14. Mai 2026

Krise der Handballgirls: Vor 40 Jahren Vizemeister

Die Wuppertaler Sportgeschichte hat schon viele Schicksalsschläge überlebt. Aber diese Handball-Krise im Wuppertaler Osten wird wohl kaum noch zu bremsen sein. Vor exakt 40 Jahren führte der Sportjournalist Manfred Osenberg die weibliche A-Jugend des Beyeröhder TV nach tollen Erfolgen auf lokaler und regionaler Ebene ins Endspiel um die Deutsche Meisterschaft. 20 Jahre später als Manager sogar in die Frauen-Bundesliga. Heute steht der Verein vor dem Ruin.

Die Handballgirls, die 1986 Deutscher Vizemeister wurden, trafen sich jetzt mit ihrem damalige Trainer Manfred Osenberg (M.) im „Bremmestübchen“ auf der Beyeröhde – © Holger Battefeld

Das gibt es wohl nur in Wuppertal. Der Mann, dem Kenner der bergischen Handball-Szene Missmanagement vorwerfen und ihn dafür verantwortlich machen, dass der langjährige bergische Vorzeigeklub durch personelle Fehlentscheidungen ins Chaos gestürzt ist, wurde noch 2024 von der Stadt geehrt und mit dem Wupper-Taler ausgezeichnet: Norbert Koch. Als er zum ersten Vorsitzenden des Beyeröhder TV gewählt wurde, hatte der Verein noch über 600 Mitglieder, rund 15 Jugendmannschaften, die Handball-Herren waren die Nummer zwei im Tal, die Damen die Nummer eins im großen Handballverband Niederrhein.

Früher hatte man drei erfolgreiche Männerteams, heute besitzt der TVB überhaupt keine Herrenmannschaft mehr. Für viele völlig unverständlich. Aber offensichtlich Folge fehlender Nachwuchsarbeit. Die ehemaligen Spieler treffen sich noch in Wuppertal, Schwelm oder auf Wangerooge, wo der langjährige Handballer, Trainer und Manager Manfred Osenberg seit einigen Jahren lebt. Er ist seit 70 Jahren Mitglied und inzwischen sogar Ehrenmitglied des einst ruhmreichen TVB. Er kann über den unheimlichen Mitgliederschwund und die Misserfolge nur den Kopf schütteln.

Was ist aus diesem Klub geworden, der mit hervorragenden Vositzenden wie Horst-Peter Muckenhaupt oder Wilmar Kurtz und mit vorbildlichen Jugendleitern wie Gerd „Mieze“ Schmidt, Helmut „Richter“ Leithäuser, Hansel Krugmann oder Waldi Nagel „gesegnet“ war.

Freuten sich über die Deutschen Vizemeisterschaft: Bei Handballgirls des TV Beyeröhde im Jahr 1986. Rechts unten ihr Trainer Manfred Osenberg – © Kurt Keil

Manfred Osenberg hat schon vor zehn Jahren den Absturz des langjährigen Aushängeschildes, der Frauenmannschaft vorausgesagt, die liebevoll als „Handballgirls“ bezeichnet werden: „Norbert Koch konnte sich bei seinem Start bei Beyeröhde in ein gemachtes Bett legen, hatte genug Werbepartner, viele Mitarbeiter, holte aber unfähige Leute mit ins Boot, vertraute u.a. einem türkischen Berater, der auch schon bei anderen Klubs verbrannte Erde hinterlassen hat.“

So war es für Kenner der Szene kein Wunder, dass die Krise immer größer wurde. Jetzt droht, wie bei den Herren, der totale Absturz und damit sogar der Abstieg aus der vierten Liga. 20 Jahre nach der grandiosen Aufstiegssaison der Frauen in die Bundesliga. 40 Jahre nach der deutschen Vizemeisterschaft der Juniorinnen, die sich am 13. Mai 2026 „auf der Beyeröhde“ beim Griechen trafen und feierten.

Da wurden Erinnerungen wach an die Erfolgsgeschichte in den Achtzigern, als die Beyeröhder Handballgirls nach den Titeljagden ab 1980 (mit mehren Jugendteams) sogar 1986 das Halbfinale in der heimischen Buschenburg gegen den Favoriten Berlin das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft gegen Alstertal Hamburg erreichten. Zum Rückspiel kamen weit über 1.000 Zuschauer in die Sporthalle Heckinghausen, deren Türen frühzeitig geschlossen werden mussten. Es reichte nicht zum Sieg. Aber der Autokorso mit den vom leider kürzlich verstorbenen Günter Schulte bereit gestellten Cabrios zur Siegesfeier in Langerfeld bleibt unvergessen.

Die ehemalige Oberliga-Herren-Handballmannschaft des TV Beyeröhde zu Besuch bei Manfred Osenberg (2. Reihe Mitte) auf der Insel Wangerooge. Vorne rechts der kürzlich verstorbenen Kreisläufer Franz Meyer. Vorne links Trainer Wolfgang Kimpenhaus, der im Juni 90 Jahre alt wird – © Kurt Keil

Das war 1986. Heute scheint der Vorstand mit dem erst nach den größten Erfolgen der Vereinsgeschichte „angeheuerten“ Hallensprecher Hans-Norbert Koch alles vergessen zu haben. Auch beim Bundesligaaufstieg und den vielen internationalen Freundschaftsspielen gegen Weltklasseteams aus Korea, Tschechien, Polen oder bei den größten Erfolgen mit einem Dutzend Jugendnationalspielerinnen war er noch nicht an Bord.

Ein Traditionsverein, der 1987 und 2004 wegen der Erfolge der Handballgirls zum Verein des Jahres gekürt wurde, droht jetzt über die Wupper zu gehen. Wenn nicht noch ein Wunder geschieht. Aber die werden immer seltener…

Text: Volker Schnell

Die Handballgirls vor 20 Jahren bei einem Trainingslager auf der Insel Wangerooge. In der Mitte der ehemalige Weltklasse-Windsurfer Stefan Kruse – © Holger Battefeld

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