24. Februar 2021

Tanja Heinze: Mich interessieren keine „Dornröschen-Küsse“

"Dornröschen-Küsse interessieren mich nicht", antwortet die erfolgreiche Wuppertaler Autorin auf die Frage, warum sie Krimis schreibt, in denen es um Mord und Totschlag geht, statt romantische Liebesromane mit glückstränenreichen Happy-ends. Und dennoch spielt in ihren spannenden Geschichten das Thema Liebe und Beziehungen oft eine Hauptrolle und ist nicht selten das Motiv für eine brutale Bluttat. So auch in ihrem gerade erschienenen Roman "Bärenmord".

Tanja Heinze präsentiert ihr neues Buch „Bärenmord“ – © Matthias Müller

Im Mittelpunkt der Kriminalromane von Tanja Heinze steht immer die Ermittlerin Mathilde Krähenfuß, für viele ihrer Leserinnen und Leser längst die bergische „Miß Marple“. Zu ihrer Kunstfigur hat die Autorin inzwischen eine große geistige Nähe aufgebaut. Sie ist so etwas wie eine imaginäre Freundin, fast schon ein zweites Ich. Warum das so ist und vieles mehr verrät Tanja Heinze im großen Interview mit der STADTZEITUNG.

DS: Was war für Sie das Schlüsselerlebnis, selbst einen Krimi zu schreiben?

Tanja Heinze: „Zuerst war bei mir die weibliche Ermittlerin im Kopf. Bei einem Spaziergang habe ich Mathilde Krähenfuß vor meinem inneren Auge gesehen. Mir war 2018 sofort klar, dass diese Figur ab jetzt zu meinem Leben gehört. Dieses Gefühl der Lebendigkeit bestätigen mir meine LeserInnen auch oft: Sie haben das Gefühl, Mathilde Krähenfuß jederzeit in der Stadt begegnen zu können.“

DS: Viele Ihrer Autoren-Kolleginnen schreiben über Herzschmerz, Liebeswirren und Happy-ends. Warum schreiben Sie Geschichten, in denen es um Blut, Mord und Totschlag geht?

Tanja Heinze: „Sind Sie sicher, dass es in Krimis nicht um Herzschmerz und Liebeswirren geht? Mein aktueller Krimi „Bärenmord“ beginnt am Valentinstag – und mit einer großen Liebe. Aber tatsächlich interessiert mich das Geheimnisvolle im Leben mehr als der überschaubare Plot mit dem schlussendlichen Dornröschen-Kuss.“

Tanja Heinze (l.) mit Kerstin Hardenburg, Betreiberin des „Glücksbuchladens“ – © privat

DS: Mathilde Krähenfuß ist so etwas wie die bergische Miss Marple. Offensichtlich sind Sie ein Fan der schrulligen, britischen Spürnase – oder muss man jetzt gendergerecht „Spürnäsin“ sagen. Was fasziniert Sie an dieser Kunstfigur?

Tanja Heinze: „Tatsächlich ziehen viele Rezensenten einen Vergleich zwischen Miss Marple und Mathilde Krähenfuß. Zum Beispiel auch Susanne Bellenbaum von der STADTZEITUNG. In meiner Jugend habe ich die Bücher von Agatha Christi verschlungen, den Einfluss kann ich nicht verleugnen. Aber Mathilde Krähenfuß ist besonders, weil sie das Antiquierte und das Moderne charmant verbindet. Sie nutzt das Internet und ihr BlackBerry für ihre Recherchen und greift trotzdem immer wieder gerne auf ihr altmodisches Diktiergerät zurück.“

 

Hier der aktuelle LINK zur Lesung von TANJA HEINZE  im Bärenmuseum:

https://www.youtube.com/watch?v=RKS6x1oPPN0&feature=youtu.be

 

DS: Gibt es bei Ihnen irgendwelche Tabus – Täter-, Opfer-Gruppen oder Milieus, die in Ihren Krimis auf gar keinen Fall auftauchen oder thematisiert werden?

Tanja Heinze: „Wie Sie sehen, schrecke ich auch vor harmlosen Teddybären nicht zurück. Aber ich vermeide definitiv die Schilderung von extremer Gewalt oder sexuellen Handlungen. Wenn diese Dinge notwendig für den Spannungsbogen einer Geschichte sind, deute ich sie an. Das Gleiche gilt für eine derbe Sprache und Kraftausdrücke. Sollte eine Romanfigur der Typ dafür sein, arbeite ich das heraus ohne zu viele Worte.“

Tanja Heinze präsentiert drei ihrer Romane – © privat

DS: Haben Sie ein Vorbild als Krimi-Autorin oder Krimi-Autor?

Tanja Heinze: „Ich lese gerne die Romane von Charlotte Link. Aber als Vorbild würde ich sie nicht bezeichnen, obwohl mich einige Leserinnen mit ihr vergleichen.“

DS: Sind Ihre Fälle immer fiktiv, oder gibt es hier oder da einen wahren Kern?

Tanja Heinze: „Natürlich schreibe ich über Themen, die mich interessieren und faszinieren. Mein Interesse an der Philosophie, der Religion und Geschichte beeinflusst mein Schreiben selbstverständlich. Aber ansonsten erfinde und konstruiere ich meine Kriminalfälle fleißig drauf los.“

DS: Wie arbeiten Sie an einem neuen Roman – von der Idee bis zur Fertigstellung des Buches?

Tanja Heinze: „Im Grunde ist die Geschichte die ganze Zeit da. Zumindest in den Grundzügen. Allerdings lasse ich meinen Protagonisten den Raum, sich selbst zu entwickeln. Bei „Bärenmord“ habe ich mich auf ein spezielles, sehr bereicherndes Experiment eingelassen: Von der 1. Rohfassung an hat mich meine Leserin Christina De Bruyckere-Monti begleitet. Sie hat viele Erstgedanken hinterfragt, konstruktiv kritisiert. Zum Beispiel hat sie mich darauf aufmerksam gemacht, wenn ich etwas zu sehr überspitzt geschrieben habe.“

DS: Wenn ich das richtig verstehe, sind Sie also keine einsame Schreiberin mit Tunnelblick, sondern reflektieren bei Ihrer Arbeit durchaus auch die Anregungen von Menschen, die Ihnen nahe stehen? 

Tanja Heinze: „Das „Team“ ist mir überhaupt sehr wichtig. Beispielsweise hat meine 25jährige Kollegin das Abschlusslektorat gemacht. Sie hat mir viel über technische Probleme hinweggeholfen. Der Blick einer Jüngeren tat gut. Mit Jacqueline V. Droullier wird es im Herbst etwas Besonderes geben: Ich arbeite an meinem Kriminalroman „Traumfänger“, sie setzt sich mit diesem Thema in dem Genre Fantasy auseinander. Mir ist es wichtig, sich gegenseitig zu unterstützen. Ich hoffe, wir werden trotz Corona gemeinsame Veranstaltungen planen können.“

Tanja Heinze bei einer Lesung – © privat

DS: Wem drücken Sie Ihre neuen Werke denn als Testlesern in die Hand, bevor Sie es dem Verlag schicken?

Tanja Heinze: „Nur sehr wenigen ausgewählten Menschen, von denen ich weiß, dass sie mir gegenüber hundert Prozent ehrlich sind und mir nicht schmeicheln. Wie Christina und Jacqueline.“

DS: Haben Sie mal zusammengerechnet, wie viel Morde Sie Ihren Leserinnen und Lesern bislang schon auf dem Silbertablett serviert haben?

Tanja Heinze: „Ein gutes Dutzend kommt da schon zusammen.“

DS: Warum veröffentlichen Sie Ihre Kriminalromane immer noch als herkömmliche Bücher und nicht als E-Books?

Tanja Heinze: „Für mich geht nichts über das in der Hand gehaltene Printbuch, doch natürlich gibt es meine Romane auch als E-Books. Das E-Book erscheint immer etwas später als das Taschenbuch. Ich selbst habe aber in meinem Leben noch kein E-Book gelesen.“

DS: Finanziell attraktiv ist das Schreiben von Belletristik in der heutigen Zeit nicht mehr sonderlich – was treibt Sie trotzdem an?

Tanja Heinze: „Ich könnte Mathilde Krähenfuß nicht mehr aus meinem Leben verbannen, dann wäre sie ziemlich beleidigt. Außerdem habe ich noch unendlich viele Ideen, die umgesetzt werden möchten.“

DS: Wie wichtig sind Ihnen positive Kritiken?

Tanja Heinze: „Eine ehrliche Autorin – und die bin ich – antwortet darauf: sehr wichtig. Ich möchte meine LeserInnen begeistern!“

DS: Haben Sie schon eine Idee für das nächste Buch im Kopf?

Tanja Heinze: „Der nächste Fall für Mathilde Krähenfuß „Traumfänger“ ist in der 1. Rohfassung bereits zur Hälfte fertig. Meine LeserInnenlektorin Christina De Bruyckere-Monti, übrigens eine Schauspielerin vom TiC-Theater, freut sich schon auf unsere Zusammenarbeit.“

DS: Gibt es denn für Sie eine Art Traum-Buch-Projekt, das Sie gerne einmal angehen würden?

Tanja Heinze: „Irgendwann möchte ich einen sehr umfangreichen Polit-Thriller schreiben, der in der Zukunft spielt.“

DS: Vielen Dank für das offene, spannende und informative Gespräch

Das Interview führte PETER PIONKE

 

Dier Krimi-Autorin Tanja Heinze – © privat

 

Über Tanja Heinze:

Die Autorin Tanja Heinze wurde 1975 in Wuppertal geboren. Sie lebt und arbeitet bis heute in ihrer Heimatstadt. An der Bergischen Universität Wuppertal studierte sie Philosophie.

 

Über „Bärenmord“:

Warum geht es in dem fiktiven Wuppertal Kriminalfall? So fängt die Mordgeschichte an: Was ist los in Wuppertal-Cronenberg? In der Redaktion der Stadtteilzeitung „Cronenberger Woche“ wird ein Fünfundsiebzigjähriger mit einem Messer im Herzen aufgefunden.

Gleichzeitig entdecken die Inhaber des Teddybärenmuseums einen schrecklich zugerichteten Bären. Mathilde Krähenfuß, pensionierte Journalistin und Hobbydetektivin, beginnt zu recherchieren. Doch dann passiert ein weiterer Mord…

Wenn Sie wissen wollen, wie es weiter geht, müssen Sie sich schon das Buch kaufen!

 

Tanja Heinze und ihre Bücher:

 

 

Das Buch-Vover – © BoD

BÄRENMORD und Globuli

Erste Auflage Februar 2021
© 2021 Tanja Heinze
Satz, Umschlaggestaltung, Herstellung und Verlag: BoD – Books on Demand, Norderstedt

ISBN 978-3-7534-2984-7

 

SPUREN DER SEELEN

Erschienen: 03.08.2020 – 264 Seiten

BoD Verlag – Books On Demand

ISBN: 978-3-7519-8881-0

 

ARALANDIA

Erschienen: 22.01.2020 – 272 Seiten

BoD Verlag – Books On Demand

ISBN: 978-3-7504-7850-3

 

MÜTTERHERZEN

Erschienen: 12.07.2019 – 244 Seiten

BoD Verlag – Books On Demand

ISBN: 978-3-7494-4285-0

 

PANIK-GEN

Erschienen: 06.02.2019 – 256 Seiten

BoD Verlag – Books On Demand

ISBN: 978-3-7481-6247-6

 

DROHNENOPFER

Erschienen: 10.07.2018 – 264 Seiten

BoD Verlag – Books On Demand

ISBN: 978-3-7528-0751-6

 

GÖTTERDÄMMERUNG

Erschienen: 15.03.2018 – 248 Seiten

BoD Verlag – Books On Demand

ISBN: 978-3-7460-9070-2

 

IM GARTEN DES LEBENS

Erschienen: 18.10.2017 – 220 Seiten

BoD Verlag – Books On Demand

ISBN: 978-3-7448-6564-7

 

DAS LÄCHELN DER TEDDYBÄREN

Erschienen: 27.06.2017 – 232

BoD Verlag – Books On Demand

ISBN: 978-3-7448-7795-4

 

DONNA JUANA

Erschienen: 13.02.2006

Leipziger Literaturverlag

ISBN: 978-3-9340-1584-5

 

DER SCHNEE DES LETZTEN SOMMERS

Erschienen: 01.08.2004

Leipziger Literaturverlag

ISBN: 978-3-9340-1566-1

 

Weitere Infos über Tanja Heinze finden Sie unter folgendem Link:

https://www.facebook.com/Tanja-Heinze-Schriftstellerin-1752341224792644/

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