3. August 2026

Als die Motor-Säge von Andreas Stihl zum Baum kam

Vor 100 Jahren revolutionierte ein Ein-Mann-Betrieb aus Stuttgart mit einem Gerät die Forst- und Landwirtschaft - und zwar mit der ersten tragbaren Motorsäge. Das Geheimnis hinter der genialen Erfindung lüftet Autor Uwe Blass im Rahmen der beliebten, lehrreichen Uni-Reihe "Jahr100Wissen" im Gespräch mit Prof. Martin Topel, Industriedesigner an der Bergischen Universität.

Prof. Martin Topel, Industriedesigner an der Bergischen Universität © – Sebastian Jarych

Welche Firma brachte die Revolution für Arbeiter in der Forst- und Landwirtschaft sowie später auch für Berufs- und Hobby-Gärtner auf den Markt?

Martin Topel: „Es war die ANDREAS STIHL AG & Co. KG, die 1926 von Andreas Stihl in Stuttgart gegründet wurde.“

Stihl wirbt mit dem Motto: „In der Natur zuhause. Seit 1926“. Was stellte sie denn damals so Revolutionäres her?

Martin Topel: „1926 entwickelte Andreas Stihl eine der ersten tragbaren Motorsägen. 1929 brachte das Unternehmen die erste serienreife Benzinmotorsäge auf den Markt. Sie machte das Fällen und Zersägen von Bäumen deutlich schneller und effizienter als die Handarbeit mit Axt und Säge.“

© Bergische Universität

Die erste Benzinmotorsäge wäre aber beinahe auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1930 gar nicht gezeigt worden. Warum nicht?

Martin Topel: „Kurz vor der Messe gab es technische Probleme mit dem Prototyp. Erst in letzter Minute gelang es, die Säge funktionsfähig zu machen und sie auf der Messe vorzuführen.“

Obwohl diese Säge noch 46 kg wog und von zwei Männern bedient werden musste, war die Nachfrage europaweit trotzdem riesengroß, oder?

Martin Topel: „Ja. Trotz ihres hohen Gewichts bedeutete sie eine enorme Arbeitserleichterung und Zeitersparnis. Deshalb fand sie besonders bei Forstbetrieben in vielen europäischen Ländern schnell großes Interesse.“

In der Weltwirtschaftskrise entwickelte Stihl auch eine frühe Waschmaschine. Warum ebbte deren Erfolg Ende der 1930er Jahre wieder ab?

Martin Topel: „Mit der zunehmenden Konzentration auf das Kerngeschäft sowie der Umstellung der deutschen Wirtschaft auf die Rüstungsproduktion vor dem Zweiten Weltkrieg wurden Haushaltsgeräte zunehmend eingestellt. Stihl konzentrierte sich wieder auf Motorgeräte.“

Stihl ist seit 1971 die meistverkaufte Motorsägenmarke der Welt. Das hat auch mit einem sehr persönlichen Marketing zu tun, oder?

Marin Topel: „Ja. Stihl setzt seit Jahrzehnten auf die persönliche Beratung durch autorisierte Fachhändler. Diese verkaufen die Geräte nicht nur, sondern übernehmen auch Einweisung, Wartung und Reparatur. Das stärkt das Vertrauen der Kunden. Außerdem entwickelte Stihl einen weltweiten Wettbewerb, der sich großer Beliebtheit erfreut – die Stihl Timbersports Weltmeisterschaft.“

Ein moderne Stihl-Motorsäge bei Waldarbeiten im Einsatz – © gemeinfrei

Ab 1973 wendet sich die Firma mit Produkten auch an Heimwerker. Welche besondere Werbefigur nutzte sie?

Martin Topel: „Stihl führte den sympathischen **Stihl-Holzwurm** als Werbefigur ein. Er machte die Produkte besonders für Hobbyanwender bekannt und sorgte für einen hohen Wiedererkennungswert. Stihl entwickelte auch das erfolgreiche Maskottchen Buzz the Beaver (Buzz der Biber) als Merchandising- und Fanartikelmarke.“

Setzt Stihl mit Akku-Produkten auf den richtigen Trend?

Martin Topel: „Ja. Die Nachfrage nach leistungsstarken Akku-Geräten wächst weltweit stark. Moderne Akkus sind leiser, emissionsfrei im Betrieb und wartungsärmer. Deshalb investiert Stihl intensiv in die Entwicklung neuer Akku-Technologien und erweitert sein Sortiment kontinuierlich. Auch andere professionelle Marken wie Bosch Blau und Hilti gehen diesen Weg erfolgreiche mit.“

Warum ist die Farbe Orange im Firmenlogo so wichtig?

Martin Topel: „Orange sorgt für eine hohe Sichtbarkeit im Wald und auf Baustellen und steht gleichzeitig für Kraft, Energie und Wiedererkennung. Die Farbe ist seit Jahrzehnten ein zentrales Markenzeichen von Stihl. Besonders bei der Designsprache hat Stihl schon sehr früh auf eine hohe Konsistenz und sensible Weiterentwicklung gesetzt – mit Erfolg!“

Was ist das Besondere an der STIHL MS 500i?

Martin Topel: „Die STIHL MS 500i war die weltweit erste serienmäßig produzierte Benzin-Motorsäge mit elektronisch gesteuerter Kraftstoffeinspritzung. Dadurch startet sie leichter, liefert eine sehr schnelle Gasannahme, passt die Kraftstoffzufuhr automatisch an verschiedene Einsatzbedingungen an und bietet ein hervorragendes Leistungsgewicht. Sie gilt deshalb als besonders leistungsfähig und effizient für den professionellen Forsteinsatz. Ich selbst nutze in meinem Garten eine Motorsense mit Benzinmotor von Stihl, die mich in vielen Jahren durch ihre Zuverlässigkeit und außerordentliche Performance immer wieder überzeugt. Nur meine Nachbarn wünschen sich, dass ich bald auf Akkus umsteige.“

Uwe Blass

Prof. Martin Topel – © Sebastian Jarych

Über Prof. Martin Topel

Professor Martin Topel ist Industrie Designer und lehrt seit 1999 als Professor an der Universität Wuppertal im Studiengang Industrial Design. Sein Lehrstuhl beschäftigt sich mit der Produktentwicklung von Investitionsgütern und Produktsystemen.

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