7. Februar 2026

Ingo Appelt las seiner Fan-Gemeinde gnadenlos die Messe

Ingo Appelt hat seiner Wuppertaler Fan-Gemeinde in der Immanuelskirche gnadenlos die Messe gelesen! „Wollt Ihr es political corrrect oder soll ich richtig auf die Kacke hauen?“, fragte der Bad Boy der Comedy-Szene das Wuppertaler Publikum. Natürlich eine rein rhetorische Frage und die Antwort war von vornherein klar. Und so lieferte der gelernte Maschinenschlosser aus Essen in seinem Programm „Männer nerven stark“ Sprüche und Pointen im Akkord - über und unter der Gürtellinie.

Ingo Appelt, der Lautsprecher unter Deutschlands Comedians, brachte sein Wuppertaler Publikum im Sekundentakt zum Lachen – © Leslie Barabasch

Jeder, der sich ein Ticket für eine Show von Ingo Appelt gönnt, weiß, dass er kein Chorknabe oder Leisetreter ist und nicht wie einst Dieter Hildebrandt für feinsinnige, tiefgründige Pointen steht, die noch lange nachhallen. Genauso, wie jedem vor dem Kinobesuch klar war, dass „Apokalypse Now“ kein romantischer Liebesfilm ist. Der Wahl-Berliner fühlt sich in der Rolle als „Abrissbirne“ unter den vielen stromlinienförmigen „Spaßmachern“ in Deutschlands Comedy-Landschaft sehr wohl.

Und in seinen Solo-Programmen zieht Ingo Appelt (58) erst richtig vom Leder: „Bei den TV-Shows von Dieter Nuhr, Mario Barth oder bei den ‚Besten Comedians Deutschlands‘ muss ich mittlerweile das Manuskript meines Auftritts vorher absegnen lassen. Heute traut sich kein Sender mehr, eine Comedy-Show live auszustrahlen. Alles Aufzeichnungen. Es sind sogar schon Pointen von mir nachträglich herausgeschnitten worden. Wollt Ihr hören, was den Fernsehzuschauern vorenthalten wurde?“ Auch hier war die Antwort eindeutig. 

Es waren viele Paare im Publikum. Auffällig viele Männer hielten die Hand ihrer Partnerin, fast so wie in der Startphase und kurz vor dem Abheben eines Ferienfliegers. Neben mir sass ein verliebtes Pärchen mittleren Alters. Bei Pointen, die über der Gürtellinie angesiedelt waren, lachte sie aus vollem Herzen. Als die Sprüche Ingo Appelts im Laufe des Programms im deftiger und schlüpfriger wurden, schaute sie mitunter ziemlich verschämt aus der Wäsche. 

Gemischte Gefühle bei so mancher Frau

Einige Male nahm ihr Begleiter sanft ihre beiden Hände und klatschte damit Beifall. Irgendwie niedlich, erinnerte so ein wenig an eine Kita. Ingo Appelt bekam das natürlich nicht mit, hätte ihn aber auch nicht sonderlich beeindruckt oder gar gebremst. Er holte wie gewohnt die Keule heraus. 

Ob Politiker Helmut Kohl („Der konnte kein Englisch, kein Französisch, kein Deutsch, der hat 16 Jahre nur einen Satz gesagt: Ich bin der Bundeskanzler des Bundesrepublik Deutschland’“), Sänger Peter Maffay („Die rumänische Wanderwarze“), Kollege Dieter Nuhr („Den imitiere ich zuhause immer, wenn ich keinen Sex haben will“), Rock-Star Udo Lindenberg („Der lebt doch gar nicht mehr, der ist von Gunther von Hagen plastiniert worden“) oder auch Mario Barth, Herbert Grönemeyer, Til Schweiger, Christian Lindner, Friedrich Merz, Donald Trump – alle bekamen ihr Fett weg.

Comedian Ingo Appel bei seiner „Predigt“ in der Immanuelskirche – © Marc Waterwiese

Kein Wunder übrigens, dass Ingo Appelt in „Freiheit“, der Autobiografie von Ex-Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht auftaucht. An „Mutti“ arbeitete sich der Comedy-Vorschlaghammer so richtig ab: „Angela hat dem ‚Pussygrapscher‘ Donald Trump bei ihrem Staatsbesuch im Weißen Haus die Raute gezeigt, das war doch ein eindeutiges Angebot“ oder „Ich habe im Schlafzimmer ein Bild von Angela Merkel hängen, da schaue ich immer drauf, wenn ich den Orgasmus hinauszögern möchte.“ Starker Tobak!

SPD-Mitglied Ingo Appelt ließ auch kein gutes Haar an seiner Partei: „Die SPD hatte mal gut 1,1 Millionen Mitglieder. Heute sind es noch knapp 360.000 und davon liegen die meisten schon auf dem Friedhof, weil sie sich nicht abgemeldet haben.“ 

Ein Comedy-Star, der sich selbst nicht schont

Eines muss man Ingo Appelt lassen, er schont auch sich selbst nicht, betont, dass er kein Intellektueller sei und aus dem Arbeitermilieu stamme, spielt immer wieder auf seine Figur an, die nicht gerade dem Model-Maß entspricht: „Mein Kollege Chris Tall, der früher fett war, hat mir vor kurzem erzählt, dass er 15 Kilo verloren hat. Da habe ich gesagt: Jetzt rate mal, wer die gefunden hat?“ 

Wo andere Kollegen das Florett einsetzen, schwingt Ingo Appelt eben den Morgenstern. Man muss ihn mögen und seine Art von Humor. Er spricht das an, was viele sich nicht zu sagen trauen – offen, ehrlich, schonungslos und authentisch. Auch wenn es manchmal weh tut. Die, die diesmal beim vom „Salon Knallenfalls“ präsentierten Programm „Männern nerven stark“ in der Immanuelskirche dabei waren, kommen beim nächsten Mal garantiert wieder – auch wenn sie dann erneut Händchen halten müssen…

Text:  Peter Pionke

Weitere spannende, interessante Kultur-Veranstaltungen finden Sie auf der Webseite von „SALON KNALLENFALLS“ (Comedy – Kabarett – Literatur): http://www.salonknallenfalls.de

 

 

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