22. April 2026

„Kneipen-Talk“ mit Fabian Gutbrod & Tim Oberdorf

Es war ein Themen-Mix aus Fußball, Handball und Olympia. Der traditionelle „Kneipen-Talk“ in der Barmer Brauerei (Rödiger Str. 129) mit ZDF-Frontmann Martin Schneider als Moderator war einmal mehr am Puls der Zeit. Mitgliedern der Bergischen Sportpresse (VBS) und ihren Gästen konnten tiefe Einblicke rund um hoch aktuelles Sportgeschehen vermittelt werden. 

Hatten nicht nur „Wissensdurst“, die VBS-Mitlieder mit ihren Gästen: (v.l.) Roderich Trapp, Dieter May, Tim Oberdorf, Fabian Gutbrod, Erdinc Özcan-Schulz, Alexandra Szlagowski und Martin Schneider – © Siegfried Jähne

Gerade erst hatten die Handballer des BHC mit ihrem sensationellen Erfolg im Pokal des Deutschen Handballs (Final Four) vor 19.750 Zuschauern in der ausverkauften Lanxess Arena in Köln mit ihrem Final-Einzug bundesweit Schlagzeilen gemacht. Jetzt lieferte die zentrale Identifikationsfigur der Bergischen Handballer (BHC), der Sportliche Leiter der „Bergischen Löwen“ Fabian Gutbrod, Einschätzungen und Hintergrund-Informationen.

Auch Fortuna mit dem Rücken zur Wand

Fortuna Düsseldorf steht in der 2. Fußball-Bundesliga mit dem Rücken zur Wand. Der Ausgang dieses Abstiegskampfes könnte auch für den Wuppertaler Regionalligisten mit Blick auf den Klassenerhalt noch große Bedeutung gewinnen. Fortunas Abwehrspieler Tim Oberdorf ist feste Größe im Team des  Zweitligisten und so etwas wie der „stille Anführer“. Sein Weg, seine Ambitionen und die Tatsache, dass er aus einer sportlich hochbegabten Familie stammt und Bruder der Nationalspielerin Lena Oberdorf (FC Bayern München) ist, war auch in diesem Teilnehmerkreis längst nicht allen bekannt. „Last but not least“ konnte Wuppertals Sportamts-Leiterin Alexandra Szlagowski von der ersten erfolgreichen Etappe der Wuppertaler Olympia-Bewerbung berichten.

Chancenlos gegen Berliner Weltklasse-Team

Fabian Gutbrod stuft den Final-Four-Auftritt der Bergischen „Löwen“ realistisch ein, nicht etwa als Beginn einer neuen Ära, sondern als herausragenden, hart erarbeiteten Ausreißer nach oben. Ob er an diesen Erfolg geglaubt habe, wollte Martin Schneider von ihm wissen? Getreu der Manager-Erkenntnis, dass man den Gewinner am Start erkenne – den Verlierer aber auch, kam die Antwort spontan: „Klar, sonst hätten wir da ja gar nicht hinzufahren brauchen“.

Dem sensationellen Erfolg im Halbfinale über den hochfavorisierten SC Magdeburg folgte dann ja auch die Ernüchterung mit der 42:33-Final-Niederlage gegen die Berliner Füchse. Gutbrod: „Das Berliner Team gehört zu den TOP 5 Europas, wenn nicht der Welt. Da war schon unser Halbzeitergebnis von 22:17 ein Achtungserfolg.“ Unmöglich sei es im Grunde gewesen, die enorme Energieleistung aus dem Magdeburg-Spiel noch einmal zu wiederholen. Der Fokus sei jetzt wieder auf die Bundesliga gerichtet. Auch wenn das Team des Löwen-Trainergespanns, Markus Pütz und Arnor Thor Gunnarsson, derzeit vier Punkte Vorsprung auf Platz 17 habe, sei die Abstiegsgefahr hier noch nicht gebannt. Noch sind sechs Spiele zu bestreiten. Die Saison endet erst am 7. Juni mit dem Heimspiel gegen Frisch auf! Göppingen.

Martin Schneider (r.), ZDF-Sportkommentator und 1. Vorsitzender des VBS, beim spannenden, kurzweiligen Talk mit Tim Oberdorf (l.) und Fabian Gutbrod – © Siegfried Jähne

Lidl-Gruppe investierte für „Final Four“ 1,2 Mio. €

Natürlich stand auch die Frage nach der gesuchten und gewünschten, idealen Spielstätte für die „Bergischen Löwen“ im Raum. Nach dem Ausfall der Solinger Klingenhalle bleibt wohl die Wuppertaler Uni-Halle bis auf weiteres die beste Option. Mit der geplanten Wuppertaler Multifunktions-Arena auf dem ehemaligen Elberfelder Schaeffer-Gelände kam auch Sportamtsleiterin Alexandra Szlagowski ins Thema. Da es sich hier indes um das Projekt von privaten Investoren handele, sei die Stadt Wuppertal allerdings nicht im Spiel, Prognosen konnten folglich hier nicht sachgerecht sein.

Für Fabian Gutbrod bleibt aus mehreren Gründen der Düsseldorfer Schauplatz der „Mitsubishi Electric Halle“ trotz eines Fassungsvermögens von rund 4.000 Zuschauern auch künftig nicht die erste Wahl: „Sie müssen sich einmal den ungeheuren logistischen Aufwand vorstellen, den wir haben, wenn wir dort aufschlagen!“ Wie überhaupt das Thema der privaten Finanzierungen evident war. So habe die „Schwarz Gruppe“ (Lidl) in Köln wohl an den beiden Spieltagen rund 1,2 Mio. € investiert. Hier wurde im „Final Four“ um den DHB-Pokal ein mobiler LED-Glasboden mit interaktiven Elemente eingesetzt. Fabian Gutbrod beschrieb das als ein besonderes Erlebnis.

Der Wuppertaler SV gab ihm einen Korb

Interessante Erkenntnisse und verschiedene Parallelen aus der Welt des Fussballes entnahm man den Ausführungen von Tim Oberdorf (29), der 2022 erst relativ spät im Profilager ankam, nämlich bei Fortuna Düsseldorf, nachdem er sich zuvor ausgerechnet beim Wuppertaler SV einen Korb geholt hatte. Er hat ein besonders herzliches Verhältnis zu seiner Schwester Lena Oberdorf (24), Spielerin des FC Bayern München, die derzeit nach ihrem zweiten Kreuzbandriss erneut monatelang verletzt ausfällt.

Was läuft derzeit schief in Düsseldorf, wollte Martin Schneider von Tim Oberdorf wissen? Dieser nannte die häufigen Trainerwechsel zuletzt in Düsseldorf als sehr belastend und dies sei vielleicht einer der Hauptgründe. Tim Oberdorf: „Für einen Spieler ist eine Trainer-Entlassung auch mit dem Abschied eines Sport-Kameraden verbunden, dessen persönliches Schicksal untrennbar mit der Leistung der mitverantwortlichen Spieler verbunden ist.“ Das löse so etwas wie das Gefühl einer Mitschuld aus.

Trainer-Entlassungen, die Spieler belasten

Auf den beliebten, jetzt bei Werder Bremen unter Vertrag stehenden Daniel Thioune (2022 bis 2025, Entlassung nach einer Ergebniskrise), folgte bei der Fortuna von Oktober 2025 bis April 2026 Markus Anfang, der aufgrund von vier Niederlagen in Folge gefeuert wurde. Im April 2026 kam jetzt als „Feuerwehrmann“ Alexander Ende, der den drohenden Abstieg in die 3. Liga noch verhindern soll. Ein Abstieg, der Auswirkungen bis in die vierte Liga haben würde, weil es damit zum Zwangsabstieg der dortigen U23 käme und somit auf Umwegen einen möglichen Abstieg z.B. des Wuppertaler SV verhindern könnte.

Sensation beim „Final Four“, aber immer noch im Abstiegskampf – darüber sprach Moderator Martin Schneider (r.) mit BHC-Sportdirektor Fabian Gutbrod – © Siegfried Jähne

Tim Oberdorf beschreibt sein Verhältnis zum Fußball mit leidenschaftlich, wünsche sich aber mehr Fußball, dafür weniger Trubel. Aus gutem Grund verfolge er die Medien in kritischer Distanz und nicht so intensiv, weil die ihre eigene Perspektive hätten, oft ohne Einblicke in die tatsächlichen Gegebenheiten. Er konzentriere sich vielmehr auf seine Aufgabe und die bestünde aktuell nur darin, den Abstieg von Fortuna Düsseldorf zu verhindern.

RB Leipzigs Klostermann drückt Daumen

Der von Martin Schneider per Audio-Call aus Sachsen zugeschaltete Lukas Klostermann, 22facher deutscher Nationalspieler vom RB Leipzig mit ungeklärter eigener Zukunft, drückte Tim Oberdorf für das Ziel Klassenerhalt aus der Ferne die Daumen. Lukas Klostermann ist Oberndorfs Jugendfreund aus gemeinsamen sportlichen Zeiten bei der TSG Sprockhövel. Im Restprogramm sind für Düsseldorf noch vier Spiele zu absolvieren, zu Hause gegen Dresden und Elversberg, auswärts in Schalke und Fürth. Auf die Frage eines Journalisten-Kollegen, in welchem Stadion er auswärts am liebsten spielen würde, nannte er St. Pauli und Schalke, der besonderen Atmosphäre wegen.

Und wie sieht die Zukunft der beiden Fußballer aus: Tim Oberdorf würde noch gerne ein paar Jahre dranhängen, sich dann aber auf das Lehramt konzentrieren, für das er bereits eine akademische Ausbildung  besitzt (Deutsch und Sport). Und – sollte er noch einmal ein lukratives Angebot erhalten? Seine Antwort: „Ich hoffe, dass ich als bodenständiger Mensch niemals solche Gewissenskonflikte bekomme und wäre daher auch nicht böse, wenn so etwas nicht geschieht“, erklärte er lachend. Der studierte Betriebswirt Fabian Gutbrod sieht seine Zukunft weiterhin im Sport-Management, weil ihm als „vergesslicher Mensch“ reine Verwaltungstätigkeiten nicht lägen.

„Wie 1. Reihe im ZDF-Sportstudio“

Ausblicke gab auch Wuppertals Sportamtsleiterin Alexandra Szlagowski. Nicht ohne Stolz ging sie auf das gute Wuppertaler Abstimmungsergebnis zur Olympia-Bewerbung ein, das mit 55.000 Ja-Stimmen und 72 prozentiger Zustimmung überragend zu nennen sei. Im Schnitt erreichte die Rhein-Ruhr-Region 66 v.H., Köln nur 57 v.H. „Wir gehören jetzt zum kleinen, elitären Kreis der Ü 70ger“, freute sich Szlagowski.

Andreas Sauerwein (Geschäftsführer Barmer Brauerei), der in der Rolle des Gastgebers war, sprach aus, was wohl alle dachten. „Es war heute bei uns wie sonst nur in der ersten Reihe des ZDF-Sportstudios.“

Text: Siegfried Jähne 

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