21. April 2026Peter Pionke
Axel Jütz: Sparkassen auch in 200 Jahren wichtig
Axel Jütz, erfolgreicher Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Wuppertal, die ihre Wurzeln in der am 05. Januar 1822 in Elberfeld gegründeten Sparkasse hat – über 100 Jahre vor der offiziellen Gründung der Stadt Wuppertal (01.08.1029) – © Sparkasse WuppertalWir haben Zukunftsfragen des Geldinstitutes exemplarisch mit Axel Jütz, dem Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Wuppertal, und Pressesprecher Florian Baumhove erörtert: Die erste Sparkasse wurde 1778 in Hamburg gegründet, die erste Sparkasse in Elberfeld 1822. Diese Einrichtungen hatten das Ziel, die Ersparnisse der Menschen und die finanzielle Eigenverantwortung zu fördern; eine Reaktion insbesondere auf die Bedürfnisse der ärmeren Schichten und des Handwerks. Das Sparbuch galt in Deutschland lange als Klassiker unter den Geldanlage-Formen. Es steht für Sicherheit, Tradition und Verlässlichkeit. Aber gilt das heute noch?
DS: In Zeiten von Niedrigzinsen und digitalen Alternativen stellt sich die Frage: Wie entwickelt sich das Geschäftsmodell der Sparkassen, und ist es insgesamt noch zeitgemäß?
Axel Jütz: „Die Sparkassen sind heute wichtiger denn je. Wir erleben da eine traurige Renaissance, nämlich Menschen, die sich damals wie heute um ihre Zukunft sorgen, ohne die Möglichkeit zu haben, eigenständige Lösungen zu entwickeln. Inzwischen sprechen wir bezogen auf unsere Aufgaben von einem Dreiklang: Zu unserer DNA gehören sowohl das Soziale und die Ökonomie als auch die Ökologie. Bei der Kreditvergabe sind unsere Anlageberater gehalten, die Kunden nach deren Risikomanagement sowie ihren Nachhaltigkeits-Präferenzen bei Wertpapiergeschäften zu fragen. Nachhaltigkeit ist aus gutem Grund für alle verpflichtend. Uns gibt es seit 200 Jahren, und ich denke, die Menschen werden die Sparkassen auch noch in 200 Jahren wertschätzen.“
DS: Seit der Finanzkrise 2008 gibt es in der EU die Idee eines stabilen, einheitlichen europäischen Banken-Marktes. Dazu gehören gleiche Regeln für alle Banken und weniger nationale Sonderwege mit stärkerer Aufsicht auf EU-Ebene. Die EU denkt systemisch, Sparkassen denken lokal. Richtig?
Axel Jütz: „Das stimmt, aber das Thema dreht sich. Auch seitens der EU ist das Verständnis dafür gewachsen, dass unser Modell Stabilität und Systemsicherheit bringt. Die Sparkassen als Ganzes haben mit ihren mehr als 280.000 Beschäftigten und ihrer größten europäischen Bilanzsumme Gewicht. Nicht alles läuft nach unseren Wünschen, aber es ist ein Dialog entstanden. In der deutschen Politik besteht dafür meiner Ansicht nach dieses Bewusstsein längst. Zeitgleich sehe ich eine Herausforderung darin, die deutschen Interessen in Brüssel noch besser wahrzunehmen. Was uns indessen alle eint, ist der herausfordernde Umgang mit immer mehr bürokratischen Prozessen, die die Brüsseler Politik mit sich bringt.“
Ein sehr markanter Gebäudekomplex: Die Hauptstelle der Sparkasse Wuppertal am Islandufer – © Sparkasse WuppertalDS: Das Thema Sicherheit in Geldinstituten ist nicht erst seit Gelsenkirchen evident, Sprengungen von Geldautomaten und Cyber-Angriffe haben schon häufiger Schlagzeilen gemacht. Wie erleben Sie das Kapitel Sicherheit?
Florian Baumhove: „Alle unsere Sicherheitsvorkehrungen, ob Geldautomaten, Safes oder technische Infrastruktur, sind auf dem aktuellen Stand und werden regelmäßig überprüft. Dabei setzen wir auf ein strategisches Zusammenspiel von Maßnahmen, um es potenziellen Kriminellen maximal schwer zu machen. Der Vorfall in Gelsenkirchen ist absolut außergewöhnlich und sehr belastend für alle Beteiligten. Zeitgleich zeigt er, wie wichtig es ist, alle verfügbaren Möglichkeiten auszuschöpfen, um maximale Sicherheit zu gewährleisten. Wir investieren permanent in dieses Thema.“
DS: In Deutschland wurde den Sparkassen eine Sonderrolle zugewiesen. Sie handeln auf Grundlage eines öffentlichen Auftrags. Dieser verpflichtet sie zur Förderung des Gemeinwohls und zur Sicherstellung einer flächendeckenden Finanzversorgung, wovon der Mittelstand enorm profitiert. Gewinnorientierung steht nicht im Vordergrund, vielmehr sollen wirtschaftliche Stabilität und regionale Entwicklung unterstützt werden. Was machen Sie mit ihrem Unternehmens-Gewinn?
Axel Jütz: „Als Anstalt des öffentlichen Rechts gilt für uns als Erstes, Rücklagen zu bilden und das Eigenkapital zu stärken, um überhaupt Kreditgeschäfte machen zu können und auch in Krisenfällen Stabilität zu haben. Zudem engagieren wir uns in hohem Maß für die Gemeinschaft in Wuppertal und unterstützen zahlreiche Projekte aus den Bereichen Bildung, Kultur, Soziales, Sport und Umwelt. Im vergangenen Jahr haben wir den Menschen in Wuppertal über Spenden, Sponsoring und die Plattform WirWunder wieder rund fünf Millionen Euro zurückgegeben. Darüber hinaus schütten wir Geld an die Kommune aus. Über die Höhe entscheidet unser Verwaltungsrat. Unser Jahresüberschuss für 2025 betrug 12,7 Mio. €, davon erhielt auch die Kommune einen Anteil.“
DS: Die Eingangsfrage galt der Zukunftsperspektive der Sparkassen. Wo sehen Sie wesentliche Aspekte?
Axel Jütz: „Hier sehe ich drastische Veränderungen. Als großes Unternehmen in Wuppertal sind auch wir ein Spiegel der gesellschaftlichen Entwicklungen. Um dem demografischen Wandel zu begegnen, braucht es passende Konzepte. In den nächsten zehn Jahren verlassen uns rentenbedingt 30 bis 35 v. H. unserer Mitarbeiter. Die kommenden geburtenschwachen Jahrgänge müssen wir anders abholen. Als Vater zweier Kinder im Alter von 22 und 25 Jahren weiß ich, wie diese Generation tickt: Sinngebung, Sicherheit und soziales Miteinander stehen im Vordergrund. Ein weiteres Thema ist der technologische Fortschritt. Dazu gehört unter anderem, noch einfachere Prozesse und Bedingungen für Kunden zu entwickeln. Auf diesen Wandel müssen sich Arbeitgeber einstellen.“
Der dreiköpfige Vorstand der Sparkasse Wuppertal: (v.l.) Holger Iborg (stv. Vorstandsmitglied), Axel Jütz (Vorstandsvorsitzender) und Patrick Hahne (Vorstandsmitglied) – © Spitzlicht /Sparkasse WuppertalDS: Es gibt in Deutschland aktuell 342 Sparkassen. Die Wuppertaler SK gehört zu den 50 größten Sparkassen Deutschlands und nimmt aktuell Rang 34 ein. In Wirtschaft und Verwaltungen wird in schwierigen Zeiten oft die Forderungen nach Konzentrationen und Fusionen laut. Ist eine Fusion auch bei Ihnen eine Thema? Das Bergische Land würde sich da doch geradezu anbieten.
Axel Jütz: „Eine Fusion ist für uns kein Thema. Sowas kostet extrem viel Kraft, die man nur aufgrund einer sehr schwierigen Lage bereit wäre, aufzubringen. Wir beziehen unsere Stärke gerade aus unserer Identität mit Wuppertal und unserer Regionalität – nichtsdestotrotz verstehen uns sehr gut mit unseren Kollegen der benachbarten Sparkassen.“
DS: Relativ neu in der Finanz-Welt sind sogenannte „FinTech-Unternehmen“, die traditionelle Geldinstitute mit moderner Software und digitale Technologien herausfordern. Während die Bank alles macht, picken sich viele „FinTechs“ ein Problem heraus und lösen es nutzerfreundlich, schnell und kosteneffizient. Als Beispiel steht die Bezahlung mittels Handy. Wie erleben Sie diese Entwicklung mit
„FinTech“?
Axel Jütz: „Im technologischen Bereich tut sich sehr viel. Damit geht zum Beispiel einher, dass Prozesse vielfach deutlich einfacher und schneller werden. Da treten wir durchaus mit anderen Unternehmen in den Wettbewerb – aber das macht uns nur besser, zumal wir mit der Kraft der gesamten Sparkassen-Finanzgruppe auftreten können. Unsere Herausforderung ist es, dies unseren Kunden immer wieder zu beweisen.“
DS: Die Zinspolitik aller Sparkassen, auch die der SSK Wuppertal, hat traditionell nicht das höchste Niveau. Woran liegt das und wie sehen Sie das?
Florian Baumhove: „Das sollte man differenziert betrachten. In der Tat gibt es immer besondere Konditionen von Banken für neue Kunden oder Neukapital. Solche Lockangebote wirken oft kurzfristig attraktiv. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass sie zeitlich befristet sind und die Zinsen nach wenigen Monaten wieder auf Normal-Niveau landen. Das ist nicht unsere Politik. Wir achten zum Beispiel beim Tagesgeld stets darauf, im oberen Rankingbereich marktgerecht und fair zu sein. Darüber hinaus punkten wir dank erstklassiger Beratungen im gesamten Finanz-Spektrum mit entsprechenden Lösungen.“
Die Sparkasse an der Rathausstraße. 15 in Cronenberg, eine von 34 Filialen in Wuppertal – © Sparkasse WuppertalDS: Deutschland gilt weiterhin als „Bargeldland“: Über die Hälfte aller Transaktionen im Einzelhandel werden noch bar abgewickelt, und Bargeld wird als krisensicher, anonym und unabhängig von digitalen Systemen geschätzt. Zwei der Hauptgründe sind der Datenschutz und die Anonymität. Wie sehen Sie bei der Wuppertaler Sparkasse das Thema Bargeld?
Florian Baumhove: „Wir bilden stets den Kundenbedarf ab, merken aber, dass unser dichtes Geldautomaten-Netz zunehmend weniger genutzt wird. Irgendwann steht die Wirtschaftlichkeit in Frage; auch wenn wir nachvollziehen können, dass ein Geldschein von den Großeltern dem Enkel weit mehr bedeutet als etwa eine Überweisung per QR-Code. Die Bundesbank bezeichnet Bargeld noch als ‚gelebte Freiheit‘. Zeitgleich erwägen die Verantwortlichen die sukzessive Abschaffung mindestens des Kleingeldes.“
DS: Was verbindet Sie mit Wuppertal?
Axel Jütz: „Ich lebe seit fast 60 Jahren in Wuppertal und liebe meine Stadt. Da reicht die Zeit nicht aus, alles zu benennen. Da ist vor allem die Natur – die vielen tollen Wälder und Parkanlagen inklusive unserem Grünen Zoo. Da ist aber auch die Kulturvielfalt, und da ist der Sport. Ich bin seit 45 Jahren Mitglied im ASV Wuppertal, die Nordbahntrasse ist eines unser Aushängeschilder. Ich muss nicht weit fahren, um etwas zu erleben; die Stadt bietet so viel. Perspektivisch freue ich mich auf die BUGA und das Pina Bausch Zentrum. Beides wird uns als Stadt bereichern.“
DS: Wir danken für das offene und sehr interessante Gespräch.
Das Interview führte SIEGFRIED JÄHNE
Link zur Webseite der Sparkasse Wuppertal:
http://www.sparkasse-wuppertal.de
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