7. November 2026

WSV siegt 4:3: „Lucky Punch“ nach toller Aufholjagd

Mit einem "Lucky Punch“, einem Glückstreffer, riss der Wuppertaler SV seine zwölfte Oberliga-Partie aus dem Feuer. Man schrieb die 95. Minute, als der eingewechselte Joker mit der Nummer neun, der farbige  Brighntey Ignibadolor, mit dem Schlusspfiff sein drittes Saisontor erzielte und dem WSV vor 2.231 Besuchern mit einem 4:3 den sechsten Sieg in Folge bescherte. Dieser Sieg bringt dem Traditionsverein in diesem Moment den vierten (!) Tabellenplatz ein. Und das nach einem 1:3-Rückstand.

Großer Jubel beim WSV nach dem Last-Minute-Sieg: Mannschaft, Ersatzspieler, Trainer und Betreuer feiern die drei Punkte gegen Meerbusch – © Jochen Classen

Es hatte indes eine gute Stunde gedauerte, bis die diesmal ganz in weiß agierenden „Rot-Blauen“ die Partie in den Griff bekamen. Die stimmgewaltigen Fans waren es, die mit ihren Anfeuerungen nach 1:3-Rückstand den vielleicht entscheidenden Impuls gesetzt gaben. Sie hatten bis dahin den bisher schwächsten WSV in der bis dahin so starken Ära von Trainer Ismail Jaroui erlebt.

Der hochfavorisierte WSV war gegen den Gast aus dem Tabellenkeller immer das spielbestimmende Team, ohne hieraus allerdings Kapital schlagen zu können. Anders das schon abstiegsgefährdete Team aus Meerbusch, welches aus der Defensive geschickt operierte und nach 20 Minuten durch Icah Cain zur überraschenden Führung kam, die allerdings bereits wenige Minuten später durch Dario Biancardi egalisiert wurde. „Wir wollten defensiv sehr gut stehen und über Konter kommen, erläuterte der erfahrene kroatische Gästetrainer Robert Palikuća, der erst seit wenigen Wochen an der Meerbuscher Seitenlinie steht und nach schwachen Saisonstart für eine Wende sorgen soll.

WSV-Kapitän verursacht einen Elfmeter

Beide Teams hatten nach dem Seitenwechsel taktisch leicht umgestellt und spielten auf Sieg. „Wir wollten dem WSV unser Spiel aufdrängen“, erklärte Gäste-Coach Robert Palikuća. Diese Taktik schien auch aufzugehen, als sich WSV-Kapitän Felix Herzenbruch an der Strafraumgrenze ein dummes Foul leistete, das der Solingen Schiedsrichter Davide Zeisberg mit einem Strafstoß ahndete. Diesen verwandelte der Österreicher Sanjin Vreba sicher zur zur 1:2-Führung. Damit aber nicht genug, der soeben eingewechselte Vedal Music ließ die gesamte WSV-Abwehr nicht gut aussehen, dribbelte sich durch und schoss in der 65. zum 1:3 ein. Die Vorentscheidung?

Eren Albayrak (Nr. 10) erzielte in der 80. Minute das vielumjubelte 3:3 – doch es sollte noch besser kommen – © Jochen Classen

Das WSV-Trainerteam sah sich jetzt genötigt, die Formation zu ändern und verstärkte die Offensive. Nachdem schon kurz zuvor Sam Sausmikat für Amyn (61.) gekommen war, folgten jetzt Duje Goles für Tirpan (66.) und Brightney Igbinadolor für Ayinla (74.), womit sich der Druck auf das Gästetor erheblich steigerte. Die Folge war das 2:3 durch David Widlarz, der seinen eigenen Freistoß im Nachschuss veredelte. Und auch der andere WSV-Torjäger, Eren Albayrak, wollte jetzt nicht nachstehen, er köpfte in der 80. Spielminute zum vielumjubelten 3:3-Ausgleich ein. Es war sein achtes Tor in dieser Saison.

WSV spielte jetzt wie im Rausch

Der WSV spielte jetzt wie im Rausch, war plötzlich nicht mehr wieder zu erkennen. Sausmikat traf nur den Pfosten und Goles zwang Gäste-Keeper Langhoff zu einer Glanzparade, auch Biancardi scheitert am Gäste-Schlussmann. In der 5minütigen Nachspielzeit konnte man schon von Dramatik sprechen: Gelb-Rot für Leart Lahi, der zuvor bei einer Rudelbildung schon Gelb gesehen hatte. Dann das bereits erwähnte Siegtor:  Eine Flanke kommt in den Strafraum, wo Igbinadolor den Ball ins Tor drückt,  danach erfolgt direkt der Schlusspfiff von Schiri Zeisberg.

Arian Amyn (r.) zieht ab, doch die Meerbuscher können den Ball blockieren – © Jochen Classen

Ein „unwürdiger“ Schiedsrichter ?

Der Solinger Referee und seine Assistenten wurden danach auf der Pressekonferenz  vom Meerbusch Coach Palikuca ungewöhnlich scharf attackiert: “Ich weiß nicht, ob die Schiedsrichter diesem Spieles würdig waren. Es waren schon Fehlentscheidungen gegen uns, die den WSV zurück ins Spiel gebracht haben. Das haben sie sehr gut mit den Zuschauern ausgenutzt“. So hat er den zum 2:3 führenden Freistoß kritisiert, der nach seiner Ansicht keiner war und auch den letzten Eckball moniert, der nach seiner Beobachtung gar keiner gewesen sei, weil sein Torwart Langhoff den Ball, wie der Schiri entschied, gar nicht mehr berührt habe.

WSV-Coach Ismail Jaroui zeigte sich hiervon unbeeindruckt.„Wir haben es eigentlich auch in der ersten Halbzeit ganz gut gemacht. Hätten wir verloren, hätte ich mich nicht hingesetzt und der Mannschaft einen Vorwurf gemacht. Ich fand, dass wir gute Ballbesitz-Passagen hatten und uns einige Torchancen erspielt haben. Es hat oft die letzte Konsequenz gefehlt“.

Ihm und seinem Trainerteam kann man attestieren, dass sich das WSV-Team auch deshalb durchsetzen konnte, weil es neben den personellen Alternativen inzwischen auch die nötigen konditionellen Voraussetzungen mitbringt, um ein solches Spiel am Ende noch zu drehen. „Es war eine Werbung für den Oberliga-Fußball. Beide Mannschaften haben offensiv agiert“, ergänzte der junge WSV-Coach noch. Dem ist beizupflichten. Inzwischen sind die Wuppertaler in der Oberliga aus guten Gründen Spitzenreiter, zumindest was die Zuschauerzahl von 1.993  (vor Uerdingen 1.657) angeht.

Wuppertals Trainer Ismael Jaouri schließt Brighntey Ignibadolor, Schütze des entscheidende Treffers zum 4:3, glücklich in seine Arme – © Jochen Classen

Das Thema „Insolvenz“ bleibt auf dem WSV-Tisch

Inzwischen wurde indes bekannt, dass das Amtsgericht Wuppertal zum 1. November ein Insolvenz-Verfahren gegen den Wuppertaler SV eröffnet hat und damit ein neun Punkte Abzug droht. Hierzu wurde vom WSV-Vorstand für den kommenden Montag eine Pressekonferenz anberaumt.

Die Mannhaft, die bis heute bereits 19 Zähler eingefahren hat, möchte ungeachtet der wirtschaftlichen Situation des WSV ihr Punkte-Konto in den nächstenseiden Spielen noch weiter ausbauen. Gelegenheit dazu sollte es geben. Am 14.11. (18 Uhr) spielt der WSV beim KFC Uerdingen und 27.11. (19:30 Uhr) kommt  Solingen-Wald ins Stadion am Zoo.

Text: Siegfried Jähne

Meerbuschs Trainer Robert Palicuca (l.) steht die Enttäuschung über die späte Niederlage und einige Schiedsrichter-Entscheidungen förmlich ins Gesicht geschrieben. WSV-Pressesprecher Sam Burth (M.) und Cheftrainer Ismael Jaouri schauen da schon entspannter drein – © Jochen Classen

Wuppertaler Sportverein – TSV Meerbusch 4:3 (1:1)

Tore: 0:1 Cain (20.), 1:1 Biancardi (27.), 1:2 Vrebac (Elfmeter, 58.), Music (65.), 2:3 Widlarz (77.), 3:3 Albayrak (80.), 4:3 Ignibadolor (90.+5)

Wuppertaler SV: 1 Fotios Adamidis (T) – 3 Felix Herzenbruch (K), 7 Semir Saric, 10 Eren Albayrak, 17 Arian Amyn, 19 David Widlarz, 21 Dario Biancardi, 26 Linus Fröhlich, 27 Sriyoh Ayinla, 30 Efe Tirpan, 44 Serhat Kacmazt

Ersatzbank: 32 Maurice Horn (T), 4 Noel Westenberger, 8 Duje Goles, 9 Brighntey Ignibadolor, 11 Sam Sausmikat, 20 Fabrizio Fili, 24 Georgios Bozouris, 39 Kilian Bielitza – Trainer: Ismael Jaouri

TSV Meerbusch: 26 Franz Langhoff (T) – 5 Leart Lahi, 6 Daniel Hoff (K), 8 Mattia Toni Klemen Majetic, 9 Marco de Stefano, 17 Enes Kaan Rüzgar (ab 55. Bus), 21 Icah Cain, 25 Lasse Soldanski, 31 Leonel Kadiata, 44 Dominik Burghard, 70 Danjin Vrebac

Ersatzbank: 33 Kalle Maria Grabek (T), 2 Tyan Pound, 3 Howon Ryu, 7 Luka Blazevic, 10 Vedad Music, 11 Christian Bus, 15 Franklin Anarfi Opoku-Mensah, 16 Agan Ljeza, 20 Mohamed Dbouki, 27 Edijon Ejupi, 32 Hayato Uchimura – Trainer: Robert Palicuca

Gelb-rote Karte: Leart Lathi (90+2)

Zuschauer: 2.231

Stadion: Stadion am Zoo

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