10. August 2026Peter Pionke
WSV-Pokalsieg: Ein optimaler Start in die Saison
WSV-Kapitän Felix Herzenbruch (l.) war im Pokalfight gegen die SpVg Essen-Schonnebeck einmal mehr Turm in der Abwehrschlacht – © Jochen ClassenUnd das im Elfmeterschießen mit 7:6 (0:2 – 3:3 – 3:3). Dabei lagen die Wuppertaler zeitweise schon mit 0:3 zurück und spielten zudem in Unterzahl. Damit lieferte die Mannschaft von Cheftrainer Tim Schneider einen beeindruckenden Saisoneinstand ab, den wohl kaum jemand der völlig neuformierten Mannschaft zugetraut hatte.
Für das Team von Trainer Tim Schneider war es nach großem Kampf erst der zweite Sieg in den bisherigen sieben Begegnungen vor dem Saisonstart in die Oberliga Niederrhein überhaupt. Es schien fast so, als wollte die Mannschaft ihre Kritiker Lügen strafen, die angesichts der schwachen Vorbereitungsspiele schon die Alarmglocken hatten läuten hören.
Das „Geisterspiel“ hätte viele Zuschauer verdient gehabt
Dabei konnte Gäste-Trainer Dirk Tönnies im Zoo-Stadion seine Schonnebecker „Schwalben“ in Bestbesetzung aufbieten. Die Partie, die eigentlich eine große Kulisse verdient gehabt hätte, war aufgrund eines Urteils der Verbandsspruchkammer wegen der bekannten Ausschreitungen im letzten Pokalwettbewerb ein „Geisterspiel“, also unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Hoffentlich war das den sogenannten WSV-Fans, die in Büderich für Randale und Zerstörung gesorgt haben, eine heilsame Lehre!Zugelassen im Stadion am Zoo waren deshalb nur Offizielle und einige Pressevertreter.
Etwa 200 Fans verfolgten die Partie bei einem Public Viewing im Barmer Bahnhof, einige am Boettingerweg, von wo oft spontane Reaktionen kamen. Eine ungewohnte Atmosphäre, bei denen die Dialoge zwischen Trainer und Mannschaft vom und neben dem Spielfeld auf den ansonsten menschenleeren Tribünen akustisch gut vernehmbar waren.
Beim „Geisterspiel“ im Stadion am Zoo wurde mit harten Bandagen gekämpft: Semir Saric (M.) – diesmal als Mannschaftskapitän aufgelaufen – und der Schonnebecker Adjei Oteng stehen sich hier Kopf an Kopf gegenüber – © Jochen ClassenKeeper Fotios Adamidis wurde der Held der Partie
Mithin ein kurioses Spiel, dessen eigentlicher Wert am Ende in der gezeigten großartigen Moral zu sehen ist, als die Mannschaft nach einem klaren 0:3-Rückstand schon am Boden schien, sich aber dann trotz eines Platzverweises gegen Angreifer Eren Albayrak (Foulspiel in der 86.) sogar in Unterzahl noch einmal mächtig aufbäumte. Trainer Tim Schneider erklärte nach dem Krimi eher nüchtern: „Wir sind wieder aufgestanden. Normalerweise ist ein 0:3 der Genickbruch, wir haben aber zu jeder Zeit an uns geglaubt!“
Sport benötigt wahre, nahbare Helden, die mitreissen und ihre Fans durch Leistungen begeistern. Am Sonntag war es beim WSV vor allem der junge Schlussmann Fotios Adamidis (19), der die Partie mit seinen Paraden lange offen hielt und beim abschließenden Elfmeterschiessen den entscheidenden Strafstoß von Simon Skuppin hielt.
Vorher hatten seine Mitspieler Jaden Tom Korzynietz, Felix Herzenbruch, Dario Biancardi sowie Semir Saric Nerven behalten und sicher verwandelt. Der folgende Jubel im Stadion am Zoo war nach bekannt langer Durststrecke riesig. Nicht auszudenken, wie dieser bei voll besetzten Rängen ausgefallen wäre.
Trainer Schneider: „Sind wieder aufgestanden“
In der Analyse waren sich die Trainer beider Teams einig, dass es sich um einen verdienten Wuppertaler Sieg handelte, bei dem aber beide Seiten auch Möglichkeiten hatten, das Ding für sich zu drehen. Erst war es der WSV der eine halbe Stunde lang dominierte und zu vier glasklaren Chancen durch Arlind Bajrami (30. Sekunde) Semir Saric (Pfostenschuss), Duje Goles sowie Ayriyoh Yussu Ayinla kam und eine deutliche Führung hätte erreichen müssen.
Eren Albayrak (rotes Trikot), Torschütze zum zwischenzeitlichen 1:3, kämpft hier mit vollem Körpereinsatz – © Jochen ClassenDoch dann gelang den Gästen aus heiterem Himmel durch den überragenden Yan Marcos Friessner Montas 1:0 (30.). In der Folge erzielten die Gäste bis zur 53. Minute zwei weitere Treffer, bei denen die rotblaue Abwehr nicht gut aussah. So lag der WSV nach knapp zehn Minuten in der zweiten Halbzeit mit 0:3 zurück. Der WSV hatte beim 0:2 das Pech, dass sich Jaden Korzynietz zuvor verletzt hatte und die Abwehr hier zu diesem Zeitpunkt nicht ganz auf der Höhe war.
Trainer Schneider reagierte auf den Spielverlauf nach einer Stunde mit einigen Spielerwechseln, wobei er hier eine glückliche Hand haben sollte. Ein Weckruf war dann der Anschlusstreffer von Eren Albayrak (61.) per Kopf nach Vorlage des eingewechselten Arian Amyn, welcher auf Anhieb zu gefallen wußte. Gleich darauf fiel das 2:3 durch den ebenfalls eingewechselten Linus Fröhlich (65.), der aus 18 Metern traf. Jaden Tom Korzynietz schaffte nur wenige Minuten später sogar den Ausgleich zum 3:3, als er einen Abpraller einschoss.
Eine „Rote Karte“ machte den Unterschied
Für Eren Albayrak war das Spiel vier Minuten vor dem regulären Schlusspfiff indessen zu Ende, als er von dem nicht immer konsequenten Schiedsrichter Jens Laux (Erkenschwick) nach einem Foul die Rote Karte (86.) sah.
WSV-Coach Schneider konnte mit den Entscheidungen des Referees nicht immer einig gehen und handelte sich daher nach Protesten ebenfalls eine Karte ein, die gelbe nämlich. Zum Feldverweis von Albayrak meinte er: „Die Rote Karte muss man nicht geben, aber wir haben das zu akzeptieren.“
WSV-Torhüter Fotios Adamidis (19) verdiente sich die Bestnote. Neben vielen herausragenden Paraden wurde er zum Matchwinner, als der den entscheidenden Elfmeter hielt – © Jochen ClassenFür Schonnebecks Trainer Dirk Tönnies war die Rote Karte gar ein Nachteil. Seine Analyse: „Wir haben danach keine Räume mehr gefunden.“ Er ging damit auf die massierte WSV-Deckung ein, die auf Defensiv-System 5:3:1 umgestellt worden war.
So war es am Ende eine Werbung für den Fußball und einen „neuen WSV“. Coach Tim Schneider verwies nicht ohne Stolz auch auf seine A-Jugendspieler: „ Die haben es toll gemacht! Aber auch die anderen Wechsel haben gefruchtet“, freute er sich. Und in der Tat ragte nicht nur der gerade erst erst 18 gewordenen Sam Sausmikat heraus, auch Genc Lajqi (18) und Linus Fröhlich (17) hatten starke Szenen.
Torschütze Fröhlich hätte sogar noch zum Helden und Matchwinner werden können, als er nach Traumpass von Amyn in der letzten Spielminute (120.) abzog, der Ball aber über das Gäste-Tor flog.
Strufe: Eine Mentalität, die wir gefördert haben
Sehr zufrieden war auch Sport -Vorstand Lennart Strufe, der dass Spiel mit seiner zweijährigen Tochter verfolgte: „Wir sind gut gestartet, nach den Gegentoren gingen bei unserer jungen Mannschaft etwas die Köpfe runter. Aber wie sie gekämpft und gearbeitet hat, das war schon etwas Besonderes. Es bedarf dieser Mentalität, die wir gefördert haben“.
Mit Spannung wartet man beim Traditionsverein jetzt auf den Meisterschaftsauftakt, der am nächsten Sonntag (15 Uhr) beim Mit-Absteiger SSVg Velbert steigt und dort bereits eine große Zuschauer-Resonanz verspricht.
Hier wird den Rotblauen leider Neuzugang Felix Herzenbruch fehlen, der sich in Velbert, seinem alten Verein, in der letzten Spielzeit noch eine Sperre eingehandelt hatte und daher für den WSV in der Meisterschaft noch nicht spielberechtigt ist. Dafür hofft man hier wieder auf den Einsatz von Subaru Nishimura, der nach einer Verletzung das Training wieder aufgenommen hat.
In Velbert wird es dann zur ersten Standortbestimmung dieser Meisterschaft kommen. Der Start der neuen WSV-Mannschaft aber konnte kaum besser gelingen.
Text: Siegfried Jähne
„Rotsünder“ Eren Albayrak drückte seinen Mannschaftskameraden nach einer umstrittenen Roten Karte von der Tribüne aus die Daumen – © Jochen ClassenWuppertaler SV – SpVg Schonnebeck 7:6 (0:2 – 3:3 – 3:3)
Wuppertaler SV: Adamidis – Westenberger, Korzynietz, Bielitza (54. Lajqi), Bajrami (60. Fröhlich) – Goles (80. Igbinadolor), Saric, Biancardi, Ayinla (32. Herzenbruch), Albayrak – Sausmikat ( 60. Amyn),
SpVg Schonnebeck: Fauseweh – Kuhlmann, Oteng, Lopes da Silva (72. Skuppin), Kanat – Kehrmann, Kloth, Brandner, Scheibe, Isensee (97. Linnig) – Friessner Montas
Tore: 0:1 Montas (29.), 0:2 Montas (30.), 0:3 Montas (53.), 1:3 Albayrak (61.), 2:3 Fröhlich (67.), 3:3 Korzynietz (78.)
Rote Karte: Albayrak (85.)
Zuschauer: „Geisterspiel“ ohne Zuschauer
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