26. April 2026Peter Pionke
WSV wurde der Sieg in letzter Sekunde entrissen
Nikolas Hirschberger traf zum 1:1 im super wichtigen Spiel Bein Rot-Weiß Oberhausen – © Archivfoto Jochen ClassenDie Oberhausener Kleeblätter träumten noch von der 3. Liga, vorausgesetzt man gewänne die restlichen fünf Spiele. RWO hatte zuletzt zwölf von 15 Punkten geholt. Niemand hatte den Bergischen, ausgerechnet in der Wiege der „Ruhrindustrie“, auch nur die Spur einer Chance eingeräumt, waren sie doch in diesem Jahr erst ein einziges Mal überhaupt siegreich gewesen. Zumal auch deshalb, weil die Stimmung mit einer „Aktion 5000“ reichlich angeheizt wurde. RWO gab fünf Euro Rabatt auf jedes Ticket und hoffte auf 5.000 Zuschauer. Bei einem Zuschauerschnitt von 3.000 lag der bisherige Saisonrekord aus dem Spitzenspiel gegen Fortuna Köln bei 4627.
Es war wohl das beste WSV-Spiel des Jahres
Sieht man einmal von dem Spiel gegen die U23 des 1. FC Köln U23 ab, dann war die Begegnung in Oberhausen wohl das beste WSV-Spiel des Jahres. Trainer Wunderlich hatte seine Mannschaft nach der deutlichen 0:3-Pleite gegen Gladbach II am vorigen Wochenende öffentlich scharf kritisiert und diesmal personell sowie in der defensiven Stabilität nachjustiert. Der WSV wirkte defensiv gefestigter, auch wenn die Standard-Abwehr-Problematik beim späten Ausgleich erneut zuschlug. Dabei spielte ihm die Rückkehr wichtiger Leistungsträger, wie Amin Bouzraa und Celal Aydogan in der Karten. Die Offensive wirkte deutlich belebter. Besonders Aydogan rechtfertigte sein Comeback. Im Tor stand für Michael Luyambula der junge Fotios Adamidis (19) erst zum zweiten Mal zwischen den Pfosten. Er sollte die Mannschaft mit starken Paraden lange im Spiel halten.
Nach fünf Minuten drohte ein erneutes Debakel
Dabei sprach bereits alles für ein erneutes Debakel, als eine Freistoss-Flanke aus gut 30 Metern von Timur Kesim mit dem Hinterkopf ins lange Eck zum 1:0 für RWO gelenkt wurde. Da streckte sich der immerhin 1,96 Meter große ehemalige Keeper vom MSV Duisburg vergebens. Coach Wunderlich konstatierte: „Unglücklicher kann man ein Spiel nicht starten. Der Unterschied heute war aber, dass wir eine Mannschaft auf dem Platz gesehen haben, die nicht aufgegeben hat. Sie hat weiter diszipliniert gearbeitet und unseren Plan komplett verfolgt“.
Gastgeber hatte sich im Frühjahr auch ohne ihren verletzten Kapitän und Führungsspieler Nico Klaß zuletzt als Top-Team der Liga präsentiert, umso erstaunlicher, wie der auch taktisch neu ausgerichtete WSV mithalten konnte. Er kam in der ersten Halbzeit zu nicht weniger als fünf Eckbällen. Standardsituationen, die allerdings effektlos verpufften, ebenso wie auch gute Gelegenheiten von Vincent Schaub und Toshiaki Miyamoto, während der WSV-Keeper auf der anderen Seite glänzend parierte und weitere Gegentreffer verhinderte.
Jeremy Celal Aydogans Tor war der Weckruf
Sehr viel besser lief es dann in der zweiten Hälfte für die Bergischen, die jetzt deutlich aktiver auftraten. Nach Eckball Nummer sieben war es schließlich Nicolas Hirschberger, der von der Strafraumkante abzog und den 1:1 Ausgleich erzielte (58.). Sein Schuss war von Timur Mehmet Kesim entscheidend abgefälscht worden, jenem Mann der für das Führungstor verantwortlich zeichnet und eine Woche zuvor in Lotte noch das goldene Tor zum 1:0 für die Kleeblätter erzielte. RWO-Trainer Gunkel reagierte und brachte drei frische Offensivkräfte. Ayman Aourir, Tim Krohn sowie der 39jährige Routinier Moritz Stoppelkamp kamen auf’s Feld, was den Druck auf das Wuppertaler Tor nunmehr merklich erhöhte.
Jetzt kam im Stadion bei den mit angereisten WSV-Anhängern richtig Stimmung auf, erst recht als Jeremy Celal Aydogan nach einem langen Ball in den Strafraum eindrang, dabei Gegenspieler Eric Gueye ausspielte und zur 2:1-Führung für den WSV traf (83.). Wann hatte man so etwas zuletzt beim WSV erlebt?
Es war ziemlich genau der Zeitpunkt, als in Velbert die U23 des 1.FC Köln mit 3:2 per Elfmeter erstmals in Führung ging. Damit hatte der WSV im Fernduell Velbert überholt und den begehrten 16.Tabellenplatz erreicht. Theoretisch versteht sich. Während die Spieluhr tickte, stieg die Spannung auf den Siedepunkt. Sowohl in Velbert als auch in Oberhausen gab es nämlich jeweils einige Minuten Nachspielzeit obendrauf.
Tore in den Schluss-Sekunden wie von Geisterhand
Und wie von Geisterhand gelang den Velbertern gegen Köln in der 96. Minute doch noch das 3:3-Unentschieden per Elfmeter und auch Oberhausen schaffte in der 97. Minute (!) das 2:2-Unentschieden durch einen Kopfball. Eine Flanke von Aourir köpfe der 1,90 m große Deutsch-Belgier Magona-Glody Ngyombo in die Maschen. Danach hatte der spät eingewechselte Semir Saric in der Schlußsekunde noch freistehend den WSV-Siegtreffer am Fuß, doch sein Schuss ging neben das Tor. Eine Tragik für sich! Velbert hatte den vielleicht noch sehr wichtigen 16. Tabellenplatz behauptet.
Aydogan erzielte das 2:1 für den WSV in Oberhausen – leider trafen die Gastgeber in der 97. Spielminute noch zum 2:2 – © Archivfoto Jochen ClassenBemerkenswert zum Spielverlauf die Auswechselung des „rot-gefährdeten“ WSV-Mannschaftskapitän Dominic Duncan, für den der agile Levin Müller (67.) ins Spiel gebracht wurde. Duncan hatte sich bereits mehrere Male mit Schiedsrichter Yannick Sager verbal angelegt und wegen wiederholten Meckers bereits in der ersten Hälfte die gelbe Karte gesehen. Dabei war der 26jährige Drittliga-Referee (bislang 18 Einsätze) und Assistenzarzt für Urologie sehr umsichtig und eher milde gestimmt, als er den Gastgebern mehrfach einen lautstark geforderte Elfmeter (zurecht) verweigerte.
Ein Zeichen mit Linus Lillebror Fröhlich (18)
WSV-Coach Wunderlich hatte mit dem A-Jugendspieler Linus Lillebror Fröhlich (18) erstmals auch einen Nachwuchsmann nominiert, der allerdings nicht zum Einsatz kam. Wunderlichs Verhältnis zur Fan-Szene zeigte sich einmal mehr als angespannt, als er nach dem Spiel sofort den Weg in den Spielertunnel antrat, statt, wie sonst üblich, mit der Mannschaft in den Fan-Block zu gehen, der ihn zuletzt allerdings auch böse beschimpft hatte. Ob dieses Verhalten der WSV-Fans in dieser schwierigen Situation wirklich hilfreich ist – mehr aus zweifelhaft!
Wunderlich: „Wir haben ein tolles Auswärtsspiel gemacht, wo uns schon viele abgeschrieben haben. Wir werden bis zum Ende kämpfen und alles reinwerfen. Wir schauen, für was es dann noch reichen wird.“ Es sind noch drei Spieltag, in denen man neun Zähler holen könnte, nämlich am kommenden Samstag (14 Uhr) im Zoostadion gegen den FC Gütersloh, dann noch bei Fortuna Düsseldorf II und gegen den Bonner SC ein Heimspiel zum Abschluss am 15.Mai. Es bleibt also immens spannend.
Text: Siegfried Jähne
RW Oberhausen – Wuppertaler SV 2:2 (1:0)
Ausfstellung RWO: Kratzsch – Fassnacht (86. El Amrani), Ludwig, Ngyombo – Gueye, Sieben (57. Aourir), Schlax, Halangk – Hong (66. Krohn), Kesim, Nyuydine (66. Stoppelkamp).
Aufstellung WSV: Adamidis – Nishimura, Duncan (67. Müller), Stojanovic – Aydogan, Hirschberger (85. Heim), Durgun, Miyamoto – Fehr (75. Saric), Bouzraa, Schaub (75. Santo).
Tore: 1:0 Kesim (6.), 1:1 Hirschberger (58.), 1:2 Aydogan (84.), 2:2 Ngyombo (90.+7).
Gelbe Karten: Krohn, Halangk – Duncan, Schaub.
Schiedsrichter: Yannick Sager (SC Husen-Kurl, Dortmund)
Zuschauer: 4.166.
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