20. September 2026

War das 4:0 die „Neugeburt“ des WSV ?

Es fühlte sich an, wie eine  Neugeburt. Nach 16 sieglosen Begegnungen gelang dem Wuppertaler SV in einem Meisterschaftsspiel endlich wieder ein „Dreier“. Im Kellerduell der Oberliga setzte sich das jetzt von Trainer Ismail Jaroui (34) trainierte WSV-Team gegen die SG Holzheim vor 2.632 Zuschauern klar mit 4:0 (1:0) Toren durch und verbesserte sich damit an diesem Abend erst einmal vom 17. auf den 15 Tabellenplatz, der nichtsdestotrotz immer noch ein Abstiegsplatz ist, aber mit Tendenz nach oben.

David Widlarz legte mit seinen beiden Treffern den Grundschein für den ersten WSV-Erfolg in der Oberliga Niederrhein – © Archivfoto Jochen Classen

An diesem Abend unter Flutlicht ging es, wenn man so will, um „Alles oder Nichts“. Ein Punktverlust auch noch gegen den Tabellenletzten wäre schon fast so etwas wie ein “Freifahrschein“ in die Landesliga gewesen. Entsprechend hoch pokerte man in der Chef-Etage des WSV, als man mit einer ungewöhnlichen Entscheidung in die Offensive ging, nämlich allen Zuschauern „freien Eintritt“ zu gewähren, um nicht auch noch vor leeren Rängen auftreten zu müssen. Gleichzeitig bat man aber auch um Spenden.

Angst vor leeren Rängen: Freier Eintritt als „Dank“

Marc Schulz, Vorstand Kommunikation & Strategie, erklärte dann die Maßnahme in einer Ansprache vor dem Anpfiff, die als „Dankeschön an die treuen Fans gedacht sei, die zuletzt bei nicht immer schönen Ereignissen viel haben ertragen müssen“. Viel Schwung und Rückendeckung erhoffte sich in seiner Ansprache auch Finanz-Vorstand Ralf Bartsch, der sich auf einen wunderbaren Abend freute. Und dieser wurde ihm und allen WSV-Anhängern am Ende ja auch letztlich beschert.

Hatte es für  den WSV in den bisherigen sechs Spielen mit eklatanten Sturmschwächen lediglich drei Treffer gegeben, so langte man gegen die Neusser gleich viermal zu. Besonderes erfreulich, dass mit dem zweifachen Torschützen David Widlarz (21) bei dessen viertem Einsatz für die Rot-Blauen vielleicht endlich neben Eren Albayrak ein weiterer Akteur mit Torjäger-Qualitäten erwachsen zu sein scheint. Der Deutsch-Pole kam vom holländischen KAS Eupen, stand immerhin bereits in der polnische U19-Nationalmannschaft und spielte in der UEFA Youth League für U19-Spieler. Seine beiden Treffer in den Minuten 84 und 90+2 hatten dann auch den Sack gegen die SG Holzheim zugebunden und damit für den ersten Sieg gesichert. Und das nach dem letzten Erfolg gegen die U23 des 1.FC Köln am 26. Februar 2026 – eine halbe Ewigkeit.

Konnte nach dem ersten Erfolg zufrieden lächeln: WSV-Cheftrainer Ismael Jaouri – © Siegfried Jähne

So eindeutig das Endergebnis schließlich auch war, so klar war der Spielverlauf trotz großer Feldüberlegenheit und zahlreicher ungenutzter Torchancen doch auch wieder nicht. Nach einer Führung durch den 24jährigen deutsch-Italienischen Mittelfeldspieler Dario Biancardi in der 30. Spiel-Minute brauchte es bis zur 72. Minute, ehe der 24jährige Mittelstürmer Eren Albayrak nach starker Vorarbeit von Tirpan auf 2:0 erhöhen konnte. Bis dahin hatte nicht nur Duje Goles mehrfach Möglichkeiten auf eine frühere Entscheidung vergeben.

Die Gäste aus Neuss hatten in der zweiten Spielhälfte ihre stärkste Phase, als sie bis zum 2:0 der Wuppertaler auf den Ausgleich drängten und der WSV oft gar nicht gut im Bilde war. Paul Wolf hatte für die oft hart einsteigenden Gäste gleich zwei gute Einschuss-Möglichkeiten. Die ansonsten so starken WSV-Abwehr-Recken Herzenbruch, Sausmikat und auch Westernberger sahen hier nicht immer gut aus, verdienten sich aber ansonsten dennoch ebenso wie Kacmaz, Korzynietz, Tirpan oder auch Biancardi und Albayrak  gute Noten.

Spannendes Finale: WSV-Treffer im Schluß-Viertel

Holzheims Co-Trainer Stephan Wannek: „Wir waren defensiv engagiert, konnten aber vorn keine Akzente setzen. In der zweiten Halbzeit hatten wir etwas die Oberhand, aber genau da fällt das 0:2“. Den Holzheimern nutzte auch der Einsatz ihres 32jährigen Goalgetters Tom Nilgen am Ende nichts mehr, der für die Gäste zuletzt im Ratingen-Spiel in der Schlussphase mit zwei direkt im Tor landenden Eckstößen noch für den Ausgleich gesorgt hatte.

Die Vorentscheidung fiel dann in der 75. Spielminute, als Eren Albayrak nach einem langen Ball plötzlich frei durch ging, Gäste-Keeper Herzke aus dem Strafraum stürzte und den Ball mit der Hand abwehrte. Die Konsequenz: Die rote Karte durch den insgesamt umsichtig agierenden Schiedsrichter Marc Waldbach aus Duisburg, Herzke mußte ersetzt werden, Holzheim war jetzt mit nur noch zehn Akteuren unterwegs.

Brach mit seinem Tor zum 1:0 in der 30. Minute den Bann: Dario Biancardi – © Archivfoto Jochen Classen

Ist Amin Bouzraa der nächste Neuzugang ?

Der WSV hat die Verletzung von Links-Verteidiger Jaden Korzynietz (21) zu beklagen, der zu Saisonbeginn vom VfL Bochum zu den Rotblauen stieß und sich im Team bereits gut eingefügt hatte. Er erlitt kurz vor dem Halbzeitpfiff nach einem Zweikampf einen Schlüsselbeinbruch und mußte vom Platz getragen werden. Da würde es sich gut machen, wenn der WSV einen weiteren Neuzugang präsentieren könnte. Amin Bouzraa, einer der besten Spieler der letzten Saison, ist wieder im Gespräch. Jener torgefährliche Mann also, der für den letzten Sieg des WSV in der Regionalliga gesorgt hatte – und das mit einem spektakulären Treffer zum 1:0 gegen Kölns U 21 in der Nachspielzeit.

Wie auch immer: Dem WSV dürfte dieser tolle Erfolg für die nächsten Spiele enormes Selbstvertrauen geben und das Zusammenwachsen des neuformierten Teams weiter fördern, zumal jetzt vor dem nächsten Oberligaspiel am 2. Oktober im Stadion am Zoo gegen den aktuellen Tabellenzweiten, Sportfreunde Baumberg (19:30 Uhr), eine weitere Steigerung notwendig sein dürfte.  In der zweiwöchige Pause steht am kommenden Mittwoch „nur“ noch das Pokalspiel gegen den Bezirksligisten FSV Duisburg an. Trainer Ismail Jaroui wird nach seiner kurzfristigen Berufung in dieser Zeit auch erstmals Gelegenheit haben, sein Team gezielt zu trainieren. Bis jetzt wird er auch von seiner „Velbert Connection“ profitiert haben, denn Assistent Niklas Bonnekessel und Kapitän Felix Herzensbruch dürften aus ihrer gemeinsamen Zeit in Niederberg einander noch bestens vertraut sein.

„Ehrenamtler“ gefragt –  Vorstand in der Verantwortung

Beim WSV befindet man sich nach eigener Darstellung indessen in einem geordneten Prozess der wirtschaftlichen Neuaufstellung. Den Mitgliedern wurde mitgeteilt, dass der handlungsfähige Vorstand sich für die laufenden Geschäfte weiterhin in der Verantwortung sieht. Hinter den Kulissen werde bereits ein umfassenden Veränderungsprozess eingeleitet, bei dem wirtschaftlich, organisatorisch und strukturell viele Bereiche neu geordnet würden.

WSV-Pressesprecher Max Schleicher konnten endlich einmal wieder nach einem WSV-Erfolg die Pressekonferenz nach dem Spiel leiten. Links Gäste-Trainer Sven van Beuningen, rechts WSV-Coach Ismael Jaouri – © Siegfried Jähne

Die Rede ist dabei von der Geschäftsstelle, die neu aufgestellt künftig noch stärker auf ehrenamtliche Unterstützung setzen und bestehende Abläufe vereinfachen und digitalisieren werde. Das Catering im Stadion werde derzeit neu aufgestellt und auch im Sicherheitsdienst seien bereits Veränderungen mit der SOPPsec GmbH als neuem Dienstleister und David Sopp als Sicherheitsbeauftragtem umgesetzt worden. Der WSV weiter: Ehrenamtliche Unterstützung können wir derzeit ebenso gut gebrauchen wie die Unterstützung unserer Mannschaften auf den Rängen.

Text: Siegfried Jähne

Wuppertaler SV gegen SG Holzheim. 4:0 (1:0)

Wuppertaler SV: Horn – Westenberger, Kacmaz, Herzenbruch, Korzynietz (46. Nishimura) – Sausmikat (62. Widlarz), Tirpan, Saric (67. Fröhlich), Goles (84. Amyn) – Albayrak, Biancardi (88. Fili). Trainer: Ismael Jaroui

SG Holzheim: Herzke – Page (66. Ayan), Schumacher, Wilschrey (77. Nilgen), Klossek – Schulte – Agbo, Wolf (86. Barata), Kim (77. Cöl), San José Justó (66. Otsu) – Gyamfi. Trainer: Sven van Beuningen

Schiedsrichter: Marc Waldbach

Tore: 1:0 Biancardi (30.), 2:0 Albayrak (72.), 3:0 Widlarz (84.), 4:0 Widlarz (90.+2)

Gelbe Karten: Nishimura, Tirpan – Schulte, Klossek

Rote Karte: Herzke (75., Handspiel außerhalb des Strafraums)

Zuschauerzahl: 2632 (freier Eintritt)

Kommentare

Neuen Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert