7. Juni 2026Peter Pionke
WSV: ‚Spieltheorie‘ sagt: Wer ausweicht, der verliert
Der neugewählte Verwaltungsrat des Oberligisten Wuppertaler SV mit Dirk Polick (2.v.r.) und Ex-Oberbürgermeister Andreas Mucke (M.) – © rot-blau.comBei WSV sind ganz offensichtlich nach dem Regionalliga-Abstieg auch vor dem Saisonstart in die Oberliga wichtige Verträge immer noch nicht unter „Dach- und Fach“. Dabei steht das erste Pflichtspiel für den WSV im Niederrheinpokal schon am 9. August an.
In dem psychologischen Denkmodell von John Forbes Nash, das oft in Wirtschafts- oder Politikwissenschaft Anwendung findet, geht es um zwei aufeinander zurasende Sportwagen. Längst werden beim Wuppertaler SV unter der Hand Namen gehandelt, wenn es zum die Fragen des künftigen Trainers und des sportlichen Leiters geht. Ob es schon Unterschriften gab, darüber wollte man sich bei dem Traditionsverein indessen noch nicht äußern. Dirk Polick, Vorsitzender und Sprecher des Verwaltungsrates: “Wir gehen erst an die Öffentlichkeit, wenn die Unterschriften da sind“. Dieser Termin wurde bereits zweimal verschoben.
Wird es der Remscheider Tim Schneider richten?
Wie aus informierten Kreisen trotzt „Nachrichtensperre“ verlautet, soll der neue WSV-Trainer danach wohl der Remscheider Tim Schneider (44) sein, der den Oberligisten VfB Hilden seit 2020 sehr erfolgreich trainiert und am heutigen letzten Spieltag mit diesem Team vor dem Regionalliga-Aufstieg stehen dürfte. Unabhängig von diesem Ausgang wird sein Vertrag in Hilden nicht verlängert, was bereits im März bekannt wurde. Aufgrund seiner Vita erscheint er für den WSV jetzt geradezu als Idealbesetzung.
Als sportlicher Leiter wird Lennart Strufe gehandelt. Der 36jährige war in Wuppertal bereits vor rund zehn für den WSV tätig. Neben seiner Arbeit als Jugendtrainer hatte er auch Aufgaben im Marketing des Traditionsvereins, ehe ihn sein beruflicher Weg in den Profifußball führte, zuletzt war er als Scout für den 1.FC. Köln unterwegs, wurde hier aber im April freigestellt. Strufe ist wie Polick Cronenberger.
WSV trifft auf Gladbachs Fohlen
Eine andere Information rund um den WSV ist gesichert und stammt vom Bundesligisten Borussia Mönchengladbach. Die Fohlen-Elf wird danach am Samstag (18. Juli) um 14:00 Uhr ein Testspiel beim Wuppertaler SV bestreiten. Tickets gibt es danach ab sofort im Onlineticketshop des WSV. Stehplätze sind für 10 Euro erhältlich (ermäßigt: 7 Euro, Kinder: 5 Euro). Sitzplätze gibt es ab 16 Euro (ermäßigt: 14 Euro, Kinder 8 Euro).
Ein ganz wesentlicher Knackpunkt muß aktuell darin gesehen werden, welche Mannschaft den beiden wichtigen Protagonisten zur Seite gestellt werden kann. Neue Verträge sind noch nicht bekannt geworden. Mit Sicherheit wird Hoffungsträger Levin Müller (22) nicht mehr dabei sein, der zum TSV Steinbach Haiger in die Regionalliga Südwest wechselt. Toshiaki Miyamoto wird ab Sommer beim Regionalligisten Kickers Emden agieren. Amin Bouzraa, Alessio Arambasic und Celal Aydogan sind wohl noch auf der Suche nach nach neuen Vereinen, anderer Entwicklungen sind zum grössten Teil noch unbekannt. Als Team-Mitglieder des so spektakulär gescheiterten Absteigers aus Wuppertal haben es alle nicht leicht, neue Vereine zu finden.
Kamo Miyamoto (Nr. 19) verlässt den WSV und wechselt zum Nord-Regionalligisten Kickers Emden – © Archivfoto Jochen ClassenBekannt ist dagegen immerhin, dass WSV-Ex-Trainer Sebastian Tyrala (38) in der kommenden Saison den sechstklassigen Westfalenliga-Aufsteiger FC Roj übernimmt. Sein Co-Trainer wird Serra Bingöl vom Oberligisten Türkspor Dortmund. Der bisherige Dortmunder Trainer Marcel Radke führte den FC Roj in der laufenden Saison souverän zum Aufstieg und holte zuletzt auch noch den Kreispokal. Ungeachtet dessen teilte der Vorstand dem 40jährigen zur Verwunderung vieler mit, dass dieser am Saisonende gehen müsse.
Die Rolle der WSV-Hoffnungsträger
Man ist gespannt, wie sich der im Frühjahr 2026 neugewählten WSV-Verwaltungsrat weiter schlägt, der das übergeordnete Ziel ausgab, den Verein nach dem Abstieg der ersten Fußballmannschaft in die Oberliga organisatorisch, wirtschaftlich und sportlich neu aufzustellen. Von einem „nachhaltigen Neuanfang“ ist hier die Rede. Der neue Verwaltungsrat galt als „Hoffnungsträger“ des Traditionsvereins, der eigentlich antrat, um den Abstieg zu verhindern. Das gelang nicht, offensichtlich war die Zeit zu kurz, um das Ruder noch herumzureißen. Jetzt hoffen die Fans, dass Dirk Polick, Andreas Mucke & Co. ein glückliches Händchen haben und die Weichen für eine erfolgreiche WSV-Zukunft stellen.
Um es mit Václav Havel, dem tschechischen Dramatiker, Politiker und Menschenrechtler zu sagen: „Hoffnung ist nicht die Überzeugung, das etwas gut geht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht…
Text: Siegfried Jähne
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