13. August 2026

WSV konnte Insolvenz-Verfahren gerade noch abwenden

Der Vorstand des  Wuppertaler SV hat beim zuständigen Insolvenzgericht die Durchführung eines „Restrukturierungs-Verfahrens in Eigenverwaltung“ beantragt. Wie der Verein jetzt bei einer kurzfristig  einberufenen Pressekonferenz mitteilte, sei das Gericht dem Antrag gefolgt und habe das Verfahren zugelassen, was dem WSV ermöglicht, sich in Eigenregie und unter Aufsicht des vorläufigen Sachwalters Dr. Jens Schmidt neu aufzustellen und gleichzeitig den Sport- und Geschäftsbetrieb fortzuführen. 

Bei der kurzfristig angekündigten Pressekonferenz des Wuppertaler SV: (v.l.) Dr. Jens Schmidt, Lennart Strufe, Ralf Bartsch, Marc Schulz und Dr. Marc d’Avoine – © Jochen Classen

Das Restrukturierungsverfahren wird in aller Regel gewählt, um frühzeitig eine drohende Pleite geräuschlos und gezielt abzuwenden – ohne den Stempel der Insolvenz und ohne das operative Geschäft vor den Augen der Öffentlichkeit zu beschädigen. Ziel sei es hier, den Verein langfristig auf ein solides Fundament zu stellen, den Spielbetrieb dauerhaft zu sichern und die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Zukunft zu schaffen. Man sieht beim WSV darin den nächsten, wichtigen Schritt seiner wirtschaftlichen und organisatorischen Neuausrichtung.

Sanktionen des Verbandes sind nicht zu erwarten

Der Spielbetrieb sei von diesem Schritt nach aktuellem Stand nicht betroffen. Die Mannschaft bereitet sich wie geplant auf die neue Saison vor. Alle Trainer und Übungsleiter sind an Bord. Auch der Trainingsbetrieb sowie die Arbeit in den Nachwuchs- und anderen Vereinsabteilungen werden unverändert fortgeführt. Auch personelle Verstärkungen, also Spieler-Zugänge, seien somit – so Vorstandssprecher Marc Schulz – noch möglich.

Die Finanzierung des laufenden Vereinsbetriebs sei sichergestellt. Ziel des Restrukturierungs-Verfahrens ist es, die Verbindlichkeiten zu ordnen und den neuen Strukturen anzupassen und gleichzeitig die Grundlage für einen dauerhaft leistungsfähigen Verein zu schaffen. Wichtig auch: Löhne und Gehälter sowie Aufwandsentschädigungen für alle Beschäftigen sind gesichert.

Das Restrukturierungs-Verfahren schützt den Verein vor den harten sportlichen Strafen einer Insolvenz (wie etwa einem 9-Punkte-Abzug). Die Spielberechtigung der Mannschaft und der Spieler bleibt im laufenden Spielbetrieb unangetastet, solange die Gehälter gezahlt werden. Allerdings prüft der Verband bei der Zulassung für die nächste Saison sehr genau, ob der Sanierungsplan tragfähig ist.

Verein übernimmt Verantwortung und handelt bewusst

Begleitet wird das Verfahren von Rechtsanwalt Dr. Marc d’Avoine, der als Generalbevollmächtigter den Vorstand berät und in der Sanierung unterstützt. Für den Wuppertaler SV bedeutet dieser Schritt nach eigener Darstellung vor allem eines: Der Verein übernimmt Verantwortung und handelt bewusst frühzeitig, um die wirtschaftlichen Probleme der vergangenen Jahre nachhaltig zu lösen.

Sportvorstand Lennart Strufe kann seine Arbeit wie geplant fortsetzen – © Jochen Classen

„Diese Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen. Gleichzeitig sind wir überzeugt, dass sie die beste Möglichkeit bietet, den Wuppertaler SV dauerhaft zu erhalten und zukunftsfähig aufzustellen. Wegsehen oder Abwarten wäre keine verantwortungsvolle Alternative gewesen“, erklärt der Vorstand.

Der Wuppertaler SV hat in den vergangenen Wochen bereits zahlreiche Gespräche mit wichtigen Partnern, Sponsoren, Mitarbeitenden und weiteren Beteiligten geführt. Die dabei erfahrene Unterstützung und das Vertrauen bestärkten den Verein, den jetzt eingeschlagenen Weg zielorientiert zu gehen.

Der vorläufige Sachwalter Jens Schmidt merkt an: „Die Krise des WSV kann durch die eingeleitete Eigenverwaltung überwunden werden. Ich als vorläufiger Sachwalter begleitete das Verfahren und beobachte und kontrolliere es für die Gläubiger. Darüber hinaus unterstütze ich die sportlichen, strategischen und finanziellen Bemühungen bis hin zur Einigung mit den Gläubigern.“

Verbindlichkeiten in erheblicher sechsstelliger Höhe

Über de Höhe der Verbindlichkeiten wollte man sich beim WSV nicht detailliert äußern. Nur soviel: „Der Verein hat alte Verbindlichkeiten in erheblicher, sechsstelliger Höhe, deutlich mehr als der neue Vorstand sowie Verwaltungsrat beim Amtsantritt hätte abschätzen können.“

Noch bei der letztem Jahreshauptversammlung am 26. März 2026 hatte der frühere Finanzvorstand von Verbindlichkeiten in Höhe von lediglich 18.000 Euro sowie von einer Vereinbarung der schrittweisen Rückführung alter Verbindlichkiten gesprochen. Auf Schuldzuweisungen wolle man heute indessen bewußt verzichten.

Vermutlich geht es in erster Linie um noch offene Verbindlichkeiten aus der „Runge-Ära“. Vom damaligen Finanz-Vorstand Dr. Leonhard wurden auf der Mitgliederversammlung wohl auch noch die erheblichen Verbindlichkeiten gegenüber der Firma EMKA aus dem Vorverkauf „wertlose gewordener Geschäftsanteile“ erwähnt. Offene Fragen wollte das inzwischen ausgeschiedene Vorstandsmitglied Ludger Kineke seinerzeit noch klären.

Text: Siegfried Jähne

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