21. Februar 2026

Schwestern präsentieren fast vergessene Ainu-Gesänge

Musik ist in der Kultur der Ainu so etwas wie ein Lebenselixier! Die Ainu sind indigene Bewohner Nordjapans, die ursprünglich als Jäger-Sammler-Gemeinschaften überwiegend im Nordosten Japans auf den Inseln Hokkaido (ehemals "Ezo" genannt), auf Sachalin und den Kurilen lebten. Sie haben sich vermutlich irgendwann im 12. oder 13. Jahrhundert dort niedergelassen. Die Schwestern Kapiw & Apappo präsentieren ihre Ainu-Musik am Donnerstag (16.02.) auf der INSEL.

Die Ainu-Schwestern Kapiw und Apappo präsentieren die Gesänge ihrer Heimat im Kulturzentrum INSEL – © Ensemble

Der Name Ainu leitet sich in ihrer Muttersprache vom Wort für „Mensch“ ab. Sie führten ein ruhiges Leben in enger Verbindung mit der Natur, geleitet vom Glauben, dass alles Natürliche – Menschen, Flora und Fauna, sogar die Elemente – einen göttlichen Geist besitzt.

Es gibt in der Ainu-Kultur Zeremonien und Rituale zu Ehren jeder Gottheit. Musik ist dabei  von entscheidender Bedeutung. Die Ainu haben Lieder für die Arbeit, zum Spielen, zum Erzählen von Geschichten und zum Schlichten von Streitigkeiten. Tatsächlich ist sie so tief in der Lebensweise der Ainu verwurzelt, dass ihre allgemeinen Beschreibungen von Klängen das „Musikalische“ ohne besondere Unterscheidung das „Nicht-Musikalische“ einschließen. Der Begriff „haw“ (Stimme) umfasst neben dem Klang von Instrumenten auch Lautäußerungen von Menschen und Tieren, und „hum“ (Klang oder Gefühl) kann sich auf den perkussiven Klang von Trommeln oder das Tosen eines reißenden Flusses beziehen. Für die Ainu ist Musik so natürlich wie das Atmen.

Ihre Sprache und Kultur wurde verboten

Ab Mitte des 19. Jahrhunderts während der Meiji-Zeit (1868 – 1912) wurden sie von Japan kolonisiert, umgesiedelt und ausgebeutet. Die Ainu wurden gezwungen, japanische Staatsbürger zu werden, und der Gebrauch ihrer Sprache wurde ebenso verboten wie ihre kulturellen Praktiken. Erst nach Mitte des 20. Jahrhunderts besannen sie sich immer mehr auf ihre Traditionen. Ein Gesetz von 1899, das ihnen ihre Rechte entzog, wurde erst 1996 offiziell aufgehoben, obwohl Teile davon im Laufe der Zeit durch unermüdliches Engagement gestrichen wurden.

Die Ainu haben sich als widerstandsfähig erwiesen. Die Ältesten haben standhaft an ihrem Wissen festgehalten und es durch mündliche Überlieferung weitergegeben. Dies war der Anfang einer Revitalisierungsbewegung, die 2008 zur ihrer Anerkennung als indigene Gruppe und 2019 zu ihrer offiziellen Anerkennung als Minderheit mit eigenen Rechten in Japan führte. Seit dem haben Archivierungsbemühungen und wissenschaftliche Dokumentationen von Universitäten und Museen die Ainu Kultur einer breiteren Öffentlichkeit zugänglicher gemacht. Heute wird die Ainu-Bevölkerung auf 20.000 bis 50.000 geschätzt und die Zahl der Menschen, die die Sprache fließend sprechen, liegt wahrscheinlich bei wenigen Dutzend.

„Möwe“ und „Blume auf der INSEL-Bühne

Kapiw und Apappo sind die Ainu-Künstlernamen von zwei Schwestern. Kapiw bedeutet „Möwe“ und Apappo „Blume“. Sie lernten die Lieder ihres Volkes seit ihrer Kindheit im Ainu Seedorf Kotan von ihrer Großmutter. Sie singen Upopo – Alltagslieder, die kurz und zumeist einfach strukturiert sind und sich um jeweils eine Aktivität drehen: ein Spiel oder eine Arbeit. Manchmal wird das Singen selbst zum Spiel, wie bei den Rekuhkara-Wettbewerben, wo der Ainu-Kehlgesang von Frauen praktiziert wird. Arbeitslieder sind rhythmisch, mit Texten und Melodien, die auf der Arbeit basieren, mit der sie gesungen werden. Doch selbst solche Alltagslieder haben zumeist mehr spirituelle, denn weltliche Bedeutungen.

Bei Kapiw & Apappo sind diese fast vergessenen Lieder oft meditativ, werden jedoch auch von der Harfenlaute Tonkori und den Maultrommeln Mukkuri begleitet. Kar Upopo (Lied zur Sake-Herstellung) und Iyuta Upopo (das Stampflied) werden gesungen, um böse Geister abzuwehren. Manch kurzes Alltagslieder ist auch eine Art Gebetslied, das vor dem Essen oder nach einem Angelausflug gesungen wurde, um um Glück bei der Jagd zu bitten.

Kapiw & Apappo begannen 2012 mit regelmässigen Auftritten, die sie zwischenzeitlich auf Festivals in ganz Japan führten. Beide sind Expertinnen für zeitgenössische Ainu-Musik im traditionellen Stil und Sängerinnen, jedoch keine Aktivistinnen. Die Schönheit ihrer Stimmen, der Klang ihrer Instrumente sind erfüllt von der Seele, die sie von ihren Vorfahren geerbt haben. 2016 wurde der Dokumentarfilm „Kapiw and Apappo – A Tale of Ainu Sisters“ (112 Min. von Takayuki Sato) über die beiden Schwestern und ihre musikalische Arbeit gedreht, der tiefe Einblicke in diese wenig bekannte Kultur und Musik ermöglicht. Ebenfalls 2016 erschien ihre CD „Paykar“ mit traditionellen Ainu Liedern. Nun kommen die beiden Schwestern erstmalig nach Europa.

Emi Toko – Mukkuri, Gesang

Fukiko Goukon – Tonkori, Mukkuri, Gesang

Termin: 

Klangkosmos NRW – Ainu Gesänge 

Kapiw & Apappo (Japan)

Schwebeklang auf der INSEL

Donnerstag – 26. Februar 2026 – 19:30 Uhr (Einlass: 19 Uhr)

Kulturzentrum INSEL – Wiesenstr. 6 – 42105 Wuppertal

Eintritt: 13/5 (VVK) und 15/5 (AK)

 

www.insel.news/schwebeklang/category/kapiw-apappo-japan

 

www.klangkosmos-nrw.de

 

www.kapiapa.bandcamp.com/album/paykar

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