13. Mai 2026

Recruting-Tag: Strategisch mit eigener Zukunft beschäftigen

Am 20. Mai findet an der Bergischen Universität auf dem Campus Grifflenberg der diesjährige Recruiting Tag statt, also ein Tag der Personalbeschaffung. Grund genug für Autor Uwe Blass, sich im Rahmen der lehrreichen Uni-Reihe "Transfergeschichten" mit Dr. Anja Kluge, Leiterin des Career Service der Bergischen Universität, über die Personal-Akquise zu unterhalten.

Dr. Anja Kluge, Leiterin des Career Service im Team des UniService Third Mission – © Friedrike von Heyden

Sie leiten den Career Service im Team des UniService Third Mission. Warum bietet die Uni diesen Service für Studierende eigentlich an?

Anja Kluge: „Der Career Service gehört zu den zentralen Beratungsstellen vieler Universitäten in Deutschland und europaweit. Wir beraten und informieren zu aktuellen Themen der Arbeitswelt, zur Berufsorientierung und unterstützen bei der eigenen Profilstärkung und dem Berufseinstieg. Grundlage unserer Angebote ist das Verständnis darüber, dass wir das Studium zusammen mit anderen Beratungsstellen ganzheitlich verstehen. Das heißt, die Angebote des Career Service der Universität Wuppertal sind ein Aspekt des „student life circle“ und befähigen, nach Abschluss den Übergang in den Arbeitsmarkt erfolgreich zu meistern und das im besten Fall mit dem gesamten persönlichen Potenzial, über das die Studierenden und Alumni verfügen. Wir begleiten also die Entwicklung von Bildungsbiographien und sensibilisieren dafür, dass sich Studierende schon früh strategisch mit ihrer Zukunft beschäftigen. Für viele Studierende liegen die Abschlussprüfungen meist in weiter Ferne und sie beginnen viel zu spät, sich mit der Frage auszueinander zu setzen Was möchte ich eigentlich? Wo sehe ich mich persönlich, in welchem Arbeitsumfeld oder Team? Was bringt es mir, einen Masterabschluss anzustreben oder welchen Platz finde ich in der Arbeitswelt mit meinem Studienabschluss?

© Bergische Universität

Es sind vielfältig komplexe Fragestellungen, die verunsichern können, und wir unterstützen den Prozess der Entscheidungsfindung. Konkret heißt das, wir bieten individuelle und Gruppenberatungen für Studierende und Alumni an, wir unterstützen bei der Suche nach passenden Stellen für Praktika oder Werkverträge, wir optimieren Bewerbungsunterlagen und erkunden die beruflichen Möglichkeiten nach Studienabschluss und, in Kooperation mit anderen Beratungsstellen, auch mit Blick auf Berufswege nach oder alternativ zur Promotion. Das persönliche Profil zu entdecken und sich selbst in verschiedenen Team- und Arbeitssituationen kennenzulernen, sind ebenso zentrale Ziele unserer Beratungs- und Workshopangebote. Um Studierenden und Alumni den Kontakt zu Unternehmen zu erleichtern, werden zudem regelmäßig Netzwerkformate und Firmenbesuche durchgeführt. Beim Recruiting Tag – der Jobmesse am Campus präsentieren sich Unternehmen direkt an der Universität. Diese Formate sind die perfekte Gelegenheit, Unternehmen hautnah zu erleben und wertvolle Kontakte für das Berufsleben zu knüpfen. Weiterhin betreiben wir ein Jobportal, wo neben Werkstudierendentätigkeiten und Praktika auch praxisorientierte Abschlussarbeiten und Stellenanzeigen für den Direkteinstieg nach Studienabschluss angeboten werden.“

Von 10.00 Uhr bis 16.00 Uhr präsentieren sich am Grifflenberg in der Halle K an der Gaußstraße mehr als 28 Unternehmen und Institutionen aus der Region und geben Einblick in ihre Tätigkeitsfelder. In welchen Bereichen kann man denn nach dem Studium z. B. schwerpunktemäßig im Bergischen Land arbeiten?

Anja Kluge: „Das ist eine der häufigsten Fragen, die uns täglich begegnen und genau hierfür bieten wir u.a. einmal jährlich den Recruiting Tag und unsere anderen Formate an. Warum? Einfach weil die Tätigkeitfelder sehr breit und individuell steuerbar sind. Von den sogenannten hidden champions über kommunale Arbeitgeber, überregional ansässige Anbieter und den klassischen Familienunternehmen im verarbeitenden Gewerbe ist auf den ersten Blick schon einmal alles abgedeckt. Aber die wichtigste Frage in der Vorbereitung sollte immer sein, in welchem Tätigkeitsfeld möchte ich später arbeiten? Und welche Praktika und praktische Erfahrungen könnten hierfür nützlich oder unabdingbar sein.

Bergische Universität Campus Grifflenberg – © Bergische Universität

Hinzu kommen Offenheit und Neugier. Nehmen wir beispielsweise ein klassisches Familienunternehmen aus dem Bergischen Land, das Werkzeuge herstellt. Dort vermutet sich eine Studentin der Sportwissenschaft wahrscheinlich eher nicht so direkt. Aber mit Blick auf deren betriebliches Gesundheits- und Präventionsmanagement vielleicht dann schon. Damit möchte ich ausdrücken, dass der Blick auf die Unternehmen und auf das, was sie produzieren, tun oder verarbeiten, einfach zu kurz greift, sondern der direkte Austausch mit den Recruiter*innen und Inhabern essenziell ist, um zu verstehen, welches Unternehmen für mich passt und wo ich mich mit meinem (fachlichen) Potenzial und meinen Interessen am besten einbringen kann. Dafür – und hier kommen wir wieder zu unseren Angeboten – muss man die eigenen Kompetenzen und das eigene Profil kennen.“

Die Studierenden erhalten Einblicke in die Arbeit der Firmen und Institutionen. Können Sie da mal ein paar Beispiele nennen?

Anja Kluge: „Einen Überblick über alle Unternehmen, kommunalen Einrichtungen, Servicestellen und Fakultäten können über unsere Career Service Webseite und den Recruiting Tag eingesehen werden. Vielleicht spreche ich daher jetzt nur mal über unsere neuen Netzwerkpartner, also Unternehmen, die in diesem Jahr zum ersten Mal mit dabei sein können. Darunter etwa Die Autobahn GmbH des Bundes für den Bereich Bauwesen, Leister Technologies für den Bereich Maschinenbau und DSS Engineering für den Bereich Sicherheitstechnik/Arbeitssicherheit und Brandschutz sowie Rheinmetall aus dem Gebiet der Verteidigungsindustrie. An dieser Stelle kann ich gar nicht alle Unternehmen und kommunalen Partnereinrichtungen aufzählen, aber es ist mir wichtig zu erwähnen, dass ab diesem Jahr alle Interessenten, also Studierende, Alumni, Young Professionals, nicht nur vorab alle Unternehmen und offenen Stellen einsehen können, sondern dass sie auch schon vorab mit ihnen in Kontakt treten und so auch ihr Netzwerk erweitern können.“

Jetzt komme ich also als Studierender hier hin und will mich informieren. Soll ich dann einfach alle Stände abarbeiten, oder wie gehe ich denn am besten vor?

Anja Kluge: „Im Idealfall haben sich die Studierenden, Alumni und Young Professionals über unsere Webseite gut über alle Unternehmen und deren aktuell offene Stellen informiert. Vielleicht kann auch schon vorab ein Termin verabredet werden, so dass man sich direkt am Stand treffen und austauschen kann, ohne lange Wartezeit. Aus strategischer Sicht würde ich folgendes Vorgehen vorschlagen: mit (am besten) oder ohne Termin komme ich auf die Jobmesse und gehe zunächst gezielt zu den Unternehmen und Ansprechpartnerinnen sowie Ansprechpartnern, die meine Prio eins & zwei sind. Im Vorfeld habe ich am besten mein Profil schon digital als Visitenkarte vorbereitet oder kann mein digitales Profil vor Ort aufrufen, um mich mit den Personalern zu verknüpfen.

Wenn es noch verfügbare Kapazitäten gibt, gehe ich noch zum professionellen Fotoshooting (Anmeldung vorausgesetzt) und besuche im Anschluss andere Unternehmen. Dabei bleibe ich neugierig, übe mich im Networking und schaue über den Tellerrand meines Fachstudiums hinaus, was es sonst noch für Jobs gäben könnte, die zu mir passen. Um 16:00 Uhr würde ich dann zur Keynote und dem Workshop zum Thema Gehaltsverhandlungen gehen, denn das ist mit Abstand das Schwierigste im gesamten Bewerbungsprozess. Vielleicht bleibe ich sogar noch bis zur Pizzaparty und schaue mir die Tombola ein. Aber das darf jeder oder jede selbst entscheiden.“

Das Logo des Recruiting-Tags – © Bergische Universität

Damit der „Fun-Faktor“ nicht zu kurz kommt, bieten Sie auch ein attraktives Rahmenangebot. Ein Highlight der letzten Jahre war immer das Fotoshooting. Wie wichtig kann denn ein Posen fürs Bewerbungsbild sein?

Anja Kluge: Ja, das ist immer wieder aufregend für alle und wir freuen uns, dass wir auch in diesem Jahr dieses Angebot wieder kostenfrei zur Verfügung stellen können, denn wir wissen, wie wichtig der erste Eindruck ist. Auch wenn Bewerbungsfotos grundsätzlich freiwillig sind, raten wir eigentlich dazu, eines mitzuschicken, denn es vermittelt der oder dem Personaler bewusst oder unbewusst einen ersten optischen Eindruck. Wichtig ist, dass es freundlich und authentisch wirkt. Aber keiner muss sich Sorgen machen. Unser Fotograph ist ein absoluter Profi. Das Foto kann dann im Anschluss direkt für die Bewerbung genutzt werden, die im Nachgang zur Jobmesse an die interessierten Unternehmen verschickt wird.“

Auch ein Workshop zum Thema „Gehaltsverhandlungen“ steht auf dem Programm. Wen konnten Sie denn dafür gewinnen?

Anja Kluge: „Wir freuen uns sehr, dass wir über unser breites Netzwerk die ehemalige Profi-Fußballspielerin Jessica Kreuzer gewinnen konnten. Nach ihrer aktiven Karriere im Sport hat sie sich entschlossen, als professionell ausgebildete Coacherin und Verhandlungsexpertin ihr Wissen an junge Menschen weiterzugeben, da faire Bezahlung leider noch nicht überall selbstverständlich ist. Es kann herausfordernd sein, die eigene Leistung richtig einzuschätzen und souverän zu präsentieren – sei es beim Berufseinstieg oder im bestehenden Job, und das gilt für alle Geschlechter. Jessica Kreuzer zeigt uns daher praxisnah, wie Berufseinsteiger und Young Professionals mit wissenschaftlich fundierten Strategien selbstbewusst in Gehaltsverhandlungen starten und typische Fehler vermeiden.“

Den Recruiting-Tag gibt es nicht zum ersten Mal. Was hat sich verändert und welches Feedback haben Sie denn von Studierenden und Unternehmen bisher erhalten?

Anja Kluge: „Meistens ist es schwierig zu erfahren, welchen Benefit der Besuch der Jobmesse für Studierende gebracht hat. Aber ich gehe davon aus, dass mit dem angebotenen Spektrum an Unternehmen auch in diesem Jahr diese fakultätsübergreifende Veranstaltung wieder viele Interessierte anziehen wird. Gegenüber den vergangenen Jahren sind wir um einiges digitaler aufgestellt. Die Stellen sind im Vorfeld über unser neues Online-Tool veröffentlicht und man kann vorab Termine mit den Recruiterinnen und Recruitern vereinbaren. Zudem sprechen wir in diesem Jahr auch gezielt Alumni und Young Professional der Universität an, denn es ist nicht nur eine reine Jobmesse für Studierende, sondern ein Format, das alle unterstützen möchte, die auf der Suche sind und eine Möglichkeit bekommen, sich mit Expertinnen und Experten auszutauschen.“ 

Weitere Infos unter: https://karriere.uni-wuppertal.de/de/veranstaltungen/recruiting-tag-2026/ 

Uwe Blass

Dr.Anja Kluge – © Friederike von Heyden

Über Dr. Anja Kluge

Dr. Anja Kluge leitet den Career Service im Team des UniService Third Mission an der Bergischen Universität.

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