6. August 2026Peter Pionke
Klaus Voormann: Ein Star, der gerne eine Nebenrolle spielt
Ausnahme-Bassist und Grafiker Klaus Voormann (l.) mit dem Wuppertaler Unternehmer sowie Kunst- &Sport-Mäzen Bernd Bigge – © Paul CoonKlaus Voormann hat in seinem Leben eigentlich zwei mega-erfolgreiche Karrieren hingelegt, eine als Grafiker, die zweite als Musiker. Obwohl er an Legasthenie (LRS) litt, machte er sein Abitur. „Ich konnte noch nicht einmal eine Speisekarte lesen“, gestand Klaus Voormann einmal bei der Veranstaltung „SpätLESE“ in der HAKO-Event-Arena. Ein Genie Lese-Rechtschreibstörung, auch das gibt es offensichtlich.
An der Meisterschule für Gestaltung in Hamburg studierte Klaus Voormann, der damals schon Bass spielte, erfolgreich Grafik-Design und Illustration. In seiner Hamburger Zeit lernte er 1960 im berühmten „Kaiserkeller“ auch die damals noch unbekannten Band “The Beatles“ kennen.
Beinahe Bassist bei den „Beatles“
Als Stuart Sutcliffe, Bassist der „Pilzköpfe“, entschied, sich aus der Musik-Szene zu verabschieden, kaufte Klaus Voormann ihm 1961 den Bass ab. John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Drummer Pete Best, der 1962 durch Ringo Starr ersetzt wurde, spielten mit dem Gedanken, Klaus Voormann als neuen Bassmann zu engagieren. Doch dann entschied Paul McCartney, der damals noch Gitarrist war, selbst in Zukunft Bass bei den „Beatles“ spielen.
Damit war Klaus Voormann erst einmal aus dem Rennen, blieb den „Beatles“ aber bis heute eng verbunden. Inzwischen selbst Bassist bei der Band „Manfred Mann“, die Hits wie „Ha! Ha! Said the Clown“, „Semi-Detached Surburban Mr. Jones“, „Mighty Quinn“, „My Name Is Jack, „Fox On The Run“ oder „Ragamuffin Man“, veröffentlichte, gestaltete er das Cover des berühmten Beatles-Albums „Revolver“ (1966).
Das mit einem „Emmy“ dekorierte berühmte Beatles-Album „Revolver“ – © Capitol Music1967 wurde es als bestes Schallplatten-Cover mit einem Grammy geschmückt. Inspiriert von den Malern Max Liebermann und George Grosz entwarf Klaus Voormann auch die Cover der Bee Gees-LP’s „Bee Gees 1st“ und „Idea“. 1998 designte er das cover der LP „Schatten der „Münchener Freiheit“.
Als sich die Mega-Group „The Beatles“ längst aufgelöst hatte, blieb er mit allen Mitgliedern in engem Kontakt. Er wurde bei der Solo-Projekten von Lennon & Co. als Studio-Musiker gebucht oder stand als Bassist mit ihnen live auf der Bühne. Klaus Voormann war Gründungsmitglied von John Lennons „Plastic Ono Band“. Er spielte auch die Bass-Parts auf Johns Solo-Album „Imagine“ ein und zupfte selbstverständlich auch die vier tiefen Saiten beim Titelsong, der legendären Friedens-Hymne „Imagine“, die wohl fast jeder Bewohner des Erdballs kennt.
Tiefe Freundschaft mit George Harrison
Aber auch auf Ringo Starr’s Album „Ringo“ hatte Klaus Voormann seine begnadeten Finger im Spiel. Eine besonders tiefe Freundschaft verband ihn mit George Harrison (†2001). Er war Bassist im Studio bei den Aufnahmen des Albums „All Things must pass“ dabei, stand auch neben George beim Benefiz-„Concert For Bangla Desh“ live on Stage. Und für ihn, den sympathischen Menschen und Musiker selbstverständlich: Beim „Gedenkkonzert für George Harrison“ (2002), seinem Freund und Bruder im Geiste, spielte er bei den Klassikern „All Things must Pass“ und „Wah Wah“ in der legendären Royal Albert Hall in London den Bass.
Zwischenzeitlich arbeitete Klaus Voormann auch als Produzent, hatte so großen Anteil am Erfolg des „NDW“-Hits „Da Da Da“ der Band „Trio“ und er unterstützte mit seinem Erfahrungs-Schatz auch Marius Müller-Westernhagen, Nena oder auch Heinz-Rudolf Kunze. Zum letzten Mal live als Bassist auf der Bühne stand Klaus Voormann 2018 als Überraschungsgast beim Konzert von Ringo Starr und seiner „All-Star-Band“ im Hamburger Stadtgarten.
Das von Klaus Voormann gestaltete erste Album der weltberühmten australischen Band „Bee Gees“: „Bee Gees 1st“ – © Capitol MusicFür Aufsehen außerhalb von Studio und Bühne sorgte der stille, bescheidene Star eigentlich nur einmal: 2018 bekam er den „ECHO“ für sein Lebenswerk verliehen. Doch den Preis gab er ein paar Tage später wieder zurück, aus Protest gegen die umstrittenen Rapper „Kollegah“ und „Farid Bang“, die ebenfalls die hohe Auszeichnung erhalten hatten. Ansonsten umranken allein positive Schlagzeilen die glanzvolle Karriere des Ausnahme-Musikers und -Grafikers, der bis heute überall beliebt ist. Davon konnte er sich 2009 selbst überzeugen.
Auf der Welt unterwegs für „A Sideman’s Journey“
Ehefrau Christina, mit der er heute am Starnberger See wohnt, hatte nämlich aus Anlass des 70. Geburtstags ihres Mannes eine glänzende Idee. Sinngemäss erklärte sie: „Du hat auf so vielen Alben Deiner Musiker-Freunde als Bassist mitgewirkt. Jetzt könne sie doch das Gleiche einmal für Dich tun.“ Und so entstand Klaus Voormanns erstes Solo-Album „A Sideman’s Journey“.
Der Bassist besuchte eine Reihe seiner Musiker-Kollegen und ging mit ihnen in Aufnahme-Studio. Das alles wurde als hochwertige, spektakuläre Dokumentation auf Video festgehalten. Auf der Musik-CD „A Sideman’s Journey“ sind berühmte Musiker wie Paul McCartney (Piano & Guitar), Ringo Starr (Drums), Dr. John (Vocals ), Jim Keltner (Drums), Albert Lee (Guitar), Yusuf Islam alias Cat Stevens (Guitar) und Sänger Mike D’Abo (Manfred Mann) zu hören. Ein schöneres Geburtstagsgeschenk kann man sich selbst wohl kaum machen.
„A Sideman’s Journey“ von „Voormann & Friends“ – das Solo-Album des berühmten, deutschen Bassisten Klaus Voormann – © Universal MusicDas Solo-Album ist das musikalische Denkmal eines Weltstars, der lieber bescheiden eine Nebenrolle spielt und ganz bewusst anderen den Platz vorne im gleißenden Scheinwerferlicht überlässt. Wie sagte doch die Wuppertaler Ärztin, die Klaus Voormann beim Event „SpätLESE“ live und hautnah erlebte: „Ich habe selten einen so bescheidenen, sympathischen Menschen gesehen, der mit sich und seiner Welt total im Reinen ist.“ Damit ist eigentlich alles gesagt, über Klaus Voormann, den „Sideman“ aus voller Überzeugung.
Text: Peter Pionke
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