14. Juni 2026Peter Pionke
„Brose-Aus“ nur noch eine Frage der Zeit?
Der aktuelle Standort des Traditionsunternehmens Brose in Wuppertal-Ronsdorf. Den Mietvertrag für das Areal hat Eigentümer Knipex nicht verlängert – © Siegfried JähneLange Zeit hatte die Konzernleitung in Coburg versichert, auch nach dem Ende der Produktion an einem Entwicklungs- oder Verwaltungsstandort in Wuppertal festhalten zu wollen. Interne Berichte zeigen jedoch, dass sich Brose und Knipex nicht auf eine Verlängerung des laufenden Mietvertrages einigen konnten.
Über 100 Arbeitsplätze in Gefahr
Es gilt jetzt schnell in geografischer Nähe zeitnah als Alternative eine geeignete Immobilie zum Betreiben einzelner Testmaschinen und Schließsysteme zu finden. Dringend gesucht werden 1.500 qm Bürofläche sowie 2.200 qm Platz für die Maschinen. Die Produkt-Fertigung vor Ort wurde bereits vor längerem eingestellt, und das eigentliche Fundament des Standorts wackelt gewaltig, mehr als 100 Mitarbeiter bangen um ihren Arbeitsplatz
Feste Größe in der Automobilindustrie
Die Geschichte des Wuppertaler Brose-Standorts zeigt am Beispiel des Zulieferers exemplarisch den dramatischen Niedergang der deutschen Automobilindustrie. Sie zeigt auch, wie aus einer kleinen bergischen Fabrik für Fahrzeugbeschläge durch Übernahmen und Transformationen schließlich ein High-Tech-Standort eines globalen Automobilzulieferers wurde.
Die Ära von „BoMoRo“ (Bocklenberg & Motte Ronsdorf, 1904–1994) begann einst in Ronsdorf mit der Herstellung von Fahrzeugschlössern und -beschlägen. Schnell entwickelte sich das Unternehmen zu einer festen Größe in der Automobilindustrie. In den 1990er Jahren veränderten sich die Anforderungen der Automobilhersteller rasant. Reine Mechanik reichte nicht mehr aus. Schlösser und Schließsysteme mussten elektrifiziert und in die Steuerungselektronik des Autos integriert werden (Stichwort: Zentralverriegelung). 1995 übernahm die Robert Bosch GmbH das Ronsdorfer Traditionsunternehmen komplett.
Noch wehen die Fahnen am Wuppertaler Brose-Standort in Ronsdorf – © Siegfriede JähneZu Beginn des neuen Jahrtausends ordnete Bosch seine Sparten neu und trennte sich von der gesamten Schließsystem-Gruppe. 2002 kaufte die familieneigene Brose-Gruppe (Hauptsitz in Coburg) die Sparte von Bosch auf. Damit ging auch das Wuppertaler Werk in den Besitz von Brose über und firmierte fortan unter „Brose Schließsysteme“.
Von „BoMoRo“ zu Bosch und Brose
Vom Schloss zur Mechatronik: Die rund 120-jährige Kette von Bocklenberg & Motte über Bosch zu Brose spiegelt den Wandel der Geschichte des Automobils wider, aus dem rein mechanischen Türgriff von 1904 wurde über die Jahrzehnte ein hochkomplexes, elektronisch vernetztes Seitentürschloss. Broses Firmengeschichte ist aus Wuppertaler Sicht mit einem besonderen Detail am Rande interessant, weil es hier ein gewisser Max Brose war, der in Berlin 1908 parallel ein Handelsgeschäft für Automobilzubehör eröffnete, das damals auch Generalvertreter des Karosseriebau-Unternehmens seines Vaters im Tal der Wupper war.
BoMoRo expandierte unaufhörlich und errichtete 1989 sein Werk 2 in dem modernen Gewerbegebiet an der Ronsdorfer Otto-Hahn-Straße. 2002 dann, schon in der Brose-Ara, der komplette Umzug innerhalb Ronsdorfs. Das alte, verschachtelte „BoMoRo-Werk“ an der Straße „Schöne Aussicht“ platzte aus allen Nähten und entsprach nicht mehr modernen Produktionsstandards.
Inzwischen hat die Krise in der deutschen Automobilindustrie auch vor der Brose-Gruppe mit Stammsitz in Bamberg nicht Halt gemacht. Zwar lag der Umsatz 2024 trotz Verlust von rund 53 Millionen Euro wegen fehlender Auslastung der Produktion und steigenden Kosten noch bei 7,7 Milliarden Euro, aber der Abbau von rund 700 Stellen waren die drastische Folge. Trotz sinkender Umsätze hatte das Familienunternehmen im Jahr 2025 mit einem Jahresüberschuss von 21 Millionen Euro dann wieder ein positives Ergebnis.
In der Straße „Schöne Aussicht“ hatte einst der Brose-Vorgänger Kette von Bocklenberg & Motte seinen Firmensitz – © Siegfried JähneBrose plant Einstieg in den Raumfahrt-und Satellitensektor
Die Brose-Unternehmensgruppe besitzt heute noch 76 Standorte, die sich über 25 Länder verteilen. Insgesamt beschäftigt das Familienunternehmen rund 33.000 Mitarbeitende. Die zuletzt geplante Schließung des Werks Würzburg (1.380 Beschäftige bangten um ihren Arbeitsplatz) war auch deshalb vom Tisch, weil dass Familienunternehmen inzwischen umstrukturierte und mit Unterstützung der Bayerischen Regierung bei langfristigen Arbeitsplatzgarantien den Einstieg in den Raumfahrt-und Satellitensektor plant.
Nicht absehbar ist indessen, welche Auswirkungen diese neue Entwicklung auch für den Ronsdorfer Standort hat oder besser, welche Optionen sich hier ergeben könnten. Die Mitarbeiter am Standort Wuppertal fragen sich, warum in Wuppertal nicht möglich sein sollte, was etwa in Würzburg passierte, eine Rettung durch die Hintertür? Zumal es im Bergischen Land eigentlich „nur“ um geeignete Gewerbe- und Büroflächen geht. Ein Problem, das bei erheblichen Leerständen in Wuppertal – man spricht da von 5,5 Prozent der gesamten Mietflächen – lösbar sein müsste. Hier ist jetzt – natürlich neben der Brose-Firmenleitung selbst – auch die regionale Wirtschaftspolitik gefordert. Denn ein elementares Stück Wuppertaler Industriegeschichte mit Jahrzehnte langer großer Tradition darf nicht einfach endgültig in den Geschichtsbüchern verschwinden – es war einmal…!
Text: Siegfried Jähne
Hinweisschilder am Automtive-Unternehmen Brose an der Otto-Hahn-Straße in Ronsdorf – © Siegfried Jähne
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