28. Mai 2026

WSV: Ist nach dem Abstieg vor dem Aufstieg?

Der Abstieg und damit der Absturz des Wuppertaler SV (fast) in die Bedeutungslosigkeit hat überregionale Reaktionen ausgelöst. Für die Fangemeinde war er der sportliche Super-GAU. „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“, so eine berühmte Fußball-Weisheit des Trainers Sepp Herberger (*28.03.1897 - †28.04.1977), der 1954 sensationell mit der Nationalmannschaft Weltmeister wurde. Gilt dieser markante Satz in abgewandelter Form vielleicht auch für den Wuppertaler SV: „Nach dem Abstieg ist vor dem Aufstieg“? 

Die Hoffnungen beim Regionalliga-Absteiger Wuppertaler ruhen jetzt auf dem neuen Verwaltungsrat – und ganz besonders auf dem Verwaltungsratsvorsitzenden Dirk Polick (vorne links) und seinem Stellvertreter Andreas Mucke (roter Pullover) – © WSV

Die Frage ist, ob die Krise als Fundament für den Neuanfang genutzt wird? Wer nach Ursachen für den steilen Abstieg des WSV sucht, stößt auf zahlreiche Gründe, die nicht zwingend mit fehlenden Geldmitteln korrespondieren. 

In Teil I unserer viel beachteten Story,  „Chronologie des Scheiterns“, haben wir bereits wesentliche Aspekte aufgezeigt. Hier also unser Teil II, der weder Anspruch auf Vollständigkeit noch eine einfache Lösung der komplexen Probleme rund um den WSV versprechen kann. 

Wir wollen mit den „Geschichten hinter den Geschichten“ etwas Licht in die Sache bringen, wesentliche Aspekte aufzeigen, Fragen aufgreifen, damit ein klareres Bild entsteht und somit ein Stück weit mit dazu beitragen, dass dieser weit über Deutschland bekannte Verein, der in der „Ewigen Bundesliga-Tabelle“ mit 102 Punkten den 42. Platz belegt, noch vor Heidenheim (43.) und Paderborn (49.), mittelfristig zurück in die Erfolgspur findet.

Absturz war beileibe nicht nur Pech

Die aktuelle Krise ist beileibe kein Pech, sondern mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch die logische Konsequenz von Fehlentscheidungen auf allen Ebenen. „Der WSV braucht wieder Führung und eine gelebte Vision“, titelten wir vor einem Jahr. Hat man diese Führung inzwischen erkennen können?

Der Vorstand, dem bis zu fünf Persönlichkeiten angehören könnten, hat nach den Abgängen von Marvin Klotzkowsky und Thomas Richter inzwischen nur noch zwei Mitglieder. Und dabei handelt es sich um den inzwischen in Dresden beheimateten Finanz-Experten Dr. Jochen Leonhardt, ein treuer Weggefährte des verstorbenen Ex-Vereinspräsidenten und Mäzens Friedhelm Runge, sowie um den Wuppertaler Lokalpolitiker und Juristen Dr. Ludger Kineke. Sie haben ihre Stärken, die sie für den Verein einbringen. Doch eines besitzen beide nicht, was aber gerade für einem ambitionierten Fußball-Verein unverzichtbar ist: Fußballerischen Sachverstand!

WSV-Finanzvorstand Dr. Jochen Leonhardt zeigt einer Besucherin aus Wuppertal seine neue Wahlheimat Dresden. Im Hintergrund die wieder aufgebaute Frauenkirche – © privat

Thomas Richter fehlt als zentrale Konstante

Den besaß und besitzt fraglos der ehemalige WSV-Torwart Thomas Richter, eine langjährige, zentrale Konstante des Vereins, die man als Führungskraft tatsächlich aber eher weniger wahrgenommen hatte. Sein Ausscheiden sorgte zum Jahresende 2025 für erhebliche Schlagzeilen. Zeitgleich wurde der Rauswurf von Cheftrainer Sebastian Tyrala bekannt. 

Der glücklose Ex-Profi war massgeblicher Protagonist einer enttäuschende Saison: Mit nur  17 Punkten aus 18 Spielen überwinterte der WSV auf Tabellenrang-Rang 15 – nahe am Abgrund. Gerade hatte der Verein noch mit Tyralas Konterfei Weihnachtskarten verschickt, als der Cheftrainer von seiner Entlassung aus den Medien erfuhr. Der konsternierte Sebastian Tyrala erklärte auf Nachfrage einer Sportzeitung: “Ich weiß von nichts!“

Noch eklatanter wurde damit eine große Schwachstelle des Vereins überdeutlich, die Kommunikationsarbeit selbst. Die Nachricht, dass Mike Wunderlich Nachfolger von Sebastian Tyrala werden würde, hat nicht etwa die Presseabteilung des WSV verkündet, sondern gelangte durch eine Pressemitteilung des BC Ahrweiler an Licht der Öffentlichkeit,    dem Verein, bei dem der ehemalige WSV-Sportdirektor Stephan Küsters angestellt war. Gute Medienarbeit sieht anders aus, gute Kommunikationspolitik erst Recht.

Geschönte „Infos“ ohne kritische Reflexion

Wer Informationen nur noch in geschönter Form verbreitet und wer glaubt, bevorzugt Medien informieren zu müssen, die einem unkritisch gegenüberstehen und einem wohl gesonnen sind, versteht den Sinn und Zweck von notwendiger  Kommunikation falsch und  unterschätzt die Wirkung auf das eigene Publikum. Vertrauensverlust und die Entfremdung von der Basis sind meist die Folgen.  Die Trainer und auch selbst die Spieler und konnten zuletzt beim WSV nach Belieben und Vorlieben in ihnen genehmen Medien aktiv werden, eine kritische Reflexion blieb dann meist aus und ließ nicht selten, selbst im eigenem Forum „Rot-Blau“, viel Raum für Spekulationen und Gerüchte.

Schrieben beide WSV-Geschichte und sind auch inzwischen Geschichte: Ex-Torwart und Ex-Sportvorstand Thomas Richter (l.) und Ex-Spielmacher und Ex-Sportdirektor Gaetano Manno – © Archivfoto Jochen Classen

Professionell ist es auch nicht, wenn bei den Pressekonferenzen vor und nach den Spielen kritische Nachfragen eher unerwünscht sind und gar nicht oder nur unzureichend beantwortet werden. Parallelen zur großen Politik in Berlin und anderswo, wo oft Nachfragen von Medienvertretern von vornherein ausgeschlossen werden, können einem da schon in den Sinn kommen.

Wurde Einfluss auf den „Kapo“genommen?

Bedenklich ist auch, wenn Teile der organisierten Fan-Szene sich die Mühe machen, ein Spruchband mit der Aufschrift „Der Fisch stinkt vom Kopf“ zu erstellen und damit im Gepäck dann zum Pokalspiel nach Büderich bei Neuss zu fahren, um sich dort nach einer Niederlage auch noch zu Ausschreitungen und Zerstörungen hinreißen zur lassen, die bundesweit für negative Schlagzeilen und einen großen finanziellen und auch erheblichen Reputationsschaden für den WSV sorgten. Da stellt sich schon die Frage: Wie ist es um die „Fan-Betreuung“ des Wuppertaler SV bestellt? Und welchen Einfluss haben Vereinsfunktionäre im Vorfeld auf den „Kapo“, den Anführer in der Fan-Kurve, genommen?

Eine offene Frage ist auch, wie professionell in Sachen sportmedizinischer Betreuung beim WSV gearbeitet wurde. Bei akuten Verletzungen waren die Spieler ganz sicher – wie seit nunmehr 25 Jahren – bei Mannschaftsarzt Dr. Tim Heinz in besten Händen. Doch wie was es um das Thema Prävention bestellt? Stichwort Belastungssteuerung. Denn in den letzten Monaten gab es im Kader auffällig viele verletzungsbedingte Ausfälle, welche nicht ohne Einfluss auf das Geschehen auf dem Platz und letztendlich auf die Spielergebnisse bleiben konnten.

Im modernen Profi-Fußball kennt man da andere, sicher nicht 1:1 auf einen Regionalligisten übertragbare Kaliber und Anforderungen, wie wir von dem Wuppertaler Dr. Malte Krüger, dem „Leiter Sportwissenschaft und Athletik“ bei Bayer Leverkusen wissen. In unserer Ausgabe vom 26. April 2024 haben wir unter der Überschrift „ Malte Krüger: Sein Anteil am Erfolg von Bayer Leverkusen“ hierüber ausführlich berichtet.

Solche respektlosen, beleidigenden Spruchbänder möchte kein echter Fußball-Fan im Stadion sehen – © Archivfoto Jochen Classen

Policks Zukunfts-Konzept war alternativlos

Die permanente Unruhe im Verein wurde scheinbar von der Führung ignoriert. War es Realitätsverlust, Beratungsresistenz oder schlicht Ohnmacht? Wurden die Gründe für das Scheitern immer bei externen Faktoren gesucht oder glaubte man hier, der eigene Kurs sei alternativlos? Dass dem nicht so war, zeigte sich spätestens bei der Jahreshauptversammlung im März 2026. 

Hier wurde die eingeladene Fan-Gruppe mit ihren Themen aber eher abgebügelt, die Probleme noch einmal vertagt und vom Vorstand dann neu zu schaffenden Arbeitsgruppen zugeleitet – so wie man das aus der Politik auch kennt. Dann schlug die Stunde der Opposition, die am Ende einen fast schon „triumphalen Erfolg“ davon trug. 

Der erfolgreiche Cronenberger Bäckermeister Dirk Polick wartete als einziger Bewerber mit einem zukunftsorientierten Personal-Konzept auf, was am Ende von den anwesenden Mitgliedern offenbar in Gänze als erfolgversprechend angesehen wurde. Sicher auch nicht zuletzt deshalb, weil Dirk Polick mit dem früheren Oberbürgermeister Andreas Mucke oder mit dem bekannten Lokalpolitiker Marc Schulz vielversprechende Persönlichkeiten in seinem Team präsentieren konnte. 

Dirk Policks Einsatz wurde vielfach gelobt, von einigen Protagonisten aber auch als zu brachial und eher als Spaltung empfunden. Dr. Jürgen Hoss, der bisherige Vorsitzende, hatte den hemdsärmeligen Bäckermeister nach dem Ausscheiden von Eckhard Osberghaus persönlich in den Verwaltungsrat geholt. Jetzt fühlte er sich aber von Dirk Polick hintergangen und kritisierte dessen Rolle bei der Trennung von Sportdirektor Gaetano Manno als schlechten Stil. Damit begründete Dr. Jürgen Hoss später auch seinen Rücktritt als Verwaltungsratsvorsitzender und seinen vollständigen Rückzug aus dem Gremium.

Menschliche Enttäuschungen „Ende von Täuschungen“

Mit dem Brennglas betrachtet wird sichtbar, dass menschliche Enttäuschungen in der  WSV-Geschichte keine Seltenheit waren. Viele erlebten im Laufe der Zeit ihr eigenes „Ende von Täuschungen“. Hierfür steht insbesondere der Namen Gaetano Manno, der im März 2026 mit dem „Rauswurf“ den bitteren Abschluss seiner unterm Strich glänzenden WSV-Kariere erleben mußte.

Er war eine der prägendsten Persönlichkeiten der vergangenen zwei Jahrzehnte – sportlich, emotional, auch als Organisator. Und er besitzt jede Menge Fußballsachverstand. 2016 hatte der Deutsch-Italiener den WSV als Kapitän und Führungsspieler zum Aufstieg in die Regionalliga West geführt. Manno ist heute noch felsenfest davon überzeugt, dass der Abstieg mit ihm aus vielerlei Gründen nicht stattgefunden hätte. Frustriert und total enttäuscht schwört er, dass er das Wuppertaler Stadion am Zoo, seine einstige sportliche Heimat und Erfolgs-Arena, nie wieder betreten werde.

Bangt um seinen Herzensverein: Fußball-Legende Günter „Meister“ Pröpper, früher WSV-Torjäger in der Bundesliga, jetzt treuer Edel-Fan – © Siegfried Jähne

Das Saison-Finale ist bekannt. „Die Tabelle“ lügt nicht, sagt zudem auch eine ganze Menge aus. Es fehlte in der Summe aus 34 Spieltagen nur ein einziger Sieg und einige Treffer für das Torverhältnis. Insgesamt gesehen aber hatte der WSV nur fünf Saison-Siege vorzuweisen, nur einen davon im Jahr 2026. Auf der anderen Seite trennte man sich elfmal Unentschieden, sechs Spiele gingen verloren mit exakt nur einem Tor Differenz.  Besonders bitter die Begegnungen gegen Schalke, wo das 0:1 für die Gäste in der Nachspielzeit fiel (90.+3 Minute ) oder die dramatische Partie in Oberhausen. 

Hier hatte der WSV nach einem 0:1-Rückstand das Spiel gedreht. Doch die so wichtige 2:1-Führung hatte nur bis zur 7. Minute der Nachspielzeit Bestand. Dann traf Ngyombo noch in letzter Sekunde zum 2:2-Ausgleich. Zwei wertvolle Punkte für den WSV waren futsch! 

Ganz ähnlich das wichtige Viertelfinale des Niederrheinpokals, wo die eher harmlosen Brüderlicher Oberligisten ihr Tor zum 1:0 in der 95. Minute erzielten, als alle schon auf eine Verlängerung eingestellt waren. Ein Tor, welches dem Verein nicht nur Einnahmen aus den zuschauerträchtigen Finals kostete, sondern – wie schon beschrieben – zu bösen Fan-Ausschreitungen führte.

Der letzte Akt mit theatralischen Zügen

Der Vorhang „Profi-Fußball“ ist gefallen. Der letzte Akt fand am 16. Mai im Stadion am Zoo mit dem 0:1 verlorenem Spiel gegen den Bonner SC statt und war begleitet von großer Enttäuschung sowie einer so nie gekannten Sprachlosigkeit. Auf Spielzeit in der oberste Amateurklasse, der Oberliga, war man nicht vorbereitet, einen „Plan B“ gab es nicht! 

Jetzt, da das Kind in den Brunnen gefallen ist, melden sich viele zu Wort, die vorher meist geschwiegen hatten. Exemplarisch steht hier der Name Stephan Küsters, der nach dem Ende der Manno-Ära, die durch den Rauswurf besiegelt wurde, offiziell als sportlicher Berater des WSV tätig war. Er trat nach seinem Ausscheiden beim WSV – wie immer auch es zustande kam – in einem in Essen erscheinenden Sport-Medium nach: „Für mich fehlen im Verein auch Führungspersönlichkeiten. Der Wuppertaler SV wirkt führungslos.“

Und das Wichtigste: „Ich habe auf viele Dinge und meine Fragen keine Antworten erhalten, keine Zahlen, keine Planung – nichts! Aber ohne Fakten und Zahlen kann ich nicht arbeiten.“ Dann noch ein verbaler Angriff auf die Vereins-Struktur, weil Themen wie Personalentscheidungen über den Verwaltungsrat gekommen seien: „Eigentlich macht das ein Vorstand. Aber das seien interne Themen, die der WSV jetzt klären müsse“. Wohl wahr!

Nach Abstieg: Ohne Spieler und ohne Trainer

Die, die sich jetzt beim WSV an die Arbeit machen, verdienen Respekt und sind um ihre Aufgabe nicht zu beneiden. Für viele wurde wohl das ganz Ausmass der „Katastrophe“ erst sehr spät wirklich sichtbar. Man hat eine Saison hinter sich, in der bei sinkenden Einnahmen nicht weniger als fünf Trainer finanziert werden mussten, dazu ein sportlicher Leiter und noch dessen Nachfolger. Und dann gibt es ja auch noch das Personal in der Geschäftsstelle. All das produzierte Kosten.

Seit Kindesbeinen an WSV-Fan und jetzt stellv. Verwaltungsratsvorsitzender: Ex-Oberbürgermeister Andreas Mucke – © Monika Asmus

Der Verein steht nach dem Abstieg ohne Spieler und ohne Trainer vor einer Oberliga-Saison, die bereits in wenigen Wochen (Mitte August) beginnet. Wer da vom schnellem Wiederaufstieg redet, muß schon ein Super-Optimist oder ihm fehlen extrem wichtige Informationen. Wenn, wie zu vernehmen ist, der erst vor gar nicht langer Zeit mit viel Zuversicht gegründete Förderkreis bereits wieder „eingeschlafen“ ist, wirft das kein gutes Licht auf die Zukunftsaussichten des Vereins. 

Selbst der Förder-Betrag der Firma EMKA, die vom früheren Präsidenten und Mäzen Friedhelm Runge gegründet zum Erfolg geführt wurde, soll im Verhältnis zu früheren Jahren nur noch vier Nullen haben. Trotzdem gibt es hier ein kleines positives Signal: Insider wollen wissen, dass Runges Firma EMKA, die einst Millionen für den WSV locker machte,  jetzt (angebliche) Forderungen an einen Oberligisten WSV in einer anderen Größenordnung abschreiben kann, als das etwa bei einer ambitionierten Regionalliga-Mannschaft möglich gewesen wäre! 

Die deutliche Verschlechterung der Finanzperspektive sorgt im Steuerrecht für die Möglichkeit, eine Forderung gewinnbringend abzuschreiben (§ 6 Abs. 1 Nr 2 EStG), sollte die Forderung zweifelhaft, uneinbringlich sein und der Ausfall glaubhaft gemacht werden. Das sollte im Fall Wuppertaler SV nicht schwer fallen.

„Der WSV wird niemals untergehen“, hieß es trotz der dramatischen Entwicklung zuletzt immer wieder von vielen Seiten. Die Identifikation mit seinem Lieblingsverein im Fußball ist ein tiefgreifendes psychologisches und soziales Phänomen. Tatsächlich darf man auch in der Oberliga noch auf die echten, wahren Fans hoffen. Wenn ein Fußballfan zu seinem Verein steht, identifiziert er sich meist weit mehr als nur mit den elf Spielern, die zufällig dasselbe Trikot tragen. Spieler und Trainer gehen, aber der Verein und die echten Fans bleiben.

Hoffnungsträger: Andreas Mucke – Ex-OB und „Circular Valley-Mann“

Zu den Hoffnungsträgern für eine bessere WSV-Zukunft gehört insbesondere auch der ehemalige Wuppertaler Oberbürgermeister Andreas Mucke (59). Der studierte Umwelt-Ingenieur ist dem Verein schon seit Kindesbeinen an sehr eng verbunden. Er gehört seit kurzem dem neunköpfigen Verwaltungsrat an, der sich aufgemacht hat, beim WSV alles  auf den Knopf zu stellen, um ein nachhaltiges Erfolgs-Konzept auf den Weg zu bringen.

Siegfried Jähne, Sport- & Kultur-Journalist der STADTZEITUNG, verfolgt den Weg des WSV seit Jahrzehnten – © privat

Andreas Mucke ist seit 2021 als Geschäftsführer (Managing Director) des Circular Economy Accelerators GmbH tätig, eine Einrichtung, die ihre Wurzeln in der von Dr. Carsten Gerhardt gegründeten Wuppertalbewegung e.V. hat, die mit dem Projekten Nordbahntrasse sowie „Circular Valley“ bundesweite Beachtung findet. „Circular Valley“ verfolgt u.a. das Ziel, die Kreislaufwirtschaft als Motor für eine nachhaltige Zukunft voranzutreiben. In bessere Hände hätte man sich beim WSV gerade in der jetzigen, schwierigen Situation eigentlich kaum begeben können.

„Fehltritte sind Abkürzungen zu neuen Entdeckungen“

Alle Protagonisten können bei der Suche nach nachhaltigen Lösungen und potentiellen Sponsoren für den Traditionsverein insbesondere mit dem Stadion am Zoo, eines der traditionsreichsten und markantesten Stadien Deutschlands punkten. Der WSV ist aber auch eine große Chance für die Stadt Wuppertal selbst, die ohne einen tragenden Fußballverein im gesellschaftlichen, kulturellem aber auch im wirtschaftlichen Bereich viel zu verlieren hat. Es bleibt zu hoffen, dass dies auch im Interesse einer nachwachsenden Generation noch – oder wieder – begriffen wird. Diese sportbegeisterte Jugend, in großer Zahl vorhanden, braucht sportliche Vorbilder zum Anfassen. Fahrten nach Leverkusen, Schalke oder Dortmund können sich nicht alle leisten.

Ein junger Trainer ist angekündigt, auch ein neuer sportlicher Leiter. Bleibt zu wünschen, dass am Ende mit einem neuen, motivierten und schlagkräftigen Team gestartet werden kann. Die Zeit der WSV-Nostalgiker geht vorbei. Es gilt, verlorenes Vertrauen und Glaubwürdigkeit zurück zu gewinnen sowie die heutige, neue Generation für den WSV zu begeistern. 

Um wieder in der Regionalliga anklopfen zu können, wird wohl noch viel Wupper-Wasser an der denkmalgeschützten Stadionwand am Zoo vorbeifließen. Der amerikanische Auto-Pabst Henry Ford hat den radikalen Schnitt, den es jetzt beim WSV braucht, einmal so auf den Punkt gebracht: „Fehltritte sind Abkürzungen zu neuen Entdeckungen“. Dann gehe doch den ersten Schritt in diese Richtung, lieber Wuppertaler SV!

Text: Siegfried Jähne

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