19. Mai 2024

Ein Hauch von Wehmut beim WSV-Saisonausklang

Ein WSV-Spiel so launenhaft wie die ganze Saison. Trotz bester Möglichkeiten kamen die Bergischen am letzten Spieltag der Regionalliga-Saison gegen den 1. FC. Düren über ein 1:1 (0:1)-Unentschieden nicht hinaus und verpassten damit auch noch die sicher geglaubte Vizemeisterschaft der Fußball-Regionalliga-West.

Aday Ercan (l.) und Hüseyin Bulut (r.) trugen zum letzten Mal das WSV-Trikot – © Jochen Classen

Immerhin 4.744 Zuschauer waren bei sonnigem Wetter gekommen, die ein flottes Spiel zweier einsatzfreudiger Mannschaften sahen, über dem rein Hauch von Wehmut lag. Zur gleichen Zeit feierte Alemannia Aachen Aufstieg und Meisterschaft, dem Ziel, dem der WSV so lange nahe schien. Rund 28.000 Zuschauer sahen das Spiel gegen Velbert am Aachener Tivoli.

Abschied von 15 Spielern

Statt zu feiern musste WSV-Vorstand Thomas Richter dagegen im Stadion am Zoo gleich 15 Spieler verabschieden.  Einer der Hintergründe: Hauptsponsor Friedhelm Runge reduziert sein finanzielles Engagement ab der neuen Saison erheblich. Damit steht der Verein vor einem Riesen-Umbruch. Der Jahres-Etat von rund 2 Mio. Euro ist fast halbiert, was nicht ohne Einfluss auf die künftigen Ambitionen für den ersehnten Aufstieg in die 3. Liga bleiben dürfte. Die Mannschaft 2024/25 wird ein völlig neues Gesicht haben.

Mehr als das Spiel selbst standen daher die Zukunftsfragen, wie es denn weitergehe beim WSV, im Vordergrund der Gespräche. Bezeichnend, dass Trainer Eran Parlasan unsere Frage über seine Zukunft eher auswich. Es werde in dieser Woche Gespräche geben, die fair sein würden, ließ er wissen, ohne eine Tendenz anzudeuten.

Zwar habe man heute das Spiel gegen Düren gerne gewinnen wollen, aber er freue sich, dass mit dem Unentschieden auch das neunte Heimspiel in diesem Jahr nicht verloren wurde. Insider spekulieren indessen, dass auch sein Wechsel, wohl zu einem türkischen Verein, bevorstehe.

Mehr als eine ganze Mannschaft – nämlich 15 Spieler – verlassen den WSV – © Jochen Classen

Zuvor hatte hatte Dürens Trainerkollege Carsten Wissing eine lupenreine Analyse geliefert, der sich Erlan Parlatan gerne anschloss. Der scheidende Dürener Coach sprach von einem verdienten Unentschieden gegen den WSV, einem Top-Team der Liga, wie er sagte. Noch vor einer Woche hatten die Dürener gegen Meister Aachen einen 4:1-Erfolg gelandet und waren damit neunmal in Folge erfolgreich.

Auch in Wuppertal ging seine Elf in der 34. Minute durch ein Tor von Yannik Schlösser überraschend in Führung, einem Treffer, dem ein krasser Abwehrfehler von Aday Ercan vorausging. Bis zu diesem Zeitpunkt war die WSV-Mannschaft der in der Abwehr tief gestaffelte Dürener Elf deutlich überlegen und hatte sich zahlreiche Chancen erspielt, Tore schienen nur eine Frage der Zeit zu sein.

So zählte Hüseyin Buluts Treffer wegen Abseitsstellung von Kevin Hagemann nicht und Marco Terrazino schoss nach gelungener Einzelaktion knapp am Tor vorbei. WSV-Abwehrrecke Lion Schweers schied in der 40. Minute verletzungsbedingt aus und wurde durch Tobias Peitz ersetzt.

Kleiner Junge stürmt auf das Spielfeld

Bemerkenswert eine Randszene kurz vor dem Jülicher Führungstreffer. Ein kleiner Junge hatte alle Absperrungen überwunden und lief auf das Spielfeld, um mit Charlison Bentschop erfolgreich ein „Selfi“ zu produzieren. Stadionsprecher Thomas Bielefeld: „So etwas habe ich noch nie erlebt“.

Er hatte alle Mühe, auch mit Hilfe des Ordnungsdienstes, Folgeaktionen dieser Art abzuwehren. Der WSV hatte an diesem Spieltag im Stadionbereich einige Attraktionen für Familien mit Kindern und Jugendlichen zur Attraktionssteigerung organisiert. An Selfies mitten im Spiel auf dem Rasen war freilich nicht gedacht…

Bleibt er oder geht er? Das ist die große Frage bei WSV-Cheftrainer Ersan Parlatan, der den WSV auf den 3. Tabellenplatz der Regionalliga-West führte – © Jochen Classen

Im zweiten Spielabschnitt vergab der scheidende Charlison Benschop den Ausgleich, als sein an Hagenmann verschuldeter Foulelfmeter in der 47. Minute von Torwart Schübel pariert werden konnte. Düren scheiterte auf der Gegenseite mit gekonnten Angriffszügen mehrfach an dem ausgezeichnet parierenden WSV-Torwart Paul Grave.

Sein Torwartkollege Leon Schübel gegenüber konnte sich bei Aktionen von Tobias Peitz und dem jungen Phil Beckhoff in Szene setzen. Dem von Tobias Peitz bedienten Semir Saric gelang in der 81. Minute dann doch noch der vielumjubelte Ausgleich zum versöhnlichen 1:1.

Abschlussfahrt nach Mallorca

Die WSV-Mannschaft freut sich jetzt auf die Abschlussfahrt nach Mallorca. Der neue Kader des Wuppertaler Traditionsvereins wird am 23. Juni zum Trainingsauftakt vorgestellt. Insgesamt stehen für 2024/2025 (Stand heute )  unter Vertrag: Niklas Dams, Lion Schweers, Kevin Hagemann, Marco Terrazzino, Semir Saric und Philipp Hanke.

Dazu kommen von den eigenen A-Junioren Emil Metz, Kilian Cedric Bielitza, Berkem Kurt und Hugo Schmidt sowie die Zugänge Niek und Joep Munster (beide  vom SV Lippstadt) und Dilhan Demir (vom Oberligisten SV Schermbeck). Kevin Hagemann erhielt viel Beifall, als er  dem Publikum noch vor Spielbeginn seine Vertragsverlängerung und seine Überzeugung mitteilte, dass der WSV auch in der kommenden Saison eine gute Rolle spielen werde.

Publikumsliebling Kevin Hagemann (l.) bleibt dem WSV trotz aller Sparmaßnahmen erhalten – © Jochen Classen

Aufstieg der U17 in Bundesliga West

Ein nicht zu unterschätzender Hoffnungsschimmer wurde in der Halbzeitpause des Spieles mit den B-Junioren des Vereins präsentiert. Die U-17 Mannschaft von Trainer Fabien Henning errang in der Niederrheinliga vor dem MSV Duisburg die Meisterschaft und steigt somit in die B-Junioren Bundesliga West auf. Sehr erfolgreich ist auch die U15 von Trainer Kann Kursen, die als Meister der C-Junioren Niederreinliga um den Aufstieg in die Regionalliga West spielt.

Dicke Bretter bohren

Aus  Funktionärskreisen war zu erfahren, das man fieberhaft daran arbeite, dem WSV das Überleben auch unter den veränderten Bedingungen zu ermöglichen. Allerdings gelte es nach langen Jahren der Buchmüller und Runge-Ären  dicke Bretter zu bohren.

Text Siegfried Jähne

Gaetano Manno, Sportlicher Leiter des WSV, hat eine schwierige Aufgabe. Er muss mit viel weniger Geld einen schlagkräftigen Kader zusammenstellen. Rechts der scheidende Co-Trainer Andi Steinmann – © Jochen Classen

Wuppertaler SV – 1. FC Düren 1:1 (0:1)

Aufstellung des Wuppertaler SV:

Grave – Hanke, Itter (65. Schmidt), Pytlik, Schweers (41. Peitz) – Demming (56. Saric), Ercan – Bulut (85. Schmeling), Terrazzino, Hagemann – Benschop (65. Beckhoff)

Aufstellung des 1. FC Düren:

Schübel – Kühnel, Egouli, Popovic, Gültekin – Geimer (71. Clemens), Breuer, Schlößer (71. Salman), Harnafi, Matuszczyk – Dulleck (71. Damaschek)

Schiedsrichter: Selim Erk

Tor: 0:1 Schlösser (34.), 1:1 Saric (84.)

Gelbe Karten: Matuschy, Geimer,  Egouli (Düren) sowie Bukett, Hanke (WSV).

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