21. Mai 2026Peter Pionke
Ausstellung: Was hält Gemeinschaften zusammen?
Die Kunstprofessorin Dr. Katja Pfeiffer ist Leiterin der Barmer Kunsthalle. Sie freut sich auf die neue Ausstellung – © Sebastian JarychDie Vernissage zur Ausstellung findet am Tag des Grundgesetzes (23.05.) um 19 Uhr statt. Interessierte sind herzlich eingeladen. Ob Familien, Communities, künstlerische Kollektive oder Forschungsnetzwerke – Menschen organisieren sich in unterschiedlichsten Formen des Miteinanders. Gemeinschaften bieten Schutz, Resonanz und Zugehörigkeit, sie eröffnen Räume für Austausch und neue Ideen. Zugleich sind sie oft auch von Konflikten und Machtverhältnissen geprägt.
Die Ausstellung „merry company“ untersucht diese Spannungen anhand historischer und zeitgenössischer künstlerischer Positionen und lädt Besucherinnen und Besucher dazu ein, Gemeinschaft nicht nur zu betrachten, sondern im gemeinsamen Spielen, Mitwirken und Ausprobieren zu erleben.
Der Titel der Ausstellung verweist auf ein Motiv aus der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts: Dort war das Thema der „merry company“ beliebt.
Die Künstlerin Kati Heck präsentiert eine Holzbildhauerei mit dem Titel „Unrasiert und fern der Heimat – Randgruppenstammtisch“ – © Kati Heck„Ausgangspunkt ist ein Gemälde von Jan Steen, das eine ausgelassene Gesellschaft auf einer Terrasse zeigt. Hinter der scheinbar heiteren Szenerie offenbart sich bei genauerem Hinsehen ein chaotischer Exzess mit humorvollen Anspielungen auf die Beziehungen der Dargestellten“, so Prof. Katja Pfeiffer, Leiterin der Kunsthalle Barmen, über das Motiv, das sich auch auf dem aktuellen Ausstellungsplakat wiederfindet.
Kollektive Prozesse und gemeinsame Autorschaft
Die Ausstellung spannt einen weiten Bogen von historischen Genrebildern über urbane Alltagskulturen bis hin zu Fragen kollektiver Wissensproduktion. Ausgestellt werden unter anderem künstlerische Kollektive: Das studentische Kollektiv „Wir sollten eine Gruppe gründen“, dessen Mitglieder sich zuvor nicht kannten und aus drei Hochschulen zusammengebracht wurden, entwickelte eine raumgreifende malerisch-bildhauerische Arbeit, die sich während der Laufzeit der Ausstellung verändert und so in einem sogenannten „Aushandlungsprozess“ sichtbar macht – also in einem gemeinsamen Dialog einen Kompromiss findet. Ein weiteres studentisches Kollektiv übersetzt individuelle Zeichnungen in Stickereien und lädt Besucherinnen und Besucher ein, mitzuwirken und selbst Teil des anonymen Kollektivs „mackerinnenanstalt“ zu werden.
Auch die Wuppertaler Künstlerin Babu Noella ist Teil der neuen, spannenden Ausstellung in der Kunsthalle Barmen – © Babu NoellaAuch Forschungsnetzwerke und ihre Verknüpfungen – vom kleinsten Austausch bis hin zu globalen Strukturen – werden thematisiert, ebenso wie Gesellschaftsspiele, zu denen der Künstler und Spieleentwickler Josef Kirschner vor Ort einlädt. Weitere künstlerische Positionen untersuchen, welche systemischen Einflüsse Gemeinschaften fördern oder verhindern.
So wird bei Cornelia Schleime deutlich, wie drastisch politische Eingriffe durch die Stasi in der DDR gemeinschaftliches und individuelles künstlerisches Arbeiten beeinflussen konnten. Meltem Er zeigt mit ihrer Fotoserie „Türkler in Deutschland / Zwischen Blicken“, wie sich Communities innerhalb einer Gesellschaft dynamisch entwickeln, während Valerie Feldhaus in einer Videoinstallation den Mikrokosmos der Café Bar Mazzino in Wuppertal mit literarischen Zitaten Else Lasker-Schülers „verwebt“.
Auch institutionell versteht sich das Projekt als gemeinschaftlicher Prozess: Die Kunsthalle Barmen kooperiert für die Ausstellung thematisch mit dem Pina Bausch Zentrum und setzt damit ihren Ansatz fort, Kunst, Wissenschaft und Stadtgesellschaft miteinander zu verbinden.
Foto-Künstlerin Meltem Er präsentiert in der Ausstellung u.a. dieses Foto aus ihrer Serie „Türkler in Deutschland / Zwischen Blicken“ – © Meltem ErRegelmäßige Veranstaltungen im Rahmen der Ausstellung:
Jeden Sonntag um 15 Uhr: Führung durch die Ausstellung
Jeden ersten Samstag im Monat: FAMILY AND FRIENDS mit Kreativstationen für Kinder, Jugendliche und alle, die Lust haben!
Jeden ersten Donnerstag im Monat: SILENT MODE – gleiche Ausstellung – weniger Barrieren
Führungen & Workshops für Gruppen:
Das Plakat zur Ausstellung – © Barmer KunsthalleLink zur Webseite der „Barmer Kunsthalle“:
http://www.barmerkunsthalle.de
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