6. November 2026Peter Pionke
Ulrich Klose: Ein Reporterleben als Buch-Vorlage
Unterhaltsamer Talk bei der Buch-Premiere: (v.l.) Moderator Sascha Roth, Sergej Barbarez und Ulrich Klose – © Paul CoonRTL-Reporterlegende Uli Klose sowie der frühere Bundesligaprofi und heutige Nationaltrainer von Bosnien-Herzegowina Sergej Barbarez berichteten über ihre literarische Werke und gaben tiefe Einblicke in ihre spannende Erlebniswelt.
Klose, der „letzte Reporter der Straße“, gehörte mit seinem markanten Gesicht lange wie selbstverständlich zum Fernsehabend. Wo etwas passierte, war er mit Kamera und Mikrofon vor Ort – und berichtete aus den abgelegensten Gegenden der Welt, aus Krisengebieten und gefährlichen Kriegsregionen.
An diesem unterhaltsamen Abend schaute er auf sein Leben als TV-Journalist zurück. Dabei gewährte er Einblicke in seine facettenreiche Arbeit, aber auch in sein „Seelenleben“, so als er in Somalia in einen Hinterhalt geriet, ihm von einem Jugendlichen ein geladenes Kalaschnikow-Sturmgewehr an die Schläfe gedrückt wurde und er erst mit Hilfe eines Geistlichen gerettet und befreit werden konnte.
Falsche Frage: Jassir Arafat tobte
Ein ganz besonders leidvolles „Reporter Highlight“ war für ihn fraglos die Begegnung mit Palästinenser-Führer Jassir Arafat. 14 Tage hatte es gedauert, bis ihm endlich in dessen Präsidenten-und Regierungshauptquartier in Ramallah eine Audienz für ein Interview gewährt wurde, das nachts um 2 Uhr stattfinden sollte.
Im Vorzimmer wurde Klose von Arafats Referenten aufgefordert, die geplante Eingangsfrage in das Interview zu verraten. Der TV-Reporter erklärte ihm, er würde den Chef-Palästinenser fragen, ob er sich nicht als Geisel der Israelis fühlen würde. Doch diese Frage schien nicht gut anzukommen. Mit versteinerter Miene verschwand der Vertraute im Nachbarzimmer, in dem sich Jassir Arafat aufhielt.
Ulrike von der Groeben, die viele Jahre die Sportnachrichten im Nachrichten-Flaggschiff „RTL aktuell“ an der Seite von Peter Kloeppel moderierte, mit Ex-Fußball-Star Ansgar Brinkmann – © Paul CoonPlötzlich stand dieser wutschnaubend vor dem RTL-Reporter, schimpfte auf Arabisch wie ein Rohrspatz und schrie am Ende vier Worte auf Englisch, die wohl jeder verstanden hätte: „There is the door!“ – Da ist die Tür!“ Damit war das Interview geplatzt, bevor es überhaupt begonnen hatte. Ulrich Klose süffisant und humorvoll: „Ich habe mich damals tierisch über mich selbst geärgert. Ich hätte ihm jede andere Frage stellen können, beispielsweise, wie es seiner Schwiegermutter gehe. Dabei hatte ich mich so sehr auf das Interview mit ihm gefreut, zumal ich mit Arafat den ersten Mann traf, der sogar noch einen Kopf kleiner als ich war.“
Zum Schmunzeln auch seine Erzählung von einer Begegnung mit Peer Mertesacker im Stadion von Arsenal, wo der deutsche Nationalspieler damals unter Vertrag stand. Der rustikale Abwehrspieler empfing Uli Klose mit den Worten: „Du hier? Ist etwas passiert? Droht etwa ein Bomben-Anschlag?“
180 Gäste waren begeistert
Den Ruf des „Kriegsreporter“ ist er eben nie ganz losgeworden. Einblick in seine vorbildliche Berufsauffassung vermittelte Ex-Kollegin Ulrike von der Groeben, Sportmoderatorin bei „RTL aktuell“: „Uli konnte da auch schon mal sehr nervig sein, aber auf ihn war immer 100prozentig Verlass“, plauderte sie charmant mit einem Augenzwinkern aus dem Nähkästchen.
Uli Klose (70) versicherte, jetzt seinen Ruhestand zu geniessen und selbst wenn er jünger wäre, nie wieder als „Kriegsreporter“ würde arbeiten wollen, weil sein Leben zu oft am seidenen Faden hin. „Man darf sein Glück nicht zu oft herausfordern“, philosophierte er.
Rund 180 geladene Gäste nahmen das gerührt zur Kenntnis, an einen wirklichen Ruhestand können viele, die ihn näher kennen, indes nicht unbedingt glauben. Erst recht nicht, wenn sie sein mit Peter Pionke, Chefredakteur der STADTZEITUNG, geschriebenes Buch „REPORTER – Ein Leben lang“ gelesen haben.
RTL-Reporter-Legende Ulrich Klose beim Signieren seiner Biografie „REPORTER – Ein Leben lang“, die an dem Abend über 100 Mal verkauft wurde – © Siegried JähneKaum weniger interessant ist das Buch „Kreisläufe“ von Sergej Barbarez, das er mit Sebastian Wolff (Redakteur beim Fußball-Magazin „Kicker“) geschrieben hat. Es ist die bewegende Lebensgeschichte einer Fußball-Legende, die ihr vom Krieg zerrissenes Land 1991 verließ und im Frühjahr 2024 mit großem Erfolg das Amt des Nationaltrainers der bosnisch-herzegowinaischen Nationalmannschaft übernommen hat.
Sergej Barbarez berichtete von seinem Weg, der ihn vom Ost-Berliner Plattenbau in die Arenen der Champions League brachte, vom Leben aus dem Schrank bei Union Berlin zur Torjägerkanone beim HSV, zwischen Pfiffen der Südtribüne in Dortmund und dem Hass, der ihm aus Belgrad entgegengebracht wurde. Im Dortmunder Fußballmuseum verriet er jetzt in Anwesenheit seiner beiden Söhne Filipp-André (32) und Sergio-Luis (27) viel über die ihn prägenden Werte.
Respekt, Wertschätzung und Würde
Begriffe wie Respekt, Wertschätzung und Würde kamen ihm besonders häufig über die Lippen. Aber auch Geschichten aus der Bundesliga, wie die von Skandalen, Vereinspolitiken und Geschichten aus den Kabinen wurden bei der Dortmunder Präsentation thematisiert. Aufschlußreich Berichte nicht zuletzt über Vertragsverhandlungen, insbesondere mit Rudi Völler, die nicht immer die ungeteilte geteilte Zustimmung von Ehefrau Ana gefunden haben, mit der er über 30 Jahre verheiratet ist.
„Welche Rolle kann Fußball in kriegerischen Konflikten und im anschließenden Versöhnungsprozess spielen?“ lautete die Eingangsfrage von Moderator Sascha Roth. Gewiß, eine universelle Antwort konnte nicht gefunden, aber dass Fußball Brücken bauen, Gemeinschaft, Respekt, Fairness und gegenseitige Anerkennung vermitteln kann, Erfolg aber auch immer seinen Preis hat, das wurde an diesem Abend in Dortmunder Fußball-Museum schon sehr deutlich.
Text: Siegfried Jähne
Reporter – Ein Leben lang – Ulrich Klose – Co-Autor Peter Pionke – BVK Buchverlag Kempen GmbH – 240 Seiten – zahlreiche Exklusiv-Fotos – ISBN-10: 3965205153 – ISBN-13: 978-3965205154Die Gästeliste der Buch-Präsentation:
RTL-Moderatorin Ulrike von der Groeben, Ehemann Alexander von der Groeben (TV-Journalist – Moderator – Buchautor), RTL-Chefredakteur Gerd Kohlenbach, Ex-RTL-Sportreporter Klaus Jakob, RTL-Moderatorin Ilka Eßmüller, die RTL-Redakteure Mario Turic und Carlo Schlender sowie Rheinmetall-CEO Armin Pappberger, Borussia Dortmunds Geschäftsführer Carsten Cramer, BVB-Stadionsprecher Norbert Dickel, die Ex-Fußball-Stars Ansgar Brinkmann und Sergej Barbarez (u.a. Borussia Dortmund, Hamburger SV, Bayer Leverkusen und aktuelle Nationaltrainer von Bosnien und Herzegowina), der selbst gerade ein Buch veröffentlicht hat: „Kreisläufe“ (ISBN: 978-3-96423-154-3)
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