7. September 2026Peter Pionke
Fußball entwickelt sich zum „Lifelong Sport“
Marc Brincker (r.) mit Bochums Fußball-Legende Dariusz Wosz, den die Fans liebevoll „Zaubermaus“ nannten – © Siegfried JähneAn der Sudberger Riedelstrasse kommt es am Samstag (19.09.) in der Heinz-Schwaffertz-Arena zu einem Traditionsduell der „VfL-Bochum-Legenden“ gegen die Senioren des SSV Sudberg. Damit setzt der Verein eine Tradition fort, die im Jahre 2023 vor 1.200 Zuschauern mit einer Partie gegen den FC Schalke 04 begann. Es folgten Begegnungen 2024 vor sage und schreibe 1.500 Besuchern gegen Borussia Dortmund sowie 2025 gegen Borussia Mönchengladbach, hier aufgrund schlechtem Wetters vor “nur“ 650 Zuschauern.
Gegen VfL Bochums Legenden wieder volles Haus?
Zur Frage nach der Philosophie äußerte sich Geschäftsführer Marc Brincker so: „Wir sind ein Dorfverein, den keiner kennt. Uns ist es wichtig, Aufmerksamkeit insbesondere für unsere besondere Jugendarbeit zu gewinnen“. Der Kreisklassen-Verein hat hier den Fokus gesetzt und ganz bewußt die finanzielle Förderung des Seniorenbereichs eingeschränkt.
Beim „Geh-Fußball“ geht es langsamer und beschaulicher zu als bei einem normalen Kick – © Siegfried JähneInteressant: Marc Brincker (40) fühlt sich dem Heimat-Verein verbunden, dem er seit frühester Jugend angehörte. Er allein schultert das finanzielle Risiko und läßt sich auch von Rückschlägen nicht beeindrucken. Denn immerhin machte er beim „Legenden-Cup“ zuletzt in der Wuppertaler Uni-Halle er als Mit-Organisator persönlich ein Minus von rund 8.500 Euro.
„Zaubermaus“ Dariusz Wosz wird dabei sein
Kompensieren lasse sich das für ihn, dem beruflichen Event-Manager, mit einem nicht unwichtigen Netzwerkaufbau: “Ich kenne ‚Gott und die Welt‘,“ scherzte er im Gespräch mit uns. Daraus resultiert auch eine neue zusätzliche Aufgabe, die er ab 2027 im Jugendbereich des 1.FC Köln übernehmen wird. Sein Trainer-Amt bei der D-2 Jugend der Sudberger bleibe hier zunächst noch unberührt, alles andere würde sich noch zeigen. Jetzt sind indessen alle Augen auf das Highlight gegen die Bochumer gerichtet, bei denen er einst im Jugendbereich bis zu einer Schulterverletzung als hoffnungsvoller Torwart agierte.
Friedlich vereint, die Mannschaften, dem am „Geh-Fußball“-Turnier des TSV Union Wuppertal teilnahmen – © Siegfried JähneDas Team um Trainer und Rekordspieler des Vereins, Ata Lameck, besteht hauptsächlich aus ehemaligen Profis, zu denen auch „Zaubermaus“ Dariusz Wosz gehören wird, der einst die „Unabsteigbaren“ von der Castropher Strasse anführte und polnischer sowie deutscher Nationalspieler war – und zwar für 1989 und 1990 für die damalige DDR sowie nach der Wende auch noch 1997 für den DFB.
Auch diesmal wird das von Stadionsprecher Thomas Bielefeld moderierte Traditionsduell von einem attraktiven Rahmenprogramm mit Jugendspielen, Essen und Trinken, Tombola und so einigem mehr flankiert. Selbstverständlich wird es auch eine Autogrammstunde mit den VfL-Stars geben.
Fußball-Generation 60+ auf dem Vormarsch
Ursprünglich 2011 in England entwickelt, hat sich „Walking Football“ weltweit zu einer der am schnellsten wachsenden Sportarten für Seniorinnen und Senioren entwickelt. Der DOSB und die Bundesärztekammer haben das Qualitätssiegel „Sport pro Gesundheit“ an die altersgerechte Fußballvariante vergeben. „Geh-Fußball“ zählt damit zu den Präventions-Angeboten in der deutschen Sportlandschaft.
Union-Manager Reiner Stachelhaus sieht beim „Geh-Fußball“ eine positive Entwicklung – © Siegfried JähneDFB-Vizepräsidentin Prof. Dr. Silke Sinning. „Walking Football ist nicht nur im Alter eine kluge Wahl. Durch eine regelmäßige Teilnahme werden das allgemeine Wohlbefinden gesteigert, die körperliche als auch psychische und soziale Gesundheit gefördert und so unter anderem Übergewicht, Rückenschmerzen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorgebeugt.“ Nicht zu vergessen, dass Mannschaftssport auch der Einsamkeit im Alter vorbeugt.
Der TSV Union Wuppertal richtete am letzten Wochenende am Hardenberg ein „Walking Football“-Turnier aus, an dem Borussia Dortmund, der SSV 1900 sowie der BV 10 Remscheid beteiligt waren. Es ging „nur“ um Pokale in Form kleiner Bierfässer, aber der gezeigte Einsatz ließ teilweise vermuten, als ginge es um mehr als die berühmte „Goldene Ananas“. Dazu gehörte körperlicher Einsatz ebenso wie engagiertes Coaching von der Seitenlinie.
Die Beine etwas langsamer, die Trikots etwas größer – der „Geh-Fußball“ gewinnt immer mehr Anhänger – © Siegfried JähneOriginal-Dialog vom Spielfeld an SSV-Coach Friedhelm Bursian gerichtet: „Nimm mich lieber runter, sonst bekommt er den Ball von mir in die Fresse, der behandelt mich wie einen Schuljungen“, womit der Schiedsrichter gemeint war. Der routinierte Bursian fand dann aber schnell beschwichtigende Worte.
Auf Fußball will er nicht mehr verzichten
Schiedsrichter Ahmed Gün (66) von der SG Radevormwald nennt Auswüchse beim „Geh-Fussball“ als seltene Ausnahme. „Hier sind Spieler, ältere Herren, die reifer geworden sind“! Ausserdem beschränkten die Regeln mit verbotenem Laufen und Körperkontakten sowie begrenzter Ballhöhe den Aktionsradius doch erheblich. Er selbst ist langjähriger Referee (seit 1990) und mag auf den Fußball nicht verzichten. „Einmal mußte ich drei Jahre lang aussetzen, das habe ich kaum verkraftet“, erzählte er uns.
Friedhelm Bursian, langjähriger Manager bei SSV 1900, organisiert heute die „Geh-Fußball“-Abteilung des Vereiens – © Siegfried JähneFriedhelm Bursian, langjähriger Manager bei SSV 1900 beschränkt sich heute auf das Walking-Ressort und sieht wie auch Union-Manager Reiner Stachelhaus eine positive Entwicklung. Bursian: „Im Ruhrgebiet hat beinahe jeder Milchkanne-Standort schon eine Walking-Football-Abteilung.“ Und auch Stachelhaus unterstreicht den positiven Trend in der erst vor zwei Jahren gegründeten neuen Vereins-Sparte.
Sein Verein hat schließlich nach einem glatten 3:0 über Dortmund den Turnier-Sieg davongetragen, der SSV wurde Zweiter. Gefeiert wurde in Eintracht und „geselliger Runde“, wozu explizit das Union-Sommerfest auch noch einlud.
Text: Siegfried Jähne
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