22. März 2026

Ein WSV-Fight, der die Herzen der Fans erreichte

Große Emotionen beim Wuppertaler SV! Der im Abstiegskampf befindliche Traditionsverein kam zwar im Heimspiel gegen die SF Lotte nur zu einem 0:0-Unentschieden, dafür gewann er aber in einer an Kampfkraft und Dramatik kaum zu überbietenden Partie nach langer Durststrecke viele Herzen seiner Fans zurück. Zwei bittere Platzverweise und zwei verletzte Spieler gehören indessen auch zur Bilanz im fünftletzten Heimspiel der Saison. 

Jonas Jütz, Stadionsprecher des WSV und diesmal als Live-Kommentator für den Online-Fußball-Sender „Leagues Football Livestream“ professionell auf Sendung- © Siegfried Jähne

1.406 Besucher sahen bei sonnigem Wetter, wenn auch keine  hochklassische Begegnung, so doch eine packendes Spiel mit Seltenheitswert. Man hatte sich viel vorgenommen.  Trainer Mike Wunderlich forderte unmißverständlich einen Sieg. Man wollte fighten, um Lotte durch diese Einstellung vor Probleme zu stellen, soweit die Theorie. Schon in der 8. Minute war der Zauber aber vorbei, als der aufgerückte Semir Saric im Lotter Strafraum zu Boden ging, der fällige Elfmeterpfiff aber ausblieb und Schiedsrichter Francisco Lahora-Chulian weiterspielen ließ. Das war Auslöser für das, was danach geschehen sollte.

Nach der 8. Minute war der Zauber vorbei

Die Wuppertaler Spieler forderten eine Unterbrechung des Spiels, weil es den Anschein hatte, dass sich Semir Saric durch das an ihm begangene Foul schwerer verletzt haben könnte. Doch die Sportfreunde aus Lotte bewiesen wenig Fairness und traten den Ball nicht ins Aus. Auch Schiedsrichter Francisco Lahora-Chulian reagierte sehr spät – mutmasslich zu spät. Als er dann doch das Spiel unterbrach und WSV-Arzt Dr. Heinz den verletzten Saric endlich medizinisch behandeln konnte, kam es zu einer Rudelbildung. Im Verlaufe dieser soll WSV-Verteidiger Subaru Nishimura seinen Gegenspieler Max Ritter gerempelt haben, der daraufhin theatralisch zu Boden ging. Ganze zehn Minuten war das Spiel unterbrochen. Kurz bevor die Partie fortgesetzt wurde zeigte Schiri Lahora-Chulian zur Überraschung aller im Stadion dem verdutzen Subaru Nishimura die Rote Karte (12.).

Josue Santo vergab gegen Sportfreunde Lotte die größte Torchance für den WSV – © Archivfoto Jochen Classen

Selbst auf den Video-Aufzeichnungen des Online-Fußball-Senders „Leagues Football Livestream“, der die Partie – von WSV-Stadionsprecher Jonas Jütz professionell kommentiert – live übertrug , war kein Vergehen von Subaru Nishimura zu erkennen. Zu den ungewöhnlichen, zweifelhaften Vorgängen äußerte sich WSV-Trainer Mike Wunderlich später auf der Pressekonferenz: „Wir sollten entscheiden, welcher Spieler vom Platz gestellt wird. Wenn wir dies nicht täten, würde er das ganze Spiel gegen uns pfeifen. Unser Doc sprach den Schiri an, warum er ihm Rot gibt, hieß es, dass er dann mit dem WSV absteigt. Das ist unfassbar!“ Das sind harte Vorwürfe an die Adresse des Schiedsrichters, der eigentlich völlig unparteiisch sein muss!

Kadi Atmaca verletzt ausgewechselt

Der nächste Rückschlag für den WSV folgte in der 17. Minute: Kadi Atmaca musste verletzt das Feld verlassen, für ihn kam Josue Santo. Die Gäste erarbeiteten sich jetzt in Überzahl einige Tormöglichkeiten. Der soeben noch minutenlang danieder liegende Max Ritter (21) – man hatte  auf den Rängen schon scherzhaft den Einsatz eines Rettungshubschraubers gefordert – wurde plötzlich wieder aktiv. Ritter, dem man schon in der Vergangenheit „Cleverness und kühlen Kopf“ bescheinigte, machte gleich mit zwei torreifen Aktionen auf sich aufmerksam.

Sein Treffer aus Abseits-Position (26.) fand indes keine Anerkennung, der „angeschlagene“ Ritter spielte aber bis zur letzten Minute voll durch. Der in Unterzahl operierende WSV verteidigte mit Mann und Maus, war in der Abwehr konsequent wie selten und erarbeitete sich noch eine dicke Torchance (45 +9), die Vincent Schaub freistehend vergab. “Schieber, Schieber-Rufe“ und ein Pfeifkonzert begleiteten Schiedsrichter und Gäste-Akteure in die Halbzeitpause. Sogar Verschwörungstheorien machten auf der Tribüne die Runde.

Jeremy Aydogan sah in der 85. Minute die gelb-rote Karte gegen die Sportfreunde Lotte – © Archivfoto Jochen Classen

Josue Santo vergab die größte Tor-Möglichkeit    

Trotz Unterzahl erlebte man eine höchst aktive WSV-Mannschaft, der fast sogar noch das Führungstor gelungen wäre. Doch der für Atmaca eingewechselte Josue Santo vergab die größte Möglichkeit des ganzen Spiels, als er nach einer Flanke von Celal Aydogan per Kopf freistehend das Tor aus fünf Metern (72.) um einen Meter verfehlte. Glück hatte man, als im Gegenzug Luca David Kerkemeyer in seinem 100. Spiel für die Gäste das WSV-Gehäuse (73.) knapp verfehlte und Kamer Krasniqi nur den Pfosten (75.) traf. Zuvor hatte man beim WSV Levin Müller verletzungsbedingt (Bänder am Fußgelenk) verloren. Aber es sollte für die Rotblauen noch dicker kommen.

Denn Jeremy Aydogan sah in 85. Minute ebenfalls die „Rote Karte“, als er in einer hektischen Phase Jonas Kehl aus dem Lauf heraus ungestüm zu Fall brachte. Auch hier eine umstrittene und nach Meinung von Beobachtern zu harte Entscheidung. Trainer Wunderlich sah in demFall allerdings nicht die Schuld beim Schiedsrichter: “Jeremy hatte schon die gelbe Karte, da mußte er einfach vorsichtiger agieren“. Mit jetzt nur noch acht Feldspielern gingen seine Schützlinge nunmehr in die spannende Schlussphase, die vom Schiri, nicht für alle nachvollziehbar, auch noch um acht quälende Minuten Nachspielzeit verlängert wurde. Sechs Ordner mußten das Schiedsrichtergespann schließlich vom Platz begleiten und zur Vorsicht vor der aufgebrachten Menge schützen.

Ein Schiri, der den DFB verklagt hat

Nicht ganz uninteressant die Lektüre der Vita des Bonner Schiedsrichters Francisco Lahora-Chulian (29). Ihm wurde 2025 der Aufstieg zum Schiedsrichter in die 3. Liga aus Altersgründen verweigert, weshalb er den DFB wegen Diskriminierung verklagte und Schadenersatz forderte. Sein großer Traum es schon als 19jähriger, irgendwann einmal vor mehreren tausend Zuschauern ein „hochklassiges Spiel“ zu leiten.

Ex-Oberbürgermeister Andreas Mucke bewirbt sich zum ersten Mal für einen Sitz im Verwaltungsrat des Wuppertaler SV – © Monika Asmus

Während sich das Lotte-Team am Mittwoch zuvor durch ein 2:1 über den FC Gütersloh gerade für das Endspiel im Westfalen-Pokal qualifiziert hat und weder mit Abstieg, noch mit dem Aufstieg in die 3. Liga etwas zu tun hat, geht für den WSV der Abstiegskampf am 4. April mit einem Heimspiel gegen den 1. FC Bocholt weiter. Da “Mitbewerber“ Rödinghausen am Samstag beim Spitzenreiter Fortuna Köln ein überraschendes 1:1-Unentschieden holte, bleibt es vorerst noch beim Ein-Punkte-Rückstand für die Bergischen (Rödinghausen hat dabei noch ein Nachholspiel). Trainer Wunderlich hofft: „Vielleicht haben wir nach dieser unglaublichem Pechsträhne dann auch mal wieder das  Glück auf unserer Seite“.

Ex-OB Andreas Mucke stellt sich zur Wahl

Beim WSV werden indessen noch einige Fragen zu beantworten sein, wenn am kommenden Donnerstag im Barmer Bahnhof (19 Uhr) zur Jahreshauptversammlung geladen ist. Fragen insbesondere die Zukunft des Vereins betreffend und sicher auch die Frage nach Verantwortung sowie nach den Beiträgen in der Krisenbewältigung der bisherigen Funktionäre. Und das sind die Kernfragen: Hat jemand ein Konzept und gibt es einen interessanten Geldgeber für dessen Umsetzung? Rund ein Dutzend alte und neue Bewerber gibt es für den neu zu wählenden Verwaltungsrat, unter ihnen auch Ex-Oberbürgermeister Andreas Mucke, der sich zum ersten Mal zur Wahl stellt.

Text: Siegfried Jähne

Wuppertaler SV – Sportfreunde Lotte 0:0

Aufstellung des Wuppertaler SV: Luyambula – Nishimura, Stojanovic, Duncan, Miyamoto – Durgun, Aydogan, Hirschberger (46. Müller, 68. Heim) – Saric (28. Rebronja), Atmaca (18. Santo), Schaub (68). Fehr.

Aufstellung Sportfreunde Lotte: Böggemann – Zentler, Milic, Hiepen, Riemer (45. Wiegel) – Klefisch, Ritter (67. Kerkemeyer), Krasniqi, Horn (67. Kehl) – Demaj, Berisha (89. Roth).

Rote Karte: Nishimura (12.)

Gelb-rote Karte: Aydogan (85.)

Gelbe Karten: Klefisch (45.+6), Horn (66.), Milic (85.) – Aydogan (85.)

Schiedsrichter: Francisco Lahore Chulian.

Zuschauer: 1.406.

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