25. Februar 2020

Angelika Bartsch SerienStar Tatort TVStar

Angelika Bartsch: Der Nachwuchs bereitet ihr Sorgen

Im "Tatort", beim "Polizeiruf 110" und in vielen deutschen TV-Krimi-Serien. Gesehen hat sie schon jeder und ihre rauchige Stimme hat einen hohen Wiedererkennungswert. Die erfolgreiche Schauspielerin Angelika Bartsch (60) ist seit vielen Jahren gut im Geschäft. Aber sich macht sich Sorgen um den Nachwuchs. Die Ex-Dozentin sagt ganz klar: "Ich kann es nicht mehr verantworten, junge Schauspieler auszubilden!"

Angelika Bartsch in der Rolle einer Diva – © Foto: Monika Sander
Angelika Barsch in der Rolle einer Diva – © Foto: Monika Sander

Sie liebt Rollen, in denen sie geheimnisvolle, undurchschaubare, zwielichtige Frauen spielen kann. Charaktere mit Grautönen, bei denen die Grenzen zwischen Gut und Böse zerfließen, sind Angelika Bartsch auf den Leib geschrieben. Diese verkörpert sie wie keine andere. Diven mit eiskaltem Blick und zynischer Mimik, dass dem Gegenüber das Blut in den Adern gefriert. Ob auf der Bühne oder vor der Kamera – Angelika Bartsch hat ihre Nische gefunden.

Sicher ein Grund, warum die 60 Jahre alte Schauspielerin, die im Privatleben warmherzig und humorvoll gilt, seit langem bei Regisseuren und Produzenten sehr gefragt ist. Die Schauspielerin hat auch eine Wuppertaler Vergangenheit. Angelika Bartsch: „Ich war von 1991 bis 1996 bei den Wuppertaler Bühnen engagiert und habe die Zeit dort sehr genossen. Mich verbindet nach wie vor viel mit dieser Stadt. Das war auch der Grund, warum ich bei ‚King Ping‘ mitgemacht habe.“

In dem von Dirk Michael Häger und Christoph Schmidt (Rex-Film) komplett in Wuppertal produzierten Low-Budget-Kino-Krimi „King Ping“ spielte Angelika Bartsch eine Kindergärtnerin. Der schrille Streifen, der bei den Kritikern sehr gut ankam, wurde 2013 zum großen Teil im Mirker Bahnhof unter der Regie von Claude Giffel gedreht.

Fast alle Darsteller stammen aus Wuppertal oder haben einen Bezug zur Bergischen Metropole: Christoph-Maria Herbst, Sierk Radzei, Godehard Giese, Bela B., Hans-Martin Stier, Jana Moosen, Hans Richter, Barbara Seifert, Uwe Dag Berlin, Sinan Akkus, Marco Wohlwend, Jörg Reimers, Lilay Huser, Marcia Golgowsky, Lore Duwe und eben Angelika Bartsch.

Geheimnisvoll: Angelika Bartsch – © Foto: Monika Sandel

 

Die große Schauspielerin ist längst nicht nur vor der Kamera oder auf der Bühne eine große Persönlichkeit. Auch hinter den Kulissen hat ihr Wort Gewicht. Sie führt auch selbst Regie und hat nicht umsonst viele Jahre als Dozentin an der Arturo Schauspielschule in Köln und der Theaterschule im Theater der Keller (Köln) gearbeitet.

Doch heute gibt Angelika Bartsch keinen Schauspielunterricht mehr. Und das hat einen triftigen Grund: „Ich mache mir große Sorgen um den Schauspiel-Nachwuchs. Und ich kann es nicht mehr verantworten, junge Leute mit großen Idealen in unsere harten und schnelllebige Berufswelt zu schicken. Deshalb bilde ich nicht mehr aus.“ Klare Worte einer starken Frau.

Immer mehr Schauspieler leben – so die Mimin – heute von der Hand in den Mund, müssen um jede kleine Rolle kämpfen, agieren hart am Existenzminimum. An vielen Theatern und auch bei vielen TV-Sendern spielt inzwischen der Rotstift eine Hauptrolle. Das war zu ihrer Zeit noch anders.

So überzeugend echt sie zwielichtige Frauen in ihren Film darstellt, so sympathtisch ist Angelika Bartsch privat. Sie selbst kam auf Umwegen zur Schauspielerei. Nach der Mittleren Reife arbeitete die gebürtige Heilbronnerin zwei Jahre lang als Erzieherin, ehe sie von 1977 bis 1981 eine fundierte Schauspielausbildung an der renommierten Westfälischen Schauspielschule in Bochum absolvierte.

 

Zwölf Mal im „Tatort“ dabei

 

An ihre erste Rolle im Schauspielhaus Bochum kann sich Angelika Bartsch noch sehr gut erinnern. Sie spielte die Ida in der Operette „Die Fledermaus“. Die erfolgreiche Kino- & TV-Schauspielerin hat die Theater-Bühne nie vernachlässigt. Sie war u.a. am  Düsseldorfer Schauspielhaus, am Deutschen Natonaltheater Weimar, am Schauspielhaus Hamburg und am Staatstheater Karlsruhe und eben auch bei den Wuppertaler Bühnen engagiert. 2008 erhielt sie bei den „Bad Gandersheimer Domfestspielen“ den „Roswitha Ring“ als beste Darstellerin.

Einem breiten Publikum ist das Gesicht von Angelika Bartsch aber ein Begriff, weil sie bereits in fast allen bekannten und erfolgreichen TV-Krimi-Serien gebucht war. Sie spielte in Kino- oder TV-Filmen wie „Schlafes Bruder“ (1995), „Der Mörder und die Hure“ (1996), „Ende einer Leidenschaft“ (1997), „Das Trio“ (1998), „Rohtenburg“ (2006), „Das Glück ist ein Kaktus“ (2011), „Die besondere Schwere der Schuld“ (2014) mit Götz George oder „Auf der Strasse“ mit Christiane Hörbiger mit.

Und die Wahl-Hamburgerin wurde bereits 12 Mal für Rollen im ARD-Krimi-Flaggschiff „Tatort“ gebucht.

Mit den Duisburger Tatort-Kommissaren Götz George und Eberhard Feik stand sie bereits 1985 in „Doppelspiel“ vor der Kamera. In „Spuk aus der Eiszeit“ (1988), „Schmutzarbeit“ (1989) und „Der König kehrt zurück“ (1995) für den legendären Hamburger Tatort mit Manfred Krug und Charles Brauer, für „Animals“ (1991) und „Aida“ (1996) mit dem Münchener Kommissaren-Duo Miroslav Nemec und Udo Wachtweitl, für „Bestien“ (2001) und „Klassentreffen“ (2010) mit dem Kölner Gespann Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär und nicht zuletzt für den Münsteraner „Tatort – Erkläre Chimäre“ (2015) mit Axel Prahl und Jan Josef Liefers.

Seit 2013 ist Angelika Bartsch als Rechtsmedizinerin Dr. Hannah Holle an der Seite von Kai Schumann (Kommissar) und Janine Kunze (Staatsanwältin) in der beliebten ZDF-Serie „Heldt“ zu sehen, die in Bochum spielt. Im Oktober dieses Jahres wird bereits die 8. Staffel ausgestrahlt.

Ihre Pläne für die Zukunft: „Ich wünsche mir weiterhin viele abwechslungsreiche Rollen“. Auch wenn die Schauspielerei ist inzwischen für viele ihrer Kolleginnen und Kollegen ein hartes Geschäft geworden ist, wird Angelika Bartsch weiterhin ihre Angebote bekommen – dafür sprechen Ihr großes Talent, über 40 Jahre Berufserfahrung, ihre Wandlungsfähigkeit und ihre Fähigkeit, geheimnisvolle und zwielichtige Frauen zu verkörpern.

Text: Peter Pionke

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