den vergangenen beiden Jahren absolvierte der Rechtsfuß in der Oberliga Westfalen insgesamt 59 Einsätze für die Bielefelder U21. In der vergangenen Saison kam er auf 33 Einsätze für die Nachwuchsmannschaft des Zweitligisten. Efe Tirpan wurde in der 67. Minute für Genc Laiqi eingewechselt.

Ersatz-Torwart Maurice Horn glänzte

Die Tönisvorster Gastgeber hatten in ihrer Jahn-Sportanlage bei strömenden Regen den besseren Start, während der WSV erkennbar „schwamm“. Bereits in der 8. Minute sorgte WSV-Erstztorwart Maurice Horn mit einer starken Parade gegen Julian Suaterna dann aber aber für Sicherheit in der WSV-Abwehr. Auf nassem Rasen entwickelt sich ein Kampfspiel, in dem der WSV immer besser zur Geltung kam. Ein Kopfball von Noel Westenberger, nach Flanke von Duje Goles  (27.), verfehlte das Tor nur knapp. Ein Treffer für die Gastgeber durch Montenegro Romero fand wegen einer Abseitsstellung im Gegenzug (31.) keine Anerkennung. Der WSV konnte spielerische Akzente setzen, blieb aber, wie der FC St. Tönis auch, vor dem Strafraum noch viel zu harmlos.

Eigentlich sollte Torjäger Benktib geschont werden

Dies sollte sich im zweiten Spielabschnitt ändern. In der 51. Minute gelang den Bergischen zum ersten Male in dieser Saison der Führungstreffer. Sausmikat brachte das Leder auf das Tor, das Tönis Schlussmann Sell nicht festhalten konnte, so dass Eren Albayrak es über Linie drücken konnte. Nur fünf Minuten später verlor Subaru Nishimura einen Zweikampf, den Bilal Brusdeilins zum 1:1- Ausgleich nutzte. In der Folge entwickelte sich ein offener Schlagabtausch.

Interessant, dass der Töniser Torjäger Benslaiman Benktib gegen den WSV wohl geschont werden sollte. Er wurde erst in der 51. Minute nach der Wuppertaler 1:0-Führung  eingewechselt und trat sogleich gefährlich in Erscheinung, als er aus kurzer Distanz nur den Pfosten traf und dann an WSV-Torwart Mauirice Horn scheiterte. Aber auch der WSV hatte mit David Widlarz (63.) und Sam Sausmikat (65.) zwei große Möglichkeiten auf den Führungstreffer, die sie freilich nicht nutzen konnten. Anders die Gastgeber: In der 90. Minute zog Julian Suaterna für den SC St. Tönis ab und traf präzise ins lange Eck zum für den WSV so bitteren 2:1-Endstand. Von den Rängen klang es im Refrain: „Ohh Wuppertal“!

WSV-Torhüter Maurice Horn (grünes Trikot) zeigte im Auswärtsspiel bei St. Tönis eine starke Leistung – © Archivfoto Jochen Classen

WSV-Trainer kritisiert den Verband

Chef-Traíner Schneider war nach dem Spiel tief enttäuscht, doch von seiner bevorstehenden Entlassung ahnte er offensichtlich noch nichts: „Es ist halt bitter, wenn du beim Spielstand von 1:1 so ein Laufduell zulässt und in der 90. Minute das Ding noch verlierst, weil du vorne die Konter nicht sauber zu Ende spielst und nicht in der Lage bist, vielleicht ein taktisches Foul zu machen – und bekommst dann unglücklich das 1:2. Spielerisch hat St. Tönis in der zweiten Halbzeit nicht mehr stattgefunden, bis auf die eine Situation, wo unser Keeper Kopf und Kragen riskierte.“

St. Tönis Trainer Bekim Kastrati (47), ein ehemaliger albanischer Fußball-Nationalspieler, der von 2010 bis 2012 als Spieler beim damaligen Wuppertaler SV Borussia 45 Einsätze in der ersten und zweiten WSV-Mannschaft hatte: „Es tut mir für die Wuppertaler schon etwas leid. Ein Unentschieden wäre am Ende gerechter gewesen.“ WSV-Sportvorstand Lennart Strufe: „Einen Punkt muss man sich auch verdienen. Ich bin schon etwas von dem einen oder anderen enttäuscht, in den letzten Minuten nicht alles rein geschmissen zu haben. Wir sind immer noch nicht torgefährlich genug. Das werden wir intern noch einmal genau besprechen. Ansonsten war ich im Vergleich zum Dingden-Spiel sehr zufrieden mit dem Auftritt.“ Strufe möchte den Kader noch mit einem weiteren Spieler verstärken. Es geht um einen erfahrenen Flügelspieler.

Tim Schneider: „Ich mache drei Kreuze“

Der WSV muss am kommenden Dienstag um 19:30 Uhr auswärts beim zwangsabgestiegenen, jetzigen Tabellenzweiten Fortuna Düsseldorf II im Paul-Janes- Stadion antreten. Am kommenden Samstag (18 Uhr) trifft die Mannschaft im Heimspiel auf die bisher ebenfalls sieglose SG Holzheim. WSV-Cheftrainer Schneider geht mit der zeitlichen Ansetzung des Düsseldorf Spieles hart ins Gericht: „Unmöglich, wer das auch immer entschieden hat, du gehst nicht zwei Tage später wieder in ein Match. Ich habe das nirgends gesehen, nicht in der Champions League, nicht im Pokal, in keiner Liga. Wenn es Sicherheitsbedenken gibt, dann muss man halt an einem anderen Tag spielen. Da gibt es genug Nachhol-Spieltermine. Aber das gilt für beide Mannschaften. Wenn da alle gesund rausgehen, dann mache ich drei Kreuze.“ Doch diese Sorgen muss sich jetzt sein Nachfolger machen.

Efe Tirpan (22) ist einer Neuzugang des WSV. Der 22jährige Mittelfeldspieler war zuletzt vertragslos. Er lief davor für die U21 des Zweitligisten Arminia Bielefeld auf – © WSV

Das Damoklesschwert „Punkte-Abzug“

Eine andere Baustelle ist für den Wuppertaler Traditionsverein aufgrund des „Rekrutierungsverfahrens in Eigenverantwortung“. Ein nach § 52 (9) der Spielordnung theoretisch drohender Abzug von neun Punkten. Eine Entscheidung des Westdeutschen Fußballverbandes (WFBV) war bereits für letzte Woche angekündigt. Branchenkenner halten ein Verzicht des Verbandes für unwahrscheinlich, da dies ein Präzedenzfall für die Liga wäre. Es ist indes zu wünschen, dass man die Einwände des Wuppertaler SV gelten läßt, weil das „Insolvenzverfahren“ de facto nicht während der laufendenden Spielzeit begann und für Verbindlichkeiten aus der laufenden Spielzeit Sicherheiten geboten sein sollen. Wenn man so will, sicher auch ein „Präzedenzfall“, dem man Rechnung tragen sollte!

Doch jetzt werden die Karten beim Wuppertaler SV erst einmal ganz neu gemischt. Mit Ismail Jaroui als Cheftrainer für den glücklosen Tim Schneider. Hoffentlich ist er ein Trumpf, der dann auch wirklich sticht.

Text: Siegfried Jähne

FC St. Tonis – Wuppertaler SV 2:1 (0:0)

SC St. Tönis: Sell – Darwish, Sugoro (51. Benslaiman Benktib), Heffungs (78. Kanu), Montenegro Romero (46. Ogbeide), Nakano (46. Brusdeilins), Suaterna, Pohlig, Castrop (68. Esposito), Okihara, Theuerzeit

Wuppertaler SV: Horn – Nishimura, Herzenbruch, Westenberger, Korzynietz – Sausmikat (83. Amyn), Biancardi, Laiqi (67. Tirpan) – Widlarz (67. Saric), Albayrak, Goles (81. Fili)

Schiedsrichter: Maik Heinen (Uedemer SV) |

Zuschauer: 250

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