22. Januar 2026

Else Lasker-Schüler-Lyrikpreis für Wolf Biermann

Seine Geschichte sorgte 1976 für Schlagzeilen. Der Liedermacher und SED-Kritiker Wolf Biermann durfte nach einem Konzert in Köln nicht wieder in die DDR einreisen. Stattdessen wurde er ausgebürgert. In diesem Jahr erhält der inzwischen 89 Jahre alte politische Künstler den Else Lasker-Schüler Lyrikpreis.

Wolf Biermann beim Dichtertreffen Lauter Lyrik am 16. November 2008, Rolf-Liebermann-Studio des NDR in Hamburg © – (CC by 2.0): Marco Maas (2008)

In der Begründung des Else-Lasker-Schüler Gesellschaft heisst es: „Als Dichter und Singersongwriter hat Biermann unbestechlich, klar und konsequent die Brüche zwischen Weltanschauung und gelebter Wirklichkeit in der DDR sichtbar gemacht. Mutig und widerständig war er als Dissident im Namen der Wahrhaftigkeit bereit, persönliche Konsequenzen wie Auftritts- und Publikationsverbote, Bespitzelung und Ausbürgerung hinzunehmen“.

Und weiter begründet Hajo Jahn, TV-Journalist und 1. Vorsitzender der Else-Lasker-Schüler- Gesellschaft die Entscheidung pro Wolf Biermann: „Seine Lyrik und seine Lieder stehen in der besten Tradition widerständiger Literatur und führen Werk und Wirken François Villons, Arthur Rimbauds und Bertolt Brechts weiter. In seinen Gedichten finden sich die feinen Spuren der romantischer Ironie Heinrich Heines ebenso wie die protestierende Energie eines Walt Whitman. Dessen Diktum: ‚Widersetzt euch viel! Gehorcht wenig!‘ durchstimmt als Grundton die Lyrik Wolf Biermanns. Auch nach seiner Übersiedelung in Bundesrepublik verstummte der Aufklärer in ihm nicht, und er mischte sich unüberhörbar in die politischen Debatten ein.“

„Die Drahtharfe“ – ein Paukenschlag

Dabei würden die Leserinnen und Leser sofort den ganz eigenen lyrisch-poetischen Ton Biermanns erkennen. Hajo Jahn: „Schon sein erster Gedichtband ‚Die Drahtharfe‘ war ein Paukenschlag, der in der deutschen Nachkriegsliteratur diesseits und jenseits des Eisernen Vorhangs lange nachhallte. Biermanns Lyrik leuchtet das Sein des Menschen in den Spannungsräumen zwischen Liebe und Erotik, Natur und Stadt sowie Gesellschaft und Politik aus. Dadurch entwickelt sie eine dialektische Klarheit, berückende Schönheit und große existenzielle Kraft.“  

Hajo Hahn, Vorsitzender der Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft – © privat

Und weiter: „Natur und magische Orte spannen in Biermanns Lyrik einen Bedeutungs-Raum auf, in dem das Ich sich dem Zugriff staatlicher Übergriffe entziehen kann. So werden sie zu Brutstätten gesellschaftlicher Gegenentwürfe und Werkstätten poetischer Utopien und Imaginationen. Seine Verse atmen Klarheit und sind zugleich von urwüchsiger Kraft. Sie ziehen Leser und Publikum in ihrer vermeintlichen Einfachheit in einen hypnotischen Bann: eine Wirkung, die das Ergebnis eines sehr feinfühligen und zugleich sehr reflektierten poetischen Gestaltungsprozesses ist.“

Unmittelbar mit der Dichtung verbunden sei bei Biermann die Musik. Viele der Gedichte inszeniert er auf seiner ‚Drahtharfe‘, der Gitarre, und mit seiner Stimme, in der sich innere Kraft und Verletzlichkeit die Waage hielten. Das mache Dichtung und Gesang Biermanns glaubwürdig und tief berührend.

Künstler und Grenzgänger

Hajo Jahn fasst zusammen: „Wie auch Else Lasker-Schüler wird Wolf Biermann als Grenzgänger gesehen – zwischen Staaten, aber ebenso auch zwischen Ausdrucksformen und Genres, zwischen Ich und Welt. Wie die Wuppertaler Lyrikerin ist er ein (preußischer) Ikarus, der die gesellschaftlichen Gravitationskräften kraft seiner Kunst im poetischen Flug zumindest in der Gegenwart der Dichtung für Momente überwindet und die Hoffnung wachhält auf ein besseres Morgen.“

Frühere ELS-Lyrikpreisträgerinnen und ELS-Preisgträger waren: Thomas Kling (1994) – Friederike Mayröcker (1996) – Safye Can (2016) – „The Poetry Projekt“, in dem junge afghanische Geflüchtete ihre Fluchterfahrungen verarbeiteten (2018) – Geertje Suhr (Chicago, 2020 – Nora Gomringer (2022) – Dinçer Güçyeter (2024) und Sarah Kiyanrad (Förderpreis 2024)

Der ELS-Lyrikpreis ist mit 5.000 Euro dotiert, gefördert vom Literaturbüro NRW.

Das offizielle Plakat – © ELS / Birte Fritsch

Termin:

Else-Lasker-Schüler-Lyrik-Preis 2026

WOLF BIERMANN

Preisverleihung

Samstag – 17.04.2026 – 18:00 Uhr

Glashalle der Stadtsparkasse – Johannisberg 1 – 42103 Wuppertal

Gäste sind willkommen, doch wird um Anmeldung gebeten:

Per Mail vorstand@else-lasker-schueler-gesellschaft.de
oder telefonisch 0202-305198

Link zur Webseite der Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft:

http://www.else-lasker-schueler-gesellschaft.de

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