20. April 2026Peter Pionke
WSV am Abgrund: Überfordert und planlos
Enttäuschung pur: WSV-Stürmer Jeff-Denis Fehr nach dem Abpfiff im Stadion am Zoo – © Jochen ClassenEs war ein Spiel, das selbst die treuesten WSV-Fans ratlos zurück ließ. Als die Spieler wie üblich nach dem Schlusspfiff die Nähe zu den Fans in der Nordkurve suchten, hatten diese das Stadion bereits demonstrativ verlassen. Hängende Köpfe allenthalben, wenn sich überhaupt noch ein Offizieller zeigte. Für Trainer Mike Wunderlich eine Pflichtübung in der Pressekonferenz, die er sich kaum entziehen konnte. Wunderlich: „Wir haben den Gegner kaum vor Aufgaben gestellt, wenn wir den Ball hatten. Wir waren absolut harmlos“.
„Wahnsinn!“ Eine WSV-Abwehr mit Problemen
Das größte Problem war diesmal nicht nur für ihn die Abwehr seines Teams: „Was wir für Gegentore kriegen, das ist absolut Wahnsinn,“ resümieren der Coach. Tatsächlich war die Partie bereits nach sechs Minuten quasi entschieden, als seine Mannschaft bei einer Ecke im „vorauseilendem Gehorsam“ nach vorne geeilt war, auf den folgenden Konter der lauf- und spielstarken Gäste aber nicht eingestellt war.
Da erlief sich der 20jährige argentinische U20-Nationalspieler Alejo Uriel Sarco Castro den Ball, tanzte Toshiaki Miyamoto aus und schoss den Ball ins lange Eck. Man konnte förmlich spüren, was dieser abermals schnelle Gegentreffer mit der Moral der Rot-Blauen machte, die sich soviel vorgenommen hatten. Die Taktik, defensiv zu operieren, konnte da schon nicht mehr aufgehen. Das 0:2 entstand dann in der 22. Minute nach einem normalen, einfachen Doppelpass zwischen Jan Urbich und Justin Adozi, der WSV Torwart Michael Luyambula keine Abwehr-Chance ließ. Gladbachs Trainer Oliver Kirch erkannte: „Das zweite Tor hat beim Gegner etwas bewirkt, der sich nicht aufgegeben und gerade versucht hatte, den Anschluss zu erzielen.“
Am mangelnden Einsatz lag es nicht, dass der WSV so klar gegen die U23 von Borussia Mönchengladbach verlor. Hier geht Miyamoto beherzt in den Zweikampf – © Jochen ClassenSchlimmer kam es beim 3:0 für die Gladbacher „Fohlen“: Einen Schuss von Lea Wörsdörfer liess WSV-Keeper Mike Luyambula nach vorne abklatschen. Der eingewechselte Fritz Henri Fleck bedankt sich und staubte zum 3:0 ab. Trainer Wunderlich sichtlich genervt: „Absoluter Wahnsinn. Wenn du so etwas Woche für Woche hast, ist das nicht Regionalliga tauglich. Somit haben wir das Spiel hochverdient verloren“.
Levin Müller mit der einzig gefährlichen Aktion
Gute Szenen hatte das WSV-Team zu Beginn der Zweiten Hälfte, als Trainer Wunderlich auf Viererkette umstellte sowie Noah Heim und Levin Müller einwechselte. Ein Schuss von Müller sollte aber die einzige gefährliche Aktion der Bergischen bleiben. Coach Wunderlich resigniert:“ Wir konnten bis auf Levin Müllers Abschluss kurz nach der Pause keine richtige Torchance erspielen“. Offensive Alternativen gab es für das WSV-Trainer-Team indessen kaum, weil Josue Santo, Kadi Atmaca (beide verletzt) und Amin Bouzraa (gelbgesperrt) ausfielen. Dabei hat der WSV mit nur 31 Toren eine ohnedies erschreckende Bilanz. Nur Neuling Velbert ist mit nur 29 Toren noch schlechter dran..
Tatsächlich hatte der WSV in einem insgesamt unspektakulären Spiel nicht eine einzige echte Torchance. Bei allen erkennbaren Bemühungen, es fehlte gegen die in jeder Hinsicht überlegenden Gladbacher Jung-Fohlen doch einiges, und zwar sowohl an Spieltechnik, Athletik als auch an Schnelligkeit. Wie blank die Nerven im WSV-Team lagen, zeigte sich in einer Szene kurz vor Spielende, als der erfolglose Jeff-Denis Fehr den Ball nicht traf und stattdessen wutentbrannt eine Werbebande attaktierte.
Ein Foto, das Bände spricht: Berater Stephan Küsters völlig niedergeschlagen auf der Trainerbank – © Jochen ClassenGladbach beendete in Wuppertal eine englische Woche mit drei siegreiche Spielen bei 8:2 Toren und brauchte sich im Zoo-Stadion bei weitem nicht verausgaben. Während Gladbach den Anschluss an die Spitzengruppe hält, bleibt Wuppertal tief im Tabllenkeller. In den letzten sieben Spielen gab es keinen einzigen Sieg, dafür fünf Niederlagen und zwei Unentschieden. Vier Spieltage vor dem Saisonende hinken die Rot-Blauen mit einem fünf Punkte-Rückstand hinter dem rettenden 15. Platz her, den aktuell der SV Rödinghausen einnimmt und auch von der SSVg Velbert als derzeit 16. begehrt wird, und zwar mit vier Punkte Rückstand bei noch einem Nachholspiel.
Noch vier Spiele, die alles entscheiden
Es gilt aber für den WSV auch noch diesen 16. Tabellenplatz im Auge zu behalten. Sollte nämlich eine Bundesliga-Mannschaft absteigen, die auch eine Regionalliga-Team hat – wir berichteten- käme es zum Zwangsabstieg dieser Regionalliga-Mannschaft mit der Folge, dass der Drittletzte (16.) in der Regionalliga verbleibt. Heißer Anwärter auf den Zweit-Bundesliga Abstieg ist aktuell Fortuna Düsseldorf. Die letzten vier Spiele bestreitet der WSV, aktuell Tabellen-Siebzehnter, bei RW Oberhausen (25. April), gegen den FC Gütersloh (2. Mai), bei Fortuna Düsseldorf U23 (9. Mai) und gegen den Bonner SC (16. Mai). Anstoß ist jeweils um 14 Uhr. Die Hoffnung ist, dass man anschließend nicht den „Mantel des Schweigens“ bemühen muss…
Text: Siegfried Jähne
Wirkte völlig ratlos nach der erneuten Niederlage: WSV-Trainer Mike Wunderlich – © Jochen ClassenWuppertaler SV – Borussia Mönchengladbach U23 0:3 (0:2)
Wuppertaler SV: 1 Michael Luyambula (TW) – 2 Subaru Nishimura, 3 Toshiaki Miyamoto, 6 Dominic Duncan (K, ab 46. Müller), 9 Fritz Kleiner (ab 46. Heim), 10 Vincent Schaub, 13 Juraj Hartmann, 16 Nicolas Hirschberger, 19 Jeff Fehr, 26 Marko Stojanovic, 33 Cenk Durgun – Trainer: Mike Wunderlich
Borussia Mönchengladbach U23: 32 Maximilian Neutgens (TW) – 2 Simon Walde (ab 62. Wörsdörfer), 9 Justin Adozi (ab 62. Korb), 11 Jan Ubrich (ab 62. Fleck), 14 Yannick Michaelis (ab 72. Berko), 23 Michel Lieder (K, ab 80. Atty), 25 Lion Schweers, 28 Alejo Uriel Sarco Castro, 31 Veit Stange, 39 Niklas Swider, 43 Tyler Louis – Trainer: Oliver Kirch
Tore: 0:1 Marco (06.) – 0:2 Adozi (22.) – 0:3 Fleck (68.)
Gelbe Karten: Adozi (Foul an Schaub, 41.), Hartmann (Trikotziehen im Mittelkreis, 43.)
Schiedsrichter: Florian Visse (36, SV Schwarz-Weiß Esch, Ibbenbühren)
Zuschauer: 1526
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