10. April 2026Peter Pionke
Literatur Biennale: Die Wut steht als Thema im Fokus
Ein Rückblick auf die letzte Literatur Biennale Wuppertal: Der israelische Schriftsteller Tomer Dotan-Dreyfus las aus seinem Roman „Birobidschan“ – © Archivfoto Literatur Biennale WuppertalAutorinnen und Autoren aus der Region und dem gesamten deutschsprachigen Raum lesen, diskutieren und reflektieren über eine Emotion, die das gesellschaftliche Klima der Gegenwart wie kaum eine andere prägt.
Wut ist in Kommentarspalten und Talkshows präsent, sie äußert sich in Protesten und politischen Konflikten ebenso wie in kulturellen Auseinandersetzungen um Sichtbarkeit und Zugehörigkeit. Die Wuppertaler Literatur Biennale fragt danach, woher diese Wut kommt, wie sie wahrgenommen wird – und wer sie überhaupt äußern darf. Dabei versteht das Festival Wut nicht nur als destruktive Kraft, sondern auch als Motor für Veränderung, als Überlebensstrategie und als Impuls für gesellschaftlichen Dialog.
Zu den eingeladenen Autorinnen und Autoren zählt unter anderem Navid Kermani, der seinen neuen Roman „Sommer 24“ vorstellt und sich darin mit den Spannungen und Widersprüchen der Gegenwart auseinandersetzt. Auch Helga Schubert ist zu Gast: In ihrem Buch „Luft zum Leben. Geschichten vom Übergang“ versammelt sie Texte aus sechs Jahrzehnten ihres literarischen Schaffens.
Die Schriftstellerin und Psychologin Helga Schubert lebt in Neu Meteln bei Schwerin – © Eddy ZimmermannMit historischen und politischen Dimensionen von Wut beschäftigen sich weitere Programmpunkte: Jehona Kicaj erzählt in ihrem Debütroman „ë“ von den Folgen des Kosovokriegs und von transgenerationalen Traumata innerhalb einer Familie. Anja Kampmann richtet in „Die Wut ist ein heller Stern“ den Blick auf die Zeit des Nationalsozialismus und die zunehmende Bedrohung von Frauen am Beispiel einer Tänzerin auf der Reeperbahn.
Aktuelle Formen von Gewalt und gesellschaftlichen Konflikten thematisieren weitere Autorinnen des Festivals: Susanne Kaiser stellt mit „Witch Hunt“ den zweiten Band ihrer gesellschaftskritischen Krimireihe vor, der sich mit Cybermobbing und öffentlicher Hetze gegen Frauen befasst. In einer gemeinsamen Lesung sprechen Dana von Suffrin und Clara Leinemann über toxische Beziehungen und Gewalt im Privaten.
Der Kölner Schriftsteller Navid Kermani ist Fan des Fußball-Bundesligisten 1. FC Köln – © Peter Andreas HassiepenAuch satirische und gesellschaftskritische Perspektiven finden Raum: Verena Keßler erzählt in „Gym“ von Selbstoptimierung und Selbstzerstörung im Fitnessstudio-Milieu, während die österreichische Autorin Sandra Weihs in „Bemühungspflicht“ ihre Erfahrungen aus der Sozialarbeit verarbeitet und die Wut auf bürokratische Ungerechtigkeiten literarisch sichtbar macht.
Mit ihren Veranstaltungen möchte die Wuppertaler Literatur Biennale die Wut aus der Ecke des Irrationalen holen und ihre gesellschaftlichen Ursachen sowie ihr politisches Potenzial zur Diskussion stellen. Literatur bietet dafür einen besonderen Raum: Sie kann Widersprüche aushalten, Emotionen sichtbar machen und Perspektiven eröffnen.
Die Schriftstellerin Clara Leinemann lebt und schreibt in Berlin – © Max ZerrahnDie Wuppertaler Literatur Biennale wird vom Kulturbüro der Stadt Wuppertal in Zusammenarbeit mit zahlreichen Kooperationspartnern veranstaltet.
Die Kunststiftung NRW und das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen stehen dem Festival als Hauptförderer zur Seite, weitere Unterstützer sind die Dr. Werner Jackstädt-Stiftung, die Sparkasse Wuppertal, die Sparkassen-Kulturstiftung Rheinland sowie die Firmen Knipex und Barmenia. Kooperation WDR 3 Kulturpartner.
Das vollständige Programm finden Sie online unter www.wlbiennale.de
Die Münchener Schriftstellerin Dana von Suffrin – © Gunter GlücklichWeiter mit:
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