2. März 2026Peter Pionke
BHC: Reife Leistung beim 35:28-Sieg in Leipzig
Lukas Becher (l.) war mit sieben Treffern erfolgreichster BHC-Werfer in Leipzig – © Archivfoto Jochen ClassenSchon in der ersten Halbzeit waren die Löwen das bessere Team, brachten zwischenzeitlich recht klare Vorteile aber nicht ganz so drastisch auf die Anzeigetafel. Christopher Rudeck bot in Kombination mit einer überzeugenden Abwehrreihe von Anfang an eine starke Leistung zwischen den Pfosten und gab seinem Team mit acht Paraden vor der Pause alle Chancen, um eine Führung zu erarbeiten.
Das gelang zwar auch, doch trotz einer überschaubaren Anzahl an technischen Fehlern – zum Schluss waren nur sieben Stück – schafften es die Löwen nicht, deutlicher als mit 16:14 in die Halbzeitpause zu gehen. Mehrere Male landete der Ball am Pfosten, dazu hatten die Leipziger etwas Glück bei Abprallern, und die wenigen BHC-Fehler bestraften die Sachsen auch konsequent. So zum Beispiel im vermeintlich letzten Angriff der Hälfte, als die Gäste das 17:13 in Überzahl in der Hand hatten, die Kugel aber verloren und einen Gegenstoß kassierten.
„Löwe“ Lukas Becher erwischte einen bärenstarken Tag
Insgesamt aber präsentierte sich die Mannschaft stark. Lukas Becher traf konsequent, die Rückraum-Achse funktionierte im Positionsangriff mit Sören Steinhaus, Fynn Hangstein und Nico Schöttle. Erstgenannter wurde bei einem Durchstoß zum Kreis von Tim Hertzfeld in den Wurfarm gegriffen, so dass der Leipziger die Rote Karte sah. Dazu gelang dem BHC ein sehr guter Rückzug in die eigene Deckung.
Die Zuversicht zur Pause dürfte also bereits groß gewesen sein. Aber gerade auswärts kann ein solches Spiel leicht kippen. Nichts dergleichen geschah. Die Bergischen knüpften an die erste Hälfte an und erstickten jede Leipziger Hoffnung gekonnt im Keim. Immer wenn die Mannschaft unter Druck stand, antwortete sie im Stile einer erfahrenen, abgezockten Mannschaft mit dem nächsten Tor. Ob Hangstein, Steinhaus, Becher oder Aron Seesing: Sie trafen, wenn sie treffen mussten. Dazu drehte vor allem in der zweiten Hälfte Johannes Wasielewski auf, der das Selbstvertrauen des vergangenen Dezembers ausstrahlte.
Sören Steinhaus (M.) hatte einen großen Anteil am Erfolg des Bergischen HC: Er kam auf sechs Tore – © Archivfoto Jochen ClassenEbenfalls ganz stark: Der zu Beginn etwas glücklose Julian Fuchs vergaß die Pfostentreffer der erste Halbzeit und erzielte nach der Pause zwei ganz wichtige Tore – einen davon, ohne eine echte Chance zu haben. Er suchte den Zweikampf, zog ein bisschen zur Mitte und verwandelte. Zehn Minuten vor Schluss waren die Leipziger eigentlich bereits geknackt. Der BHC machte weiter, Rudeck sammelte insgesamt 17 Paraden und verhalf seinem Team damit sogar zu einem Sieben-Tore-Sieg. Viel besser hätte der Nachmittag nicht laufen können.
Stimmen zum Spiel
Markus Pütz: „Wir sind 60 Minuten lang bei uns geblieben. Da mache ich der Mannschaft ein großes Kompliment. Ab dem 8:8 machen wir es sehr routiniert. Gefühlt sind die Jungs alle fünf Jahre älter geworden in dieser Woche, weil sie das wirklich sehr souverän machen. Wir haben eine sehr gute Torhüter-Unterstützung und auf der Position ein Plus. Das hilft uns in den wichtigen Phasen sehr. Wir haben eine hohe Effektivität im Angriff, und in der zweiten Halbzeit schaffen wir es auch, die Halle ruhig zu kriegen, indem wir Leipzig nicht mehr als zwei Tore ranlassen. Das machen die Jungs sehr, sehr gut. Es war ein wichtiger Sieg in einem wichtigen Spiel. Trotzdem ist noch nichts vorbei. Wir wünschen Leipzig alles Gute, vor allem Frank, den ich als Trainer sehr schätze. Für uns geht es nächste Woche weiter, aber trotzdem wollen wir heute den Sieg natürlich genießen.“
Frank Carstens: „Es war ein völlig verdienter Sieg mit einer sehr abgeklärten Leistung über 60 Minuten. Ich weiß nicht, ob es ausreicht, wenn man sagt, dass die BHC-Spieler fünf Jahre älter geworden sind. Das war schon sehr routiniert. Wir sind offensichtlich fünf Jahre jünger geworden oder sogar ein bisschen mehr. Markus hat es so lapidar gesagt, dass der BHC ein Plus auf der Torhüter-Position hatte. Für mich war das ein Grand Canyon – die Torhüter-Leistung von Christopher Rudeck war schon groß. Wir dagegen haben es nicht geschafft, unsere Torhüter so zu unterstützen, dass sie auch Bälle halten konnten. Gleichzeitig hatten wir vorne keine guten Würfe. Wir sind auf 13 freie Chancen gekommen – das ist schwer, das auszugleichen, wenn man die Dinger nicht macht. Wir haben versucht, über die Defensive Druck aufzubauen. Aber der BHC hat sich – aus welchen Gründen auch immer – auf die 5:1-Abwehr vorbereitet. Damit konnten wir auch keinen Impuls mehr setzen – genau wie mit der offenen Manndeckung. Und dann geht dieses Spiel so aus, wie es ausgegangen ist. Ich stimme damit überein, dass natürlich heute noch nichts gelaufen ist, aber heute ist schon ein bisschen was passiert. Wir haben von uns eine bessere Leistung erwartet. Wir waren einigermaßen stabil unterwegs, haben in schwierigen Situationen auswärts bestanden. Aber in der vielleicht schwierigsten Situation zu Hause haben wir nicht bestanden. Das muss man so klar sagen.“
Das BHC-Trainergespann Arnor Thor Gunnarsson (l.) und Markus Pütz hatte für das Schlüsselspiel in Leipzig die richtige Taktik ausgeklügelt – © Archivfoto Jochen ClassenFabian Gutbrod: „Wir machen es herausragend gut – sowohl sportlich als auch mental. Man hat von Anfang an gemerkt, dass wir da sind. Wir waren sehr gut vorbereitet, haben Leipzig ganz viele Dinge wegnehmen können und über das gesamte Spiel eine sehr gute Torhüter-Leistung. In den wichtigen Momenten kommen überragende Paraden von Christopher Rudeck. Unsere Rückraumreihe macht durchweg ein gutes Spiel. Egal, ob es die Spieler sind, die die Hauptlast tragen, oder die, die zur Entlastung kommen. Hervorheben will ich auch das überragende Spiel von Lukas Becher. Es ist mit Sicherheit auch keine einfache Phase für ihn, weil im Prinzip zuletzt Noah Beyer immer 60 Minuten gespielt hat. Das war insgesamt eine sehr reife und erwachsene Leistung. Wir wussten, dass es Emotionalität braucht, um hier dem Druck gewachsen zu sein. Deshalb haben wir uns diesen Sieg sehr verdient.“
SC DhfK Leipzig – Bergischer HC 28:35 (14:16)
SC DhfK Leipzig: Ebner, Mrkva – Krzikalla (6/2), Semper (5), Piroch (4), Hinriksson (4/2), Bombac (3), Binder (2), Preuss (2), Bogojevic (1), Nasralla (1/1), Mamic, Peter, Gauer, Hertzfeld, Koschek. Trainer: Frank Carstens
Bergischer HC: Rudeck, Diedrich – Beyer (3/3), Becher (7), Steinhaus (6), Hangstein (6), Schöttle (2), Babak, Babarskas, Seesing (4), Kooij, Thiele, Wasielewski (5), Voss-Fels, Fuchs (2). Trainer: Arnor Gunnarsson und Markus Pütz
Schiedsrichter: Fabian Baumgart und Philipp Dinges
Siebenmeter: 5/8 – 3/4
Zeitstrafen: 2 – 3 (Bombac, Preuss – Wasielewski, Babarskas, Schöttle)
Rote Karte: Hertzfeld
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