1. März 2026Peter Pionke
Wuppertal will Teil der Olympia-Bewegung werden
Die unter Denkmalschutz stehende Tribüne des Stadions am Zoo, sportliche Heimat des Fußball-Regionalligisten Wuppertaler SV – © Jochen ClassenAb Ende März, und zwar bis zum 19. April, können die Bürger darüber abstimmen, ob Olympia auch in Wuppertal ausgetragen werden soll. Die Stadt hat jetzt ihr Konzept vorgestellt, wie und warum sie die Wuppertaler für Spiele im Tal begeistert will.
Miriam Scherff: Ein Booster für die Stadt
Oberbürgermeisterin Miriam Scherff macht deutlich, dass es hier auch um „Stadtentwicklung“ geht und will den Kritikern den Wind aus den Segeln nehmen. Die SPD-Politikerin macht sich daher zum Sprecher der Idee: “Es wird nicht nur der Tourismus gefördert, es werden auch Fördergelder fließen, um Sportanlagen zu modernisieren“, so Scherff. Nicht zu vergessen, so die neue Stadt-Chefin, es würde auch das Image Wuppertals verbessert und die Stadt international bekannter machen. Und weiter: „Olympia wird wie ein Booster für die Stadt, die Wirtschaft, den Sport und damit auch für die Bürger wirken.“
Das offizielle Bewerbungs-Plakat – © Land NRWZwei denkbare Austragungsorte sind mit dem Stadion am Zoo sowie der Wuppertaler Schwimmoper benannt, die beide für Nachhaltigkeit stünden, da es diese beiden Austragungsorte bereits gebe und in NRW gut erreichbar seien. Sie müssten also nicht mit großem Aufwand irgendwo errichtet werden. Einzig das olympische Leichtathletik-Stadion und das umgebende olympische Dorf, die Herzkammer der Spiele, sollen in der „Leading City Köln“ neu gebaut werden, so die NRW-Oympia-Bewerbung als Ganzes. Beide Wuppertaler Anlagen seien zudem auch spektakulär: Sowohl das Stadion am Zoo, aber vor allem die Schwimmoper, böten außergewöhnliche Architektur und stehen unter Denkmalschutz.
Stadion und Schwimmoper erfüllen Standards nicht
Dabei blendet die Stadt freilich aus, dass beide Sportanlagen aktuell geforderte Mindest-Standards noch gar nicht erfüllen. So ist das Stadion am Zoo nach jetzigen Stand nicht einmal für die 3. Fußball-Bundesliga gänzlich tauglich und auch die Schwimmoper erfüllt international nicht alle geforderter Normen. Man denke hier nur an die langjährige Fan-Forderung nach der Nord-Tribüne „Dach für die Nord“ im Stadion. Es geht aber tatsächlich vielmehr jetzt zunächst darum, die Stadt mit seinen 14 Weltmarktführern aus einem vermeintlichen Dornröschenschlaf zu wecken.
Oberbürgermeisterin Miriam Scherff macht sich für eine Olympia-Bewerbung stark – © Stadt WuppertalDem Argument unzureichender Ausstattung der Anlagen für ein solches Event der Spizensportler, tritt Sportamtsleiterin Alexandra Szlagowski entschieden entgegen: „Man kann nicht jetzt schon die Investitionen bis zum Jahr 2040 benennen. Bis dahin tauschen wir den Rasen im Stadion noch dreimal aus und bekommen auch noch eine Beckensanierung hin“. Wichtig sei die Sportförderung jetzt in der Breite, Förderprogramme für die Sportstätten-Infrastruktur und für die Vereine. „Das Bekenntnis von Bund und Land merken wir jetzt schon“, so Szlagowski, die Etat-Fragen der 1,57 Milliarden städtischen Gesamtverschuldung damit bewußt ausblendend.
Am Ende aber geht es sicher auch darum, in der Sportstadt Wuppertal zukunftsorientiert ein Signal zu setzen, die Weichen schon jetzt auszurichten sowie ungeachtet städtischer Verschuldung trotz noch fehlender Haushaltsmitten eine positive Grundstimmung zu erzeugen, um alle Weichen in die richtige Richtung neu zu justieren.
Riedel: Bei dem Gedanken leuchten meine Augen
Einer der glühensten Verfechter der Wuppertaler Idee ist Thomas Riedel. Seine gleichnamige Firma mit Sitz an der Uellendahler Strasse zeichnete schon mehrfach mit seinem technischen „know how“ für den reibungslosen Ablauf bei Olympischen Spielen verantwortlich. Firmen-Inhaber Thomas Riedel wird die Bewerbung als „Local Hero“ unterstützen. Der Wuppertaler Global Player im Sport, mit fast vier Jahrzehnten Erfahrung, weiß um die verbindende Kraft des Sports und der Ringe. „Die Spiele inspirieren, schaffen Gemeinschaft und bringen neben Städten und ganzen Regionen auch die Welt näher zusammen“.
Gönnten sich ein kurzes Kicker-Match am Rande des Olympia-Planungs-Meetings: NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (r.) und Wuppertals Sport-Dezernent Matthias Nocke – © Stadt WuppertalThomas Riedel weiter: „Gleichzeitig stoßen die Spiele durch Investitionen in Verkehr, Sportstätten und öffentliche Infrastruktur langfristige Entwicklungen an – davon profitieren nicht nur Sportfans, sondern alle Menschen vor Ort. Beim Gedanken daran, dass Wuppertal Teil dieser Vision sein kann und als möglicher Austragungsort im Gespräch ist, leuchten meine Augen so stark wie die Flamme der Fackel, die ich 2010 in Vancouver tragen durfte.“
Für den Ratsbürger-Entscheid in Wuppertal sind nach jetzigem Stand Kosten von 400.000 Euro veranschlagt. Davon würde das Land 85 Prozent, also 340.00 Euro, übernehmen. „Die Zustimmung der Menschen ist für uns in Wuppertal und auch für das Land NRW essentiell“, unterstreicht Oberbürgermeisterin Miriam Scherff. „Nur, wenn die Wuppertalerinnen und Wuppertaler dahinterstehen, können wir erfolgreich Austragungsort sein“. Man benötigt zehn Prozent an „Ja“ Stimmen aus dem Kreis aller wahlberechtigten Stadtbürger, mithin in Wuppertal etwa 20.000 Voten.
Die Oberbürgermeisterin: „Dass wir gute Gastgeber sind, haben wir zuletzt bei der Fußball-EM vor zwei Jahren gezeigt. Die Slowenische Nationalmannschaft hatte bei uns ihr Base Camp und war uns richtig ans Herz gewachsen. So einen Moment der Verbundenheit über den Sport würde ich mir mit einer Olympia-Beteiligung wieder wünschen!“
Der erfolgreiche Kommunikationstechnik-Unternehmer Thomas Riedel macht sich für eine Olympia-Bewerbung stark – © Riedel KommunikationAls Teil der Bewerbungs-Kampagne wird die Front vom Stadion am Zoo in Wuppertal am 27. März mit Lasern beleuchtet. Die Tribünen Schildwand wird dann zur Leinwand. Lichtkünstler Gregor Eisenmann hat eigens für Wuppertal eine Laserinstallation zum Thema Olympia entworfen. An dem Wuppertaler Event wird auch Sportprominenz, wie der einstige Weltklasse-Schwimmer und neunfache Europameister sowie Bronze-Medaillengewinner über 100 Meter Freistil 1976 in Montreal, Peter Nocke, teilnehmen. Bereits am kommende Montag wird das Themas in der „Politischen Runde“ ab 19:30 Uhr in der Elberfelder Volkshochschule unter dem Motto “Kann Wuppertal Olympia“ auf der Agenda stehen.
Stadion Schildwand als Projektionsfläche
Bis zu einer wie auch immer gearteten Realisierung der Wuppertaler Olympia-Idee, müsste freilich dann noch viel Wasser die Wupper herunter fliessen. Dies auch angesichts der Tatsache, dass es allein für 2036 weltweit zahlreiche Bewerber geben wird, und zwar neben Deutschland auch aus Indien, der Türkei, Katar, Ägypten oder Chile. Für 2040 sollen noch Bewerbungen aus Budapest, Kapstadt, London, Madrid und Warschau dazu kommen. Fest steht bislang nur: Die Olympischen Sommerspiele 2036 (offiziell Spiele der XXXVI. Olympiade) sollen nach den Vorstellungen des IOC den Charakter einer internationale Multisportveranstaltung haben.
Text: Siegfried Jähne
Hinweis auf die „Politische Runde“ in der VHS: Kann Wuppertal Olympia? – © VHSLESEN Sie hier den Artikel „Neue und alte Ideen für das unmoderne Stadion am Zoo“
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