20. April 2026

Auch Gesundheitstraining hat einen Spaß-Faktor

„Wer nicht jeden Tag Zeit für seine Gesundheit aufbringt, wird irgendwann sehr viel Zeit für seine Krankheit opfern müssen.“ Dieser weise Satz stammt von Sebastian Anton Kneipp (17.05.1821 - 17.06.1897), katholischer Priester und Gesundheitspapst. Wie treffend die Weisheit des Erfinders der berühmten Kneipp-Kuren gerade heute ist, das weiß Johannes Friese, leitender Sport- & Gesundheitstrainer des Vereins „Sporthaus e.V.“ in Essen, nur zu gut. 

Johannes Friese mit seiner Kollegin Michaela Möser – das hochqualifizierte Trainer-Duo des „Sporthauses Essen“ Gemeinsam – © Sporthaus Essen

Er hat sich mit seinem Team auf Reha- & Präventionssport spezialisiert. Ein Begriff, der nicht gerade sexy klingt – und doch von Jahr zu Jahr einen höheren Stellenwert in einer immer älter werdenden Gesellschaft bekommt. Physiotherapie ist den meisten Menschen da schon geläufiger. „Zur Physiotherapie geht man, wenn ein akutes, körperliches Problem offenkundig ist und eine klare Diagnose vorliegt. Nun aber zu glauben, dass der Physiotherapeut mittel- und langfristig alles wieder hinbiegt ohne selbst aktiv zu werden und ergänzend regelmäßig Zeit zu investieren, ist und bleibt ein Irrglaube, dem immer noch sehr viele Patienten unterliegen. Bei der Prävention sollte jeder in Eigenverantwortung dafür sorgen, dass ein solches Problem erst gar nicht auftritt“, erklärt Johannes Friese.

Aber bislang fristen Reha- & Präventionssport eher ein Schattendasein. Beim aktuellen „Public Health Index“ des deutschen Krebsforschungs- Zentrums nimmt unser Land unter 18 europäischen Staaten den 17. Rang ein. Mit tödlichen Folgen. Unsere Lebenserwartung von durchschnittlich 81 Jahren ist die niedrigste in Mittel- und Westeuropa. High noon, das endlich zu realisieren und dem entgegenzusteuern. Beim Rehasport spielt sogar der Spaßfaktor eine große Rolle und er wird zudem im Gegensatz zur Einzel-Physiotherapie immer in einer Gruppe mit bis zu 15 Teilnehmern ausgeübt. 

Hilfe zu Selbsthilfe

Johannes Friese: „Wir versuchen immer, Freude an Bewegung zu vermitteln und darüber hinaus den gesundheitlichen Mehrwert für jeden Einzelnen in den Vordergrund zu rücken. Den großen Reiz eines Gruppentrainings macht aus, dass es viele unterschiedliche Charaktere, Altersklassen und auch Fitnesslevel gibt. Wir wollen als spezialisierte Trainer vermitteln, dass Bewegung als Hilfe zur Selbsthilfe den Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein richtig gutes Gefühl verschafft und dazu auch viel Spaß machen kann. Und so werden auch Menschen, die das Reha-Training vor dem ersten Besuch bei uns eher skeptisch und nur als eine Art Pflichtübung empfunden haben, weil sie von ihrem Arzt ein entsprechendes Rezept ausgestellt bekamen, oft im positiven Sinne mitgerissen.“

Bestens ausgestattete Trainingsräume warten auf Frauen und Männer, die aktiv etwas für ihre Gesundheit tun wollen – © Sporthaus Essen

Trotzdem steckt der Rehasport in der Krise und droht am „Stock zu gehen“, weil die Finanzierung völlig unzureichend gesichert ist. Die gute Nachricht für die Patienten: Das Gesundheitstraining wird im Gegensatz zur Physiotherapie, wo in der Regel ein Eigenanteil von 20 – 30 € anfällt, von den Krankenkassen zu 100 Prozent finanziert. Die schlechten News für Johannes Friese und seine Mitstreiter: Die 6,50 € – 7,00 €, die von den Krankenkassen für eine 45minütige Trainingseinheit erstattet werden, decken die Kosten für das spezielle Gruppentraining kaum ab.

Johannes Friese rechnet vor: „Für einen Pilates- oder Yoga-Kurs beispielsweise werden in der Regel mindestens 15 € für eine Stunde aufgerufen. Da können wir nicht mithalten, es sei denn, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zahlen auf freiwilliger Basis etwas mehr.“

Fitness-Ketten beherrschen den Markt

Gerade einmal 15 Anbieter für Gesundheitssport gibt es in Essen. Der Markt wird beherrscht von den großen Fitness-Ketten, die häufig aber nur das Equipment zur Verfügung stellen, der Rest wird den Mitgliedern dann meist selbst überlassen. Und dann stehen auch nicht Gesundheitsaspekte, sondern häufig oft ästhetische Trainings-Gründe im Vordergrund – wie etwa der Wunsch nach einem Sixpack oder nach Muskelpaketen in den Oberarmen.

Johannes Friese und seine Kollegin Michaela Möser wissen aus Erfahrung: „Es sind zwar Millionen Menschen als Mitglieder bei den großen Fitness-Ketten angemeldet, aber nur ein Bruchteil davon trainiert regelmäßig, effektiv und effizient. Viele gehen gerade einmal 30 Minuten aufs Laufrad und reden sich dann ein, in ausreichendem Maße etwas für sich getan zu haben. Doch unterm Strich reicht das beileibe nicht aus.“ 

Modern und zielorientiert sind die Trainingsräume im „Sporthaus Essen“ ausgestattet – © Sporthaus Essen

Johannes Friese, der an der „IST“, der privaten Hochschule für Sport & Management in Düsseldorf die Ausbildung zum Sport & Gesundheitstrainer vor 15 Jahren erfolgreich beendet hat und anschließend eine Weiterbildung zum Reha-Sport-Trainer absolvierte, wünscht sich vom Staat mehr Engagement in Sachen Gesundheitsvorsorge: „Wir brauchen deutlich mehr Aufklärung, um die Gesellschaft verstärkt für das Thema Gesundheit und Prävention zu sensibilisieren. Da die Kassen der ‚KVs“ leer sind, wird der Einzelne selbst mehr für seine Gesundheit investieren müssen. Und jeder sollte auch seine Hausaufgaben machen. Deshalb legen wir bei unseren Gruppen-Trainingsstunden großen Wert auf den Alltagsbezug: Übungen, wie Kniebeugen, aus dem Sessel oder dem Bett aufstehen, Gegenstände aufheben.“

Qualifikation der Trainerinnen und Trainer extrem wichtig

Und selbstverständlich sollte die Qualifikation der Trainerinnen und Trainer mehr im Mittelpunkt stehen. Johannes Friese: „Die Grundqualifikation ist ganz wichtig. Man braucht unbedingt ein Grundwissen, was Anatomie, Physiologie und Trainingslehre angeht. Da ist in den letzten Jahren leider etwas in die falsche Richtung gelaufen. Quereinsteiger bekommen heute oft viel zu schnell die Trainer-Lizenz, was aber noch lange nicht bedeutet, dass sie dann wirklich in der Lage sind, für das ganz spezielle Krankheitsbild eines Patienten die optimalen Übungen zu empfehlen.“ 

Insbesondere die Struktur solcher Ausbildungslehrgänge – so der Gesundheitstrainer – müsse dringend modernisiert werden und der Anteil an praktischen Lerneinheiten sollte wieder erheblich in den Vordergrund rücken. Schlusswort Johannes Friese: „Eine Gruppe anzuleiten und alltagsbezogene Gesundheitsaspekte zu vermitteln, lernt man nicht am PC.“

Keine Frage: Beim immer wichtiger werdenden Thema Reha-, Präventions- und Gesundheitssport krankt es noch an vielen Stellen.

Text: Peter Pionke

Die Angebotspalette des Sporthaus Essen – © Sporthaus Essen

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