2. Oktober 2026

Charles Petersohn: Auf den Spuren von Peter Kowald

Charles Petersohn, Musiker, Komponist, DJ, Moderator, lässt seine Fans in seiner Kolumne regelmässig an seiner künstlerischen und musikalischen Gefühlswelt teilhaben. Er macht auch auf Veranstaltungen aufmerksam, bei denen er oder seine Musik-Kolleginnen und -Kollegen für das coole Feeling und den Groove sorgen. Und er gibt zudem der freien Kultur-Szene eine Stimme!

Der bekannte, erfolgreiche Musiker, Komponist und Autor Charles Petersohn ist seit Jahren in Wuppertal eine kulturelle Institution – © Bettina Osswald

Am Samstag (03.10) und Sonntag (04.10.) sind bei der WOGA Ost (für nicht Wuppertaler / Wuppertaler Offene Galerien und Ateliers) zwei junge Künstlerinnen zu Gast, die ich im Sommer 2025 im FKK (Freies Kunst Kollektiv) kennengelernt habe, Xenia Jil Noir und Lilia Haase.

Aus dieser Begegnung ist ein reger Austausch und gegenseitiges Besuchen, meistens im KuKuNa oder LOCH, geworden. Die Gemeinschaftsausstellung wird sehr kontrastreich. Dennoch haben die Beiden etwas Entscheidendes gemeinsam, sie widmen sich dem Sehnsuchtsort Natur. 

Xenias Werke springen einem durch ihre enorme Farbigkeit beinahe ins Gesicht. Malereien von Pflanzen, die sie in einem Acker sät, auf Wiesen findet und gelegentlich im Blumenladen kauft. In diese Bilderwelt kann man sehr tief eintauchen.

Lilia hingegen zeichnet. Seit ihrer Kindheit. Bilder aus Märchen-, Fabel-, Comic- und Traumwelten. Schwarz weiss mit Bleistift oder digital auf dem Screen. Die Natur in ihren Arbeiten schenkt ihnen Kraft und Ruhe. Ermöglicht ihnen Zeit außerhalb von Stadt und Zivilisation. Beide verbinden durch ihre bildende Kunst das intensive Auseinandersetzen mit sich selbst.

Ich steuere bei der Ausstellung ein wenig Musik bei: Ambient, Jazz und House. Samstag von 14 bis 20 Uhr – Sonntag von 12 bis 18 Uhr im KUKUNA – Hünefeldstraße 52c – 42285 Wuppertal.

Das Kultur-Magazin „Interkulturfestival Wuppertal“ aus dem Jahr 1994 – © Charles Petersohn

In der gerade erschienenen Ausgabe 04/26 des Kunst- und Kulturmagazins „Die beste Zeit“ habe ich über den Sehnsuchtsort Natur geschrieben. Die Ausstellung und persönliche Aspekte, die zur Kunst der beiden Frauen führen, aber auch das KuKuNa selbst, stehen im Mittelpunkt des Artikels.

diebestezeit gibt es ausschließlich als Druckwerk. Findet es in Cafés, kauft es im Laden eures Vertrauens oder bestellt ein Abo!

Musikalische Begegnungen im ORT

Der ORT, das Wuppertaler Zentrum für improvisierte Musik und Kunst, war und ist für mich ein Ort der Inspiration, obwohl ich viel zu selten dort bin. Es war das Haus, der Proberaum und die Bühne für Heimspiele des Free Music Bassisten Peter Kowald.

Seit seinem Tod wird das Zentrum von Nachbarinnen, Nachbarn Freunden und Fans weiterbetrieben. Die Peter Kowald Gesellschaft pflegt das Erbe, überträgt den Geist seines Schaffens durch „Genre“ typische und untypische Konzerte, Residenzen und Happenings verschiedener Künste.

Erst vor wenigen Tagen ist mir ein altes Magazin in die Hände gefallen, „Interkulturfestival Wuppertal“ 1994, in dem der letzte Artikel 365 TAGE AM ORT gewidmet wurde. Ein komplettes Jahr, in dem sich Kowald von jahrelangen Tour Strapazen erholt hat. Er fuhr in seinem weißen Passat Combi ständig von einem Gig zum nächsten. Als wir mal zusammen einen Kaffee tranken, offenbarte er mir: „Übermorgen spiele ich in Kopenhagen, am nächsten Abend in Mailand.“ 

Das Kunst- und Kulturmagazin „Die beste Zeit“, in dem ich über den Sehnsuchtsort Natur geschrieben haben – © Charles Petersohn

Das alles mit dem Auto, meist allein, schlafen im Auto, essen und Körperhygiene auf Raststätten. Irgendwann war die Luft raus aus diesem tollen Mann. Und so lud er Musiker, Künstlerinnen, Künstler und Freunde aus aller Welt ein, ihn vor Ort zu besuchen, um all das kreative Treiben ohne Reisestrapazen weiter betreiben zu können und mehr Zeit für die Menschen und sich selbst zu haben. Bis heute hört man Geschichten aus diesem besonderen Jahr.  Als ich vor elf Jahren mit meiner damaligen Band „Moodi Allen“ im ORT auftreten durfte, fühlte ich mich außergewöhnlich.  Der Raum selbst strahlte enorme Ruhe aus, Lampenfieber hatte ich an diesem Abend nicht. Und wie auch immer man das beschreiben mag, der ORT war wie Peter Kowald selbst. Ruhig und beseelt von etwas Neuem, Unbekanntem.

Das Konzert war großartig. Den im Ort gespielten Sun Ra Song Astro Black könnt ihr bei Bandcamp hören und natürlich auch kaufen.

Am Sonntag (18.10.) von 15 Uhr bis 18 Uhr sind Mitch Heinrich und ich vor Ort und legen Musik auf, Jazz, einfach Jazz und Zeugs, das irgendwie dazugehört. Auf Schallplatten, CDs und mit USB-Stick. Wir spielen dem Kowald ein Ständchen – und hoffen, dass viele Menschen kommen werden.

Ebenso wie bei vielen anderen, nahezu allen Kultureinrichtungen (nicht nur in Wuppertal) muss derzeit jeder Euro mehrfach umgedreht werden! Kommt zahlreich. Eintritt frei – Spende dringend erwünscht.

Ich freue mich auf das, was da kommt. Denn Musik und Kunst sind ja auch „me time“.

Euer Charles Petersohn

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