22. August 2026

WSV-Auftaktpleite – Aber die Hoffnung lebt

Es war ein Spiel voller Kontraste und alles andere als ein Heim-Traumstart in die neueSaison. Sichtbar wurden sowohl die Entwicklungsmöglichkeiten, wie auch die Risiken, die in dieser neuen WSV-Mannschaft stecken. Trotz der 1:3 (0:3) Niederlage zuhause gegen die favorisierten SpVg Schonnebeck gingen 1.755 Zuschauer nach dem mißlungen Heim-Auftakt und vieler offenen Fragen, nicht gänzlich unzufrieden auf ihren Heimweg. Zwei Spiele, null punkte, aber das Prinzip Hoffnung gilt.

Mit dem irakischen U20-Nationalspieler Arian Amyn kam frischer Wind in die Angriffs-Aktionen des Wuppertaler SV – © Jochen Classen

WSV-Cheftrainer Trainer Tim Schneider brachte es nach Spielende auf den Punkt: „Es war eine bittere Lernerfahrung.“ Nachdem das Team mit Pfiffen in die Halbzeitpause verabschiedet worden war, konnte man im zweiten Abschnitt erkennen, welches Potential eigentlich in der Mannschaft steckt. Tim Schneider hatte wirksame und notwendige Korrekturen mit einem Dreifach-Wechsel eingeleitet. Das bis dahin taktisch eher defensiv ausgerichtete Team bekam mit der Einwechselung der Offensiv-Akteure Sam Sausmikat (18), dem irakischen U20-Nationalspieler Arian Amyn (19) sowie dem aus Ennepetal gekommenen Kroaten Duje Goles (23) eine völlig anderes Gesicht. Man musste sich Fragen, warum da nicht schon früher der Knoten platzen konnte. WSV vermeldete nach der Partie, dass der Nachwuchsspieler Sam Sausmikat nach der Partie vom WSV ein Vertragsangebot angenommen hat. Eine tolle Nachricht!

Sam Sausmikat unterschrieb beim WSV einen Vertrag

Während die Mannschaft im ersten Abschnitt mit 0:3 in der Rückstand geraten war, nicht einen einzigen Torschuss, geschweige auch nur eine einzige „Ecke“ zu verzeichnen hatte, brannte es plötzlich im Schonnebecker Strafraum vor dem bis dahin arbeitslosen Keeper Lukas Lingk lichterloh. Innerhalb einer guten Viertelstunde hatten die Rotblauen gut drei herausragende Tormöglichkeiten, die aber leider nicht genutzt werden konnten. Es schien ein Desavouier zum Pokalsieg gegen den gleichen Gegner zu werden, als man vor zwei Wochen ebenfalls schon mit 0:3 hinten lag, die Partie aber sensationell noch erfolgreich drehen konnte.

Noel Westenberger (l.) hinterliess noch den besten Eindruck in der WSV-Abwehr. Subaru Nishimura (r.) hatte nicht seinen besten Tag erwischt – © Jochen Classen

Diesmal hatte der WSV weniger Glück: Als der blitzschnelle Sausmikat mit dem starken Amyn alleine durchbrach und frei vor dem Tor auftauchte, ging sein Geschoss knapp am Tor vorbei. Dann last but not least wurde Semir Saric in letzter Sekunde gestoppt (69.) und auch Linus Fröhlich traf aus der Distanz das Tor nicht (72.).

Schonnebecks Trainer Tönnies überglücklich

Der WSV griff weiter an, immer in der Gefahr, sich einen Konter zu fangen. Essens überglücklicher Trainer Tönnies drückte es so aus: „Wir haben in der zweiten Halbzeit alles wegverteidigt.“ Dennoch kam der WSV zum verdienten Ehrentreffer, als der agile Arian Amyn einen an ihm selbst verursachten Elfmeter zum 1:3 (88.) verwandelte.

Die zweite Spielhälfte ging mit 1:0 klar an die Wuppertaler, während in der ersten Spielhälfte die in der Oberliga favorisierten Gäste eindeutig dominieren konnten. Der WSV scheiterte da nicht nur aufgrund eklatanter Schwächen und Fehlern im Mittelfeld und Angriff, sondern vor allem durch herbe Abwehrschwächen. Man war schon erstaunt, wieviel Raum dem als torgefährlich bekannten Niko Bosnjak (24) von Kilian Bielitza und Abwehrchef Serhat Kacmaz gelassen wurde. Beide wurden später ausgewechselt.

In dieser Szene soll der Ball hinter der Torlinie gewesen sein. Torhüter Fotios Adamidis und Noel Westenberger konnten nichts mehr ausrichten. Tim Kuhlmann wurde als Torschütze gewertet – © Jochen Classen

Der routinierte Deutsch-Kroate Bosnjak bedanke sich mit zwei Treffern. Aber auch der Dominikaner Yan Marcos Friessner Montas (er hatte im Pokalspiel die ersten drei Tore erzielt) konnte zu oft nach Belieben schalten, blieb aber diesmal ohne einen Zähler. Das 0:3 besorgte noch vor dem Seitenwechsel Tim Kuhlmann (41.). Ein umstrittener Treffer. Nach Ansicht der Unparteiischen soll der Ball der die Torlinie überschritten haben. Fernsehaufzeichnungen konnten dies weder widerlegen noch bestätigen.

Fotios Adamidis vereitelte eine höhere Niederlage

Ein Sonderlob verdiente sich beim WSV einmal mehr Torwart Fotios Adamidis, der mit glänzenden Paraden eine höhere Niedrige vereitelte. Erwähnt werden muß freilich auch, dass der WSV nach wie vor ersatzgeschwächt auflaufen mußte, so dass Kritiker auch dieses Faktum in de Bewertung einfliessen lassen müssen.

Schonnebecks Trainer Dirk Tönnies: „Es ist nicht vermessen, wenn ich sage, dass  mir einige Steine vom Herzen gefallen sind. Besser als wir kann man die ersten 45 Minuten nicht spielen, wir müssen auch höher führen.“ Er kam zu dem Ergebnis: „Wir hatten zwei Top-Mannschaften zu Saisonbeginn, wir sind der verdiente Sieger.“ WSV-Coach Schneider nahm das Beispiel eines Stop-Schildes: „So wie in der ersten Halbzeit dürfen wir nicht mehr spielen. Das habe ich den Jungs im Kreis nach dem Spiel gesagt. Wir haben vieles vermissen lassen, was wir im Pokalspiel und in Velbert zuletzt gezeigt haben.“

Die Leiden eines Trainers. Tim Schneider war nach dem dritten Treffer für die Gäste aus Essen restlos bedient – © Jochen Classen

Coach Tim Schneider bekam Gänsehaut

Und weiter: „Den jungen Spieler, vor allem aus der U19, denen mache ich gar keinen Vorwurf.“ Ein besonderen Lob hatte er vor allem für Fans und Ultras bereit, die nicht nur mit einem neuen großem Transparent „1954 Jahrzehnte Auf und Ab“ für eine positive Grundstimmung sorgten und die Mannschaft bis zuletzt anfeuerten. “Die Fans heute waren überragend, haben immer Gas gegeben, dafür ein großes Dankeschön, da bekomme ich Gänsehaut, so etwas habe ich noch nie erlebt.“

In Aufbruchstimmung auch der Vorstand (Lennart Strufe und Ralf Bartsch) sowie Verwaltungsrat (Dirk Polick), die es gleich zu Spielbeginn an Danksagungen und Erklärungen nicht fehlen liessen. Diese waren an die Zuschauer, aber auch an die Stadt Wuppertal gerichtet. Die Stadt hatte im Stadion mit neuen Flutlichtlampen für eine bessere Ausleuchtung mit hellerem Licht gesorgt.

Nach den beiden nächsten Spielen wird man vermutlich sehen, in welche Richtung sich der WSV in dieser Oberligasaison noch bewegen kann. Weiter geht es am übernächsten Sonntag (30. August) ab 15:30 Uhr in Büderich (wo man zuletzt derbe Ausschreitungen erlebt hatte) und am 4. September im Stadion am Zoo gegen BW Dingden (19:30 Uhr).

Text: Siegfried Jähne 

Subaru Nishimura stürzte sich immer wieder engagiert in die Zweikämpfe, zog aber oft den Kürzeren – © Jochen Classen

Wuppertaler SV – SpVg Schonnebeck 1:3 (0:3)

Aufstellung des Wuppertaler SV: 1 Fotios Adamidis (TW) – 2 Subaru Nishimura (ab 63. Bajrami), 4 Noel Westenberger, 5 Jaden Korzynietz, 6 Genc Laqji (ab 74. Ignibadolor), 7 Semir Saric (K), 20 Fabrizio Fili (ab 46. Goles), 21 Dario Biancardi, 26 Linus Fröhlich, 39 Kilian Bielitza (ab 46. Amyn), 44 Serhat Kacmaz (ab 46. Sausmikat) – Trainer: Tim Schneider |

Aufstellung der SpVg Schonnebeck: 1 Lukas Lingk (TW) – 5 Matthias Block, 7 Moritz Isensee, 9 Kevin Kehrmann (ab 90.+1 Mayer), 10 Niko Bosnjak (ab 89. Linnig), 16 Henrik Scheibe, 18 Yan Marcos Friessner Montas (ab 79. Do Vale), 24 Noah Kloth, 25 Tim Kuhlmann, 27 Denzel Oteng Adjei (ab 71. Kosthorst), 30 Youseff Kamboua (ab 84. Korouma) – Trainer: Dirk Tönnies

Tore: 0:1 Bosnjak (11.) – 0:2 Bosnjak (15.) – 0:3 Kuhlmann (41.) – 1:3 Amyn (88. Foulelfmeter)

Zuschauer: 1.755 (davon 211 Kinder kostenlos)

Ecken: 3:6

Karten: Goles (66.) – Kehrmann (48.), Kuhlmann (90.+1)

Schiedsrichter: Marco Lechtenberg (35, SV Blau-Weiß Meer, Mönchengladbach)  Assistent 1: Matti Lambertz (TuS Wickrath, Viersen) | Assistent 2: Kevin Zitzen (Sportfreunde 06 Neuwerk, Mönchengladbach)

Ernste Miene bei WSV-Trainer Tim Schneider (r.) bei der Pressekonferenz nach dem Spiel. Schonnebecks Coach Dirk Tönnies (l.) schaut aber auch nicht gerade wie ein strahlender Sieger in die Runde – © Jochen Classen

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