29. August 2026

Sabine Schmitz: Tennis-Queen und Funktionärin

Der Tennisschläger gehört zu ihrem Leben dazu wie das Schminktäschchen und der prall gefüllte Terminkalender. Als Neunjährige jagte Sabine Schmitz erstmals dem gelben Filzball hinterher. Heute, mit Mitte 60, ist die jung gebliebene, attraktive Essenerin immer noch in Sachen Tennis aktiv. Und das sogar in doppelter Funktion: Als Spielerin und als Funktionärin.

Als Neunjährige hatte Sabine Schmitz erstmal einen Tennisschläger in der Hand. Heute ist sie immer noch mit Leidenschaft aktiv – als Spielerin und als Funktionärin – © privat

„ETUF von der Wiege bis zur Bahre“, sagt sie scherzhaft. Für den Essener Nobel-Club schlug Sabine Schmitz, die bereits als hochtalentierte Jugend-Nationalspielerin die große, weite Tenniswelt kennenlernte, als 18jährige in der Damen-Bundesliga auf. Ihre Mannschaftskameradinnen waren damals Tennis-Größen wie Helga Masthoff, zweimalige French-Open-Finalistin und 1970 Nummer 4 der Tennisweltrangliste, die viermalige Deutsche Meisterin Heide Orth oder Gabi Dinu, immerhin 123. der Welt. Heute ist sie Seniorenspielerin und Sportwartin des Vorzeige-Clubs.

Sabine Schmitz hatte auch das Zeug, ganz große Tennisgeschichte zu schreiben. Doch sie hat sich voller Überzeugung entschieden: Familie statt Karriere. Sie heiratete und brachte nacheinander Frederick, Katharina und Lara zur Welt. Alle drei haben das Tennis-Talent ihrer Mutter mehr oder weniger geerbt, sind aber durch Beruf oder Familie stark eingeschränkt: Frederik ist Radiologe, Karina, zweifache Mutter und selbstständige Wirtschaftsprüferin sowie Lara, von Beruf Gesundheitsökonomin, hat vor kurzem ihr erstes Kind bekommen.

Sabine Schmitz als blutjunge Bundesliga-Tennisspielerin – © privat

Dafür ist Sabine Schmitz selbst, seid die drei aus dem Haus sind, als Seniorin auf dem Tennis-Court wieder sehr aktiv und räumt kräftig Titel ab. Im Doppel und im Mixed ist sie dreifache Altersklassen-Vizeweltmeisterin. Platz 3 war im Einzel ihre beste Platzierung bei einer WM. Zwei Altersklassen-Einzel-Europameister-Titel und unzählige Deutsche Meisterschaften krönen ihre erfolgreiche Tennis-Karriere. 2020 wurde sie als beste Tennisspielerin Europas in der Altersklasse 60 ausgezeichnet.

Bescheiden wie sie nun einmal ist, spielt Sabine Schmitz dieses großen, beeindruckenden Erfolge herunter: „Ist doch eigentlich nur Kaffee-Tennis.“ Denn als amtierende Präsidentin des Tennisverbandes Niederrhein (TVN) hat sie selbstverständlich auch den Spitzensport im Blick: „Ich freue total über die Entwicklung und den steilen Aufstieg des Duisburgers Tom Gentzsch, ein total ehrgeiziger und sympathischer Junge. Er steht für eine neue, deutsche Tennis-Generation mit einigen sehr guten Talenten, die wirklich Hoffnung für die Tennis-Zukunft machen.“

Sabine Schmitz (l.) im Nationaltrikot mit ihren Mannschaftskameradinnen Ulrike Hachmöller-Eisenbach (r.) und Gundula Wieland bei den Tennis-Europameisterschaft im Ali Bey Club Manavsat (Türkei) – © privat

Tom Gentzsch gewann 2022 mit 18 Jahren das Weltranglisten-Turnier „Future“ in Trier. Damals war er noch die Nummer 803 der Welt. Inzwischen kletterte der Tennis-Bundesliga-Spieler des zweimalige Deutschen Meister TC Essen-Bredeney bis auf Platz 145. Tendenz weiter steigend.

Zurück zu Sabine Schmitz. Als Präsidentin des Tennisverbandes Niederrhein ist sie auch als eine von zwei Frauen Mitglied im Bundesrat des Deutschen Tennisbundes und im Masterkomitee der „International Tennis Federation“ (ITF), mittlerweile „World Tennis“. „Es macht richtig Spaß, so viele unterschiedliche Menschen aus verschiedensten Kulturen zu treffen, die eines verbindet: Der Tennissport. Wir kommen dreimal im Jahr irgendwo auf der Welt zusammen. Das nächste Meeting findet im November in Japan statt. Aber daran kann ich leider nicht teilnehmen.“ Warum nicht, das erfahren Sie zum Schluß.

Für ihr Organisations-Talent ist Sabine Schmitz in der Tennis-Szene seit langem bekannt. Ob es Weltmeisterschaften oder Europa-Titelkämpfe in den Alterskassen sind, für die Essenerin kein Problem. Dagegen war im Jahr 2025 die Ausrichtung der zehn Tage dauernden „FISU World University Games“, kurz Studenten-Tennis-Weltmeisterschaften mit über 8.500 Teilnehmern aus rund 150 Nationen schon eine ganz andere Hausnummer.

Sabine Schmitz war Chef-Organsatorin der „FISU World University Games 2025“ in Essen – © privat

Aber auch diese Herausforderung meisterte sie glänzend gemeinsam mit ihrem Team. „Dieses tolle Event mit vielen interessanten menschlichen Begegnungen war für mich persönlich ein unvergessliches Highlight“, schwärmt Sabine Schmitz. Und ein Nachhaltiges obendrein. Ein paar Monate später traf sie nämlich per Zufall den Stiefvater des japanischen Studenten Jay Dylan Hara Fried, dem Einzel-Sieger des Mega-Turniers in Essen. Und der berichtete ihr, sein Sohn habe ihm erzählt, die Zeit in Essen seien die bisher schönsten Tage seines Lebens gewesen.“ Ein größeres Kompliment kann es kaum geben. Ein Ritterschlag für die Organisatorin. 

Sabine Schmitz freut sich jetzt auf den November. Da nimmt in der Türkei zum letzten Mal – wie sie selbst glaubt – als aktive Spielerin an den Ü60-Tennis-Weltmeisterschaften teil. Das ist auch der Grund, warum sie nicht am Treffen des ITF-Masterkomitees in Japan teilnehmen kann. Beides zu gleichen Zeit geht eben nicht. Die leidenschaftliche Tennisspielerin entschied sich ohne Wenn und Aber für die Weltmeisterschaften – so klar und eindeutig, wie sich damals in jungen Jahren für die Familie entschieden hat.

Text: Peter Pionke

Das Plakat für die FISU World University Games“ im Jahr 2025 – © rhineruhr2025.com

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