15. April 2026

BHC im Finale des „Final 4“: Ein historischer Moment

Noah Beyer hatte die Sensation in der Hand. Nachdem Christopher Rudeck in der Verlängerung des Siebenmeter-Werfens gegen Matthias Musche gehalten hatte, war der Bergische HC nur noch einen Schritt von der Sensation im Halbfinale des DHB-Pokals gegen den haushoch favorisierten SC Magdeburg entfernt. Linksaußen Beyer, bei vier Versuchen zuvor bereits eiskalt, ließ sich die Gelegenheit nicht entgehen und machte die Sensation perfekt. Als die Kugel oben links einschlug, stand der bislang größte Erfolg der BHC-Geschichte fest. Noch nie hat der Bergische HC das Finale des DHB-Pokals erreicht.

So feierte der BHC den Einzug ins „Final 4“: „Kölle, mir kumme!“ Jetzt sind sie da – und wie! Die bergischen Löwen stehen nach einem sensationellen Sieg gegen Magdeburg im Finale gegen die Füchse Berlin – © Archivfoto Jochen Classen

Dieser 31:30 (11:11, 22:22, 27:27)-Erfolg nach Siebenmeter-Werfen in einem hochintensiven Spiel ist also ein Stück Vereinsgeschichte. Am Sonntag könnten sich die Löwen sogar als Pokalsieger krönen. Das Finale gegen die Füchse Berlin findet um 15.45 Uhr in einer erneut mit knapp 20.000 Zuschauern ausverkauften LANXESS arena statt. Die gigantische Halle in Köln lag bereits früh fest in BHC-Hand. Natürlich feuerten die Fans des SC Magdeburg ihr Team an, doch die Löwen eroberten nicht nur die Herzen ihre eigenen Fans, sondern auch des neutralen Publikums. Mit jeder Spielminute, in der der BHC dem SCM auf Augenhöhe begegnete und das Match offenhielt, kippte die Stimmung zugunsten des Außenseiters.

Der glaubte von Beginn an fest an seine Chance, bot defensiv eine überragende Vorstellung. Die Magdeburger mühten sich zu Abschlüssen, lagen in der 21. Minute sogar 5:8 hinten. Der BHC scheiterte zwar recht oft an Sergey Hernandez, leistete sicher aber nicht so viele technische Fehler und spielte im Angriff geduldig. Gerade über den Kreis oder die Außenpositionen lief das ordentlich. Zur Halbzeit stand es zwar „nur“ 11:11, aber das Match kippte nicht. Bis zur Pause hatten die Bergischen zwar hart verteidigt, aber keine Zeitstrafe kassiert. Danach gerieten sie drei Mal in Unterzahl und dadurch auch kurz in Rückstand. Das 12:13 egalisierte Fynn Hangstein durch eine Freiwurf-Variante, mit der Magdeburg auf keinen Fall gerechnet hat – es sollte nicht das letzte überraschende Tor für die Löwen gewesen sein.

Zuschauer glaubten an die Überraschung

Es blieb unheimlich spannend und extrem intensiv. Immer mehr glaubten die Zuschauer an die Überraschung, immer wieder feuerten nicht nur die Fans ihre Mannschaft an, sondern auch die Mannschaft ihre Fans. Bereits zu diesem Zeitpunkt lag ein historischer Moment in der Luft. Sören Steinhaus und Aron Seesing trafen, Kim Voss-Fels übernahm unmittelbar nach seiner Einwechslung Verantwortung und donnerte den Ball zum 16:15 in die Maschen.

Danach kassierte der Rückraum-Linkshänder zwei Zeitstrafen, die der BHC mit aller Leidenschaft überstand. Eloy Morante Maldonado brachte seine Farben drei Mal in Führung, dann war es Noah Beyer, der per Strafwurf zum 21:20 traf. Der Champions-League-Sieger egalisierte und stellt nach einem BHC-Fehler auf 22:21. Einen klareren Rückstand verhinderte Torhüter Christopher Rudeck, der in der zweiten Hälfte richtig aufgedreht hatte. So parierte er gegen Manuel Zehnder bereits seinen dritten Siebenmeter. Aron Seesing stellte auf 22:22, das das Match in die Verlängerung brachte, weil beide Teams ihre letzten Angriffe nicht nutzten.

Christopher Rudeck hielt beim alles entscheidenden Siebenmeterwerfen, den entscheidenden Siebenmeter und löste einen Riesenjubel bei seinen Mitspielern und den Fans aus – © Archivfoto Jochen Classen

In der erarbeitete sich der BHC wieder einen Vorteil. Rudeck war beim Strafwurf zur Stelle, Fynn Hangstein traf doppelt. Johannes Wasielewski war Zielspieler des nächsten erfolgreichen Freiwurf-Tricks. In der zweiten Hälfte der Verlängerung besorgte Beyer das 26:24, Wasielewski das 27:25. Der Erfolg war schon zum Greifen nah, aber zwei verwandelte Strafwürfe von Omar Ingi Magnusson brachten den SCM noch ins Siebenmeter-Werfen.

Beyer, Julian Fuchs und – kalt von der Bank im wahrsten Sinne des Wortes – Lukas Becher verwandelten für den BHC. Rudeck hielt zwei Mal und musste drei Bälle passieren lassen, so dass es auch bei den Siebenmetern Nachschlag gab. Nach Rudecks nächster Heldentat zeigte Beyer, dass Eis durch seine Adern fließt. Sein Tor krönte ein denkwürdiges BHC-Spiel.

Löwengebrüll – Stimmen zum Spiel

Markus Pütz: „Für uns ist das eine Wahnsinnssache. Im Siebenmeter-Werfen kann natürlich alles passieren. Es war ein Spiel auf Messers Schneide. Ich bin sehr stolz auf die Jungs, wie sie das Match angenommen haben. Wie leidenschaftlich wir verteidigt haben und Magdeburg nach 60 Minuten bei 22 Toren gehalten haben. Wir haben auch Spielwitz gezeigt bei den Aktionen mit dem letzten Pass. Viele von uns kommen aus der Region und saßen auf der Tribüne, haben hier in dieser Halle mal zugeguckt und damit fing es an, sich für den Handball zu begeistern. Dass wir dann hier mal stehen dürfen und ins Finale einziehen, ist Wahnsinn. Riesenrespekt an die Mannschaft. Das war großes Kino.“

Benett Wiegert: „Es war ein absolut verdientes Weiterkommen des BHC. Ich fand es auch nicht glücklich, wenn man den Spielverlauf anschaut. Der BHC hat es absolut verdient, das Finale klarzumachen. Natürlich kann man sagen, dass das Siebenmeter-Werfen eine Lotterie ist. Das sehe ich nicht so. Wer in 2026 unsere Probleme vom Punkt kennt, weiß, dass ich nicht glücklich war, ins Siebenmeter-Werfen zu gehen. Ich kann nur gratulieren. Es war ein aufopferungsvoller Kampf des BHC. Wir haben versucht, dagegen zu halten. Aber wir hatten nicht das spielerische Moment, um das so zu lösen, wie wir das gewohnt können. Unsere Wurfquote war einfach auch zu schlecht, um als Sieger vom Parkett zu gehen. Es tut unheimlich weh, in der Kabine sieht es aus wie ein Trümmerhaufen. Wir waren in den letzten Monaten verwöhnt von Siegen, aber haben auch die Größe eine Niederlage anzuerkennen.“

Das BHC-Trainergespann Arnor Thor Gunnarsson (l.) und Markus Pütz hatte haargenau die richtige Taktik für das Spiel gegen den haushohen Favoriten ausgetüftelt – © Archivfoto Jochen Classen

Fabian Gutbrod: „Wir hatten uns vorgenommen, dass wir das Spiel so lange wie möglich offen halten. Das ist uns dann sehr lange geglückt. Wir machen es überragend, waren klarer Underdog und schaffen es, zumindest das Siebenmeter-Werfen zu verdienen. Das gewinnt man in der Regel glücklich. Trotzdem ist die Freude riesengroß bei uns.“

Bergischer HC – SC Magdeburg 31:30 (11:11, 22:22, 27:27) nach 7m-Werfen

Bergischer HC: Rudeck, Diedrich – Beyer (7/5), Becher (1/1), Massoud, Steinhaus (2), Hangstein (5), Morante Maldonado (4), Babak, Babarskas, Seesing (3), Kooij (2), Thiele, Wasielewski (4), Voss-Fels (1), Fuchs (2/1). Trainer: Arnor Gunnarsson und Markus Pütz

SC Magdeburg: Hernandez Ferrer, Mandic – Musche (1/1), Claar (8), Zehnder (2/1), Kristjansson (3), Pettersson (2), Magnusson (5/5), Hornke (1/1), Jonsson, Weber, Lagergren (5), Mertens (2), Saugstrup (1/1), O’Sullivan, Bergendahl. Trainer: Bennet Wiegert

Schiedsrichter: Marcus Hurst und Mirko Krag

Siebenmeter ohne 7m-Werfen: 3/3 – 6/10

Zeitstrafen: 3 – 0 (Voss-Fels (2), Seesing)

 

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