18. Juni 2026Peter Pionke
WSV: Viel Zuversicht, aber nur wenig neue Fakten
Bei der Vorstellungs-Pressekonferenz: WSV-Pressesprecher Max Schleicher (M.) päsentiert den neuen Cheftrainer Tim Schneider (r.) und den neuen Sportvorstand Lennart Strufe – © Siegfried JähneOffen blieben vor allem die Fragen, mit welchem Personal und mit welchem Budget man in die neue Oberliga-Spielzeit gehen kann. Vier Wochen vor dem ersten Test Spiel gegen den Bundesligisten Borussia Mönchengladbach (18.07.) konnte (oder sollte?) nicht ein einziger Spielername präsentiert werden.
Dabei steht das erste Pflichtspiel für den WSV im Niederrheinpokal bereits am 9. August an. Die Oberliga-Saison 2026/27 beginnt am Wochenende 14. bis 16. August.
Wünsche, aber noch viele offene Fragen
Etwas irritierend daher die Aussage von Trainer Schneider: „Am 28. Juni wird mit dem Training gestartet, so ist der Plan. Es wird nicht anders geplant als woanders. Es macht keinen Sinn, 20 Testspiele reinzukloppen.“ Nicht viel erhellender das Statement des neuen Sport-Vorstands Lennart Struve: „Ich habe mit dem Trainer zusammen eine klare Kaderstruktur. Wir wollen erfahrene Spieler dabei haben, aber auch gestandene Oberligaspieler und Talente.“
Er betonte: Es gebe viel zu tun, das Handy stehe nicht still, man werde zur neuen Saison eine gute Mannschaft haben, an denen sich sich die Fans erfreuen würden. Auch Co-Trainer würden noch zu Tim Schneider hinzustossen.
22 Spieler, die noch nicht offiziell bekannt sind
Dann aber wurde Lennart Strufe aber doch noch etwas konkreter, als er sagte: „Wir sind sehr weit in Gesprächen, in den nächsten Tagen können wir einige Spieler vorstellen, bei manchen fehlt nur die Unterschrift. Wir planen mit 22 Spielers plus zwei oder drei“.
Lennart Strufe sprach von einem langfristigen Projekt, um Profifußball in Wuppertal wieder langfristig zu etablieren. Salomonisch klang es, als er noch sagte: “Wir wollen die Wahrscheinlichkeit zum Aufstieg so weit erhöhen, wie es geht.“ Man kann nur hoffen, das der neue Sportvorstand bei der Auswahl der neuen WSV-Spieler ein glückliches Händchen hat. Auf seinen Schultern lasten große Hoffnungen.
Probesitzen auf der WSV-Auswechselbank im Stadion am Zoo: Der neue WSV-Cheftrainer Tim Schneider – © Siegfried JähneIn einer Presse-Erklärung hatte der WSV zuvor eindeutig klargestellt: “Der gebürtige Wuppertaler Lennart Strufe und studierte Sportmanager übernimmt ab sofort die sportliche Gesamtverantwortung beim WSV und wird die strategische sowie nachhaltige Ausrichtung des Vereins maßgeblich gestalten“.
Lennartz Vita ist vielversprechend, er begann als Spieler und Trainer in der Jugend-Abteilung des WSV, ehe er Erfahrungen in verschiedenen Bereichen des professionellen Fußballes sammelte, und zwar bei der TSG 1899 Hoffenheim, SSV Jahn Regensburg und zuletzt beim 1. FC Köln als Scout im Lizenzfußball. Er ist im Besitz der DFB-A-Lizenz. Mit Cheftrainer Tim Schneider und Sportvorstand Lennart Strufe wurden letztlich zwei Personalien offiziell bestätigt, die seit Wochen in den Wuppertaler Medien kursierten. „Ich freue mich sehr und bin stolz wieder in Wuppertal sein zu dürfen“, erklärte Lennart Strufe den anwesenden Medienvertretern auf der Vorstellungs-Pressekonferenz, auf der fast der komplette Verwaltungsrat vertreten war. Die anderen Vorstandskollegen wollten dagegen offensichtlich Lennart Strufe allein die Bühne überlassen.
Eine Philosophie, die nach Klopp und Nagelsmann klingt
Dass sich einiges ändern wird beim WSV, kann man auch an den neuen Trainingszeiten ablesen, die wohl aufgrund der neuen Strukturen in die Nachmittags- und Abendstunden verlegt werden müssen. Denn die meisten Oberliga-Spieler dürften noch einen ganz normalen Job ausüben. Selbst Cheftrainer Tim Schneider ist im Hauptberuf noch Physiotherapeut in Remscheid. Er sieht die Aufgabe beim WSV als Chance und er habe Bock auf die Sache. Auf unsere Anfrage erläuterte er dann auch seine Philosophie, die ein bisschen nach Jürgen Klopp und Julian Nagelsmann klingt.
Er will den Traditionsverein Wuppertaler SV in eine erfolgreiche Zukunft führen: Der neue Sportvorstand Lennart Strufe – © Siegfried JähneEine Philosophie, mit der er zuletzt sechs Jahre lang beim VfB Hilden erfolgreich war, den er bekanntlich in die Regionalliga geführt hatte. Der Fußball-Lehrer doziert: „Ich setze auf hohes Pressing mit hoher Intensität. Das war in der Oberliga bei meiner alten Mannschaft der Schlüssel zum Erfolg, den Gegner nämlich zu Fehlern zu zwingen. Wir wollen nicht mit langen oder zweiten Bällen agieren, die Schwerpunkte werden erst einmal die Arbeit gegen den Ball bilden. Wir wollen Fußball spielen. Wir müssen im Gegenpressing top sein und auch gute Konter fahren. Wir wollen mutigen, aggressiven Fußball spielen: Die Wiese umgraben, hat man früher dazu gesagt“.
Hauptaufgabe, die „Balance im Spiel“ zu halten.
In seiner eigenen fußballerische Laufbahn hat Tim Schneider 17 Jahre auf allen Positionen, sogar als Torwart gespielt und konnte sogar zwei Aufstiege feiern. Seine Hauptposition sei die „6“ gewesen , also das Herzstück eines Teams im defensiven Mittelfeld als Bindeglied zwischen Abwehr und Angriff mit der Hauptaufgabe, die Balance im Spiel zu halten.
Lennart Strufe unterstrich, dass er in seiner Rolle als Sport-Vorstand die Möglichkeiten habe, Dinge zu verändern, zu gestalten. „Ich kenne die Strukturen. Wir wollen den WSV wieder erfolgreich auf die Spur bringen. Inwieweit uns das am Ende gelingt, kann ich nicht beantworten“. Alle Wuppertaler Sportfreunde dürften gespannt sein und viel Erfolg bei dem Versuch wünschen, die „Balance im Spiel“ und auf allen anderen Ebenen des Wuppertaler SV zu finden.
Text: Siegfried Jähne
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