14. September 2026

Bergischer HC verschenkt Punkte in Erlangen

Der Bergische HC hat einen Sieg oder zumindest ein Unentschieden in Erlangen buchstäblich verschenkt und kehrte so mit leeren Händen ins Bergischen Land zurück! In der 40. Minute hatte der Bergische HC den HC Erlangen da, wo er ihn haben wollte. Die Gäste waren hervorragend aus der Halbzeitpause gekommen und hatten mit 19:14 vorgelegt.

Johannes Wasielewski war in Erlangen sechsmal erfolgreich. Doch auch diese Treffer reichten nicht zum Punktgewinn – © Archivfoto Jochen Classen

Doch dann gaben sie die Führung innerhalb von fünf Minuten aus der Hand und mussten sich mit 28:29 (12:12) geschlagen geben. Es war bereits die dritte Saison-Niederlage mit einem Tor Unterschied.

Schon vor der Pause hatten sich die Bergischen hervorragend verkauft. Sie kassierten zwar fünf Zeitstrafen, bevor die Hausherren die erste Hinausstellung in Kauf nehmen mussten, verkrafteten die Situation aber phasenweise überragend. In doppelter Unterzahl kamen sie sogar von 4:7 auf 6:7 heran. Lukas Becher drehte in dem Moment auf.

Die Deckung stand in Kombination mit dem Torhüter-Spiel von Christopher Rudeck sehr ordentlich. Auch ein 7:10-Rückstand brachte die Mannschaft nicht aus der Fassung. Tim Hilding, Lukas Becher und drei Mal Fynn Hangstein markierten die Tore auf dem Weg zum 12:12 zur Halbzeit. Mit fünf technischen Fehlern konnten die Bergischen auch recht zufrieden sein.

Nach Wiederbeginn übernahmen die Löwen das Kommando. Kristian van der Merwe begann richtig stark zwischen den Pfosten. Hangstein, Julian Fuchs und mit einer Menge Rückraum-Wucht Johannes Wasielewski sorgten für einen 18:13-Vorsprung. Nach einem Ballgewinn traf Gerdas Babarskas sogar aus der eigenen Hälfte ins leere Erlanger Tor zum 19:14. Die nächste Eroberung ließ nicht lange auf sich warten, doch die Gäste verloren die Kugel im Aufbau wieder, so dass es statt 20:14 eben 19:15 stand.

Kein Grund, sich zu ärgern? Doch, denn ab diesem Moment war der Wurm im BHC-Spiel. Die technischen Fehler schossen in die Höhe, dazu vergaben die Löwen Chancen. Und dann gerieten sie durch eine Strafe gegen Lars Kooij und einen Wechselfehler erneut in doppelte Unterzahl. Diesmal schlug Erlangen volles Kapital aus den Nachlässigkeiten und stellte die Partie binnen fünf Minuten auf den Kopf.

Die Trainer Arnor Thor Gunnarsson (l.) und Markus Pütz (M.) sowie Sportdirektor Fabian Gutbrod haben sich den Start in die neue Saison sicherlich ganz anders vorgestellt –  © Archivfoto Jochen Classen

21:19 führten die Gastgeber. Sie gaben den Vorsprung nie wieder her, obwohl sie hart zu kämpfen hatten. Der BHC stemmte sich gegen die Niederlage, kam mehrere Male auf einen Treffer heran. Doch er hatte auch Pech: Van der Merwe, der schon zu Beginn der Hälfte einen Siebenmeter gehalten hatte, war zwei weitere Male beim Strafwurf zur Stelle. Beide Abpraller landeten aber beim Gegner, der letztlich doch noch traf. Das tat genauso weh wie weitere vergebene Möglichkeiten im Angriff.

So lag eine weitere Wende zwar immer wieder in der Luft, doch sie gelang nicht. Erlangen brachte den knappen Sieg ins Ziel.

Stimmen zum Spiel

Markus Pütz: „Es ist schwer, Worte zu finden. Die Jungs sitzen frustriert in der Kabine. Es ist unsere dritte Niederlage mit einem Tor. Wir sind nicht weit weg, haben aber wieder vier Angriffe weniger als der Gegner durch technische Fehler. Wir spielen auch zehn Minuten mehr Unterzahl im Vergleich zu Erlangen. Gerade in der ersten Halbzeit ist das eine Linie, wo wir im Video noch mal gucken müssen, ob jede Strafe berechtigt ist. Das Unentschieden zur Pause ist gut für uns, weil wir gut decken und Christopher Rudeck die Wurfsituationen wegnimmt, die wir haben wollen. Dann kommen wir sehr gut aus der Kabine und führen mit fünf Toren, aber danach machen wir zu einfache Fehler und kassieren einen 0:7-Lauf. Die Halle kommt wieder, und es wird schwierig. Dann haben wir leider das Momentum nicht mehr auf unserer Seite, die Abpraller landen beim Gegner. Das hätten wir gebraucht, um nicht die ganze Zeit hinterherzulaufen. Wir kriegen es defensiv nicht mehr richtig gelöst, was auch klar ist, weil wir zwei Innenblockspieler mit zwei Strafen vorbelastet haben und sie in der Intensität etwas anders agieren müssen. So verlieren wir mit einem Tor. Es hat nicht gereicht. Das ist schade und sehr bitter.“

Johannes Selin: „Ich bin natürlich glücklich mit den beiden Punkten. Wir starten gut, haben eine unfassbar gute Abwehr gestellt. Wir kriegen zwölf Gegentore gegen den BHC, der dafür bekannt ist, dass er gutes Tempo spielt. Leider kommen wir selbst nur auf zwölf. Wir waren viel in Überzahl. Ob das von Vorteil war, darf jeder selbst bewerten. Da müssen wir dran arbeiten. Wenn wir diese Chancen haben, müssen wir weiter wegziehen. Der BHC kommt dann hervorragend aus der Halbzeit, stellt auf plus fünf. Dann gehen wir in die trainierte 5:1-Abwehr. Die zieht hervorragend, wir kommen in einen 7:0-Lauf, der uns in die Erfolgsspur zurückbringt. Wir haben mit fünf Toren hinten gelegen, glauben aber daran, dass wir dieses Spiel noch holen. Das gilt für die Mannschaft und jeden einzelnen Fan. Ich bin stolz auf diese Willensleistung.“

Fabian Gutbrod: „Das ist unglaublich ärgerlich, weil wir ein ordentliches Spiel in der ersten Halbzeit machen und sehr gut aus der Pause rauskommen. Dann geben wir den Fünf-Tore-Vorsprung viel zu schnell her – sei es durch doppelte Unterzahl oder durch wirklich absolut vermeidbare technische Fehler. Das bringt Erlangen auch emotional wieder ins Spiel. Sie machen es Ende der zweiten Halbzeit unglaublich geduldig. Da kommt dann auch viel zusammen, dass wir zwei Siebenmeter halten und die Abpraller beide bei Erlangen landen. Ich weiß nicht, ob das Konzentration, Glück oder Pech ist. Aber es nervt schon bestialisch, dass wir dieses Spiel verloren haben.“

HC Erlangen – Bergischer HC 29:28 (12:12)

HC Erlangen: Pierre, Herceg, Ghedbane – Nissen (8), Bandlow (6/2), Y. Bialowas (4/2), Steinert (3/1), Overjordet (3), Scheerer (2), L. Bialowas (2), Bissel (1), Senft, Lochman, Buck, Gebala. – Trainer: Johannes Sellin

Bergischer HC: Rudeck, Van der Merwe, Oberosler – Becher (6), Da Rocha Viana, Steinhaus (3), Hangstein (6/3), Hilding (2), Schöttle, Babak, Babarskas (1), Bergner (1), Kooij, Wasielewski (6), Fuchs (3), Püttmann. Trainer: Arnor Gunnarsson und Markus Pütz

Schiedsrichter: Steven Heine und Sascha Standke

Siebenmeter: 5/8 – 3/3

Zeitstrafen: 1 – 7 (Firnhaber – Babarskas (2), Kooij (2), Fuchs, Steinhaus, Wasielewski)

Rote Karte: Bissel (48.)

Mit 0:8 Punkten und -8 Toren belegt der BHC nach vier Spieltagen den letzten Tabellenplatz in der Handball-Bundesliga. Am Sonntag (20.09.) um 15:00 Uhr empfangen die Bergischen Löwen die Füchse Berlin, den momentan mit 6:2 Punkten den 4. Tabellenplatz belegen. Es gibt sicherlich leichtere Aufgaben.

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