18. November 2022

„Babylon Berlin“ Staffel 4: Ein Tanz auf dem Vulkan

Die Vierte Staffel von "Babylon Berlin" ist bei Sky gelaufen. Wer sie noch nicht gesehen hat, kann sie sich am Stück "on Demand" anschauen. Free-TV-Zuschauer müssen sich noch gedulden. In der ARD ist das deutsche Prestige-Projekt, das höchste internationale Standarts erfüllt, wie Kritiker die Erfolgsserie huldigen, erst im nächsten Jahr zu sehen.

Der Wuppertaler Erfolgs-Regisseur Tom Tykwer (r.) mit den Darstellerinnen Liv Lisa Fries (l. – Charlotte Ritter) und Irene Böhm (Toni Ritter) – © Babylon Berlin SKY / ARD

Die guten Kritiken und die 14 Grimme-Preise sind für den Wuppertaler Tom Tykwer (57) und seine Kollegen Achim von Bories (54) und Hendrik Handloegten (54), die bei den 40 bisherigen Folgen Regie führten und die Drehbücher schrieben, ein Ritterschlag. 

Auch bei der 4. Staffel der Mega-Serie, deren Gesamt-Produktionslosten sich auf 40 Millionen Euro belaufen, wurde geklotzt und nicht gekleckert: 125 Drehtage, 26 Maskenbildnerinnen, 4 Ausstatterinnen und Ausstatter, 16 Set-Desserinnen und Set-Dresser. 

Sie alle schufen eine  bedrückend, düster, aber authentisch wirkende Atmosphäre der Berlin der der 20er Jahre. Der Zuschauer bekommt einen krassen Eindruck von den Lebensverhältnissen und schrillen Gegensätzen in dieser Epoche. 

Auf der einen Seite dunkle, trostlose Hinterhöfe, mit groben Holzmöbeln eingerichete, mit Funzeln beleuchtete Privat-Wohnungen, in deren Schlafzimmer Waschschüsseln und Nachtöpfe neben den Betten die wichtigsten Einrichtungsgegenstände waren. Hier lebten die Otto-Normal-Berliner.

Volker Bruch alias Gereon Rath – © Babylon Berlin SKY / ARD

Auf der anderen Seite helle Paläste mit riesigen Kronleuchtern an der Decke und die schrillen Shows in den Theatern und Varietés. Die Welt der Berliner Upper Class. Hier wurden wohl, auch die Berliner Chanson-Klassiker geboren, die auch heute noch so lebendig und beliebt sind.

„Babylon Berlin“ lehnt sich in den bisheringen 40 Episoden an Voker Kutschers Romane „Der nasse Fisch“ (Staffel 1 + 2), „Der stumme Tod“ (Staffel 3″) und „Goldstein“ (Staffel 4) an. Tykwer, von Borries und Handloegten gönnen sich aber eine Reie von dramatirgischen Freiheiten.

Wie es der Serienname schon andeutet, geht es in „Babylon Berlin“ um Kriminalität, Gewalt, Mafia-Kriege, Sex-Exzesse, Korruption, Politik, den Aufstieg der Nationalsozialisten, Macht, um unterschiedlichste Charaltäre und um menschliche Schicksale und Abgründe. Eine Gemengelage voller Zündstoff.

Jede einzelne noch so kleine Nebenrolle ist exzellent besetzt. Als Hauptdarstellerinen und Hauptdarsteller glänzen u.a. Volker Bruch als Polizeikommissar und verdeckter SA-Ermittler Gereon Rath, Liv Liva Fries als Kommissar-Anwärterin Charlotte Ritter, Irene Böhm als Charlottes Schwester Toni Ritter, Benno Fürmann als Regierungsrat Wendt, Lars Eidinger als Unternehmersohn Alfred Nyssen oder auch Hanno Koffler als SA-Anführer Walther Stennes.

Liv Lisa Fries alias Charlotte Ritter – © Babylon Berlin SKY / ARD

In weiteren Rollen sind Meret Becker (als Sängerin Esther Kasabian), Christian Friedel (Reinhold Graf), Fritzi Haberlandt (Elisabeth Behnke), Karl Markovics (Samuel Kadelbach), Jördis Triebel (Dr. Völcker), Martin Wuttke (Heymann) und Hannah Herzsprung (Helga Rath) zu sehen.

Sehr überzeugend kommen auch Charakterkopf Hans-Martin Stier als preussischer Innenminister Albefr Grzesinski und Godehard Giese als korrupter Polizeikommissar Wilhelm Böhm rüber. Beide hatten auch 2013 in dem Wuppertaler Kino-Krimi „King Ping“ (Regie: Claude Giffel – Poduktion: Christoph Schmidt & Dirk Michael Häger) mitgespielt. 

Keine Frage,  auch die vierte Staffel von „Babylon Berlin“ setzt sich eindruckvoll vom bekannten Serien-Einheitsbrei ab und liefert herausragende Regie-, Kamera- und Schauspielarbeit. Knisternde Spannung in einer mitreißenden, aufwühlenden  Atmosphäre. Oder – wie es ein Kritiker so treffend formuliert“: 730 Minuten lang ein „Tanz auf dem Vulkan“.

Die 5. Staffel der Erfolsserie „Babylon Berlin“ ist bei den Machern garantiert im Kopf schon in Arbeit.

Text: Peter Pionke

 

Das Blu-ray-Cover der 3. Staffel von „Babylon Berlin“ – © LEONINE / WDR / SKY

Über Tom Tykwer

Tom Tykwer wurde am 23.05.1965 in Wuppertal geboren. Als 13jähriger arbeitete er bereits Filmvorführer. 1992 gründete er mit dem Produzenten Stefan Arndt die Firma „Liebesfilm“ und inszenierte zunächst als Regisseur zwei Kurzfilme.

Bereits seine ersten beiden Kinofilme „Die tödliche Maria“ (1993) und „Winterschläfer“ (1997) waren Achtungserfolge. Mit „Lola rennt“ (Hauptrollen Franka Potente – Moritz Bleibtreu) gelang ihm 1998 der große Durchbruch. 

Weitere große Erfolge: „Der Krieger und die Kaiserin“ (u.a. mit Franka Potente & Benno Fürmann – 2000) – „Heaven“ (u.a. mit Cate Blanchett & Giovanni Ribisi – 2002) – „Das Parfüm“ (u.a. mit Dustin Hoffman & Alan Rickman – 2006) – „The International“ (u.a. mit Clive Owen & Naomi Watts – 2009) – „Cloud Atlas“ (u.a. mit Tom Hanks & Halle Berry – 2012) – „Ein Hologramm für einen König“ (u.a. mit Tom Hanks & Ben Whishaw – 2016). Seit 2017 Regisseur und Drehbuchautor der Erfolgsserie „Babylon Berlin“.

Tom Tykwer war mehrere Jahre mit der Schauspielerin Frank Potente liiert. Seit 2009 ist er mit der Filmproduzentin Marie Steinmann verheiratet und hat mit ihr zwei Kinder.

Der in Wuppertal geborene Erfolgs-Regisseur Tom Tykwer – © Babylon Berlin SKY / ARD

Über Achim von Borries

Achim von Borries wurde am 13.11.1968 in München geboren.

Bekannt wurde er u.a. als Regisseur des Kinofilms „Was nützt die Liebe in Gedanken“ (2014) mit Daniel Brühl und Anna Maria Mühe. Der gefragte Regisseur und Drehbuchautor (u.a. „Jeder stibt für sich allein“ – 2016) inzenierte auch in Krimi-ARD-Reihe „Tatort“ die Folgen „Wie einst Lilly“ mit Ulrich Tukur (2010) und „Eskimo“ mit Joachim Król (2014). Seit 2017 Regisseur und Drehbuchautor der Erfolgsserie „Babylon Berlin“.

Über Hendrik Handloegten

Hendrik Handloegten wurde am 13.08.1968 in Celle geboren. 

Der Regissseur inszenierte u.a. den Spielfilm „Fenster zum Sommer“ (2011) mit Nina Hoss, Mark Wachke, Fritzi Haberlandt und Lars Eidinger sowie die ARD-Taort-Folgen „Pechmarie“ (2006) mit Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär sowie „Der tote Chinese“ (2008) mit Andrea Sawatzki und Jörg Schüttauf. Außerdem führte er Regie bei mehreren Folgen der ARD-Serie „Polizeiruf 110“. Seit 2017 Regisseur und Drehbuchautor der Erfolgsserie „Babylon Berlin“.

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