3. Oktober 2026

Wirtschaftspreis mehr als eine „Show-Veranstaltung“

Leuchttürme sollen Orientierung und Navigation geben. Gerade im wirtschaftlich herausfordernden Zeiten braucht es „Richtfeuer“, die sichere Wege aufzeigen. So darf man auch den „23. Wuppertaler Wirtschaftspreis“ werten, der in der Hauptkategorie an „Riedel Communications GmbH & Co. KG“ ging. Ein international agierendes Wuppertaler Unternehmen mit enormer Strahlkraft.

Thomas Riedel (r.), der mit seinem Unternehmen den „Wuppertaler Wirtschaftspreis 2026“ erhielt, mit Laudator Axel Jütz, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Wuppertal – © Wuppertal Marketing GmbH / Malte Reiter

Sparkassen-Vorstand  Axel Jütz konnte jetzt zur Verleihung rund 500 Gäste in der Sparkassen-Glashalle begrüßen, denen einmal mehr ein spannender und unterhaltsamer Abend geboten wurde. „Die Wirtschaft ist Herzschlag und Zukunft unserer Stadt“, sagte Schirmherrin und Oberbürgermeisterin Miriam Scherff. In ihrem Grußwort unterstrich sie die Geschichte der Stadt, in der gewachsene Unternehmen auf junge Gründungen, handwerkliches Können, auf Forschung und neue Ideen treffen würden.

Für Sparkassen-Chef Axel Jütz ist es nach eigenen Aussagen immer die Veranstaltung des Jahres. „Neue Wege gehen, Verantwortung übernehmen, nicht warten, machen“, so das Credo von Moderatorin Christiane Rüffer von Radio Wuppertal in ihrer Standort-Bestimmung. Dabei hatte die unabhängige Jury – im Auftrag der Veranstalter – primär Kriterien mit Gewichtung auf Nachhaltigkeit, Innovation, Gemeinwohl sowie überregionale Strahlkraft im Auge.

 Skulptur „Schwung“ von Beate Schroedl-Baurmeister für Preisträger

Beteiligt waren in der Jury auch Preisträger aus den vorherigen Jahren. Der Preis wird gemeinsam von der Stadtsparkasse Wuppertal, „wuppertalaktiv!“, der Wuppertal Marketing GmbH und der Wirtschaftsförderung ausgelobt. Die Preisträger erhalten die Bronzeskulptur „Schwung“, entworfen von der Wuppertaler Künstlerin Beate Schroedl-Baurmeister, die symbolisch für Dynamik, Innovationskraft und Agilität steht.

Einer, der diesem Leitbild wie kaum ein anderer entspricht, ist in der Tat Preisträger Thomas Riedel, der sein 1987 gegründetes Wuppertaler Unternehmen als Hersteller von innovativer Kommunikationstechnik zur Weltgeltung brachte.

Gruppenbild mit allen Ausgezeichneten, Oberbürgermeisterin Miriam Scherff, Moderatorin Christiane Rüffer, WSV-Chef Markus Hilkenbach und Wuppertal Marketing-Geschäftsführer Martin Bang – © Wuppertal Marketing GmbH / Malte Reiter

Riedel stellte beispielsweise große Teile des Kommunikation-Equipment bei Felix Baumgartners legendären Sprung aus der Stratosphäre (39.000 Meter Höhe) im Jahre 2012. Der Gründer und Inhaber der Riedel Group erwarb zudem im April 2026 „Arri“, den Münchner Premium-Hersteller für Kamera- und Lichttechnik, eine auch bei den Oscars prämierten 100 Jahre alte Ikone der Filmwirtschaft. Thomas Riedel und sein Team schrieben damit das größte Kapitel seiner Unternehmerkarriere.

Thomas Riedel: „Wuppertal ist für Macher der Ort schlechthin!“

Die weltweit agierende Firma ist im Riedel-Technologie Park auf dem ehemaligen Quante-Gelände an der Uellendahler Strasse angesiedelt, hat zudem noch 30 weitere Standorte in Europa, Australien, Asien und Nordamerika. Der Kommunikations-Experten entwickeln und produzieren mit rund 1.200 Menschen, davon allein rund 500 in Wuppertal, Kommunikations-, Audio-, Video- und Netzwerklösungen für Sport, Entertainment, Broadcast sowie Live-Produktionen.

Die technische Infrastruktur von Riedel Communications verbindet Menschen, Signale und Daten schnell, sicher und zuverlässig. Mit technischen Innovationen schafft Riedel neue Zuschauererlebnisse. Jüngstes Beispiel ist die RefCam, die bei Sportübertragungen die individuelle Schiedsrichter-Perspektive direkt aus dem Spielgeschehen zeigt. Für seine Technologien wurde Riedel Communications bereits viermal mit den international renommierten Emmy Awards ausgezeichnet. Bei olympischen Spielen, der Fußball-WM, Formel-1-Rennen,  Red Bull Air Race, Skirennen oder auch dem Eurovision Song Contest ist „Riedel“ inzwischen längst ein unverzichtbarer Partner.

Thomas Riedel, Chef der Riedel Group, die inzwischen die renommierte Münchener Firma „Arri“, Spezialist für Kamera-Licht- und Film-Beleuchtungs-Technik, übernommen hat – © Riedel Group

Wenn Menschen weltweit große Live-Events verfolgen, steckt dahinter oft Technologie aus Wuppertal. Es gab für Riedel in der Zeit durchaus reizvolle Versuchungen, seinen Firmensitz in eine der großen Metropolen Europas zu verlegen, denen der bekennende Wuppertaler, immerhin auch Mitglied der „Wuppertal-Botschafter“, aus voller Überzeugung nicht erlag. Thomas Riedel liefert dafür auch gleich eine plausible Begründung: „Wuppertal ist für Macher der Ort schlechthin!“

Axel Jütz begründete die Auswahl des Unternehmens ins seiner Laudatio so: „Riedel Communications steht seit über vier Jahrzehnten für unternehmerische Stabilität, Innovationskraft und internationale Sichtbarkeit. Dank der starken lokalen Verankerung des Technologieführers reist der Name Wuppertal stets mit zu den größten Events der Welt. Das macht Riedel Communications zu einem starken Botschafter des Wirtschaftsstandorts Wuppertal.“

„Würde traurig neben einem Sack voller Geld sitzen“

Bei der Veranstaltung in der Sparkassen Glashalle hörte man vom Firmen-Chef eine bemerkenswerte Einstellung, als es um einen möglichen Verkauf seines Unternehmens ging: „Ja, ich könnte viele Millionen erzielen, würde dann aber traurig neben einem Sack voller Geld sitzen!“ An anderer Stelle erklärte er einmal: “Ich will bei den großen Geschichten dabei sein und etwas dazu beitragen, das Relevanz hat.” Viel Beifall bekam er auf die Frage nach seinen eigenen Grenzen. Thomas Riedel: „Ich kann nichts dafür, dass ich in Wuppertal geboren wurde, deshalb läßt mich das auch nicht in Grenzen denken. Wenn schon Grenzen, dann nur Grenzen um den Erdball.“

WSW-Chef Markus Hilkenbach (l.) mit den Preisträgern „Jungunternehmer des Jahres“,  BMU Energy Consulting: Dr-Ing. Michael Becker, Dr.-Ing. Tobias Müller und Dr. Björn Uhlenmeyer – © Wuppertal Marketing GmbH / Malte Reiter

Thomas Riedels persönliches Markenzeichen sind indessen Schuhe in roter Farbe, die er immer trägt, weil er damit seine Erfolge verbindet. Wenn es um aktuelle Wuppertaler Projekte, wie etwa die BUGA 2031 und die dafür geplante Seilbahn geht, ist er sehr bestimmt: „Man kann verschiedener Meinung sein, aber es geht um Chancen für diese Stadt, wer dagegen ist, sollte sich einfach zurückhalten.“

Beim „Stadtmarketing-Preis“ hat sich die für dieses Feld zuständige Jury abermals für die „Riedels“ entschieden, diesmal aber für Markus und Christine Riedel. Anke Düsterloh von der Wirtschaftstreuhand Dr. Grüber PartG mbB (WTG) erklärte in ihrer Laudatio: „Mit dem diesjährigen Preisträger in der Kategorie Stadtmarketing, dem ‚Open Ground‘, hat Wuppertal ein weiteres großartiges Leuchtturm-Projekt, das unsere Stadt international bekannt macht und Besucherinnen und Besucher aus aller Welt anzieht.“

Ritterschlag für Musik-Club „Open Ground“

Seit der Eröffnung ihres „Open Ground“ im Jahr 2023 ist der ehemalige Tiefbunker am Döppersberg ein Anziehungspunkt für Clubgängerinnen und Clubgänger aus Wuppertal und weit darüber hinaus. „Open Ground“ gilt in Fachkreisen inzwischen als Einrichtung mit dem besten Clubsound der Welt. Das Betreiber-Ehepaar Markus und Christine Riedel hat aus dem brachliegenden Ort einen Club und zugleich einen neuen Begegnungsort für die Stadt geschaffen. Bruder Thomas wurde bei der Preisverleihung als „großartiger Förderer“ bezeichnet.

Strahlen über den „Marketing-Preis“, den Laudatorin Anke Düsterloh (M.) ihnen überreichte: (v.l.) Markus und Christine Riedel, Lisa Longo und Marlene Bretzke – © Wuppertal Marketing / Malte Reiter

Schwerpunkt des „Open Ground“ liegt auf elektronischer Musik. Zwei Tanzflächen bieten Platz für insgesamt 800 Gäste. Herzstück des Clubs ist ein maßgeschneidertes Soundsystem, das für ein möglichst unverfälschtes Hörerlebnis sorgt. Das Konzept hat international Aufmerksamkeit erregt. „DIE ZEIT“ verglich den Club mit dem Berghain – „aber in freundlich“. „DER SPIEGEL“ fragte, ob es sich um den besten Club Europas handeln könnte. „The Guardian“ warf gar die Frage nach dem Nachtclub mit dem besten Sound der Welt auf. 2026 wurde das „Open Ground“ zudem in die „Top 100 Clubs“-Liste des Magazins „DJ Mag“ aufgenommen. Für das Erlebnis eines Clubbesuchs, bei dem die Musik im Mittelpunkt steht.

Nachtclub mit dem besten Sound der Welt?

Dabei soll es tatsächlich Wuppertaler geben, für die „Open Ground“ noch gar kein Begriff ist, was an der bisherigen, eher zurückhaltenden Firmen-Kommunikation liegen könnte oder auch daran, dass sich die Haupt-Aktivtäten der Einrichtung mit Clubcharakter in den Nachtstunden bis in die frühen Morgen erstrecken. Sicher interessant für alle, die mal in die imposante Club-Atmosphäre hineinschnuppern: Von  20 bis 24 Uhr ist der Eintritt frei.

Mit dem im oberen Bereich angesiedelten „Cafe23“, das mit dem Bunker verbunden ist und einen Aussenbereich sowie eine Dachterrasse besitzt, gibt es seit geraumer Zeit so etwas wie ein neues Einfallstor. „Ich stehe hier stellvertretend für 80 Leute, die es schaffen, dass andere zu uns nach Wuppertal kommen“, sagte Markus Riedel. Dazu gehören auch die Betreiberinnen des Café 23, Lisa Longo und Marlene Bretzke. Das Café sei quasi der Eingang zum „Open Ground“ geworden, so Markus Riedel.

Mitglieder des TIC-Theaters in Cronenberg präsentierten eindrucksvoll mit Ausschnitte aus dem Musical „Wie zum Himmel“ – © Siegfried Jähne

Die Laudatio für die „Jungunternehmer des Jahres“,  BMU Energy Consulting, hielt WSW-Chef Marcus Hilkenbach. „Sie helfen dabei, die Energieinfrastrukturen möglichst effizient und kostengünstig auf eine klimaneutrale Versorgung auszurichten, so Hilkenbach. Gründer Dr.-Ing. Michael Becker, Dr.-Ing. Tobias Müller und Dr.-Ing. Björn Uhlemeyer setzen bei ihrer Beratung auf die Verbindung von persönlicher Fachexpertise und digitalen Anwendungen.

BMU: Energie-Infrastrukturen immer wichtiger

Dabei kommen neueste wissenschaftliche Methoden und selbst entwickelte Algorithmen zum Einsatz. So lassen sich unter anderem Szenarien für die Transformation von Gasnetzen, die klimaneutrale Wärmeversorgung von Quartieren oder den Neubau und die Transformation von Wärmenetzen abbilden. Ziel ist es, Energieinfrastrukturen möglichst effizient und kostengünstig auf eine klimaneutrale Versorgung auszurichten.

Die Erfolgsgeschichte von BMU Energy Consulting ist ein Beispiel für den Wissenstransfer aus der Bergischen Universität Wuppertal in die Wirtschaft. Der Gründung gingen Forschungstätigkeiten der drei Gründer am Lehrstuhl für Elektrische Energieversorgungstechnik voraus. Dabei entstand die Idee für ein eigenes Unternehmen, das wissenschaftliche Erkenntnisse für konkrete Fragestellungen der Energiewirtschaft nutzbar macht. Das Start-up mit Sitz im Wuppertaler Technologiezentrum W-tec ist bereits auf neun Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewachsen.

Die Preisverleihung fand in einer attraktiven, professionellen Atmosphäre in der Sparkassen-Glashalle statt – © Wuppertal marketing GmbH / Malte Reiter

„Strom-, Gas- und Wärmenetze unter unseren Straßen sind die Lebensadern unserer Städte, und ihre Zukunft muss für die kommenden Generationen geplant werden“, betont Markus Hilkenbach (Vorstandsvorsitzender der WSW Wuppertaler Stadtwerke) in seiner Laudatio. „Die BMU Energy Consulting GmbH verbindet wissenschaftliche Exzellenz mit praktischer Umsetzbarkeit und gibt Kommunen, Energieversorgern und Netzbetreibern damit Orientierung in einer Zeit, in der Orientierung kostbar geworden ist. Darauf dürfen wir hier in Wuppertal stolz sein“, so WSV-Chef Markus Hilkenbach.

Leuchtturm-Projekte sind  hochkarätige Vorzeige-Projekte

Die Verleihung des Wirtschaftspreis als Veranstaltungsreihe in der Sparkassen-Glashalle am Johannisberg ist seit ihrer Gründung im Jahre 2003, als die Firma Riedel übrigens ebenfalls den Hauptpreis erhielt, inzwischen zu einem gesellschaftlichen Highlight geworden. Zur kulturellen Bereicherung trugen diesmal Vorträge der Bergischen Musikschule mit dem jungen Popchor LÄYAS ebenso bei wie das Cronenberger TIC-Theater mit Ausschnitten aus „Wie zum Himmel“, einer Musical-Fassung von Klay Pollak’a Erfolgsfilm über die Kraft der Musik, ein toller Chorgesang mit ganz viel Gefühl.

Leuchtturmprojekte in der Wirtschaft sind in aller Regel hochkarätige Vorzeigeprojekte, die durch Sichtbarkeit, Innovation und Signalwirkung Nachahmer anziehen und Verhaltensänderungen im gesamten Markt auslösen sollen. Zielsetzung ist dabei Skalierbarkeit und Transfer in die Breite. Der Wuppertaler Wirtschaftspreis erfüllt alle Voraussetzungen, mehr als eine einmalige „Wirtschafts-Show-Veranstaltung“ in Erinnerung zu bleiben.

Text: Siegfried Jähne 

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