19. Mai 2026

Ibizas Kultlokal Bar Anita überlebt Besitzerin Ana Torres

Sie ist fast so berühmt wie der magische Felsen „Es Vedra“, das Wahrzeichen von Ibiza. Die Rede ist von der „Bar Anita“ (offiziell „Ca n’Anneta“) in Sant Carles. Sie gilt als eines der ältesten Lokale auf der schönen Sonneninsel, wenn nicht sogar das älteste überhaupt. 

Die Außenansicht des Kult-Lokals „Bar Anita“ in Sant Carles auf der Balearen-Insel Ibiza – eines der ältesten Lokale auf dem Eiland – © IH

Die traditionsreiche „Bar“ und der Name Ana Mari Torres sind untrennbar verbunden. Doch jetzt ist die Gastronomie-Legende – wie das renommierte Hochglanz-Insel-Magazin „IbizaHEUTE“ berichtet – im Alter von 100 Jahren verstorben. Eine ganze Insel trauert!.

Damit verliert San Carles, der kleine Ort im Nordosten der Insel, eine seiner prägendsten Persönlichkeiten. Es gibt keinen gedruckten Reiseführer, keine Film-Doku über Ibiza, ohne einen speziellen Hinweis auf die „Bar Anita“ als absoluten Geheimtipp. 

Die Ursprünge reichen nach Angaben der Familie rund 150 Jahre zurück. Damals soll José Noguera, ein Vorfahr der Familie, ein Grundstück neben der Kirche von Sant Carles gekauft und dort ein Haus mit Lebensmittelgeschäft, Bar und Tabakladen errichtet haben. Das Geschäft trug zunächst den Namen Sa Botiga de Can Pep Benet.

Alleinerziehende Mutter und Unternehmerin

1942 übernahmen dann Ana Marí Torres und ihr Ehemann Bartolomé Noguera den Gastronomie-Betrieb. „Die Bar haben mein Mann und ich eröffnet, als wir geheiratet haben“, erinnerte sich Ana Mari Torres später in einem Interview. Das Lokal war damals bereits Treffpunkt des Dorfes – und das sollte sich über Jahrzehnte nicht ändern.

Die Geschichte der Familie wurde durch die Franco-Diktatur und deren politischen Folgen nachhaltig beeinflusst. Anfang der 1950er-Jahre – wie „IbizaHEUTE-Chefredakteur Dieter Abholte weiß – musste Bartolomé Noguera, der Ehemann von Ana Marí Torres, wegen seiner politischen Überzeugung flüchten und in Frankreich ins Exil gehen. Die Gastronomin blieb furchtlos mit ihren drei kleinen Kindern auf der Insel und führte die „Bar Anita“ mit Hilfe ihrer Mutter alleine weiter. 

Die berühmten Postfächer oder Briefkästen, in denen die Post der Inselbewohner früher zentral gelagert wurde, bis sie diese schließlich abholten – © Bar Anita

Ihre Urenkelin Paula beschrieb ihre Urgroßmutter Ana Marí Torres als „sehr mutig“. Sie sei eine sehr starke Frau gewesen, die nicht nur als Wirtin und Ladenbesitzerin hart arbeitete, sondern auch als eine Art Gemeindeschwester dort aushalf, wo Hilfe dringend notwendig war. 

Denn in Sant Carles gab es damals so gut wie keine medizinische Versorgung. Ana Mari Torres verabreichte Injektionen und machte sogar mit dem Fahrrad Hausbesuche. „Es gibt kein Haus im Dorf, in dem ich nicht schon einmal eine Spritze gesetzt habe“, erzählte Ana Mari Torres später schmunzelnd. 

Die „Hippies“ wuchsen ihr ans Herz

International bekannt wurde das Lokal in den 1960er- und 1970er-Jahren, als Ibiza zum Hotspot für Künstler, Aussteiger und Hippies wurde. Besonders junge Amerikaner, die nicht für den Kriegseinsatz in Vietnam vom Militär eingezogen werden wollten, flüchteten auf die Mittelmeer-Insel. Die „Bar Anita“ wurde mehr und mehr zu einem sozialen Zentrum der Künstler- und Aussteiger-Szene. 

Im Dorf Sant Carles gab es die einzige öffentliche Telefonzelle, außerdem wurden Briefe und Pakete im Lokal ausgegeben. Darin erinnern heute noch die vielen kleinen Briefkästen an den Wänden. Hier holten die Inselbewohner regelmässig ihre Post ab – natürlich nicht, ohne bei der Gelegenheit auch einen Drink zu nehmen, eine Trasse Kaffee zu trinken oder ein Brot mit Iberico-Schinken zu geniessen. Eine Win:Win-Situation wie aus dem Bilderbuch. 

„Es waren übrigens die Hippies, die das Lokal auf den Namen ‚Bar Anita‘ tauften“, verrät die Urenkelin. Der Spitzname setzte sich schnell durch und machte die Bar weit über Ibiza hinaus berühmt. Ana Marí Torres erinnerte sich später mit viel Melancholie an diese Zeit. „Viele hielten sie für schlechte Menschen, aber ich weiß, dass das nicht stimmte. Sie waren freundlich, höflich und viele hatten studiert“, sagte Ana Mari Torres über die „Hippies“, die damals von vielen abfällig „Peluts“ genannt wurden, das ist katalanisch und bedeutet soviel wie „behaart“. 

Der Außenbereich der berühmten Kult-Kneipe auf der Sonneninsel Ibiza. Heute noch genauso beliebt wie damals – © IH

In den folgenden Jahrzehnten führten zunächst ihr Sohn Néstor und später weitere Familienmitglieder den Betrieb weiter. Zugleich blieb das Lokal seinem traditionellen Charakter treu. Bekannt wurde es unter anderem für die hausgemachten Kräuterliköre, die Hierbas de Ca n’Anneta, sowie für typische ibizenkische Spezialitäten wie „Flaó“ (Käsekuchen).

Die Familie macht weiter

Das Restaurant erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Ramon-Llull-Preis der Balearenregierung sowie Ehrungen der Gastronomie-Akademie von Ibiza und Formentera. 2021 würdigte schließlich auch die Gemeinde Santa Eulària die Familie für ihre jahrzehntelange unternehmerische Tradition.

Trotz des internationalen Ruhms blieb Ana Marí Torres für viele vor allem Anita oder Mamá Anneta – eine Frau, die aus dem Dorfleben von Sant Carles über Jahrzehnte nicht wegzudenken war. Ihre Enkelin Ana Maria Noguera hatte erst vor wenigen Jahren klargestellt, die Familie wolle das Lokal auch in Zukunft weiterführen: „Unsere Absicht ist es, weiterzumachen.“ Und das ist ganz sicher auch im Sinne von Ana Mari Torres. Sie wird in der Erinnerung vieler Ibizenker oder Urlauber, die sie in ihrer freundlichen Art als Gäste bedient hat, weiterleben. Davon ist auch Dieter Abholte, Chefredakteur des Insel-Magazin „IbizaHEUTE“, felsenfest überzeugt. (IH/PP)

Die neueste Printausgabe des Hochglanz-Insel-Magazins „IbizaHEUTE“ – © IbizaHEUTE

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