8. Mai 2026

Derya Altunok: Darum trat ich aus der CDU aus

Bei Wuppertals Christdemokraten hängt augenscheinlich der Segen schief! Der Parteiaustritt von Derya Altunok (36), der ehemaligen stellv. CDU-Kreisvorsitzenden und Kreisvorsitzenden der „Frauen Union“, hallt nach wie ein Paukenschlag. Die Enttäuschung über vermeintliche innerparteiliche Querelen und Machtkämpfe kann man aus ihrem Statement herauslesen (siehe unten).

Die engagierte Politikerin Derya Altunok ist jetzt aus der CDU ausgetreten – © CDU Wuppertal

Die Tatsache, dass sie als designierte CDU-Kandidatin für ein Bundestagsmandat kurz vor der vergangenen Bundestagswahl mehr oder weniger „ausgebootet“ und durch Thomas Haldenwang ersetzt wurde, hatte sie noch als überzeugte Demokratin hingenommen.

Dabei waren nicht wenige der Meinung, dass Derya Altunok als junge, engagierte und sympathische Politikerin mit Migrationshintergrund – im Grunde ein Musterbeispiel gelungener Integration – als Gegenkandidatin des umtriebigen „SPD-Platzhirsches“ Helge Lindh (49), immerhin seit 2017 Bundestagsabgeordneter, wesentlich größere Chancen im Kampf um den Bundestagssitz im Wahlkreis Wuppertal 1 gehabt hätte, als der pensionierte Ex-Verfassungsschutzpräsident.

Derya Altunok ist übrigens nicht die erste bekannte Politikerin, die der Wuppertaler CDU den Rücken gekehrt hat. Auch Rosemarie Gundelbacher, langjährige Mitarbeiterin des CDU-Politikers und Ex-Bundestagsvizepräsidenten Peter Hintze († 26.11.2016), ehemalige Stadtverordnete und Vorsitzende des Seniorenbeirats, hat die Partei nach 40 Jahren Mitgliedschaft und großem Engagement verlassen.

Zeitgleich kehrte auch der in Wuppertal sehr bekannte und angesehene Gastronom Lutz Schmand der CDU den Rücken. Er war fast 50 Jahre Mitglied der Partei. Rosemarie Gundelbacher und Lutz Schmand begründeten ihren Austritt ebenfalls mit Enttäuschung über die aus ihrer Sicht negativen parteiinternen Entwicklungen und vermeintlichen Querelen.

Rosemarie Gundelbacher mit ukrainischen Flüchtlings-Kindern, die in Wuppertal aufgenommen und betreut wurden – © Stand with UA

Hier das Statement von Derya Altunok im Wortlaut:

„Da öffentlich inzwischen der Eindruck entstanden ist, mein Parteiaustritt stünde im Zusammenhang mit beruflichen Veränderungen oder mangelnder Zeit, möchte ich hierzu ausdrücklich Klarheit schaffen:  Meine berufliche Entwicklung war zu keinem Zeitpunkt der Grund für meinen Austritt aus der CDU Wuppertal.

Politik war für mich schon von zuhause aus ein prägender Bestandteil des Lebens und wird es immer bleiben. Gerade deshalb habe ich mich mit voller Überzeugung engagiert. Nicht oberflächlich, nicht aus Eigeninteresse und nicht für Titel, sondern weil ich davon überzeugt bin, dass politische Arbeit Verantwortung bedeutet.

Wer mein ursprüngliches Statement aufmerksam liest, erkennt auch, dass ich nie von fehlender Motivation gesprochen habe. Das Gegenteil ist der Fall. Ich habe mein Leben bewusst so organisiert, dass politisches Engagement jederzeit möglich war. Mein Austritt ist daher keine Frage fehlender Belastbarkeit oder mangelnder Zeit, sondern eine bewusste Entscheidung aus Haltung.

Ich bin mit dem Anspruch in die CDU Wuppertal eingetreten, Politik mitzugestalten, Menschen zu erreichen und insbesondere jungen Menschen sowie Menschen mit Migrationsgeschichte zu zeigen, dass politische Teilhabe möglich ist – Unabhängig von der Religion oder Herkunft. Genau deshalb wiegt es umso schwerer, wenn man intern nicht an Inhalten arbeitet, sondern gegen Personen.

Über einen langen Zeitraum habe ich erlebt, wie innerhalb der eigenen Reihen nicht miteinander, sondern gezielt gegeneinander gearbeitet wurde. Veranstaltungen wurden bewusst nicht unterstützt, Engagement wurde belächelt, persönliche Gespräche wurden durch Hinterzimmergespräche ersetzt und statt offenem Austausch entstand ein Klima aus Intrigen, persönlichen Machtspielen und gezielter Ausgrenzung.

Mit Derya Altunok verliess ein junges, engagiertes Politik-Talent die CDU Wuppertal – © privat

Besonders irritierend finde ich deshalb die nun öffentlich geäußerten Bedauernsbekundungen einzelner Funktionsträgerinnen. Denn wer ernsthaft bedauert, sucht das Gespräch und zeigt Haltung im direkten Umgang — nicht erst öffentlich im Nachhinein.

Ich hätte insbesondere von Personen in Führungsfunktionen mehr Größe erwartet. Und ich bin mit dieser Wahrnehmung offensichtlich nicht allein. Dass inzwischen selbst langjährige Parteimitglieder nach Jahrzehnten die CDU Wuppertal verlassen oder ernsthaft über einen Austritt nachdenken, spricht für sich. Auch mich haben im Vorfeld meines Austritts zahlreiche Parteikolleginnen und Parteikollegen kontaktiert und ihre Enttäuschung über die internen Entwicklungen deutlich gemacht.

Politik funktioniert nicht über Selbstdarstellung, Lagerdenken oder persönliche Kämpfe. Politik funktioniert nur dort, wo Menschen trotz unterschiedlicher Meinungen respektvoll miteinander umgehen und gemeinsam Verantwortung übernehmen wollen. Wenn innerhalb der eigenen Reihen jedoch dauerhaft gegeneinander gearbeitet wird, zerstört man genau das Fundament, auf dem politische Arbeit eigentlich stehen sollte.

Genau darum ging es in meinem Statement. Um Werte. Um Haltung. Und um die Frage, ob Anspruch und Realität noch miteinander vereinbar sind.

Welchen politischen oder gesellschaftlichen Weg ich künftig gehen werde, lasse ich bewusst offen. Mein Interesse an Politik endet jedoch nicht mit diesem Parteiaustritt.“

Derya Altunok

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