6. Juni 2023

Lena Lichterbeck: Auf dem Manaslu Circuit Trek

Sie sind auf dem Weg, sich ihren grossen Traum zu erfüllen - die Unternehmensberaterin Lena Lichterbeck und der Berater Jan Filipzik, Ex-Chefredakteur des Wuppertaler Magazins "talwärts". Die beiden haben ihre gemeinsame Wohnung aufgegeben und sind unterwegs auf großer Weltreise. Dabei begleiten wir Lena und Jan. Gehen SIE mit auf große Reise - wenn SIE mögen...

Lena Lichterbeck und Jan Filipzik haben nach einer langen, anstrengenden Tour den über 5.100 Meter hohen Marke Pass erreicht – © reisen-ist.jetzt

Was ursprünglich als 4- bis maximal 6-Tages-Tour gedacht war, hat sich nun also zu einer 13-tägigen Wanderung rund um den Mount Manaslu entwickelt. 

Der Plan ist, den Larke Pass zu überqueren, der sich auf 5.100 Metern Höhe befindet. Ob ich genau weiß, worauf ich mich beim Manaslu Circuit Trek einlasse? Ganz ehrlich? Ich glaube nicht… Also mir ist schon bewusst, dass es sehr anstrengend, fordernd und hart sowohl auf körperlicher als auch auf mentaler Ebene sein wird, aber ob ich dem auch tatsächlich gewachsen bin?

In Lenas & Jans Reiseblog „reisen-ist.jetzt – Unterwegs ist da, wo wir sind“ finden Sie noch viel mehr Fotos, Infos und Impressionen:

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Ich hoffe es einfach mal und setze auf den professionell prüfenden Blick unseres Beraters in der Agentur – er würde doch sicherlich etwas sagen, wenn er der Meinung wäre, dass der Trek vielleicht eine Nummer zu heftig für mich ist?

Abenteuerliche Busfahrt bis zum Startpunkt des Manaslu Circuit Treks – © reisen-ist.jetzt

Tag 1: Kathmandu nach Machhakhola

Mit genau diesem Vertrauen in die Einschätzung des Agentur-Profis, steigen wir also an Tag 1 unserer Tour um 6 Uhr in der Früh zu unserem Guide ins Taxi, das uns zum Busbahnhof und zum lokalen Bus bringt, mit dem wir von Kathmandu ins etwa 160 Kilometer entfernte Machhakhola fahren – unserem Ausgangspunkt der Wanderung.

Dabei, dass Google Maps für das letzte Viertel keine Route anzeigen kann, denke ich mir erst einmal nichts. Nach einigen Stunden Fahrt begreife ich, warum dem so ist: Führt uns der Weg die ersten Stunden noch vorbei an Reisfeldern und Bananenstauden, besteht die offizielle „Straße“ später nur noch aus einer unbefestigten Schotterpiste, die immer eng am Abhang entlangführt und in Deutschland – wenn überhaupt – mit einem Geländewagen und nicht mit einem in die Jahre gekommenen Bus bezwungen würde. Wirklich abenteuerlich…

Gut durchgeschüttelt, verschwitzt, mit Staub bedeckt, der auch zwischen unseren Zähnen knirscht und froh nicht hunderte Meter ins Flussbett gestürzt zu sein, kommen wir am frühen Abend endlich an unserem Ziel an. 

Lena und Jan mit ihrem Guide Hari – © reisen-ist.jetzt

Meine Energie reicht gerade noch für eine unerwartet kalte „Hot Shower“, ein schnelles Abendessen im Guesthouse und eine kurze Unterhaltung mit einem deutschen Pärchen, das kurz zuvor ebenfalls auf dem Manaslu Circuit Trek unterwegs war. Leider mussten die beiden, aufgrund der schlechten Wetterverhältnisse mit Schnee und Eis, vor dem Larke Pass umkehren. 

Ein Selbstläufer ist dieser Trek wohl nicht und das Wetter wirklich nicht zu unterschätzen. Mein Respekt steigt.

Tag 2: Machhakhola nach Jagat

Nun geht die eigentliche Wanderung endlich richtig los: Der Wecker klingelt früh um 6 Uhr und nach einer kleinen Morgenroutine mit Dehnen und tibetischem Brot mit Ei als Frühstück, befinden wir uns um 7:30 Uhr auf dem Trek. 

Das Wetter zeigt sich von seiner besten Seite – es ist sonnig und sehr warm, während wir dem Flusslauf folgen und immer weiter ins das vor uns liegende Tal hinein wandern. Insgesamt 17 Kilometer und 800 Höhenmeter hinauf bis zu unserem Tagesziel in Jagat. 

Der Start der Tour – © reisen-ist.jetzt

Für den ersten Wandertag auf jeden Fall ambitioniert. Zwischendurch vergesse ich jedoch, was eigentlich vor uns liegt und genieße einfach nur die Landschaft, die vielen kleinen Dörfer, durch die wir kommen, den wunderschönen Fluss und die hoch aufragenden Berge in der Ferne.

Gleichzeitig treffen wir auf jede Menge Ziegen, Hunde, Echsen und Maultiere, bevor wir zum Mittag in einem kleinen Restaurant mit tollem Ausblick Halt machen. 

Hier bin ich schon etwas platt, denn wir haben den Vormittag über echt Gas gegeben und die anderen Wanderer, die ebenfalls an diesem Tag auf den Trek gestartet sind, weit hinter uns gelassen, bis wir uns alle in der Mittagspause wieder treffen.

Nach dem Mittagessen kommt die erste heftige Passage mit etwa 500 Metern Anstieg auf relativ kurzer Strecke, die mich fast an eine Grenze bringt und mich zweifeln lässt, ob ich die Tour packe, wenn es mir schon so an Tag 1 geht. 

Lena Lichterbeck voll bepackt auf dem Trek – © reisen-ist.jetzt

Ich bereue sofort die riesige Portion gebratenen Reis, die ich soeben gegessen habe, denn bei der Anstrengung habe ich das Gefühl, dass sie mir gleich wieder hochkommt. Zum Glück halte ich durch und mit einigen Pausen danach, treffen wir um 15 Uhr – begleitet von etwas Regen und Donner in der Ferne – in Jagat ein. 

Auch hier gibt es eine sehr, sehr kalte „Hot Shower“ und ich fange an zu überdenken, ob eine Dusche wirklich jeden Tag nötig ist. Gefolgt von einem kleinen Nickerchen, einem kurzen Gang durch das wirklich kleine, aber dafür sehr niedliche rosafarbene Dorf, ein paar Runden Uno mit unserem Guide Hari, den wir langsam immer besser kennen- und vor allem mögen lernen und einer heißen Suppe zum Abendessen.

Danach fallen wir sehr früh und müde in unsere Betten und sind das erste Mal froh über unsere dicken Daunenschlafsäcke.

Tag 3: Jagat nach Deng

Genauso früh wie am Vortag geht der Wecker und es liegen heute sogar 20 Kilometer vor uns, glücklicherweise nur mit 500 Höhenmetern. Ich habe mir vorgenommen, meine Kräfte besser einzuteilen und insgesamt ein etwas weniger schnelles Tempo anzuschlagen. 

Unterwegs erleben die beiden Weltreisenden tolle Landschaften – © reisen-ist.jetzt

Eben „Pistare, pistare“, wie wir von unserem Guide lernen – Nepalesisch für „langsam, langsam“, aber dennoch beständig weitergehen. Das Wetter ist wieder großartig und schon bald kommt die Sonne über die hohen Berge, die uns umgeben und wärmt uns, sodass wir schnell Schicht um Schicht unserer Kleidung ablegen. 

Für uns geht es, wie schon gestern, weiter den Fluss entlang und wir arbeiten uns immer tiefer in das vor uns liegende Tal hinein. Auch den anderen Wanderern begegnen wir wieder. 

Heute erfahren wir, dass ein Solo-Wanderer aus Malaysia kommt, ein anderer Solo-Wanderer aus Belgien (der sich aber an diesem Tag verabschiedet, da er eine längere Tour vor sich hat und anders als wir anderen erstmal ins Tsum Valley „abbiegt“), eine Sechsergruppe junger Frauen aus Kanada und ein Pärchen aus Irland. 

Lena und Guide Hari geniessen die Aussicht – © reisen-ist.jetzt

Dass wir uns immer wieder treffen, wird auch in den nächsten Tagen so bleiben und uns insgesamt zu einer Art Gruppe machen, auch wenn jeder in anderem Tempo unterwegs ist.

Die Landschaft wird mit jeder Flussbiegung schöner und die riesigen Maultierkarawanen ziehen an uns vorbei. Die armen Tiere können einem wirklich leidtun, wie sie die wahnsinnigen Lasten hinauf und hinunter über die Berge schleppen, dabei unnachgiebig und lautstark von ihren Führern angetrieben werden – manchmal leider auch unter Einsatz von geworfenen Steinen. 

So arbeiten wir uns immer weiter vor, bis wir kurz vor unserem Tagesziel eine Teepause einlegen, die von Bollywood-Musik aus dem Handy unseres Guides begleitet wird. Mittlerweile ist das Eis zwischen uns gebrochen, wir lachen viel, erzählen von unseren Leben und Familien und genießen es als kleines Dreier-Team unterwegs zu sein. 

Lena mit dem ganzen Gepäck, das sie und Jan mitschleppen müssen, was die Tour nicht leichter macht – © reisen-ist.jetzt

Von der Anstrengung merkt nun auch Jan seine Beine. Bei mir ist das schon länger so und leider mischen sich Schmerzen in meinem rechten Oberschenkel am Übergang zur Hüfte dazu, die mir etwas Sorgen bereiten. Trotzdem arbeiten wir uns das letzte nochmal wirklich anstrengendes Stück hinauf nach Deng. 

Und dabei lernen wir, dass es überhaupt nichts heißt, wenn man einen Ort schon aus der Ferne sehen kann. Wie viele Kurven, Aufs und Abs noch davor liegen, lässt sich einfach nicht abschätzen. 

Nachdem wir um 16:30 Uhr am Ziel ankommen, versuchen wir es doch nochmal mit einer heißen Dusche und dieses Mal gibt es tatsächlich warmes Wasser, aber leider nur tröpfelnd, sodass man am Ende zitternd und mit sichtbarem Atem vor dem Mund in der Dusche steht und froh ist, sich wieder Kleidung anziehen zu können. 

Die Temperaturen werden mit jeder Etappe geringer, was wir insbesondere abends und in den Nächten zu spüren bekommen.

Die armen Maultiere in Nepal müssen Schwerstarbeit verrichten – © reisen-ist.jetzt

Tag 4: Deng nach Namrung

An das frühe Aufstehen um 6 Uhr und das zügige Zusammenpacken unserer wenigen Habseligkeiten, haben wir uns inzwischen gut gewöhnt. Wieder liegt ein anspruchsvoller Tag mit 17 Kilometern und 800 Höhenmetern vor uns. Hinauf auf 2.600 Meter in Namrung.

Eigentlich hatte ich insgeheim darauf gehofft, dass heute zur Abwechslung mal eine kürzere Etappe zum Erholen ansteht, aber das ist offensichtlich keine Option. Als wir starten ist es wirklich kalt und ungemütlich grau draußen. Da die Teehäuser, in den wir übernachten, keine Heizungen haben, zieht insbesondere am Morgen die Kälte so richtig in die Knochen.

Genau das wird mir bzw. meinem angeschlagenen Muskel an der Hüfte leider fast zum Verhängnis als wir kurz nach unserem Start schon eine steile und recht lange Passage mit vielen Treppenstufen bezwingen müssen. Die stechenden Schmerzen nach diesem Kaltstart sind kaum auszuhalten. 

Lena und Jan verstehen sich prächtig, obwohl sie seit Monaten fast jede Stunde zusammen verbringen – © reisen-ist.jetzt

Für einen kurzen Moment denken Jan und ich ernsthaft daran die Wanderung an dieser Stelle abzubrechen, da Weitergehen nun einmal bedeutet, dass man auch den ganzen Weg wieder zurückgehen muss, falls man abbricht und somit jeder weitere Meter eigentlich unsinnig ist. Doch aufgeben möchte ich nicht und stattdessen nehme lieber erst einmal Schmerzmittel – wird schon irgendwie werden.

Wir gehen weiter und Hari, unser Guide, ist wirklich besorgt, was mich wiederum beunruhigt und ich mich fragen muss, ob ich es in diesem Zustand wirklich bis über den Larke Pass in einer Woche schaffen werde. Nach einiger Zeit wirken zumindest für heute schon mal die Medikamente und die Schmerzen sind auszuhalten, sodass ich nach einem gemeinsamen Mittagessen mit den anderen Wanderern guter Dinge für den weiteren Tag bin.

Heute ist die Landschaft deutlich abwechslungsreicher und spannend. Wir sehen Kakteen, eine Gruppe Affen im Dschungel, dann wieder Steinwüste, Steppe, Sand, Bambus und einige Bergziegen in der Ferne. Es ist wirklich erstaunlich, wie sich hier die Umgebung immer wieder plötzlich ändert und es Neues zu entdecken gibt. 

Hari belohnt Lana und Jan für ihre tolle Leistung mit Keksen – © reisen-ist.jetzt

Um 17 Uhr kommen wir an unserem Ziel an – sogar als erste vor allen anderen Wanderern und das, obwohl ich solche Probleme am Morgen hatte. Mein Wunsch und Wille, nicht aufzugeben, haben einiges bewirkt, würde ich sagen.

Heute sind Jan und ich besonders geschafft und gehen früh schlafen, auch wenn wir wissen, dass morgen zum ersten Mal eine etwas weniger herausfordernde Etappe ansteht – endlich.

Tag 5: Namrung nach Lho

Bei schönstem sonnigem Wetter starten wir erst gegen 7:30 Uhr – für uns wirklich spät im Vergleich zu den anderen Tagen – in das etwa zehn Kilometer entfernte Lho. Heute geht es insgesamt 600 Höhenmeter hinauf bis auf 3.100 Meter, immer nur mit leichter, konstanter Steigung.

Meine Muskeln, Sehnen und Knochen freuen sich sehr darüber. Bereits kurz vor dem Mittag sehen wir unser Tagesziel Lho in der Ferne auf einem Hügel thronen. Der Anblick der schneedeckten Berge im Hintergrund ist atemberaubend und irgendwie surreal.

So anstrengend die Tour auch is – Lena und Ja werden mit tollen Panoramen entschädigt – © eisen-ist.jetzt

Der Verstand kann die Höhe der umliegenden Berge teilweise gar nicht richtig verarbeiten, ist mein Eindruck. Mittlerweile haben wir auch die 3.000 Meter Höhe erreicht und nach einer kurzen Teepause, umgeben von saftig grünen Feldern, machen wir uns zum Endspurt für diesen Tag auf.

Die anderen Wanderer sind wieder weit hinter uns, was irgendwie ein gutes Gefühl ist, auch wenn ich versuche, das Ganze nicht als Wettkampf zu sehen, was mir aber nicht immer gelingt. Meiner Hüfte tut es zwar gut, dass die Etappe heute weniger anspruchsvoll ist, aber leider muss ich weiterhin mit Schmerzmitteln arbeiten, um durchzuhalten. Mal sehen, wie es sich die nächsten Tage entwickeln wird.

Schon mittags kommen wir in unserem Teehaus an und treffen auf ein belgisches Paar, das bereits etwas länger auf dem Manaslu Circuit Trek unterwegs ist, da es für einige Tage einen Abstecher ins Tsum Valley gemacht hat.

© reisen-ist-jetzt

Wir haben diesen Teil ausgelassen, hören uns aber gespannt an, wie schön die Landschaft in diesem Tal ist. JR – der Solo-Wanderer aus Malaysia – kommt auch bald mit seinem Guide im Teehaus an und wir entscheiden am Nachmittag noch eine kleine Tour gemeinsam mit unseren beiden Guides hoch zum nahegelegenen buddhistischen Kloster zu unternehmen, da wir uns alle recht fit fühlen und der Ausblick sehr schön sein soll.

Oben angekommen, meditieren wir drei eine kleine Runde und genießen den Moment der absoluten Ruhe. Mittlerweile haben wir uns mit JR und seinem Guide Ganesh angefreundet und lassen später den Abend bei einer Runde Uno zusammen ausklingen.

Tag 6: Lho nach Samagaon

Heute folgt nochmal ein recht entspannter Tag, der uns auf 3.500 Meter Höhe führt. Doch bevor wir starten, steigen Jan und ich morgens früh auf die Dachterrasse unserer Unterkunft, um bei strahlend blauem Himmel endlich einen ersten Blick auf den Manaslu werfen zu können

Auch wackelige Hängebrücken mussten überquert werden – © reisen-ist.jetzt

Ein wunderschöner Berg und ein kleines Zwischenziel ist damit für mich schon einmal erreicht, denn schließlich ist dieser Berg der Namensgeber des gesamten Treks. Gemeinsam mit Astrid und Stefaan aus Belgien und JR, starten wir nach einem leckeren Frühstück auf die heutige Etappe.

Dieses Mal lassen wir es wirklich ruhig angehen, gönnen uns eine ausgiebige Teepause mit tollem Panorama zwischendurch und erreichen alle gemeinsam gegen 12:30 Uhr unser Ziel in Samagaon, wo wir uns über das Mittagessen – Nudelsuppe bzw. gebratene Nudeln – sehr freuen.

Auch wenn die heutige Tour eigentlich nicht besonders anspruchsvoll war, sind wir beide doch sehr müde und verbringen den Nachmittag eingekuschelt in unseren Schlafsäcken – ja, mittlerweile wird es wirklich, wirklich kalt mit Temperaturen im niedrigen einstelligen Bereich – auf unserem Zimmer, lesen und schlafen ein wenig.

Wieder ein beeindruckendes Panorama – © reisen-ist.jetzt

Das zeigt uns, wie anstrengend die gesamte Wanderung doch scheinbar für den Körper ist und wie wichtig genügend Ruhe und Regeneration sind. Sicherlich leisten die Höhe und der nach und nach weniger werdende Sauerstoff ihren Beitrag dazu.

Ausgeruht und dick eingepackt in unsere Daunenjacken, treffen wir am frühen Abend wieder auf die anderen Wanderer und ihre Guides im Gemeinschaftsraum, tauschen uns über unsere Eindrücke der Tour, die anstehenden nächsten Tage und andere gemachte Reisen aus. Auch heute geht es für uns nach dem Abendessen wieder ziemlich früh ins Bett. Wir haben den Schlaf nötig.

Tag 7: Akklimatisierung

Das Thema Höhe und mögliche Symptome, die mit dem geringer werdenden Sauerstoff einhergehen können, sind wirklich nicht zu unterschätzen. Bereits vor einigen Tagen haben wir daher angefangen ein Mittel gegen Höhenkrankheit zu nehmen und sind froh, dass wir bisher auch von jeglichen Symptomen – außer vielleicht Müdigkeit – verschont geblieben sind.

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Bei Astrid aus Belgie haben seit gestern Kopfschmerzen eingesetzt und sie entscheidet sich ab jetzt auch etwas einzunehmen. Um den Körper zusätzlich erfolgreich an die Höhe zu gewöhnen, bleiben wir heute am selben Ort und unternehmen eine Akklimatisierungs-Wanderung, die etwa 700 Meter hinauf bis auf 4.200 Meter geht.

Dass wir dabei nur einen Rucksack mit den nötigsten Dingen tragen müssen, führt uns deutlich vor Augen, welchen Unterschied es sonst macht, wenn wir unsere etwa 12 Kilo schweren Backpacks schleppen. Wir fühlen uns federleicht und steigen bei wieder einmal absolut perfektem Wetter hinauf Richtung Manaslu Base Camp.

Auch wenn es spannend wäre, so ein Camp zu besuchen, ist es zum einen für uns etwas zu heftig insgesamt weit über 1.000 Meter an einem Tag hinaufzusteigen und zum anderen wird der Weg ab einem bestimmten Punkt von kürzlich abgegangenen Lawinen versperrt, sodass wir nicht weiter hinauf können, selbst wenn wir wollten.

Teilweise herrschte Eiseskälte: Lena und Jan gut „verpackt“ – © reisen-ist.jetzt

Aus der Ferne beobachten wir heute auch immer wieder von den umliegenden Bergen abgehende Lawinen – ohrenbetäubend laut und unglaublich respekteinflößend.

Sehr zufrieden mit unserer Leistung und beruhigt, dass es uns insgesamt mit der Höhe sehr gut geht, genießen wir den grandiosen Ausblick und dazu Tee und Kekse, die unser Guide Hari als Belohnung für uns mitgenommen hat.

Danach geht es in wahnsinnigem Tempo und bei Sonne pur den Berg wieder hinunter. Unten wieder auf 3.500 Metern angekommen treffen wir gegen späten Vormittag mal wieder auf die Gruppe kanadischer Frauen, die anders als wir, gerade erst starten, um ihren Akklimatisierungsmarsch zu absolvieren.

Später sind wir froh, dass wir direkt am Morgen losgegangen sind, da sich das Wetter nach dem Mittag zuzieht, es grau und sehr ungemütlich wird. Die Kanadierinnen hatten somit wohl keinen so schönen Ausblick, wie wir. Während sie noch unterwegs sind, liegen wir schon wieder eingepackt in unseren Schlafsäcken und verbringen den Nachmittag auf dem Handy Serie schauend, lesend und schlafend, bevor unsere kleine Gruppe mal wieder bei Essen und Uno, den Abend ausklingen lässt.

Bizarre Schneelandschaften – © reisen-ist.jetzt

Draußen geht ein heftiger Regen nieder, was bedeutet, dass es oben auf den Bergen und damit auch auf dem Larke Pass Neuschnee gibt – hoffentlich nicht zu viel in den kommenden Tagen.

Tag 8: Samagaon nach Samdo

Mittlerweile haben wir beschlossen, dass es sinnvoll ist, sich zu einer größeren Gruppe zusammenzuschließen, um in zwei Tagen den Larke Pass zu überqueren. Je nach Wettersituation muss so nicht jede Kleingruppe allein ihren Weg über den Pass finden, sondern kann sich an den anderen orientieren.

Unser Team wird ab sofort somit aus JR (Malaysia), seinem Guide Ganesh, Astrid und Stefaan (Belgien), ihrem Guide und Porter sowie Jan und mir und unserem Guide Hari bestehen. Insgesamt ist es ein schönes Gefühl gemeinsam diese Tour weiter zu bestreiten.

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So starten wir auch heute zusammen mit dem Tagesziel Samdo, das nur etwa acht Kilometer und etwa 350 Höhenmeter entfernt ist. Bis auf einen heftigen Anstieg kurz vor dem Ziel, geht es fast nur flach geradeaus.

Zwischenzeitlich dachte ich, dass es meiner Hüfte eigentlich besser geht, aber beim zügigen Laufen auf gerader Strecke, spüre ich den stechenden Schmerz heute umso mehr und bin etwas traurig, dass ich wirklich nur mit Schmerzmitteln durchhalten kann.

Jan hat mit leichten Magenproblemen zu kämpfen und wir sind insgesamt sehr froh, dass wir auch heute schon kurz vor dem Mittag am Ziel sein werden. Auf dem Weg dorthin zeigt sich auch landschaftlich so langsam die Höhe. Alles ist viel karger, plötzlich quert eine breite Eiszunge unseren Weg, die wir überqueren müssen, wobei Yaks uns routiniert zeigen, wie es geht.

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Überall schauen Murmeltiere aus ihren Höhlen. Obwohl es gestern Abend noch geregnet hat, können wir uns heute wieder über tollsten Sonnenschein freuen und wir können kaum glauben, wie viel Glück wir bisher mit dem Wetter haben, was hier wirklich nicht selbstverständlich ist und uns zuversichtlich für die Passüberquerung macht.

An diesem Nachmittag geht ein Großteil unserer Gruppe noch einmal spontan auf eine Akklimatisierungs-Tour, doch ich entscheide mich wegen meiner Hüfte dagegen. Allgemein fühle ich mich gerade ein wenig schlapp und denke, dass mir eine Pause guttun wird.

Ich nutze sie für eine warme Dusche, die sich bei ein, zwei Grad Außentemperatur und ohne Fensterscheibe im Waschraum, als lauwarm erweist, sodass ich zitternd unter ihr stehe. Danach kann ich nicht schnell genug in meinen Schlafsack kommen.

Draußen hat es in der Zwischenzeit angefangen zu regnen und der Wind wird stärker, was mich hoffen lässt, dass die anderen bald von ihrem Ausflug zurück sein werden. Auf 4.200 Metern Höhe ist der Regen dann eben doch schon Schnee und die Gruppe kehrt um für einen schnellen Abstieg.

© reisen-ist.jetzt

Trotzdem war es ein gutes Training mit leichtem Gepäck und Jan ist zufrieden, dass er dabei war. Da es in Samdo abends wirklich eisig ist, sitzen wir alle gemeinsam um den Ofen, wärmen uns und trocknen unsere Socken, die mal eine Wäsche nötig hatten, bevor es Abendessen gibt. 

Unsere Unterhaltung dreht sich viel um die Passüberquerung übermorgen und wir merken, dass bei uns allen die Vorfreude, aber auch Anspannung und Aufregung steigen, denn so richtig wissen wir noch nicht, was uns tatsächlich erwarten wird. 

Ausschlaggebend wird das Wetter und am Ende auch unser Wille sein. Mit diesen Gedanken gehen wir alle früh schlafen, um ausreichend Energie zu tanken.

Tag 9: Samdo nach Dharmasala

Der letzte Tag vor dem Larke Pass beginnt, es ist so kalt, dass wir sogar im Zimmer unseren Atem sehen und der Blick nach draußen zeigt einen bedeckten Himmel. 

Selfies in der rollen Schneelandschaft – © reisen-ist.jetzt

Auch wenn heute nur sechs Kilometer vor uns liegen, müssen wir doch 600 Höhenmeter hinauf bis auf 4.400 Meter bewältigen und mit den schweren Rucksäcken ist das durchaus eine Herausforderung. Doch wir alle haben gute Laune an diesem Morgen und mit jedem Schritt, scheint auch das Wetter besser zu werden. 

Die Berge um uns herum sind atemberaubend schön und ich fühle mich heute super fit, was mir Selbstvertrauen für morgen gibt. Wir kommen gut voran und treffen kurz vor dem Mittag in Dharmasala ein. Die Unterkunft hier, existiert nur, um die Wanderer auf dem Weg zum Larke Pass zu versorgen. 

Dementsprechend spartanisch ist sie auch – mehrere Container nebeneinander, in denen wir auf Matratzen direkt auf dem Boden schlafen werden, ein kleines Gebäude, in dem gekocht und gegessen wird. 

Für unsere Guides gibt es sogar nur ein Zelt, das sie sich für die Nacht teilen müssen. Da sich die Saison langsam dem Ende zuneigt, wird auch bald diese ganze Stätte geschlossen und erst wieder in einigen Monaten geöffnet.

Guise Hari ganz cool – © reisen-ist.jetzt

Weil ich mich heute so gut fühle und jeder zusätzliche Anstieg bei der Akklimatisierung hilft, entscheiden Jan und ich uns gemeinsam mit Hari am frühen Nachmittag nochmal eine schnelle Tour hinauf auf 4.700 Meter zu unternehmen. Querfeldein und ohne Gepäck sind wir schnell unterwegs und schon nach gut einer Stunde wieder zurück. 

Die zusätzlichen 300 Höhenmeter machen uns keine Probleme und wir freuen uns jetzt schon richtig auf den Larke Pass. Viel gibt es heute nicht mehr zu tun. 

Der Gemeinschaftsraum ist leider so eiskalt, dass sich niemand länger als nötig dort aufhalten will und wir alle verbringen den Rest des Tages in unseren Schlafsäcken, bevor wir nochmal zum Abendessen zusammenkommen und besprechen, wann wir uns am Morgen wieder treffen, um zum Larke Pass aufzubrechen: 3:30 Uhr Frühstück, 4 Uhr Start.

Tag 10: Überquerung Larke Pass – Dharmasala nach Bimthang

Unser Wecker geht nach einer kurzen und für mich schlaflosen Nacht bereits um 2:30 Uhr, da Jan und ich keine Gamaschen und leider nur Halbschuhe zum Wandern haben. Wir müssen daher mit Plastiktüten und Textilklebeband unsere Schuhe gegen Schnee präparieren, was – wie wir später resümieren werden – extrem erfolgreich funktioniert hat

Imposante Bergwelt – © reisen-ist.jetzt

Als wir dann nach draußen treten, um in der eisigen Finsternis mit unseren Stirnlampen zum Toilettenhäuschen zu gehen, sind wir überwältigt von den Sternen über uns. Wir schalten die Stirnlampen aus und ich sehe das erste Mal in meinem Leben die Milchstraße in voller Pracht. 

Ein absolut magischer Moment, den ich nicht vergessen werde. Mit diesem guten Gefühl und einem großen Müsli mit Nüssen und warmer Milch im Bauch, geht es dann auch tatsächlich los, eingepackt in alle Kleidungsschichten, die wir dabeihaben. 

Insgesamt mehr als 30 Leute haben sich in Dharmasala zusammengefunden, die heute über den Larke Pass wollen und mit kurzem zeitlichem Abstand starten dann auch alle in der Früh. 

Darunter, neben JR, Astrid und Stefaan, wieder die Frauen aus Kanada, eine größere Gruppe aus Indien und ein Solo-Wanderer, von dem wir gar nicht wissen, woher er so plötzlich gekommen ist. Es ist wichtig, dass wir rechtzeitig am Pass ankommen und ihn überqueren, da es meistens später am Tag extrem windig wird, was den Auf- und auch späteren Abstieg sehr erschweren würde. 

Alle Anstrengungen haben sich gelohnt – © reisen-ist.jetzt

Zusätzlich führt – bei gutem Wetter – die immer weiter aufsteigende Sonne dazu, dass der über Nacht gefrorene Schnee schmilzt und alles etwas rutschiger wird. In einer Kolonne arbeiten wir uns im Dunkeln mit unseren Stirnlampen den Weg entlang und steigen schon kurz nach dem Start konstant immer weiter hinauf. 

Heute nochmal gute 700 Höhenmeter bis auf 5.106 Meter. Zum Vergleich: Der Montblanc ist 4.809 Meter hoch. So langsam geht die Sonne auf und taucht die umliegenden Gipfel in rosiges Licht. 

Wir halten immer wieder kurz an, um diesen Moment zu genießen, einige Bilder zu machen und etwas zu Atem zu kommen, denn unsere Guides legen ein ordentliches Tempo an diesem Tag vor. Unterschwellig merken wir, dass heute keine Zeit zum Trödeln ist.

Mit der Zeit sortiert sich das Feld, einige Leute fallen zurück und zusammen mit JR und seinem Guide, bilden wir zunächst die Spitze der Gruppe. Die Sonne steigt immer höher, der Himmel ist strahlend blau und es ist keine einzige Wolke am Himmel. Mittlerweile stapfen wir durch tiefen Schnee, sinken immer wieder ein im Neuschnee und arbeiten uns den kräftezehrenden Weg hinauf. 

© reisen-ist.jetzt

Die Kulisse ist traumhaft als wir eine Pause einlegen, um ein Snickers als schnellen Energielieferanten zu essen. Hier schließt die Gruppe Inder und die Kanadierinnen wieder zu uns auf. Da wir nun etwas Tempo rausnehmen, lassen wir sie an uns vorbeiziehen, was aber auch völlig in Ordnung ist, da wir alle stolz sind, uns überhaupt auf dem Weg zum Pass zu befinden und in guter Verfassung zu sein. 

Unsere Teammitglieder aus Belgien bilden heute das Schlusslicht, da insbesondere Stefaan mit der Anstrengung zu kämpfen hat. Gut, ich weiß auch nicht, wie ich dieses Abenteuer mit Mitte 50 überstehen würde und finde es beeindruckend, dass er es durchzieht, egal wie anstrengend es auch ist.

Immer weiter geht es für uns hinauf und mit der Zeit überholen wir tatsächlich das gesamte Feld wieder, das vor uns liegt. Für mich sind die letzten 400 Meter Strecke eine echte Tortur und ich japse nach Luft, bis wir um 8:20 Uhr als erste an diesem Tag, kurz vor dem uns unbekannten Solo-Wanderer, den Larke Pass erreichen. 

Lena als Bergsteigerin – © reisen-ist,jetzt

Wir sind unheimlich stolz, machen einige Fotos mit Hari, genießen unseren Erfolg und gönnen uns eine kleine wohlverdiente Auszeit – und noch ein Snickers. Ab hier ziehen wir dann auch Spikes an, da der Abstieg ansonsten zu gefährlich wäre. Und den Abstieg haben wir ehrlicherweise bis hierhin noch gar nicht auf dem Schirm gehabt. 

Unsere Gedanken und Motivation gingen immer nur bis zum Pass, aber nicht darüber hinaus. Somit kostet es uns wahnsinnig viel Energie und Überwindung durchzuhalten, als wir realisieren, dass nun über drei Stunden steilem Abstieg vor uns liegen bis wir bei unserer Mittagsrast ankommen und von dort nochmals eine gute Stunde bis wir unser Tagesziel Bimthang erreichen.

Vor uns erstreckt sich Schnee soweit das Auge reicht und teilweise geht es direkt neben uns wirklich steil hinab. Es ist Vorsicht geboten, dass sich kein Schneebrett löst und wir damit einige hundert Meter hinabsegeln. Wobei es wahrscheinlich eher ein Stürzen und weniger ein Segeln wäre. 

Entsprechend angespannt sind wir unterwegs und rutschen immer wieder aus. Der Schnee wird immer seifiger, da die Sonne mittlerweile wirklich warm ist. Unsere Beine sind müde. Jetzt verstehen wir auch, weshalb unsere Guides so früh wie möglich über den Pass wollten. 

Glücklich am Ziel: Lena, Jan, Hari das belgische Paar und die Guides – © reisen-ist.jetzt

Als wir endlich wieder festen Boden unter den Füßen haben, sind wir heilfroh und steuern auf unser Mittagessen zu. Hier ist die Energie ziemlich am Ende, aber wir raffen uns nochmal zum letzten Teil unseres Abstiegs auf. 

Insgesamt 1.300 Meter hinunter, nachdem wir am Morgen 700 Meter hinaufgestiegen sind. Als wir um kurz vor zwei nach 16 Kilometern in Bimthang ankommen, fallen wir auf unsere Betten und ruhen uns bis zum späten Nachmittag aus. 

Natürlich total stolz darauf, dass wir es geschafft haben. Die Beine und vor allem Knie tun schon ein bisschen weh und mental bereiten wir uns darauf vor, morgen nochmal weitere 1.200 Meter hinabzusteigen.

Nach und nach treffen JR und auch Astrid und Stefaan ein. Wie wir hören, haben es auch alle anderen heil hinuntergeschafft, sind aber in anderen Teehäusern untergekommen. 

Lena und Jan vor dem Berg-Panorama – © reisen-ist.jetzt

Heute essen wir nur noch etwas und fallen früh in unsere Betten. Vorher müssen wir uns aber leider von JR verabschieden, da er einen Tag weniger Zeit hat und morgen schon eine Ortschaft weiter wandern wird als wir. Es gibt ein letztes Selfie zur Erinnerung.

Tag 11: Bimthang nach Gowa

Zusammen mit Astrid und Stefaan starten wir heute auf die 13 vor uns liegenden Kilometer. Wir lassen es ruhig angehen und genießen mal wieder das schöne Wetter und die traumhafte Landschaft, auch wenn es anfangs wirklich noch eisig ist. 

Mit der Zeit und jedem Meter hinunter, wird es aber schnell wärmer und später ist es richtig heiß. Unser Abstieg wird von Rhododendron-Bäumen und viel Grün begleitet, dabei immer wieder die weißen Gipfel der riesigen Berge im Hintergrund. 

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Einfach wunderschön. Unterwegs sehen wir, dass viel gebaut und die Bergdörfer immer weiterentwickelt werden – Straßen entstehen hier, Stromleitungen werden verlegt und Internetkabel den Berg hinauf geschleppt. In etwa einem Monat soll Bimthang endlich Internet haben.

Der Abstieg heute geht nochmal auf die Knie, aber wir kommen gut und schnell voran, wenn auch irgendwie die Luft raus ist. Alle haben auf den Pass hingearbeitet und jetzt wären wir gerne einfach am Ziel. Um kurz nach zwei Uhr kommen wir in Gowa an und auch hier sind wir froh, dass wir den Nachmittag schlafend verbringen können. 

Der Körper hat eine Menge geleistet, jeder hat einige Kilos abgenommen und wir merken, dass Regeneration nötig ist. Am Abend spielen unsere Guides ein paar traditionelle Lieder auf Trommel und Flöte. Wir genießen den Abend und essen ein letztes Mal zusammen mit Astrid und Stefaan, bevor wir uns auch von ihnen verabschieden müssen.

Tag 12: Gowa nach Besisahar

Der letzte Wandertag bricht für uns an und es gilt lediglich zehn Kilometer, dafür aber nochmal 700 Meter hinunter, zu bewältigen, bis wir in Dharapani in einen Jeep steigen, der uns nach Besisahar bringen wird. Wie sollte es anders sein: Auch heute haben wir bestes Wetter und genießen die letzten Kilometer unserer Tour zu Fuß. 

© reisen-ist.jetzt

Etwas unerwartet und plötzlich, können wir schon nach der Hälfte der geplanten Strecke in Tilche in einen Jeep steigen. Auch wenn die eigentliche Wanderung damit ein abruptes Ende genommen hat, sind wir froh nicht mehr laufen zu müssen. 

Die Tour mit dem Jeep erweist sich dann aber auch als ziemlich anstrengend über holprige Straßen, die uns kräftig durchschütteln. Wir genießen noch ein zweites Frühstück an einem wunderschönen Wasserfall und kommen bereits um kurz nach eins in Besisahar an.

Eine – dieses Mal wirklich – heiße Dusche und etwas Ausruhen später, laufen wir noch eine Runde durch den Ort. Den Abend verbringen wir beim Abendessen zusammen mit Hari. Ein komisches Gefühl zu wissen, dass sich morgen unsere Wege nach diesen ganzen Tagen erst einmal trennen werden. 

Hier endete die Tour – © reisen-ist.jetzt

Wir haben uns wirklich liebgewonnen und sind traurig über den anstehenden Abschied. So eine Tour verbindet und mit Hari haben wir einen so großartigen Menschen kennengelernt, der uns auf seine ganz eigene, lustige Art Nepal und die Menschen dort nähergebracht hat. Doch wir vereinbaren, dass wir uns noch einmal zum Essen treffen, wenn wir wieder in Kathmandu ankommen. Also eine gute Woche später.

Tag 13: Besisahar nach Pokhara

Morgens steigen wir in den lokalen Bus, der uns nach Pokhara bringen wird. Eigentlich sollte Hari erst auf halber Strecke umsteigen, um nach Kathmandu zu fahren, aber da die Sitzplätze scheinbar überbelegt sind, verlässt er nach einigen hundert Metern unerwartet den Bus und wir können uns kaum verabschieden. 

Jetzt sind wir wieder allein. Ein etwas seltsames Gefühl plötzlich wieder auf sich allein gestellt zu sein. Während der Wanderung war alles organisiert und wir konnten wirklich vergessen, dass wir auf einer Weltreise sind, denn wir mussten uns um nichts anderes kümmern als pünktlich aufzustehen. 

So holpern wir im vollen Bus insgesamt gute fünf Stunden nach Pokhara und freuen uns hier für fünf Nächte in einem sehr komfortablen Hotel unterzukommen. Wir brauchen eine Pause, etwas Ruhe, um die Anstrengungen der Wanderung hinter uns zu lassen und die geschundenen Füße und Gelenke zu regenerieren.

Ein schönes Erinnerungsfoto: Lena und Jan mit Hari am Lake Pass – © reisen-ist.jetzt

Obwohl ich schon vor Beginn des Manaslu Circuit Treks wusste, dass er anstrengend sein würde, war ich überrascht, wie fordernd die Wanderung tatsächlich körperlich, aber auch mental war, sodass ich zwischendurch tatsächlich dachte, dass ich es nicht bis zum Ende durchziehen würde. 

Und doch habe ich es geschafft. Jede Grenze, die mir mein Körper und teilweise auch mein Kopf gezeigt haben, habe ich bewältigt und hinter mir gelassen. Dabei ist mir klar geworden, dass es eigentlich immer nur um das richtige Mindset geht. 

Schmerzen kann man aushalten und Mittel dagegen nehmen, aber positiv eingestellt zu sein und zu bleiben, ist eine Entscheidung, die Dich über Grenzen hinausträgt. Und das ist ein wundervolles Gefühl, das mich sehr stolz macht. Diese Wanderung hat mich persönlich wachsen lassen und mir Dinge beigebracht, die ich ganz sicher auch in anderen Lebensbereichen in der Zukunft nutzen werde.

Lena Lichterbeck

5. Juni 202

In Lenas & Jans Reiseblog „reisen-ist.jetzt – Unterwegs ist da, wo wir sind“ finden Sie noch viel mehr Fotos, Infos und Impressionen:

https://reisen-ist.jetzt

 

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