9. Mai 2026

Bergische Löwen ‚krallen‘ sich in Minden einen Punkt

Zweieinhalb Minuten vor Schluss lag der Bergische HC bei GWD Minden mit 26:28 hinten. Doch mit dem Rücken zur Wand kamen die Gäste im für den Abstiegskampf so wichtigen Duell wiederzurück und stibitzten bei einem direkten Konkurrenten doch noch einen Punkt. 

Aron Seesing war mit sieben Treffern bester BHC-Werfer beim wichtigen 28:28 in Minden – © Archivfoto Jochen Classen

Drei Spieltage vor Schluss wahren die Löwen damit nicht nur drei Punkte Abstand zu Minden, sondern auch zu den Abstiegsrängen. Extrem ausgeglichen ging es in der ersten Halbzeit zu. Die Gäste gingen zwar 8:5 in Führung, gaben diese aber in Unterzahl wieder aus der Hand, so dass sich bis zur Pause ein offener Schlagabtausch entwickelte. 

Aron Seesing traf vom Kreis extrem gut, allerdings verloren die Bergischen den Ball auch einige Male, was Minden erfolgreich ausnutzte. Im Tempospiel überzeugten die Gastgeber, die dann auch mehrere Male mit einem Tor vorlegten. In die Kabinen ging es mit einem leistungsgerechten 16:16. 

Danach hatten die Löwen eine lange Phase ohne eigenes Tor. Johannes Wasielewski und Sören Steinhaus stellten mit ihren Treffern noch auf 18:17, im Anschluss gelang acht Minuten kein zählbarer Erfolg. Angesichts dieser Tatsache durften die Bergischen zufrieden sein, dass sie nur mit 18:20 ins Hintertreffen gerieten.Grund dafür war eine starke Verteidigung in Kombination mit Torhüter Christopher Rudeck, der dem den in dieser Phase über sich hinauswachsenden GWD-Keeper Tibor Ivanisevic Paroli bot.

Duell von Defensive geprägt

Seesing verkürzte auf 19:20, und in der Folge trafen die Gäste wieder etwas zuverlässiger. Das Duell entwickelte sich zusehends zu einem von der Defensive geprägten Duell. Immer wieder gelang es dem BHC, die Mindener ins passive Spiel zu drängen – oft aber gelang das Tor trotzdem.

Der BHC legte kein einziges Mal in der Begegnung mehr vor, ließ sich aber auch nicht abhängen. Sören Steinhaus traf zum ersten Ausgleich in der 47. Minute (22:22). Danach blieb mehrere Male Ivanisevic Sieger. Die neuerlichen GWD-Vorsprünge beantworteten Noah Beyer, Seesing sowie  Wasielewski. Der BHC bewies in dieser aufreibenden Phase mehrfach Nervenstärke. 

Auch auf Sören Steinhaus war in Minden wieder Verlass: Er konnte fünf Tore erzielen – © Archivfoto Jochen Classen

Er machte zwar Fehler und kassierte einen Treffer ins leere Tor, weil ein Angriff mit dem siebten Feldspieler scheiterte, doch die Mannschaft erholte sich immer wieder. So auch nach einem Lattentreffer von Seesing, der damit das 26:26 hauchdünn verpasste, und dem 27:25 für GWD durch Daniel Astrup. 

Julian Fuchs verkürzte nach schneller Mitte, aber er fasste sich ans Bein und zeigte sofort an, dass er ausgewechselt werden musste. Kim Voss-Fels sprang auf der Rechtsaußen-Position ein. Als Philipp Vorlicek die Hausherren wieder mit zwei Toren in Front brachte, glaubten die Zuschauer in der Kampa-Halle wohl an einen Sieg.

Sören Steinhaus erzielte zwei Minuten vor dem Ende das 27:28. Die Abwehr musste nun liefern. Minden erkämpfte sich einen Siebenmeter, den Florian Kranzmann nahm – er traf den Pfosten und bescherte den Löwen sowie seinen mitgereisten Fans neue Hoffnung. Der BHC spielte über Voss-Fels aus, und der behielt 53 Sekunden vor dem Ende die Nerven, obwohl er eigentlich gar nicht auf der Außenbahn zu Hause ist. Den letzten GWD-Angriff verteidigte der BHC mit aller Leidenschaft weg. Sogar noch einen hektischen Konter hatten die Gäste auf den finalen Metern. Der Ball landete im Seiten-Aus, das Spiel ging 28:28 zu Ende.

Stimmen zum Spiel

Markus Pütz: „Ein Unentschieden, was sicherlich in Ordnung geht, alleine wenn man schaut wie eng das Spiel über die 60 Minuten ist. Sicherlich hätten beide Seiten gerne einen Sieg mitgenommen. Es war hart umkämpft und sicherlich kein schönes Spiel. Wir kommen eigentlich besser rein. Nach dem 11:11 wechselt dann die Führung immer mit einem Tor hin und her auf Unentschieden. Ähnlich ist es dann in der zweiten Halbzeit und wir verzocken uns dann fast mit dem 7 gegen 6, weil wir den Ball wegwerfen und nicht in Führung gehen, sondern Minden wieder in Führung geht. Ansonsten aber ein aufopferungsvoller Kampf. Minden macht das gut in der Deckung, wie sie unsere Kreisläuferkooperation wegnehmen. Da sind wir etwas zu statisch und uns fehlt die Breite. Hinten haben wir GWD sieben bis acht Mal im Zeitspiel und der Ball geht dann doch noch rein, was etwas ärgerlich ist. Es ist jetzt ein Unentschieden, was beiden Seiten nur bedingt hilft, aber in Summe ist es das faire Ergebnis.“

Aaron Ziercke: „Ja, eigentlich ist alles gesagt zu einem Spiel, in dem sich beide Mannschaften arg bekämpft haben und mit maximalem Einsatz gespielt haben. Ich glaube wir haben in der ersten Halbzeit gut verteidigt und es über das ganze Spiel ganz gut hinbekommen. Wir haben über die Defensive viele Bälle gewonnen, was wichtig war. Das Spiel bleibt die ganze Zeit knapp und wir bekommen es dann hin die Halle ein wenig anzuzünden und kommen gegen Ende des Spiels etwas weg. Aber dann liegen Glück und Pech oft nah beieinander. Ich glaube, wenn der Siebenmeter nicht vom Innenpfosten rausgeht, sondern rein, dann geht das Spiel vielleicht anders aus. Andersrum, wenn Wasielewski den Pass noch gespielt bekommt im Gegenzug, dann können wir auch noch mit ganz leeren Händen dastehen. Ich glaube der BHC kann mit dem Punkt ein wenig besser leben als wir, aber wir müssen uns nicht verstecken. Die Jungs haben in den letzten Spielen alles gezeigt und wir werden in den verbleibenden drei Spielen alles reinhauen und im Juni sehen, was der Punkt heute vielleicht wert war, oder nicht.“

Das BHC-„Dreigestirn“ war mit dem Punkt am Ende sehr zufrieden: (v.l.) Trainer Arnor Thor Gunnarsson, Trainer Markus Pütz und Sportdirektor Fabian Gutbrod – © Archivfoto Jochen Classen

Fabian Gutbrod: „Das ist zu 100 Prozent ein gewonnener Punkt für uns. GWD Minden hat es sehr gut, sehr geduldig gegen uns gemacht und trotz Zeitspiel immer wieder gute Lösungen gefunden. In der zweiten Halbzeit war gefühlt jede Minute wichtig. Im Vergleich zum Wetzlar-Spiel machen wir es gut, indem wir in unserer schlechten Phase Minden nicht mehr als zwei Tore Vorsprung erlauben. Dass wir am Ende mit einem Punkt nach Hause fahren, ist schon auch glücklich. Dass Kim Voss-Fels als ungelernter Außen ein so wichtiges Tor macht, freut mich für uns und ihn.“

GWD Minden – Bergischer HC – 28:28 (16:16)

GWD Minden: Semisch, Ivanisevic – Pedersen (4), Kranzmann (3/1), Antanavicius (1), Jensen (2), Korte (3/1), Weber (7), Sterba (2), Sajenev, Vorlicek (5), Heitkamp, Staar, Donker, Weck (1). Trainer: Aaron Ziercke

Bergischer HC: Rudeck, Diedrich – Beyer (3/2), Becher, Steinhaus (5), Hangstein, Morante Maldonado (1), Babak (1), Babarskas, Seesing (7), Kooij, Thiele, Wasielewski (5), Voss-Fels (3), Fuchs (3), Püttmann. Trainer: Arnor Gunnarsson und Markus Pütz

Schiedsrichter: Robert Schulze und Tobias Tönnies

Siebenmeter: 2/4 – 2/3

Zeitstrafen: 0 – 2 (Kooij, Wasielewski)

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