16. Oktober 2026Peter Pionke
Förderverein BUGA: Wir stehen zu Hängebrücke & Seilbahn
Holger Bramsiepe, Vorsitzender des BUGA-Fördervereins , setzt sich weiter für Hängebrücke und Seilbahn ein – © GenerationdesignHier der Wortlaut: Die Petition „Königshöhe schützen!“ fordert, Hängebrücke und Seilbahn aufzugeben. Der Förderverein der BUGA 2031 widerspricht: Beide gehören zum Kern der Bundesgartenschau, über die Wuppertal 2022 abgestimmt hat, und beide tragen einen großen Teil dessen, was sie der Stadt dauerhaft bringen soll. Wer sie streicht, bekommt nicht eine andere BUGA, sondern eine kleinere Stadt.
Die Königshöhe gehört allen
August und Selma von der Heydt haben ihren Waldpark vor über hundert Jahren nicht eingezäunt, sondern allen geöffnet, die aus dem Tal heraufkamen. Seit den 1920er-Jahren gehört er der Stadt. Wer dort täglich spazieren geht, hat ein berechtigtes Interesse, und es wird gehört. Aber es ist nicht das einzige. Die Königshöhe liegt sechzig Meter über dem Tal. Ältere, Menschen im Rollstuhl, Familien mit Kinderwagen kommen heute kaum hinauf. Die Seilbahn ändert das, dauerhaft. Und die Brücke verbindet zum ersten Mal die beiden Höhen über das Tal hinweg, die Königshöhe mit der Kaiserhöhe, die Sambatrasse mit der Nordbahntrasse. Ein Landschaftsschutzgebiet zu schützen heißt, es für alle zu bewahren. Nicht, es für wenige zu reservieren.
Es geht um Zukunft aus eigener Kraft
Wuppertal ist eine Stadt, die sich nichts schenken lassen kann. Die BUGA ist der Hebel, mit dem sie in diesem Jahrzehnt Fördermittel in zweistelliger Millionenhöhe in ihre eigene Entwicklung lenkt. Für Investitionen in die Stadtentwicklung liegen die Förderquoten erfahrungsgemäß zwischen 50 und 80 Prozent, bei einem Rahmen von rund 73 Millionen Euro; zehn Millionen für die Planung hat das Land bereits bewilligt. Dieses Geld ist zweckgebunden. Es fließt nicht in Schulen oder Straßen, wenn die BUGA kleiner wird. Es fließt dann gar nicht. Die Seilbahn baut und betreibt ein privater Investor, die Brücke soll gefördert werden
Das offizielle Logo der BUGA 2031 – © BUGA-FördervereinUnd dann der Nutzen, der bleibt. Mindestens 1,8 bis 2,2 Millionen Gäste im Jahr 2031, wahrscheinlich bis zu 2,6 Millionen, bedeuten Übernachtungen, Gastronomie, Handel, Handwerk, Aufträge. Die Besucherzahlen tragen die Durchführung, und sie bringen ein Vielfaches in die Stadt zurück: Auf jeden Euro, den die Stadt investiert, kommen sechs weitere, aus Fördermitteln, privaten Investitionen und den Ausgaben der Gäste. Und der Effekt endet nicht mit der Schau: Für den Dauerbetrieb der Hängebrücke rechnet eine Prognose von Montenius Consult mit 662.000 Besucherinnen und Besuchern im Jahr.
Im Umkreis von zwei Stunden leben 35 Millionen Menschen. Deutschland hat acht große Hängebrücken, Nordrhein-Westfalen keine einzige; Wuppertals wäre die längste des Landes und die erste über einer Stadt. Koblenz zeigt, wohin das führt: Die Seilbahn der BUGA 2011 war befristet geplant, wurde dauerhaft und gehört heute zur Stadt. Heilbronn, Mannheim und Erfurt zeigen, was eine BUGA einer Stadt an Flächen, Ruf und Zutrauen hinterlässt. Das ist der Grund, warum es Brücke und Seilbahn gibt: Sie sind der Anlass, nach Wuppertal zu kommen, länger zu bleiben und wiederzukommen. Darauf zu verzichten heißt, auf Einnahmen zu verzichten, die diese Stadt braucht, um ihre Zukunft selbst zu gestalten.
Wer Nein sagt, muss sagen, womit stattdessen
Die Petition sagt sehr genau, was sie nicht will. Was sie will, bleibt vage: vorhandene Wege, besserer Nahverkehr, weniger Eingriffe. Das sind keine Alternativen, das sind Wünsche. Wir fragen deshalb konkret: Mit welchem Vorhaben will die Initiative vergleichbare Fördermittel in die Stadt holen? Welches Projekt soll dieselbe Anziehungskraft entfalten, dieselbe Wertschöpfung für Gastronomie, Hotellerie und Handel? Wie kommen Menschen ohne Seilbahn barrierefrei auf die Königshöhe, mit Bussen durch die Wohnstraßen? Geprüft wurde das alles schon, so wie es das Naturschutzrecht verlangt: drei Trassenführungen, drei Standorte für die Talstation, acht Parkflächen, drei Gebäudepositionen, eine Bus- und eine Radalternative, dazu der Verzicht. Die gewählte Lösung ist nicht die bequemste, sondern die schonendste. Wer eine über Jahre ausgearbeitete Planung verwerfen will, muss mehr vorlegen als den Wunsch nach einer anderen Lösung.
Susanne Brambora-Schulz, Geschäftsführerin der Gesellschaft „Buga Wuppertal 2031“ – © Stadt WuppertalWas tatsächlich geplant ist
Wir reden nichts klein. Die Brücke wird rund 850 Meter lang, die Seilbahn fährt dauerhaft, und es werden Bäume fallen, auch für die Schneise zur Bergstation. Die Zahl, die gerade kursiert, „6,5 Fußballfelder gerodet“, beschreibt aber nicht das Geplante. Die oft genannten 4,5 Hektar sind die planungsrechtlich erfasste Fläche. Gefällt wird laut Stadt nur ein Bruchteil davon, die Seilbahn fährt über weite Strecken über den Baumwipfeln, Flächen für Masten und Baustelle werden wieder aufgeforstet, und was fällt, wird mindestens doppelt ausgeglichen. Der Bebauungsplan sichert den übrigen Wald der Königshöhe ausdrücklich vor Bebauung. Naturschutz verpflichtet zu guter Planung. Genau die findet statt: Umweltbericht, Artenschutzprüfung, landschaftspflegerischer Begleitplan. Wir erwarten, dass diese Anforderungen vollständig erfüllt werden, und wir werden das in der Offenlage selbst prüfen.
Mitgesprochen wurde. Jetzt wird abgewogen
Diese Planung ist nicht hinter verschlossenen Türen entstanden. Drei öffentliche Dialogabende im Sommer 2025 mit jeweils rund 200 Teilnehmenden, VR-Simulationen von Brücke und Seilbahn, ein Thementag Beteiligung, eine Roadshow durch die Stadtbibliotheken, das BUGA-Lokal jede Woche. Jetzt folgt der formelle Schritt: Vom 16. November bis zum 23. Dezember liegen die Planentwürfe mit allen Gutachten im Rathaus und online aus, zwei Informationsveranstaltungen begleiten die Offenlage. Jede und jeder kann Einwände erheben, und jeder Einwand muss geprüft und abgewogen werden. Die Petition fordert genau diese Prüfung und verlangt zugleich den Stopp, bevor irgendjemand die Unterlagen gelesen hat. Damit nimmt sie das Ergebnis vorweg.
Über das Ob hat Wuppertal 2022 entschieden, auf Grundlage einer Machbarkeitsstudie, deren sichtbarste Bausteine Hängebrücke und Seilbahn waren. Seitdem haben die gewählten Gremien jeden Schritt beschlossen, und das Planungsrecht prüft, ob er trägt. Eine Stadt, die diese Grundsatzfrage bei jedem weiteren Planungsschritt neu aufmacht, kommt nirgendwo an. Sie verliert Zeit, Fördermittel und das Zutrauen in ihre eigene Gestaltungskraft. Eine Petition ist ein legitimes Instrument, und wir respektieren sie. Aber sie ist ein Instrument zum Stoppen. Die Offenlage ist eines zum Mitgestalten. Wir laden die Initiative ein, dort konkrete Verbesserungen einzubringen. Ihrer Forderung, Brücke und Seilbahn aufzugeben, erteilen wir eine klare Absage.
Wir stehen für eine BUGA, die Wuppertal dauerhaft voranbringt. Dazu gehören Hängebrücke und Seilbahn. Dafür setzen wir uns weiter ein, mit Nachdruck und mit offener Tür.
Holger Bramsiepe, Vorsitzender, für den Vorstand
Freunde und Förderer der Bundesgartenschau Wuppertal 2031 e. V.
Über den Förderverein BUGA 31
Der Verein „Freunde und Förderer der Bundesgartenschau Wuppertal 2031 e. V.“ wurde 2021 gegründet und zählt rund 160 Mitglieder. Er unterstützt die Bundesgartenschau ideell und finanziell, fördert Projekte in den Quartieren und versteht sich als Brücke zwischen der BUGA-Gesellschaft und der Stadtgesellschaft. Der Verein ist als gemeinnützig anerkannt.
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