8. März 2026Peter Pionke
WSV-Heimniederlage: Schlimmer geht immer
Ein Foto mit Symbolcharakter: Ein nachdenklicher WSV-Sportdirektor Gaetano Manno, den die organisierte Fan-Szene zum alleinigen „Sündenbock“ auserkoren hat – © Sportfotodienst Wuppertal / Jochen Classen.Es war vor 1.304 Zuschauern ein schwaches Regionalliga-Spiel. Während der überglückliche Gäste-Trainer Thomas Bertels eingestand, einfachen, schnörkellosen Fußball geboten zu haben, sah sich WSV-Coach Mike Wunderlich zu einer Situationsbeschreibung genötigt: „So wird es extrem schwer – es wird nicht einfacher“. Da wird ihm niemand widersprechen. Ein anderer Satz von ihm läßt erkennen, wie schwer es inzwischen für die Wuppertaler geworden ist. Mike Wunderlich musste gestehen: „Wir hatten heute nach vorne keine richtige Torchance“.
„Torjäger“ Amin Bouzraa kam erst in der 75. Minute
Seinen gefährlichsten Stürmer, Amin Bouzraa (bisher 5 Treffer), hatte der WSV-Coach indessen auch erst in der 75. Minute für den diesmal wenig überzeugenden Josue Santos gebracht. Auch Dildar Atmaca kam erst 12 Minuten nach dem Seitenwechsel für Fritz Kleiner aufs Feld und ließ dann bald seine Sturmqualitäten aufblitzen. Der Anschlusstreffer ging jedenfalls auf Atmacas Konto, als er den Ball zum 1:2 unter die Latte donnerte.
Und schon wieder klingelte es im WSV-Tor. Torhüter Luyambula und seine Vorderleute Bielitza und Dervisievic (M.) konnten den Paderborner Treffer nicht verhindern – © Sportfotodienst Wuppertal / Jochen ClassenDanach kam im Stadion am Zoo endlich auch so etwas wie Stimmung auf, nicht aber die erhoffte Aufholjagd. Im Gegenteil: Der lange verletzungsbedingt fehlende Mittelfeldspieler Semir Saric wurde zu einer Enttäuschung, als er in der 78. Minute eingewechselt, sich nach nur sechs Minuten übermotiviert ein völlig überflüssiges Foul leistete, für die er „Gelb“ sah. Der folgende Freistoß führte durch Kevin Krumme per Kopfball zum dritten Treffer für die Gäste. Es war die endgültige Entscheidung.
Nach „Eckball-Orgien“ ging die Luft raus
Der WSV begann die Begegnung überraschend forsch und engagiert. In der ersten Viertelstunde hatte man den Eindruck, dass es Lehren aus dem Wiedenbrücker 0:4-Debakel gegeben hätte. Der Einsatz stimmte zunächst, bis es erneut zu haarsträubenden Szenen im Wuppertaler Strafraum kam. Man könnte von „Eckballorgien“ der Gäste sprechen, die den WSV mit ihren Standards heftig unter Druck setzen. Der gerade erst 18 gewordene Mittelstürmer Lasse Eickel, eine Jugend-Nationalspieler, nutzte mit seinem ersten Saison-Tor die Abwehrlücken zur Führung für die Paderborner (32.).
WSV-Stadionsprecher Sam Burth war diesmal aus Kommentator für den Streamingdienst „League Football“ im Stadion am Zoo am Mikrofon – © Siegfried JähneSpätestens hier zeigte sich das wahre Dilemma dieses Tages: Trainer Wunderlich musste gleich vier gestandene Abwehrspieler ersetzen. Und gleichzeitig sollte unbedingt verhindert werden, wieder schnelle Gegentorte (wie zuletzt!) zu kassieren. Allein diese Tatsache engte seine taktischen Möglichkeiten von vornherein erheblich ein.
Das Schlimme war, dass der WSV damit keine schnellem Entlastungsangriffe starten konnte, die Offensive blieb somit wirkungslos. So fiel dann auch der zweite Treffer für die Gäste nahezu zwangsläufig. Kevin Krumme erzielte nach einer Ecke das 0:2 (41.). Ein denkbar unglücklicher Zeitpunkt für den WSV, aber mit dem Ergebnis ging es in die Pause ging.
Auch in der zweiten Halbzeit wurde der Mangel an Qualität deutlich sichtbar. Qualität durfte man indessen dem 31jährigen Schiedsrichter Björn Sauer (SV Netphen, Kreis Siegen-Wittgenstein) bescheinigen, der in entscheidenden Situationen viel Fingerspitzengefühl entwickelte.
Regionalliga-Tauglichkeit in Frage gestellt
Thomas Bertels mit seinen „Fohlen“ hatte es deutlich leichter, als sein Kollege Mike Wunderlich. Auch wenn seine Mannschaft ebenfalls nicht voll überzeugte, so konnte er doch aus einem Potential schöpfen, welches nach ihrer Bundesligatauglichkeit ausgewählt ist, nicht für einen Abstiegskampf in der Regionalliga.
Das macht den Unterschied! Der WSV-nahe Sam Burth (sonst auch Stadionspfecher) stellte in einer gekonnten Live-Reportage für „League Football“ (Livestreaming) an diesem Tage sogar die „Regionalliga-Tauglichkeit“ der Rotblauen in Frage.
Der WDR war mit einem Kamerateam vor Ort. Allerdings ging es da nicht um Fußball, sondern um die „Olympia-Bewerbung“ der Stadt Wuppertal – © Siegfried JähneWelche Eindrücke das angereiste WDR-Team im Zoo-Stadion gewann, wird man erst in ihrer April-Sendung zum Thema „Olympia-Bewerbung“ sehen, wo Wuppertal den Hut in den Ring geworfen hat (wir berichteten). Allerdings hat Sportamtsleiterin Alexandra Szlagowski als Interviewpartnerin noch die Möglichkeit, mit guten Argumenten einiges gerade zu rücken. „Wir müssen in Wuppertal zukunftsorientiert denken, die Kinder, die hier Olympia erleben sollen, sind noch gar nicht geboren“, brachte sie zuletzt in der „Politischen Runde“ an der Volkshochschule das Thema auf den Punkt.
Zukunftsfähiges Denken ist gefragt
Zukunftsorientiertes Denken ist indessen auch beim WSV mehr denn je gefragt. Die Chance, das grottenschlechte, derzeitige Vereinsbild zu korrigieren, besteht schon am 26. März, wenn sich die WSV-Familie im Barmer-Bahnhof zur Jahreshauptversammlung trifft. Vielleicht wird man hier auch mehr Licht ins Dunkel bringen und sich nicht nur an dem Sportlichen Leiter Gaetano Manno abreagieren, der mit einem denkbar knappen Saisonetat arbeiten muss. Man denke nur an die jüngsten, überregionalen Berichte über den Wuppertaler Fußball-Aushängeschild. So titelte die in Düsseldorf erscheinende Rheinischen Post in der letzten Woche „Dieser NRW-Traditionsverein soll vor dem Aus stehen“.
„Schlimmer geht Immer“, dieser philosophische Pessimismus hat den Vorteil, dass man oft positiv überrascht wird, wenn das tatsächliche Ergebnis besser als befürchtet ausfällt. Noch kann sich der WSV selbst aus dem Abstiegsstrudel befreien. Noch stehen zehn Spiele auf dem Programm, das nächste findet am kommenden Freitag unter Flutlicht in Siegen statt.
Text: Siegfried Jähne
Zufrieden konnte bei der Pressekonferenz nach dem Spiel nur Paderborns Trainer Thomas Bertels (l.) sein. WSV-Pressesprecher Jonas Jütz (M.) und Cheftrainer Mike Wunderlich schauen sorgenvoll in die Zukunft – © Sportfotodienst Wuppertal / Jochen ClassenWuppertaler SV – SC Paderborn U23 1:3 (1:2)
Aufstellung des Wuppertaler SV: Luyambula – Dervisevic, Duncan, Bielitza (57. Rebronja) – Nishimura, Durgun (78. Saric), Aydogan (57. Fehr), Schaub – Hirschberger, Santo (75. Bouzraa), Kleiner (57. Atmaca)
Aufstellung des SC Paderborn U23: Puhs – Böhmer, Krumme, Flörke – Kiewitt (67. Babak), Kojic, Bröger (86. Lima), Peters – Copado (81. Becker), Eickel (86. Ringbeck), Restrepo Noranjo
Tore: 0:1 Eickel (32.), 0:2 Krumme (42.), 1:2 Atmaca (66.), 1:3 Krumme (84.)
Gelbe Karten: Saric, Hirschberger – Babak
Schiedsrichter: Björn Sauer (SV Netphen, Siegen-Wittgenstrein)
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